Gustav Eggers (genannt Gusch; * 1835 in Rostock; † 1. Januar 1861 in Berlin) war ein deutscher Komponist der norddeutschen Spätromantik. Er war der jüngere Bruder von Karl Eggers und Friedrich Eggers.
Leben Gustav Eggers wurde als jüngster von sieben Brüdern in Rostock geboren. Über seinen prominenten Berliner Bruder, den Kunsthistoriker, Schriftsteller und Herausgeber des Deutschen Kunstblatts Friedrich Eggers, kam er nach seinem Wechsel nach Berlin früh mit dessen literarischen und künstlerischen Kontakten in Berührung, darunter Theodor Fontane und das Rütli, das oft in Friedrichs Berliner Wohnung, wo Gusch oftmalen zu Gast war, abgehalten wurde.
Eggers absolvierte eine akademische Musik- und Kompositionsausbildung in Berlin und Leipzig, unter anderem bei dem bekannten Musiktheoretiker und Komponisten Adolph Bernhard Marx. Im Jahr 1860 bereitete er eine größere Studienreise nach Paris vor. Für ein geplantes Rostocker Abschiedskonzert, das dieser Reise vorausgehen sollte, komponierte er sein bislang einzig bekanntes Instrumentalwerk, die vierhändige Klavierouvertüre James Monmouth (1860). Die Komposition wurde in einer Abschrift von 1864 überliefert, während ihr Autograf sowie ein möglicherweise dazugehöriges orchestrales Werk als verschollen gelten.
Zu der Reise und der Uraufführung kam es jedoch nicht mehr. In der Silvesternacht auf den Neujahrsmorgen 1861 verstarb „Gusch“ im Alter von 25 Jahren in Friedrichs Berliner Wohnung „früh an Tuberkulose“.
Werk und Rezeption Eggers’ kompositorisches Schaffen ist stark durch die Verknüpfung von Musik und zeitgenössischer Literatur geprägt. Er vertonte unter anderem die Gedichte seines Bruders Friedrich Eggers; mehrere dieser Lieder sind in einem handschriftlichen Sammelband überliefert. Postum erschienen zudem mehrere Hefte seiner Nachgelassenen Lieder und Gesänge im Rostocker Verlag Wessel.
Zeitgenössischen Dokumenten zufolge erfuhr sein künstlerisches Schaffen früh eine bedeutende Würdigung im engsten Kreis der musikalischen Avantgarde. Im September 1857 reiste Eggers zu den Musikfesten nach Weimar, um der Uraufführung von Franz Liszts monumentaler Faust-Sinfonie beizuwohnen. Ein erhaltener Brief von Franz Liszt an Eduard Liszt vom 6. November 1857 belegt, dass Eggers dem Großmeister daraufhin eigene Kompositionen zusandte. Liszt hob die Arbeiten ausdrücklich hervor, beschrieb sie als „einige ganz hübsche Liederhefte“ und empfahl sie auf Eggers’ Bitte hin persönlich an den renommierten Leipziger Musikverlag Breitkopf & Härtel weiter.
Vier Jahre nach seinem Tod, 1864, verschenkten seine Brüder Karl, Friedrich und Wilhelm Eggers und dessen Ehefrau an Verwandte eine schöne Abschrift von Gustavs vierhändiger Klavierouvertüre James Monmouth (1864). Eingebunden war das Werk in eine kostbare Gedenkmappe, deren kunstvolles Titelblatt dem Hamburger Künstler Otto Speckter zugeschrieben wird. Bereichert wurde die Gabe zudem mit einer Ballade über James Monmouth, eigentlich James Scott, 1. Duke of Monmouth, aus Theodor Fontanes gleichnamiger Erzählung (1854).
Die Wiederentdeckung Über 160 Jahre verblieb das Werk ungespielt, bis die Dresdner Arbeitsstelle des Internationalen Quellenlexikons der Musik (Répertoire International des Sources Musicales, RISM) im Dezember 2025 die Erschließung der Musikaliensammlung der Universitätsbibliothek Rostock abschloss. Dabei wurde das Stück unter der Signatur Mus. Saec. XIX-102 offiziell katalogisiert.
Die musikwissenschaftliche Analyse der Handschrift ergab, dass es sich bei dem Funddokument wahrscheinlich um die Arbeit eines Kopisten handelt oder sogar von Karl Eggers, der das Kompositionshandwerk beherrschte. Zudem verweist die Gattungsbezeichnung „Ouvertüre“ in der Spätromantik üblicherweise auf ein Orchesterwerk, was in der Forschung die Frage aufwirft, ob Eggers’ vierhändiger Klaviersatz den Auszug eines weitaus größer angelegten, womöglich verschollenen Orchestersatzes darstellt. Auf Initiative ihres zufälligen Entdeckers, des Philosophen und Autors Stephan Bernard Marti, im Zuge eigener Romanrecherchen wurde das Werk 2026 erstmals vollständig digitalisiert.
Werke (Auswahl) Die schöne Welt! Lied für Tenor mit Begleitung des Piano-Forte. O beautiful world (3 S.). Hamburg: Schramm & Haring 1855 Sechs Lieder für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte (11 S.). Hamburg u. a. Jowien ca. 1855 Zwei Gesänge für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte/componiert von Gustav Eggers (9 S.). Winterthur: Rieter-Biedermann 1861. Drei Gesänge für eine Singstimme mit Begleitung des Pianoforte: op. 9 (7 S.): Leipzig u. a. Rieter-Biedermann 1862 Sechs Lieber im Volkston für eine Singstimme in Begleitung des Pianoforte: op 10 (11 S.). Leipzig ca. 1870 Hans Heide Kuckuck. Lieder und Gesänge für eine Alt- oder Baritonstimme mit Begleitung des Pianoforte (3 S.), Hamburg : Haring, ca. 1875 Nachgelassene Lieder und Gesänge, Rostock u. a. 1867, vier Hefte (angehängt an Musc. Saec. XIX-241) Liedersammlungen und Vertonungen nach hochdeutschen Gedichten von Friedrich Eggers (erfasst im KVK / RISM D-ROu Signatur: Mus. Saec. XIX-126). Ouvertüre zu „James Monmouth“ für Klavier zu vier Händen (1860; RISM-Signatur: D-ROu Mus. Saec. XIX-102). Komponiert unter Anlehnung an die gleichnamige Novelle von Theodor Fontane. Das Werk behandelt das Schicksal des hingerichteten Stuart-Prätendenten James Monmouth. Digitalisat
Quellen und Literatur Erich Schenk: Gustav Eggers: Ein mecklenburgischer Liederkomponist. In: Mecklenburgische Monatshefte. Band 12, Mai 1936, S. 229–235.
Einzelnachweise
Kategorie:Komponist (Deutschland) Kategorie:Geboren 1835 Kategorie:Gestorben 1861 Kategorie:Mann