Mischa Guttmann (* 1977 in Eisenstadt) ist ein zeitgenössischer österreichischer bildender Künstler und Bildhauer. Seine künstlerische Praxis umfasst vor allem Skulpturen, Rauminstallationen sowie Erinnerungsobjekte und künstlerische Interventionen im öffentlichen Raum.

Leben und Werk Guttmann absolvierte seine künstlerische Ausbildung an der Akademie der bildenden Künste Wien. Er lebt und arbeitet vorwiegend in Wien. Seine Werke setzen sich häufig mit gesellschaftspolitischen Fragen, kollektiver Erinnerungskultur und der Transformation von urbanen sowie zeithistorischen Räumen auseinander. Ein prägendes Merkmal seiner Arbeit ist die kooperative und handwerkliche Umsetzung von Großprojekten im öffentlichen Raum sowie im institutionellen Rahmen.

Projekte im öffentlichen Raum und Mahnmale Gemeinsam mit dem Bildhauer Roman Spiess zeichnet Guttmann für die handwerklich-künstlerische Umsetzung der Mauthausen-Außenlager-Stelen verantwortlich. Das großangelegte Erinnerungsprojekt des Mauthausen Memorials (nach Plänen des Gedenkbüros und des Architekten Christoph Wassmann) hat zum Ziel, alle ehemaligen Außenlager des KZ-Systems Mauthausen durch einheitliche, markante Denkmäler im öffentlichen Raum sichtbar zu machen. Die über vier Meter hohen Säulen bestehen aus dreiseitigen Betonprismen, deren Form an den „Häftlings-Winkel“ der KZ-Insassen angelehnt ist. Die Ausrichtung der Spitzen zeigt topografisch exakt in die Richtung der jeweiligen Lagerstandorte. Guttmann fertigte diese anspruchsvollen Betonguss-Skulpturen an, die sukzessive an den ehemaligen historischen Tatorten (u. a. in Melk, Gunskirchen, Hirtenberg, Mauthausen und Guntramsdorf) enthüllt werden. Geplant sind insgesamt 40 Standorte.

Zuvor realisierte Guttmann gemeinsam mit dem Architekten Herbert Peter ein weiteres zentrales Werk der Wiener Erinnerungskultur. Am 14. Mai 2019 wurde in der Neudeggergasse im 8. Wiener Gemeindebezirk (Josefstadt) eine von ihnen geschaffene Gedenkstele für die ehemalige Vereinssynagoge enthüllt. Das gläserne Mahnmal bringt das historische Erscheinungsbild der 1938 während des Novemberpogroms zerstörten Synagoge mittels einer präzisen Fotomontage temporär zurück in das heutige Stadtbild und setzt so Gegenwart und Vergangenheit in eine direkte visuelle Beziehung. Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit dem Verein Verlorene Nachbarschaft.

Zu seinen weiteren kollaborativen Arbeiten zählt die temporäre Rauminstallation S-C-H-A-N-D-E (2022), die er gemeinsam mit den Kulturschaffenden Eduard Freudmann, Anna Witt, Simon Nagy und Gin Müller entwickelte. Das Kunstwerk entstand als künstlerischer Kommentar zur „Schandwache“ rund um das umstrittene Lueger-Denkmal in Wien und konservierte das auf dem Denkmalssockel angebrachte Graffiti dauerhaft als zeithistorische Intervention.

Im Jahr 2025 entwarf er zudem gemeinsam mit Roman Spiess eine plastische Freiform aus dem Baustoff Beton für das Technische Museum Wien. Das skulpturale Werk dient in der Dauerausstellung Materialwelten als interaktives Exponat, das die haptischen und konstruktiven Eigenschaften des Materials vermittelt.

Ausstellungen (Auswahl) Guttmanns Werke wurden in österreichischen Galerien und Museen in Gruppen- und Themenausstellungen gezeigt:

2025: Materialwelten, Technisches Museum Wien (Gemeinschaftsprojekt) 2023: Atmosphärisches Fenster, Bildraum Studio, Wien 2022: Gegen den Strich. Interventionen im öffentlichen Raum, Wien Museum MUSA, Wien 2019: Enthüllung der permanenten Gedenkstele Neudeggergasse, Wien 2009: Gruppenausstellung im Kunstverein das weisse haus, Wien 2006: Präsentation im Ausstellungsraum Basement Wien, Wien

Publikationen

Eduard Freudmann, Mischa Guttmann, Gin Müller, Simon Nagy, Anna Witt: Schandwache. In: dérive – Zeitschrift für Stadtforschung, Ausgabe N° 96 (Juli – Sept 2024), S. 32–36.

Kategorie:Bildhauer (Österreich) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1977 Kategorie:Mann