Ma (Live at the Fundacio Juan Miro) ist ein Musikalbum von Assif Tsahar, Peter Kowald und Sunny Murray. Die am 25. Juli 2002 live in der Fundació Joan Miró, Barcelona, entstandenen Aufnahmen erschienen 2003 auf Hopscotch Records.
Hintergrund Bereits zuvor hatte Kowald mit dem in Israel geborenen und in Brooklyn lebenden Holzbläser Assif Tsahar Aufnahmen gemacht. Es ist aber die erste und zugleich letzte Begegnung des Bassisten mit dem Schlagzeuger Sunny Murray, der auf den Alben von Albert Ayler zu hören war, die Kowald als angehender Free-Jazz-Musiker in Wuppertal so sehr bewundert hatte. Die Aufnahmen entstanden drei Monate vor Kowalds plötzlichen Tod durch einen Herzinfarkt am 21. September 2002. Seine Bereitschaft, mit Musikern unterschiedlichster Couleur und Nationalität zu improvisieren, die er mit anderen europäischen Improvisatoren der ersten Stunde wie Peter Brötzmann, Evan Parker und Derek Bailey teilte und die kurz vor seinem Tod weiter zunahm, habe dazu geführt, dass eine ganze Reihe von posthumen Veröffentlichungen das Können des Bassisten würdigten, meinte Ken Waxman.
Titelliste Assif Tsahar / Peter Kowald / Sunny Murray: Ma (Live at the Fundacio Juan Miro) (Hopscotch Records – Hopscotch 15) Ma 17:13 Ya 11:13 Ka (Peter Kowald) 15:45 Da 7:16 Ba (Sunny Murray) 10:57 Wa 5:33 Ma 2:31 Untitled 1:46
Wenn nicht anders vermerkt, stammen die Kompositionen von Assif Tsahar.
Rezeption mini|Assif Tsahar im club W71, 2012 Steve Loewy verlieh dem Album in Allmusic vier Sterne und schrieb, dieses hochkonzentrierte Trio – aufgenommen nur wenige Monate vor dem frühen Tod des Bassisten Peter Kowald – sei ein hervorragendes Beispiel für ein kraftvolles, saxophongeführtes Ensemble, das sich an der Wende zum 21. Jahrhundert der freien Improvisation widmete. Tsahar würde von Beginn an mit einer gewaltigen, kaum nachlassenden Dynamik und Dringlichkeit loslegen, während Kowald und Schlagzeuger Sonny Murray ihn zusätzlich anstachelten. Tsahar hätte sich keine besseren Partner wünschen können; es zeuge von seiner erstklassigen Musikalität, dass er nicht nur solch hochkarätige Musiker an seiner Seite habe, sondern auch auf Augenhöhe mit ihnen agiere. Trotz der Intensität sei Tsahar kein Peter Brötzmann – und er würde auch gar nicht versuchen, einer zu sein. Zwar spiele er kraftvoll und kompromisslos, doch verstehe er es auch, die verborgenen Adern und Nebenwege des musikalischen Klangraums zu erkunden; stoße er dabei auf das Gesuchte, so würde er sich meist mit bombastischer Wucht darauf stürzen – „wie ein Jäger, der seine Beute erlegt“. Man mag zwar Einflüsse von Musikern wie Ornette Coleman, Elton Dean, David Murray und natürlich Brötzmann heraushören, doch blieben diese eher indirekt, da Tsahar zum Zeitpunkt dieser Aufnahme bereits eine ganz eigene musikalische Identität entwickelt hätte. Israel habe etliche hervorragende Jazzmusiker hervorgebracht, doch keiner besitze ein solch ungebremstes Feuer wie Tsahar.
Auch wenn es sich bei keiner dieser Aufnahmen um die endgültig letzte Session handle, zähle Ma zu den eindrucksvolleren Werken, schrieb Ken Waxman (JazzWord). Dies liege daran, dass das Album sowohl vertraute Zusammenarbeit (zwischen Tsahar und Kowald) biete als auch Neues. Der zu dieser Zeit 33-jährige Tsahar, dessen Spiel eher disharmonisch als melodisch geprägt sei, würde sich auf dem Tenorsaxophon vorwiegend jenen kreischenden, gleitenden Klängen widmen, die einst durch Ayler in den Jazz Einzug hielten, so Waxman weiter. Auch seine Improvisationen auf der Bassklarinette seien rau, doch schwinge stets eine summende Melodie im Hintergrund mit, die bisweilen hervorlugt und sich mit Kowalds konstantem rhythmischen Puls verbinde. Der 66-jährige Murray präsentiere sich – fast vier Jahrzehnte nach seinen ersten Aufnahmen mit Ayler – nach wie vor in lärmender, ungestümer Form. Bisweilen müsse man Kowalds Beiträge eher erahnen als hören, wenn sich das Grollen von Bassdrum und Snare mit dem hektischen, per Besen erzeugten Wirbeln auf dem Ride-Becken vermische. Gleichzeitig dürften langjährige Free-Jazz-Anhänger überrascht sein, wenn der Bassist nach einem Drittel des Stücks „Ya“ einen konventionellen Viervierteltakt einführt und den Rhythmus für den Rest des Titels in diese Bahn lenkt. mini|Sunny Murray (2007) Obwohl viele Improvisationen des Holzbläsers sofort mit voller Intensität einsetzen, würden seine rasanten Läufe im Altissimo-Register und die langgezogenen, abgehackten Heultöne für Spannung sorgen – ebenso wie die Klangfarbenschwankungen und Klappengeräusche, die er in „Da“ einsetze, so Waxman. Gelegentlich nutze er Überblastechniken, um kräftige, hupende Töne zu erzeugen oder winzige Melodiefragmente à la Sonny Rollins schweben zu lassen. Zwischen das Kreischen und die Flatterzunge würden sich echte Melodien mischen – von denen eine gegen Ende auf unheimliche, unbeabsichtigte Weise an „God Save the Queen“ erinnere –, und bei genauem Hinhören wirke sein Spiel überraschend konventionell („straight-ahead“).
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Einzelnachweise
Kategorie:Album (Jazz) Kategorie:Album (Neue Improvisationsmusik) Kategorie:Album 2003 Kategorie:Livealbum Kategorie:Peter Kowald