Johannes Büttner (* 19. Dezember 1985 in Frankfurt am Main) ist ein deutscher bildender Künstler, Filmemacher und Regisseur. Seine Arbeiten befassen sich mit sozioökonomischen Phänomenen wie Gig Economy, Coaching-Kultur, Verschwörungsideologien und Kryptowährungen.

Leben und Ausbildung Büttner wurde 1985 in Frankfurt am Main geboren. Er studierte an der Universität der Künste Berlin (UdK) und an De Ateliers in Amsterdam. An der UdK schloss er als Meisterschüler ab. Büttner lebt und arbeitet in Berlin und Amsterdam und promoviert an der Hochschule für bildende Künste Hamburg.

Künstlerisches Werk In seinen meist großformatigen Videoinstallationen untersucht Büttner spekulative wie wissenschaftlich fundierte sozioökonomische Themen in Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft. Zum Entwurf von Zukunftsszenarien bedient er sich verschiedener Hacking-Strategien, DIY-Formate und des Cyberpunk-Genres; häufig bezieht er Personen ein, die außerhalb des Kunstbetriebs stehen, sodass die entstehenden Erzählungen zwischen Realität und Fiktion oszillieren. Dabei stellt er eine von Tech-Industrie und Silicon Valley geprägte kapitalistische Rhetorik in Frage und setzt ihr subkulturelle Praktiken, Queering, DIY und Selbstorganisation entgegen; als Material dienen ihm Aussteigerliteratur, politische Manifeste, YouTube-Tutorials sowie urbane Mythen und Spiritualität. Das Verhältnis von menschlicher und maschineller Arbeit ist ein wiederkehrendes Motiv seiner Installationen und Performances.

Nach frühen Performances unter anderem im Stedelijk Museum und im De Appel Art Center in Amsterdam (2017) war Büttner seit 2015 in zahlreichen Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, darunter die 16. Istanbul Biennale (2019), das Palais de Tokyo in Paris (2018), die Kunsthalle Mainz (2020) und die Schirn Kunsthalle Frankfurt (2024). 2018 hatte er Einzelausstellungen im Kunstraum C28 in Hannover und in der Simultanhalle in Köln; 2020 folgten Einzelausstellungen bei A Tale of a Tub in Rotterdam und bei Koenig2 in Wien.

In der Kunsthalle Mainz zeigte er 2021 die Installation Higher Potential, die Parallelen zwischen Kunstmarkt und Coaching-Szene aufzeigt und den Künstler als jemanden spiegelt, der Angst vor ökonomischem und sozialem Auf- und Abstieg hat. 2023/24 präsentierte er im Rahmen des Berlin Program for Artists (BPA) in den KW Institute for Contemporary Art die Installation MedBed, die sich mit Menschen auseinandersetzt, die gemeinhin als Verschwörungserzähler bezeichnet werden. 2023/24 reiste er mit einem Stipendium der Hessischen Kulturstiftung nach Serbien und Kroatien, um die selbsternannte libertäre Mikronation „Liberland“ zu erforschen, sowie nach Kenia, wo er zwei Bitcoin-Aktivisten begleitete. 2026 folgten Beteiligungen im Kunst Raum Mitte in Berlin und im K21 in Düsseldorf.

Filmarbeiten 2022 realisierte Büttner mit Platform seinen ersten kurzen Spielfilm über die prekären Arbeitsbedingungen von Beschäftigten internationaler Paket- und Lieferdienste; das Projekt basierte auf dokumentarischen Interviews mit realen Kurieren, die auch im Film auftreten. Regie führten Johannes Büttner und Steffen Köhn, die gemeinsam auch das Drehbuch schrieben; der Film verwebt die Interviews mit der Handlung von Neal Stephensons Science-Fiction-Roman Snow Crash und nutzt Computerspiel-Animationen. Die Premiere fand im Januar 2022 beim Filmfestival Max Ophüls Preis statt, es folgten Vorführungen beim Slamdance Film Festival und beim Internationalen Kurzfilmfestival Berlin. Platform wurde 2022 für den Deutschen Kurzfilmpreis nominiert.

Gemeinsam mit Annegret von Feiertag entstand der 13-minütige Film Retroverse (2024) über ein fiktives Tech-Unternehmen in einem hessischen Dorf, das „Retrosimulationen“ anbietet.

Über mehrere Jahre arbeitete Büttner mit dem Dokumentarfilmer Julian Vogel am abendfüllenden Dokumentarfilm Soldaten des Lichts über Wunderheiler, Pandemieleugner und esoterische Influencer mit Verbindungen zur Reichsbürgerszene. Büttner zeichnete neben Regie und Buch auch für den Ton verantwortlich. Der Film wurde von Wood Water Films und Patatino in Koproduktion mit dem ZDF produziert; die Weltpremiere fand am 6. April 2025 beim Festival Visions du Réel in Nyon statt, die Deutschlandpremiere am 8. Mai 2025 beim DOK.fest München. Am 30. Dezember 2025 wurde der Film im ZDF ausgestrahlt. Die Kritik hob hervor, der Film gebe einen beklemmenden Einblick in eine Welt zwischen Überzeugung und Kalkül, Ideologie und Profit.

Auszeichnungen und Stipendien 2022: Nominierung für den Deutschen Kurzfilmpreis für Platform 2022/23: Arbeitsstipendium der Stiftung Kunstfonds 2022–2023: Teilnehmer am BPA – Berlin Program for Artists 2023: Residenzstipendium Los Angeles, Günsterode 2023/24: Stipendium der Hessischen Kulturstiftung

Filmografie 2022: Platform (Kurzfilm, Regie und Buch mit Steffen Köhn) 2024: Retroverse (Kurzfilm, mit Annegret von Feiertag) 2025: Soldaten des Lichts (Dokumentarfilm, Regie und Buch mit Julian Vogel)

Einzelnachweise

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