mini|Giovanni Francesco Susini: Die Entführung der Helena durch Paris, 1627, Bronze auf einem vergoldeten Bronzesockel des 18. Jahrhunderts, J. Paul Getty Museum, Los Angeles Giovanni Francesco Susini (* 17. August 1585 in Florenz; † 10. Dezember 1653 in Montalbiolo bei Carmignano), auch Gianfrancesco oder Giovan Francesco Susini bzw. Susina genannt, war ein italienischer Bildhauer und Bronzegießer des Florentiner Manierismus und Frühbarock.
Leben Giovanni Francesco Susini wurde in Florenz geboren und war Neffe, Schüler und späterer Erbe des Bildhauers Antonio Susini, der als führender Bronzegießer in der Werkstatt Giambolognas tätig war. Bereits in jungen Jahren arbeitete Giovanni Francesco selbstständig. Zwischen 1613 und 1615 entstanden die bronzenen Weihwasserbecken im Vorhof der Kirche Santissima Annunziata in Florenz. 1616 wurde er Mitglied der Accademia delle Arti del Disegno. In den Jahren 1617/1618 stellte er eine Handschrift mit dem Titel Disegni e misure e regole d'attitudine del chorpo humano (Florenz, Biblioteca Nazionale, Cod. Magliabechiano XVII, 4) zusammen. Sie enthält zahlreiche architektonische Zeichnungen sowie Proportionsstudien des menschlichen Körpers. Der begleitende Text enthält Passagen aus Leonardo da Vincis Trattato della pittura.
Nach dem Tod Antonio Susinis übernahm er dessen Werkstatt und die dort verwahrten Modelle Giambolognas, von denen weiterhin Güsse angefertigt wurden. Anders als sein Onkel und Pietro Tacca arbeitete er auch in Marmor. Ein Aufenthalt in Rom, bei dem er mit dem Werk Gian Lorenzo Berninis in Berührung kam, kann aus stilistischen Indizien erschlossen werden. In der Forschungsliteratur wird dafür der Zeitraum um 1624/26 angegeben. Nach einer mündlich mitgeteilten Vermutung von Dimitrios Zikos soll sich Susini im Alter nach Montalbiolo bei Carmignano zurückgezogen haben, wo er am 10. Dezember 1653 starb und in der Kirche San Lorenzo beigesetzt wurde.
Werk mini|Giovanni Francesco Susini: Der junge Johannes der Täufer, um 1610–1630, Carrara-Marmor, National Gallery of Art, Washington, D.C. Giovanni Francesco Susinis erste eigenständige, signierte Bronzearbeit ist die 1626 entstandene Raubgruppe Entführung der Helena (Dresden, Albertinum, Skulpturensammlung). Stilistisch knüpft sie nicht mehr an Giambologna, sondern an Bernini an. Die Marmorallegorie der Heuchelei (Dissimulanza) für den Palazzo Pitti stammt aus dem Jahr 1620 und befindet sich noch am ursprünglichen Ort. Weitere signierte Kleinbronzen – David mit dem Haupt des Goliath (um 1625/30), Venus, die den Amorknaben straft und Venus, die Amors Pfeile verbrennt (beide 1638) – gelangten spätestens 1658 in die Fürstlichen Sammlungen Liechtenstein.
Zwischen 1628 und 1632 führte Susini im Auftrag der Familie Salviati mehrere Bronzen aus, darunter ein Pferd, ein Rind und ein Dudelsackpfeifer, die sich heute in der Sammlung Colonna in Rom befinden. Die beiden Tierfiguren sind stärker stilisiert als vergleichbare Werke von Antonio Susini oder Giambologna. Von 1634 bis 1636 entstand ein Bronzekruzifix für die Kirche Santi Michele e Gaetano, das sich an einem Kruzifix Guido Renis (heute in Alnwick Castle, Northumberland) orientiert. Von 1639 bis 1641 schuf er den Artischockenbrunnen (Fontana del Carciofo) am Eingang der Boboli-Gärten beim Palazzo Pitti.
Zu den bedeutenden Kleinbronzen zählen außerdem ein signierter und datierter Hermaphrodit von 1639 (Metropolitan Museum of Art, New York) sowie die um 1625/50 datierten Sackspieler für die Boboli-Gärten, die nach einem Entwurf Orazio Mochis entstanden sind (heute in der Sammlung Liechtenstein in Vaduz). Da Susinis Kleinbronzen stilistisch unter dem Einfluss Giambolognas, Antonio Susinis, Pietro Taccas und – später – Berninis stehen, ist die Zuschreibung nicht signierter Stücke in der Forschung häufig unsicher. Ihm wird außerdem der Entwurf für die Gartentreppe der Villa La Petraia bei Florenz zugeschrieben, der auf die Jahre 1631/34 datiert ist und sich in der Biblioteca dell’Istituto di Archeologia e Storia dell’Arte in Rom befindet. mini|Giovanni Francesco Susini: Schlafender Hermaphrodit, 1639, Bronze, Metropolitan Museum of Art, New York Werke oder Arbeiten, die ihm zugeschrieben werden, befinden sich unter anderem im J. Paul Getty Museum in Los Angeles (Raubgruppe, signiert, 1627), in der Frick Collection in New York (Löwe, einen Stier angreifend, und Leopard, ein Pferd angreifend, um 1630/40, Zuschreibung), im Louvre in Paris (Bacchus aus Marmor, Zuschreibung, sowie weitere Venus-Bronzen), in der Sammlung Liechtenstein in Vaduz, in der Galleria Giorgio Franchetti alla Ca’ d’Oro in Venedig (Bacchus und Venus, Zuschreibung) sowie in der National Gallery of Art in Washington, D.C. (Johannes der Täufer aus Carrara-Marmor, um 1610/30, Zuschreibung). Im Metropolitan Museum of Art in New York befinden sich unter anderem Venus und Adonis sowie der Farnesische Herkules, letzterer gemeinsam mit Antonio Susini.
Literatur Susanna Partsch: Susini, Gianfrancesco. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Band 107, De Gruyter, Berlin/Boston 2020, S. 194.
Anthea Brook: Susini. (2) (Giovan) Francesco Susini. In: Grove Art Online. Oxford University Press, 2006. Johann Kräftner (Hrsg.): Liechtenstein Museum: Die Sammlungen. Prestel, München/Berlin/London/New York 2004. Dimitrios Zikos: Giambolognas Kleinbronzen und ihre Rezeption in der florentinischen Bronzeplastik des 17. Jahrhunderts. Dissertation, Freiburg im Breisgau 2010. James David Draper: Two bronze statuettes by Giovanni Francesco Susini, not Pierino da Vinci. In: The Burlington Magazine. Band 158, Nr. 1364, 2016, S. 879–884.
Weblinks
Giovanni Francesco Susini – Künstlerseite bei der National Gallery of Art, Washington The Princely Collections, Vaduz–Vienna
Einzelnachweise
Kategorie:Bildhauer des Manierismus Kategorie:Bildhauer des Barock Kategorie:Bildhauer (Florenz) Kategorie:Historische Person (Italien) Kategorie:Geboren 1585 Kategorie:Gestorben 1653 Kategorie:Mann