Die Ziviltrauung (auf Französisch: Le Mariage civil; auf Englisch: The Civil Wedding) ist ein Gemälde von Albert Anker aus dem Jahr 1887.

Bildbeschreibung Zu sehen ist ein junges Paar, dass ihre Ehe in einer Gemeindekanzlei einträgt. Zu sehen ist die Braut, die schwarz trägt und sich ins Zivilstandsbuch einträgt. Ihnen gegenüber sitzt ein Gemeindeangestellter. Der Grossvater am Ofen spricht, die Grossmutter neben ihm scheint sich zu ärgern. Der mutmasslichen kleinen Schwester scheint es die Kehle zuzuschnüren.

Hintergrund, Entstehung und Provenienz Hintergrund und Entstehung Anker nahm als Berner Grossrat (1870 bis 1874) teil am Kulturkampf, der im konfessionell gemischen Kanton Bern besonders heftig ausgetragen wurde. Die Zivilehe wurde in der Schweiz 1875 eingeführt, vorausgegangen war dieser Einführung die Totalrevision der Schweizer Bundesverfassung 1874, die unter anderem die Ehefreiheit und die Vereinheitlichung des Zivilstandswesen verfassungsrechtlich verankerte. Das neue staatliche Institut war in der Schweiz besonders unter Konservativen umstritten. Zuvor waren die Kirchen für das Eherecht zuständig.

mini|Aquarellstudie von Albert Anker zum Gemälde aus dem Jahr 1887.

Zur Vorbereitung auf sein Ölgemälde erstellte Anker 1887 eine Aquarellstudie, welche sich heute ebenfalls im Besitz des Kunsthaus Zürich befindet (Inv. 948). In der Studie ist der Aufbau des Gemäldes bereits eindeutig zu erkennen.

Provenienz 1887 ging das Gemälde an die Sammlung La Roche-Ringwald in Basel. 1910, in Ankers Todesjahr, wurde das Gemälde vom Kunsthaus Zürich erworben.

Rezeption Rolf App sah 2013 anlässlich der Besprechung einer Sonderausstellung für Albert Anker im Museum zu Allerheiligen in Schaffhausen eine politische Botschaft im Motiv des Bilds. Felix Baumann kritisierte in der NZZ am Sonntag 2010 die Einordnung Albert Ankers als Maler einer naiven Idylle und führte «Die Ziviltrauung» als Beispiel eines Bildes an, das nicht genretypisch, eben nicht «gottgewollt» und politisch fortschrittlich sei. /

Thomas Widmer schrieb 2024 in der Schweizer Familie: «Der junge Schweizer Bundesstaat ist ein modernes Gebilde reformierter Prägung. Er grenzt sich von der Kirche ab, von der katholischen sowieso. Wie die junge Frau im Bild selbstbewusst ihre Unterschrift setzt: Es zeigt Fortschritt. Bürgerinnenstolz.» Der Autor Lukas Hartmann schrieb 1998 zu dieser Interpretation des Gemäldes etwas differenzierter: «Auf Ankers ‹Die Ziviltrauung› beugt sich die Braut, unterschreibend, übers neu eingeführte Zivilstandsbuch; sie erscheint als Akteurin, wird aber, bei genauerem Hinschauen, eingerahmt von drei Männern, die jede ihrer Bewegungen beobachten.»

Der Ankersammler und Altbundesrat Christoph Blocher äusserte sich zum Bild 2013 in einem Interview der Schaffhauser Nachrichten: «[...] [S]ein Bild ‹Die Ziviltrauung› zeugt von seiner Überzeugung, dass nach dem Sonderbundskrieg Staat und Kirche auseinandergehalten werden sollen.»

Einzelnachweise

Kategorie:Gemälde (19. Jahrhundert) Kategorie:Realismus Kategorie:Kind (Bildende Kunst) Kategorie:Malerei (Schweiz) Kategorie:Genremalerei Kategorie:Gruppenbildnis Kategorie:Kunsthaus Zürich