mini|Niccolò Pisano: Santa Conversación, um 1525–1530, Öl auf Holz, Museo Nacional de Bellas Artes, Buenos Aires Niccolò Pisano (auch Nicola Pisano; * 13. März 1470 in Pisa; † nach dem 15. April 1536) war ein italienischer Maler der Renaissance. Er war vor allem in Pisa, Lucca, Ferrara und Bologna tätig und schuf überwiegend religiöse Tafelbilder und Fresken. Zu seinen Auftraggebern gehörten unter anderem der Herzog von Ferrara, Ercole I. d’Este, sowie verschiedene kirchliche Institutionen und Bruderschaften.

Leben Niccolò Pisano war der Sohn eines Schmieds (ital. ferro dell’Abrugia, „verbrennt Eisen“), worauf ein Teil seiner Beinamen zurückgeführt wird. Die erste urkundliche Erwähnung als Maler findet sich in einer Zahlung für die farbige Fassung einer Marmorarbeit aus dem Jahr 1489. Im Juli 1493 erhielt er eine Zahlung für ein Bild der Maria mit Kind, Engeln und Heiligen sowie der Stifterin Suor Margherita del Pitta. Das Bild war für den Hochaltar von San Matteo in Pisa bestimmt und ist heute im Museo Nazionale di San Matteo zu sehen. Zudem erhielt er den Auftrag für ein zugehöriges Andachtsbild für die Klosterzelle der Stifterin. Im Jahr 1495 vollendete er die Innenausmalung im Chor des Pisaner Doms, die Domenico Ghirlandaio begonnen hatte. Nach dessen Tod im Jahr 1494 wurde sie von seinen Brüdern sowie seinem Schwager Sebastiano Mainardi fortgeführt. Diese mussten Pisa im Januar 1495 zusammen mit allen übrigen Florentinern verlassen. Die Ausmalung ist nicht erhalten. Für diese Arbeit erwarb Pisano acht Unzen feines Blau von Benozzo Gozzoli.

Im Jahr 1496 ist er in Lucca nachweisbar und 1497 malte er gemeinsam mit Girolamo Petrini, dessen Werke nicht erhalten sind, Fresken im Dom von Pietrasanta. Ab 1499 lebte er im Haus des Malers Fino Marsigli in Ferrara. Dort arbeitete er mit ihm und mit Lorenzo Costa an der Ausmalung des Domchors. Ab 1501 erhielt Pisano mehrere Aufträge, unter anderem von Herzog Ercole d’Este: 1504 malte er ein Bild für Santa Maria delle Grazie (Ferrara) und 1506 fertigte er zusammen mit Garofalo und anderen Leinwandbilder für die Zimmerdecke der Herzogin an. Im Jahr 1512 beauftragte ihn die Bruderschaft der Battuti Neri mit einer Tafel der Muttergottes mit Heiligen für das Oratorium der Santa Maria Annunziata in Mailand (heute in der Pinacoteca di Brera). Er vollendete die Tafel im Jahr 1514; abweichend vom ursprünglichen Vertrag wurde sie von einer Pietà bekrönt. mini|Nicolò Pisano: Heilige Familie, um 1515, Öl auf Holz, 58,5 × 48,5 cm, Fondazione Cavallini Sgarbi, Ferrara 1526 lebte Niccolò Pisano als Bürger Ferraras in Bologna bzw. im nahegelegenen Budrio. Im Jahr 1534 malte er für die Familienkapelle des Annibale di Gabione Gozzadini in San Giovanni in Monte in Bologna eine Marientafel. Das Werk befindet sich in einem schlechten Erhaltungszustand, war lange in Privatbesitz und wird seit dem Jahr 2000 im Depot der Pinacoteca Nazionale di Bologna aufbewahrt. Der ausführliche Vertrag zu diesem Werk erwähnt zusätzlich eine Entwurfszeichnung sowie ein Porträt des Auftraggebers, die beide nicht erhalten sind. Im Jahr 1535 war Niccolò Pisano wieder in Pisa nachweisbar, wo er Dekorationen anlässlich des Einzugs von Alessandro de’ Medici schuf und das Gemälde Die Bestrafung der Aaronsöhne für den Dom malte. Letzteres befindet sich noch am ursprünglichen Bestimmungsort. Im Jahr 1536 folgte das Isaaksopfer, das später durch ein Werk Sodomas ersetzt wurde. Am 15. April 1536 erhielt Niccolò Pisano eine Anzahlung für eine Tafel für den Altar der Kapelle der Heiligen Giovanni und Giorgio im Dom von Pisa. Kurz darauf muss er gestorben sein, denn es gibt keine späteren Lebenszeichen von ihm.

Ältere Forschungsliteratur nahm an, dass Pisano seine Ausbildung in der Werkstatt von Pietro Perugino beziehungsweise in der Nachfolge von Pinturicchio in Rom absolviert hatte. Nachdem jedoch erkannt wurde, dass das Bild von 1493 in San Matteo eigenhändig von Pisano stammt (Massimo Ferretti, 1984), gilt diese Vermutung als überholt. Neuere Forschung sieht stattdessen andere Werkstattverbindungen, ohne dass hierzu ein Konsens besteht.

Werk mini|Niccolò Pisano: Daphnis und Chloe, um 1501, Öl auf Pappelholz, Wallace Collection, London Niccolò Pisano werden unter anderem folgende Werke zugeschrieben:

Anbetung des Kindes, Basel, Kunstmuseum Grablegung Christi, um 1525/26, signiert Niccolò, Bologna, Pinacoteca Nazionale di Bologna Die mystische Vermählung der heiligen Katharina zwischen den Heiligen Sebastian und Rochus, datiert 1529, Bologna, Pinacoteca Nazionale Marientod, Ferrara, Pinacoteca Nazionale Mannawunder, London, National Gallery Tanz der Mirjam, London, National Gallery Joseph reicht Maria das Christuskind, umgeben von Heiligen, 1520, Worcester (Massachusetts), Worcester Art Museum

Rezeption Niccolò Pisano blieb Giorgio Vasari in dessen Vite unbekannt und war infolge Namensverwechslungen lange Zeit kaum als eigenständige Künstlerpersönlichkeit greifbar; seine Werke wurden zum Teil dem gleichzeitig in Ferrara tätigen Boccaccio Boccaccino zugeschrieben. Erst durch archivalische Forschungen zu seiner Tätigkeit in Pisa, Ferrara und Bologna konnte sein Œuvre in jüngerer Zeit genauer umrissen werden. Der Umfang des ihm zuzuschreibenden Werks ist in der Forschung weiterhin umstritten: Elisabetta Sambo (1995) listet 56 Werke auf, die sie Pisano oder seinem Umkreis zuschreibt, lehnt zugleich aber 24 weitere, ihm gelegentlich zugeschriebene Werke ab.

Literatur

Massimo Ferretti: Pisa 1493: inizi di Niccolò pittore. In: Scritti di storia dell’arte in onore di Federico Zeri. Mailand 1984, S. 249–262. Clemente Brisighella: Descrizione delle pitture e sculture della città di Ferrara, 1700–1735 ca. Hrsg. von Maria Angela Novelli. Ferrara 1991. Elisabetta Sambo: Niccolò Pisano pittore (1470–post 1536). Catalogo generale. Rimini 1995. Nicola Roio: Una pala d’altare di Niccolò Pisano in Vaticano. In: Atti e memorie dell’Accademia Clementina. N. s., 35–36, 1995–1996, S. 49–52. Adriano Franceschini: Artisti a Ferrara in età umanistica e rinascimentale. Testimonianze archivistiche. Teil II, Bd. 2: Dal 1493 al 1516. Ferrara/Rom 1997. Andrei Bliznukov: Una scheda per Niccolò Pisano In: Paragone. LII, 2001, Nr. 613, S. 42–48. Gerardo de Simone: Da San Domenico, Pisa: un inedito Cristo in pietà di Niccolò Pisano. In: Commentari d’arte. IX–XII, 2003–2006, Nr. 24–35, 2006, S. 5–11. Elisabetta Sambo: Beiträge zu Niccolò Pisano. In: Jadranka Bentini u. a. (Hrsg.): Pinacoteca nazionale di Bologna. Catalogo generale. Bd. 2: Da Raffaello ai Carracci. Venedig 2006, S. 20–23. Elisabetta Sambo: Beitrag zu Niccolò Pisano In: Daniele Benati (Hrsg.): Il bel dipingere. Dipinti e disegni emiliani dal XV al XIX secolo. Bologna 2012, S. 20–22. Massimo Ferretti: Nicolò Pisano. In: Dizionario Biografico degli Italiani. Bd. 78. Rom 2013. Susanna Partsch: Pisano, Niccolò. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Bd. 96. Berlin/Boston 2017, S. 54.

Weblinks

National Gallery, London

Einzelnachweise

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