mini|hochkant=1.3|Brabham BT24 (bei den Silverstone Classic 2008) Der Brabham BT24 war ein von Ron Tauranac konstruierter Formel-1-Rennwagen der englischen Motor Racing Developments Ltd., allgemein besser bekannt als Brabham. Er war eines von drei Fahrzeugmodellen, die das Rennteam in der Automobil-Weltmeisterschaft 1967 einsetzte, in der es mit diesem Modell den Weltmeistertitel errang. Insgesamt kamen nur drei Chassis bei Rennen zum Einsatz. In der Saison 1968 kam der BT24 bei Brabham noch vereinzelt zum Einsatz und wurde auch als Kundenfahrzeug an weitergegeben, in der Saison 1969 wurde er von Brabham nicht mehr eingesetzt, und nur noch von Kundenteams wie Team Gunston und Silvio Moser Racing Team verwendet. Als Werksrennwagen bei Brabham wurde er von Jack Brabham, Denny Hulme, Jochen Rindt und Dan Gurney gefahren.
Geschichte und Hintergrund 200px|rechts|Brabham Repco logo on the nose of the BT24 Nach einigen Rennen in der Saison 1966 kam zu dem erfolgreichen Brabham BT19 der, für Teamkollege Denny Hulme gebaute, Brabham BT20 hinzu. Er kam nur bei wenigen Rennen zum Einsatz und gewann in den Händen des Neuseeländers lediglich ein einziges Rennen: den Großen Preis von Monaco 1967. Unter Beibehaltung der bewährten Konstruktionsprinzipien wurden für 1967 neue Einsitzer entworfen: der Brabham BT23 für die Formel 2 und der BT24 für die Formel 1. Die Konkurrenz schien aufgeholt zu haben, und die Tage von Brabham schienen gezählt. Glücklicherweise erwiesen sich die enorme Zuverlässigkeit und die Wendigkeit des Wagens erneut als überlegen gegenüber der technisch fortschrittlicheren Konkurrenz; so erzielte der BT24 mit Brabham und Hulme am Steuer drei Doppelsiege. Zusammen mit dem Sieg in Monaco im BT20 reichte dies Hulme, um sich – knapp vor seinem Chef – den ersten Weltmeistertitel zu sichern. Das Team gewann zudem im zweiten Jahr in Folge die Konstrukteurswertung.
Das Fahrzeug Der von Ron Tauranac entworfene BT24 basierte auf dem Formel-2-Wagen BT23 und zeichnete sich durch eine besonders leichte und kompakte Bauweise aus (Radstand: 2388 mm / Gewicht: 508 kg). Als einziger Formel-1-Konstrukteur hielt Tauranac weiterhin am Gitterrohrrahmen-Chassis fest. Der BT24 wurde für die Aufnahme des neuen Repco-Brabham-RB740-V8-Motors konzipiert; dabei handelte es sich um eine komplette Neukonstruktion von Repco, im Gegensatz zu den Motoren der Serie 620 aus den Vorjahren, die noch auf einem Oldsmobile-Motorblock basierten. Tauranac hatte Repco gebeten, den Motor mit innenliegenden Auslässen (im „V“ des Motors) zu konstruieren, um die Stirnfläche zu verringern und die Verlegung der Auspuffrohre durch die Hinterradaufhängung zu vereinfachen. Der BT24 hatte eine modifizierte Radaufhängung sowie neue Bremsen, Räder und ein anderes Getriebe, um der neuesten Ausbaustufe des Repco-Motors – der nun 330 PS (242,71 kW) leistete – gerecht zu werden. Wie der Lotus 49 trat auch der BT24 erstmals im Training zum Großen Preis der Niederlande 1967 in Erscheinung. Im direkten Vergleich wirkte der Brabham fast schon veraltet, doch im weiteren Saisonverlauf erwies er sich dank seiner höheren Zuverlässigkeit als „die Schildkröte, die den Hasen (Lotus) schließlich überholte“. Brabham entschied sich, beim Rennen in den Niederlanden noch die bewährten Wagen von 1966 einzusetzen (wobei Jack Brabhams BT19 zu diesem Zeitpunkt bereits mit dem 740er-Motor mit mittigem Auslass ausgestattet war); sein Renndebüt gab der BT24 erst beim darauffolgenden Großen Preis von Belgien.
Mit dem amtierenden Weltmeister Jack Brabham und Denny Hulme am Steuer erzielte der BT24 drei Siege gegenüber vier Siegen von Jim Clark im Lotus. Dank sechs zweiten Plätzen, zwei dritten Plätzen sowie je einem vierten und fünften Platz sicherte sich das Brabham-Team jedoch souverän die Konstrukteursweltmeisterschaft, während Hulme seinem Teamchef Brabham den Fahrertitel mit fünf Punkten Vorsprung abnahm.
Neben den drei Siegen bei Weltmeisterschaftsläufen gewann der BT24 mit Jack Brabham am Steuer auch den prestigeträchtigen „International Gold Cup“ 1967 in Oulton Park.
mini|Silvio Moser (hinten) im Brabham BT24 beim GP der Niederlande (1969) mini|Brabham BT24 mit dem Ford Cosworth DFV V8 von Silvio Moser (Chassis: BT24-3) mini|Brabham BT24 in Goodwood 2010
Verwendung nach dem Einsatz durch die Brabham Racing Organisation Die beiden ursprünglichen Chassis wurden von Brabham und Rindt noch beim Saisonauftakt 1968, dem Großen Preis von Südafrika, eingesetzt. Da jedoch für das nächste Rennen bereits der BT26 bereitstand, verkaufte man diese beiden Chassis an lokale Teams und beließ sie in Südafrika; dort belegten Sam Tingle und Basil van Rooyen in der südafrikanischen Formel-1-Meisterschaft jenes Jahres die Plätze drei und vier. Sam Tingle nahm später am Großen Preis von Südafrika 1969 teil – dem letzten Formel-1-WM-Lauf für einen serienmäßigen BT24 – und setzte sein Chassis noch bis Januar 1970 erfolgreich bei lokalen Rennen ein, während van Rooyens Wagen zeitweise auch von Gordon Henderson und Ivor Robertson gefahren wurde.
Ein drittes BT24-Chassis war Ende 1967 gebaut worden, kam jedoch beim Brabham-Team nur in drei Rennen zum Einsatz: zweimal mit Rindt am Steuer und einmal für einen Gastauftritt von Dan Gurney. Kurt Ahrens Jr. mietete den Wagen von Brabham für den Großen Preis von Deutschland 1968; anschließend erwarb Frank Williams das Fahrzeug und rüstete es für die Tasman-Serie 1969 mit Flügeln im Stil des BT26 sowie einem 2,5-Liter-Cosworth-DVW-V8-Motor aus. Piers Courage bestritt alle sieben Rennen; er siegte in Teretonga Park (Neuseeland) und belegte in den übrigen Läufen die Plätze zwei, drei und vier (bei drei Ausfällen), womit er in der Gesamtwertung den dritten Rang erreichte.
Der Privatfahrer Silvio Moser erwarb daraufhin den Wagen, nachdem er Williams beauftragt hatte, den Motor gegen ein 3,0-Liter-DFV-Aggregat (Spezifikation von 1968) auszutauschen und aufgrund des höheren Spritverbrauchs zusätzliche Kraftstofftanks zu installieren. Moser setzte dieses einzigartige Fahrzeug bei sieben der elf Läufe der Formel-1-Saison 1969 ein – sein bestes Ergebnis war ein sechster Platz in Watkins Glen – und fuhr damit zudem beim International Gold Cup sowie bei zwei Rennen zur Europa-Bergmeisterschaft.
Weiterer Verbleib Chassis: BT24-1 Hierbei handelt es sich um das Chassis BT24-1, das Jack Brabham während des Großteils der Saison 1967 einsetzte. Er fuhr mit diesem kompakten Wagen zwei Siege und drei zweite Plätze ein. Das Fahrzeug befindet sich bis heute in einem weitgehend originalen Zustand – einschließlich Motor, Getriebe und Karosserie. Für Renneinsätze wird die Karosserie durch eine exakte Nachbildung ersetzt, um das Original für die Zukunft zu bewahren. In den letzten Jahren kam der Wagen vorwiegend bei historischen Rennen in Australien zum Einsatz; im Sommer 2006 wurde er jedoch für ausgewählte historische Rennveranstaltungen nach Europa gebracht. Hier ist er im Renneinsatz bei den beiden „Grand-Prix-Masters“-Läufen zu sehen, die den Höhepunkt der „Silverstone Classic“ jenes Jahres bildeten. Jahre später wurde das Chassis BT24-1 bei der Auktion von Gooding & Co. in Pebble Beach (2014) versteigert und erzielte einen Verkaufspreis von knapp über einer Million US-Dollar.
Chassis: BT24-2 Dieses Chassis – das zweite von drei gebauten BT24-Exemplaren – wurde Denny Hulme in der zweiten Hälfte der Saison 1967 anvertraut. Er erzielte damit einen Sieg, belegte dreimal den zweiten und zweimal den dritten Platz. Jochen Rindt fuhr den Wagen beim Saisonauftakt 1968, dem Großen Preis von Südafrika, erneut auf den dritten Rang. Da für den Beginn der europäischen Saison neue Fahrzeuge bereitstanden, verblieb das Chassis BT24-2 in Südafrika und wurde an den Privatfahrer Sam Tingle verkauft. Dieser setzte den Brabham über den Großteil von zwei Saisons hinweg bei lokalen Rennen ein; auch wenn ihm ein Sieg letztlich verwehrt blieb, fuhr Tingle mit dem in den Gunston-Farben lackierten Wagen mehrfach aufs Podium. Ein weiteres beachtliches Ergebnis war der achte Platz beim Großen Preis von Südafrika 1969. Nach einem letzten Renneinsatz Anfang 1970 nahm Tingle das Fahrzeug aus dem aktiven Rennbetrieb. Der BT24 wurde in seine ursprüngliche Brabham-Werkslackierung zurückversetzt und befindet sich seit mehr als vier Jahrzehnten im Besitz der Familie Tingle. Im Jahr 2013 wurde er beim Goodwood Festival of Speed präsentiert und anschließend zum Verkauf angeboten.
Chassis: BT24-3 Das Chassis mit der Nummer 3 war das letzte produzierte Exemplar des BT24 und kam erst im Mai 1968 zum Renneinsatz; Jochen Rindt schied damit sowohl in Jarama als auch in Monaco aus. Später wurde der Wagen auch von Dan Gurney und Kurt Ahrens gefahren, jedoch ohne nennenswerten Erfolg. Anschließend wurde der BT24-3 auf Tasman-Spezifikation umgebaut und mit einem 2,5-Liter-Ford-Cosworth-DFW-Motor ausgestattet. In den Händen von Piers Courage gewann das Fahrzeug einen Lauf der Tasman-Serie und belegte zudem jeweils einmal den zweiten und dritten Platz. Nach dem Rückbau auf Formel-1-Spezifikation mit einem Cosworth-DFV-V8-Motor wurde der Wagen an den Schweizer Rennfahrer Silvio Moser verkauft, der ihn die gesamte Saison 1969 über einsetzte. Seitdem befindet sich das Fahrzeug in der Schweiz und wurde 2014 restauriert. Es tauchte zwar ein weiteres Fahrzeug mit der Fahrgestellnummer BT24-3 auf – welches jedoch gerichtlich als Nachbau eingestuft wurde –, doch trägt dieses nach wie vor das originale Typenschild mit der Nummer BT24-3.
Sonstiges Im Jahr 1969 brachte die Spielzeugmarke Hot Wheels im Rahmen der „Grand-Prix-Serie“ ein Die-Cast-Modell des Wagens im Maßstab 1:64 unter der Bezeichnung „Brabham Repco F1“ heraus. Es weist eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Originalfahrzeug auf.
Der Brabham BT24 war als spielbares Fahrzeug ab Forza Motorsport 5 enthalten.
Vollständige Ergebnisse des Brabham BT24 in der Formel-1-Weltmeisterschaft (Fettgedruckte Ergebnisse zeigen die Pole-Position an; kursiv gedruckte die schnellste Runde)
Jahr Team Motor Reifen Fahrer 1 2 3 4 5 6 7 8 9 10 11 12 Punkte(A) WCC(A) 1967 Brabham Racing Organisation Repco-Brabham RB740 3.0 V8 RSA MON NED BEL FRA GBR GER CAN ITA USA MEX 1. Jack Brabham DNF 1 4 2 1 2 5 2 Denny Hulme 2 2 1 2 DNF 3 3 1968 Brabham Racing Organisation Repco-Brabham RB740 3.0 V8 RSA ESP MON BEL NED FRA GBR GER ITA CAN USA MEX 10** 8. Jack Brabham DNF Jochen Rindt 3 DNF DNF Dan Gurney DNF Caltex Racing Team Repco-Brabham RB740 3.0 V8 Kurt Ahrens Jr. 12 1969 Team Gunston Repco-Brabham RB620 3.0 V8 RSA ESP MON NED FRA GBR GER ITA CAN USA MEX 0 NC Sam Tingle 8 Silvio Moser Racing Team Ford Cosworth DFV 3.0 V8 Silvio Moser DNF DNF 7 DNF DNF 6 11 51(B) 2.
Quelle:Steve Small, (1994). The Guinness Complete Grand Prix Who's Who. Guinness. Seiten 14, 77, 171, 192, 260, 319 und 382. ISBN 0851127029.
(A) Die Punkte wurden nach dem Schema 9-6-4-3-2-1 an die ersten sechs Fahrzeuge jedes Laufs vergeben, wobei jedoch nur das bestplatzierte Fahrzeug jeder Marke punktberechtigt war. In den Jahren 1967 und 1969 wurden die fünf besten Ergebnisse aus den ersten sechs Läufen sowie die vier besten Ergebnisse aus den letzten fünf Läufen gewertet; 1968 waren es fünf Ergebnisse aus den ersten sechs und fünf aus den letzten sechs Läufen. * Mit den Modellen BT19 und BT20 wurden 1967 18 Punkte erzielt. ** Mit dem BT24 wurden 1968 nur 4 Punkte erzielt. (B) Alle Punkte für Brabham-Ford in der Konstrukteurswertung der Saison 1969 wurden von Varianten des Brabham BT26 erzielt.
Literatur Alan Henry, Brabham, the Grand Prix Cars. Osprey. 1985. ISBN 0-905138-36-8. David Hodges, A-Z of Formula Racing Cars 1945–1990. Bay View books. 1998. ISBN 1-901432-17-3.
Weblinks
oldracingcars.com Brabham BT24 car-by-car histories (englisch) M3X cars Jack Brabham's Brabham BT24 walkaround. Auf YouTube
Einzelnachweise
BT24 Kategorie:Historischer Rennwagen Kategorie:Brabham Kategorie:Rennwagen der Automobil-Weltmeisterschaft 1967