mini|Kalanchoe beharensis mini|Die vierzähligen Blüten von Kalanchoe pumila Kalanchoe ist eine Pflanzengattung aus der Familie der Dickblattgewächse (Crassulaceae). Sie ist in die beiden Sektionen Kalanchoe und Bryophyllum unterteilt. Diese sukkulenten Pflanzen sind in den tropischen Gebieten Afrikas und Asiens verbreitet. Bei vielen Arten der ausschließlich auf Madagaskar heimischen Sektion Bryophyllum entstehen an den Rändern der Laubblätter, aber auch am Blütenstand, Brutknospen.

Die bekanntesten Vertreter der Gattung sind Kalanchoe daigremontiana, das Flammende Käthchen (Kalanchoe blossfeldiana) und die Goethe-Pflanze (Kalanchoe pinnata).

Beschreibung Vegetative Merkmale Die Arten der Gattung Kalanchoe sind selten zwei- oder einjährige, meist ausdauernde sukkulente Pflanzen, selten sind es Halbsträucher bis Sträucher, manchmal auch kleine Bäume. Sie wachsen meist terrestrisch, selten auch epiphytisch. Die Wurzeln sind faserig, selten verdickt oder knollig. Die fleischigen, manchmal zur Basis hin holzigen Sprossachsen sind meist aufrecht oder oft niederliegend und gewöhnlich verzweigt.

Die in der Regel kreuzgegenständig, gelegentlich wechselständig oder wirtelig, selten andeutungsweise rosettig angeordneten Laubblätter sind gestielt bis sitzend, ausdauernd oder abfallend. Die Blattstiele sind mehr oder weniger breit stängelumfassend. Die einfachen oder zusammengesetzten Blätter sind manchmal von ihrer Basis bis hin zur Spitze in Form und Größe mehr oder weniger variabel. Wenn die Blätter zusammengesetzt sind, dann bestehen sie aus drei Teilblättern oder sind gefiedert (dann mit fünf Teilblättern). Die fleischig-sukkulente Blattspreite ist gewöhnlich flach oder selten etwas stielrund. Die Blattränder sind gewöhnlich gekerbt, gesägt oder gezähnt, selten auch glatt. Einige Arten bilden Brutknospen entlang der Blattränder. Nebenblätter fehlen.

Blütenstände und Blüten Der endständige, selten achselständige, wenig- bis vielblütige Blütenstand ist schirmrispig, zymös bis rispig, manchmal thyrsoid und trägt bei einigen Arten Brutknospen. Ein Blütenstandsstängel ist gewöhnlich vorhanden. Häufig ist ein allmählicher Übergang von unten stehenden Laubblättern zu immer kleineren Tragblättern.

Die gestielten Blüten sind aufrecht oder hängend und oft im Blütenstand mit abgespreizten gemischt. Die zwittrigen Blüten sind vierzählig. Die vier Kelchblätter sind frei, zur Basis hin mehr oder weniger verwachsen, oder bilden eine lange, manchmal etwas aufgeblähte, Röhre mit kürzeren Zipfeln. Der Kelch ist kürzer oder manchmal gleich lang wie die Kronröhre. Die vier gewöhnlich leuchtend gefärbten Kronblätter sind zu einer mehr oder weniger langen Kronröhre verwachsen, die mit aufrechten, ausgebreiteten oder plötzlich zurückgebogenen, kürzeren Kronzipfeln endet. Die Kronzipfel sind in der Knospenlage oft einsinnig gedreht (contort). Es sind zwei Kreise mit je vier Staubblättern vorhanden, die nicht oder etwas aus der Kronröhre herausragen. Die Staubfäden sind von unten bis oben an der Kronröhre auf unterschiedlichen Höhen angeheftet. Die vier Fruchtblätter sind frei bis basal etwas verwachsen und besitzen freie Nektarschüppchen. Der Griffel ist kürzer oder länger als die Fruchtblätter. Die Narbe ist kopfig.

Früchte und Samen Je Blüte entstehen vier aufrechte Balgfrüchte. Die Balgfrüchte enthalten zahlreiche winzige, gewöhnlich gefurchte, gerippte oder fein gerunzelte Samen.

Inhaltsstoffe und Physiologie Zumindest einige Kalanchoe-Arten sind giftig. Afrikanische Arten enthalten in geringen Mengen Bufadienolide und Cotyledontoxin. Dies führt bei Tieren zur Cotyledonosis oder Krimpsiekrankheit (spastische Kontraktion der Muskeln und neurologische Symptome). Auch die Zierpflanze Kalanchoe blossfeldiana wird immer wieder mit Vergiftungen in Verbindung gebracht.L. Roth, M. Daunderer, K. Kormann: Giftpflanzen, Pflanzengifte. 4. Auflage, ecomed, Landsberg 1994, S. 437 (Nachdruck ISBN 3-933203-31-7)

Kalanchoe sind Kurztagpflanzen, bilden also nur unter Kurztagbedingungen Blüten. Kalanchoe blossfeldiana ist ein häufiges Studienobjekt.Peter Schopfer, Axel Brennicke: Pflanzenphysiologie. Elsevier, München 2006, S. 293f., 507. ISBN 978-3-8274-1561-5

Kalanchoe sind fakultative CAM-Pflanzen, sie binden das für die Fotosynthese nötige Kohlendioxid nachts in Form von organischen Säuren und setzen es tagsüber wieder frei. Auf diese Weise schränken sie die Transpiration ein. Dieser Diurnale Säurerhythmus (CAM) unterliegt einer „inneren Uhr“ (Circadiane Rhythmik). Bei Kalanchoe blossfeldiana wird CAM durch Kurztagbedingungen ausgelöst, unter Langtag vollführt sie normale C3-Photosynthese.

Verbreitung Die Arten der Gattung Kalanchoe sind in Madagaskar, im östlichen und südlichen Afrika, in den tropischen Gebieten Afrikas, auf der Arabischen Halbinsel, in Südostasien und den tropischen Gebieten Asiens verbreitet.

Etymologie und Systematik miniatur|Tafel 288 mit Cotyledon afra aus Boerhaaves Index Alter Plantarum Für die Herkunft des botanischen Namens Kalanchoe gibt es zwei Erklärungen.Umberto Quattrocchi: CRC World Dictionary of Plant Names: Common Names, Scientific Names, Eponyms, Synonyms, and Etymology. CRC Press Inc., 2000, S. 1352, ISBN 0849326761 Die erste geht davon aus, dass die Gattung nach einer ihrer Arten (eventuell Kalanchoe spathulata) und deren chinesischen Bezeichnung benannt wurde. Eine zweite Erklärung leitet den Namen von den altindischen Worten kalanka für Fleck, Rost und chaya ab.

Die taxonomische Klassifikation der Gattung Kalanchoe ist problematisch und noch nicht abgeschlossen.B. Descoings: Kalanchoe. In: Urs Eggli: Sukkulenten-Lexikon Band 4. Crassulaceae (Dickblattgewächse). 2003, S. 147 Eine moderne Monografie der Gattung Kalanchoe fehlt. Die Gattung wird in die beiden Sektionen Kalanchoe und Bryophyllum (einschließlich der ehemaligen Sektion Kitchingia) gegliedert. Nicht alle Arten der Gattung lassen sich jedoch eindeutig einer der beiden Sektionen zuordnen.

Bei den Arten der Sektion Kalanchoe sind die Blüten normalerweise aufrecht und nicht hängend. Die Kelchblätter sind nur am Grund verwachsen. Die Staubblätter sind in oder über der Mitte der Kronröhre angeheftet. Bei der Sektion Bryophyllum sind die Blüten hängend. Die Kelchblätter sind mehr oder weniger verwachsen. Der Kelch ist röhrenartig oder breit glockenförmig. Die Staubblätter sind unterhalb der Mitte der Kronröhre angeheftet. Bei vielen Arten tragen die Blätter, aber auch der Blütenstand, Brutknospen.

Als Lectotyp der Gattung wurde Kalanchoe laciniata ausgewählt.Hellmut R. Tölken: In: Flora of South Africa. Band 14, S. 61, 1985 Kalanchoe ist monophyletisch.

Nach Bernard M. Descoings umfasst die Gattung Kalanchoe folgende Arten:B. Descoings: Kalanchoe. In: Urs Eggli: Sukkulenten-Lexikon Band 4. Crassulaceae (Dickblattgewächse). 2003, S. 147–188

Sektion Kalanchoe Sektion Bryophyllum Nicht zugeordnete Übergangsarten Kalanchoe alticola Kalanchoe angustifolia Kalanchoe annamica Kalanchoe arborescens Kalanchoe aubrevillei ex Kalanchoe ballyi ex Kalanchoe beharensis Kalanchoe bentii ex Kalanchoe bentii subsp. bentii Kalanchoe bentii supsp. somalica Kalanchoe bhidei Kalanchoe bipartita Kalanchoe blossfeldiana Kalanchoe boisii Kalanchoe boranae Kalanchoe brachyloba ex Kalanchoe bracteata Kalanchoe briquetii Kalanchoe chapototii Kalanchoe cherukondensis Kalanchoe chevalieri Kalanchoe citrina Kalanchoe craibii Kalanchoe crenata Kalanchoe crundallii Kalanchoe deficiens Kalanchoe deficiens var. deficiens Kalanchoe deficiens var. glabra Kalanchoe densiflora Kalanchoe densiflora var. densiflora Kalanchoe densiflora var. minor Kalanchoe dinklagei Kalanchoe dixoniana Kalanchoe dyeri Kalanchoe fadeniorum Kalanchoe farinacea Kalanchoe garambiensis Kalanchoe germanae ex Kalanchoe glaucescens Kalanchoe globulifera Kalanchoe grandidieri Kalanchoe grandiflora Kalanchoe hametiorum Kalanchoe hildebrandtii Kalanchoe humilis Kalanchoe integrifolia Kalanchoe laciniata Kalanchoe lateritia Kalanchoe latisepala Kalanchoe leblanciae Kalanchoe lindmannii Kalanchoe linearifolia Kalanchoe lobata Kalanchoe longiflora Kalanchoe longifolia Kalanchoe lubangensis Kalanchoe luciae Kalanchoe luciae subsp. luciae Kalanchoe luciae subsp. montana Kalanchoe marmorata Kalanchoe migiurtinorum Kalanchoe millotii Kalanchoe mitejea Kalanchoe ndotoenis Kalanchoe neglecta Kalanchoe nyikae Kalanchoe nyikae subsp. nyikae Kalanchoe nyikae subsp. auriculata Kalanchoe obtusa Kalanchoe olivacea Kalanchoe orgyalis Kalanchoe paniculata Kalanchoe peteri Kalanchoe petitiana Kalanchoe petitiana var. petitiana Kalanchoe petitiana var. neumannii Kalanchoe prittwitzii Kalanchoe pumila Kalanchoe quadrangularis Kalanchoe quartiniana Kalanchoe rhombopilosa Kalanchoe robusta Kalanchoe rotundifolia Kalanchoe salazarii Kalanchoe scapigera ex Kalanchoe schimperiana Kalanchoe sexangularis Kalanchoe spathulata Kalanchoe stenosiphon Kalanchoe subrosulata Kalanchoe synsepala Kalanchoe tashiroi Kalanchoe teixeirae ex Kalanchoe tetramera Kalanchoe tetraphylla Kalanchoe thyrsiflora Kalanchoe tomentosa Kalanchoe tuberosa Kalanchoe usambarensis Kalanchoe velutina ex Kalanchoe velutina subsp. velutina ex Kalanchoe velutina subsp. chimanimanensis Kalanchoe velutina subsp. dangeardii Kalanchoe wildii ex Kalanchoe yemensis Kalanchoe yunnanensis Kalanchoe adelae Kalanchoe ambolensis Kalanchoe beauverdii Kalanchoe bergeri Kalanchoe bogneri Kalanchoe bouvetii Kalanchoe campanulata Kalanchoe curvula Kalanchoe cymbifolia Kalanchoe daigremontiana Kalanchoe delagoensis Kalanchoe fedtschenkoi Kalanchoe gastonis-bonnieri

Kalanchoe laetivirens Kalanchoe laxiflora Kalanchoe macrochlamys Kalanchoe manginii Kalanchoe marnieriana Kalanchoe miniata Kalanchoe pinnata Kalanchoe poincarei Kalanchoe prolifera Kalanchoe pseudocampanulata Kalanchoe pubescens Kalanchoe rolandi-bonapartei Kalanchoe rosei Kalanchoe rubella Kalanchoe sanctula Kalanchoe schizophylla Kalanchoe serrata Kalanchoe streptantha Kalanchoe suarezensis Kalanchoe uniflora Kalanchoe waldheimii Kalanchoe alternans Kalanchoe alternans var. alternans Kalanchoe alternans var. lanceolata Kalanchoe aromatica Kalanchoe aromatica var. aromatica Kalanchoe aromatica var. brevicorolla Kalanchoe elizae Kalanchoe eriophylla ex Kalanchoe fernandesii Kalanchoe gracilipes Kalanchoe jongmansii Kalanchoe jongmansii subsp. jongmansii Kalanchoe jongmansii subsp. ivohibensis Kalanchoe lanceolata Kalanchoe mandrarensis Kalanchoe peltata Kalanchoe porphyrocalyx Kalanchoe rechingeri Kalanchoe viguieri Kalanchoe welwitschii

Seit 2003 wurden folgende Taxa neu beschrieben: Kalanchoe antennifera Bernard Descoings: Kalanchoe antennifera, Crassulacée africaine nouvelle. In: Acta Botanica Gallica. Band 151, Nummer 4, 2004, S. 441–444 (doi:10.1080/12538078.2004.10515446, online). Kalanchoe bracteata var. virescens Bernard Descoings: Sur quelques Kalanchoe (Crassulaceae) hybrides de Madagascar. In: Le Journal de Botanique de la Société de botanique de France. Nummer 30, 2005, S. 13–14. Kalanchoe ceratophylla var. indochinensis Hideaki Ohba: Taxonomic studies on the Asian species of the genus Kalanchoe (Crassulaceae) 1. Kalanchoe spathulata and its allied species. In: Journal of Japanese Botany. Band 78, Nummer 5, 2003, 254. Kalanchoe grandidieri var. itampolensis Bernard Descoings: Crassulaceae Madecassae novae. Societe botanique de l'Ardeche, Aubenas 2005, ISBN 2951623216, S. 17 (online). Kalanchoe humifica Bernard Descoings: Crassulaceae Madecassae novae. Societe botanique de l'Ardeche, Aubenas 2005, ISBN 2951623216, S. 14–16 (online).