mini|Giovanni d’Ambrogio und Piero di Giovanni Tedesco: Heiliger Barnabas, Heiliger Laurentius und vier Engel, 1390–1396, Marmor, Museo dell’Opera del Duomo, Florenz Giovanni d'Ambrogio (auch Giovanni d'Ambrogio da Firenze; * nicht vor 1350 in Florenz; † bald nach 1418 ebenda) war ein italienischer Bildhauer und Baumeister. Er ist zwischen 1382 und 1418 urkundlich nachweisbar und leitete mit Unterbrechungen die Florentiner Dombauhütte. Gert Kreytenberg bezeichnet ihn als den bedeutendsten Florentiner Bildhauer der letzten beiden Jahrzehnte des Trecento und sieht in seiner Rezeption antiker Werke einen Impuls für die beginnende Renaissance. Er habe die frühen Werke von Nanni di Banco geprägt. Die späten Prophetenstatuen und die poetae laureati stellt Kreytenberg in den Zusammenhang der Frührenaissance von Donatello und Nanni di Banco.
Leben
Giovanni d'Ambrogio wurde wahrscheinlich nicht vor 1350 in Florenz geboren. Er war der Vater des Bildhauers Lorenzo di Giovanni d'Ambrogio. Mit dem gleichnamigen Steinmetzen, der 1366 am Florentiner Dombau tätig war, ist er vermutlich nicht identisch. Erstmals ist er am 23. Mai 1382 durch eine Zahlung der Dombauhütte in Florenz bezeugt. Von Oktober 1383 bis Oktober 1386 schuf er die sitzenden Figuren der Tugenden Justitia und Prudentia an der Loggia della Signoria (Loggia dei Lanzi). Für die Cappella del Sacro Cingolo im Dom von Prato fertigte er zwischen 1386 und 1395 Türsturz, Schwellen und ähnliche Bauteile; die ältere Literatur nennt ihn zudem als Baumeister der Kapelle, die Giorgio Vasari Giovanni Pisano zugeschrieben hatte. 1387 bzw. 1388/89 führte er Steinmetzarbeiten an der Kirche Santa Cecilia in Florenz aus. 1388 erhielt er den Auftrag für drei Statuen der Florentiner Domfassade, die nicht identifiziert sind. Für die Porta della Mandorla, das Nordportal des Florentiner Domes, bearbeitete er 1391/92 und 1393 zwei Werkstücke des Gewändes; für das zweite ist das Maß von 2⅛ Ellen überliefert, das auf den oberen Marmorblock im linken Gewände zutrifft. 1394 lieferte er einen Konsolblock für den Türrahmen. In den Jahren 1395/96 schuf er eine monumentale Statue des Heiligen Barnabas für die Domfassade. mini|Giovanni d’Ambrogio: Prudenzia (Klugheit), 1383–1386, Marmor, Loggia dei Lanzi, Florenz Im November 1397 verließ er Florenz gemeinsam mit seinem Sohn Lorenzo und hielt sich bis 1400 an einem nicht dokumentierten Ort auf. Zum 1. Januar 1401 übernahm er das Amt des capomaestro der Florentiner Dombauhütte, das er mit wenigen Unterbrechungen bis 1418 innehatte; die längste Unterbrechung dauerte von Dezember 1413 bis Juli 1415. In dieser Zeit entstanden die Kapellen, die Tribunen und der Tambour des Domchores. 1404 unterliefen ihm nach Angaben der älteren Literatur Fehler bei den Strebemauern der Chortribünen. 1408 legte er einen urkundlich belegten Entwurf für die Dekoration der Archivolten der Porta della Mandorla vor, mit dem er die Dekoration von Gewände und Türrahmen fortsetzte. Um 1406 war er an Vermessungsarbeiten bei einem Häuserabbruch im Zusammenhang mit der Befestigung von Pisa beteiligt. Am 9. Oktober 1415 schätzte er einen Marmorblock für den Campanile, und 1418 wurde er für ein Einrüstungsmodell der Domkuppel bezahlt. Im Oktober 1418 wurde er wegen seines Alters aus dem Amt des capomaestro entlassen; dies ist seine letzte Erwähnung.
Werk
Loggia della Signoria
Die Figuren der Justitia und Prudentia sind in dreipassförmige Relieffelder eingefügt. Sie gehören zu einem Zyklus der sieben Tugenden, dem Entwürfe von Agnolo Gaddi zugrunde lagen; auch die Tugenden von Giovanni di Francesco (genannt Fetti) und Jacopo di Piero Guidi gehen darauf zurück. Als Vorbilder werden die sitzenden Figuren am Campanile des Domes (1334–1341), Andrea Pisanos Tugendreliefs an der Bronzetür des Baptisteriums und die sitzenden Figuren an Andrea Orcagnas Tabernakel in Orsanmichele (1352–1359) genannt.
Porta della Mandorla mini|Giovanni d’Ambrogio: Giustizia (Gerechtigkeit), 1383–1384, Marmor, Loggia dei Lanzi, Florenz Für den unteren und den oberen Block im linken Gewände (1391/92 und 1393) ist Giovannis Anteil dokumentiert. Die Zuordnung der sechs Gewändeblöcke an die vier urkundlich belegten Bildhauer (neben ihm Piero di Giovanni Tedesco, Niccolò di Pietro Lamberti und Jacopo di Piero Guidi) geht auf stilkritische Überlegungen von Hans Kauffmann (1926) zurück und wird durch die überlieferten Blockmaße bestätigt. Die drei Engelhalbfiguren zeigen eine zunehmende Verselbständigung des Körpers unter dem Gewand. Am oberen Block treten kleine Darstellungen des Herkules und des Apoll in Akanthusblättern sowie von Musen auf, die mit der Rezeption antiker Skulptur in Verbindung gebracht werden. Obwohl der Block dokumentiert ist, wurden diese Reliefs in der Forschung wiederholt jüngeren Meistern zugeschrieben, etwa einem Herkulesmeister, Lorenzo di Giovanni oder dem jungen Jacopo della Quercia. Norbert Himmelmann (1985) wies auf die Herkules- und Musendarstellungen hin; Gert Kreytenberg verbindet sie mit dem Interesse an Coluccio Salutatis Werk über die Taten des Herkules.
Am Türrahmen werden ihm die Reliefs am linken Türpfosten und am linken Block des Türsturzes zugeschrieben; sein Anteil ist durch den für ihn dokumentierten Konsolblock von 1394 gesichert. Das Gegenstück ist für Piero di Giovanni Tedesco belegt, der auch den rechten Türpfosten und den mittleren Block des Türsturzes ausführte. Der rechte Block des Türsturzes wird Giovanni und seinem Sohn Lorenzo zugeschrieben. Zwei Verkündigungsstatuen im Museo dell’Opera del Duomo (Florenz) werden stilistisch mit seinen Arbeiten am unteren Block des linken Gewändes verbunden und sollen ursprünglich für das Tympanon bestimmt gewesen sein, in dem später (1488–1490) Domenico Ghirlandaio und Davide Ghirlandaio das Mosaik der Verkündigung ausführten. In den Archivolten (ausgeführt zwischen 1404 und 1409) wird ihm ein Selbstbildnis im Blattfries unter dem Tympanon sowie der linke Teil des Rankenfrieses im Tympanon mit zwei nackten Kindern, einmal mit Hund, einmal mit Geige, zugeschrieben; der rechte Teil wird Lorenzo zugeschrieben.
Weitere Werke in Florenz mini|Giovanni d’Ambrogio (zugeschrieben): Verkündigungsgruppe, um 1391–1397, Marmor, ursprünglich für die Porta della Mandorla des Doms von Florenz, heute Museo dell’Opera del Duomo, Florenz Die 1395/96 dokumentierte Barnabasstatue wurde von Martin Wundram (1960) mit einer Statue im Museo dell’Opera del Duomo identifiziert, die von zwei Engeln des Piero di Giovanni Tedesco flankiert wird. Um 1380 soll er eine Engelstatuette von der Porta del Campanile sowie zwei Prophetenstatuetten geschaffen haben, die um 1430 über der Porta dei Cornacchini bzw. über dem Portal des Campanile aufgestellt wurden (heute im Museo dell’Opera del Duomo). Um 1385 werden ihm Grabplatten für Lapa, Angelo und Lorenzo Acciaiuoli in der Cappella di San Tobia der Certosa di Firenze bei Galluzzo zugeschrieben. Am Außenbau der Nordtribuna des Domchores (1401–1408) wird ihm einer der beiden Putten an den Konsolen des Westfensters zugeschrieben, der andere Lorenzo. Vier monumentale Statuen im Museo dell’Opera del Duomo, die zuvor als Kirchenväter galten, deutete Antje Middeldorf Kosegarten (1999) als poetae laureati und schrieb sie Giovanni (um 1410–1415, für die Domfassade) zu. Für die Außen- bzw. Arkadendekoration von Orsanmichele werden ihm vier Prophetenstatuetten zugeschrieben, von denen drei im Museo Nazionale del Bargello erhalten sind; sie sollen während seiner Abwesenheit vom Dombau (Dezember 1413 bis Juli 1415) entstanden sein. Giuseppe Brunetti hatte sie dem jungen Donatello zugeschrieben.
Rom und Orvieto
Bei seinem Aufenthalt in Rom (1397–1400) schuf er wahrscheinlich gemeinsam mit seinem Sohn Lorenzo und teilweise mit Piero di Giovanni Tedesco ein Altarziborium mit Grabmal für Kardinal Philippe d'Alençon († 1397) in Santa Maria in Trastevere. Das Ensemble wurde 1584 reduziert und versetzt und ist heute fragmentarisch erhalten. Von Giovanni stammen demnach das Relief der Präsentation des Verstorbenen und eine Petrusstatuette. Das Grabmal des englischen Kardinals Adam Easton († 1397) in Santa Cecilia in Trastevere wurde ebenfalls mit ihm und Lorenzo in Verbindung gebracht (Toesca, 1951). Für 1405/06 wird eine Berufung an die Dombauhütte von Orvieto angenommen, wo er den Fries am Rand des Taufbeckens (drei Reliefs der Westseite) vollendet haben soll.
Literatur
Gert Kreytenberg: Giovanni d'Ambrogio. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 54, 2007, S. 499.
B. C. K.: Giovanni d'Ambrogio da Firenze. In: Ulrich Thieme, Felix Becker (Hrsg.): Allgemeines Lexikon der Bildenden Künstler von der Antike bis zur Gegenwart. Band 14, E. A. Seemann, Leipzig 1921, S. 103.
Gert Kreytenberg: Giovanni d'Ambrogio. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Band 55, Istituto della Enciclopedia Italiana, Rom 2001.
Gert Kreytenberg: Giovanni d'Ambrogio. In: The Dictionary of Art. Band 12, 1996, S. 479.
Sandro Petrocchi: Giovanni d'Ambrogio. In: Enciclopedia dell'arte medievale. Band 6, Rom 1995, S. 698–700.
Giovanni Poggi: Il Duomo di Firenze: documenti sulla decorazione della chiesa e del campanile tratti dall'archivio dell'opera. Band 1, Berlin 1909. Nachdruck mit Anmerkungen, hrsg. von Margaret Haines, Florenz 1988.
Hans Kauffmann: Florentiner Domplastik. In: Jahrbuch der Königlich-Preußischen Kunstsammlungen. Band 47, 1926, S. 216–235.
Giuseppe Brunetti: Giovanni d'Ambrogio. In: Rivista d'arte. Band 14, 1932, S. 1–22.
Paolo Toesca: Il Trecento. Turin 1951.
Martin Wundram: Der Meister der Verkündigung in der Domopera zu Florenz. In: Beiträge zur Kunstgeschichte. Eine Festgabe für Heinz Rudolf Rosemann zum 9. Oktober 1960. Berlin/München 1960, S. 109–125.
Weblinks
Gerd Kreytenberg: Giovanni d'Ambrogio. In: Dizionario Biografico degli Italiani, Band 55, 2001, auf treccani.it (abgerufen am 1. Oktober 2026)
Weblinks
Einzelnachweise
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