John Thomas Lanzetta (* 24. April 1927 in Long Beach; † 6. Oktober 1989 in Hanover) war ein US-amerikanischer Sozialpsychologe und emeritierter Professor an dem Dartmouth College.Jozef M. Nuttin (Jr.): Lanzetta, John T. auf European Association of Social Psychology, abgerufen am 21. September 2026. John Lanzetta papers auf Dartmouth Archives & Manuscripts, abgerufen am 21. September 2026.
Leben Nach seinem Bachelor-Abschluss in Technischer Physik am Lafayette College promovierte er 1952 mit einer Arbeit zum Thema „Gruppenverhalten unter Stress“ an der University of Rochester. Von 1953 bis 1956 war er als Forschungspsychologe bei der United States Air Force tätig. 1956 wurde er Professor für Psychologie an der University of Delaware, einer zur Ivy League gehörenden Hochschule; er bekleidete dort den Lehrstuhl eines „Lincoln Filene Professor“ und leitete von 1960 bis 1965 den Fachbereich Psychologie sowie das „Center for Research on Social Behavior“. 1965 wurde er als Professor für Psychologie an das Dartmouth College berufen; diese Position hatte er bis zu seiner Emeritierung im Jahr 1977 inne. Er gehörte dem wissenschaftlichen Beirat des Office of Civil Defense (ONR) an und arbeitete 1962 und 1963 als Verbindungsoffizier des ONR; ebenso als Berater für die Veterans Administration.
Er kann als Initiator der Gründung der European Association of Experimental Social Psychology angesehen werden. Zu Beginn der 1960er Jahre verbrachte er als Leiter des „Center for Research on Social Behavior“ sein erstes Forschungsfreijahr in London. Er war dort als Verbindungswissenschaftler für die Abteilung für Gruppenpsychologie des Office of Naval Research (ONR) tätig. Mit der aktiven Unterstützung von Luigi Petrullo ergriff er die Initiative, eine Reihe europäischer Wissenschaftler aus dem Bereich der experimentellen Sozialpsychologie zusammenzubringen. Ziel war es, einen informellen Austausch über gemeinsame Probleme sowie persönliche Kontakte zu ermöglichen; beides sollte die Gründung eines „dauerhaften“ internationalen Gremiums erleichtern, das die Entwicklung der experimentellen Sozialpsychologie in Europa fördern und unterstützen sollte. Im März 1963 leitete er das Treffen in London, an dem Mauk Mulder, Robert Pagès und Henri Tajfel teilnahmen. Gemeinsam mit Ragnar Rommetveit und John Thibaut nahmen sie auch an einem zweiten Treffen im Mai 1963 in Paris teil. Diese sechs Personen fungierten als das Planungskomitee und bereiteten sowohl die erste Europäische Konferenz für experimentelle Sozialpsychologie (vom 12. bis 16. Dezember 1963 in Sorrent) als auch die zweite Konferenz (vom 11. bis 15. Dezember 1964 in Frascati) vor. Lanzetta war dabei der Vorsitzende des Gründungskomitee der European Association of Experimental Social Psychology, Mauk Mulder war der Schriftführer.The Founding Planning Committee auf European Association of Social Psychology, abgerufen am 21. September 2026. In Anerkennung seiner führenden Rolle bei der Gründung der Organisation und der im Rahmen nachfolgender, vom ONR geförderter Konferenzen lud die „European Society of Experimental Social Psychology“ ihn 1984 als Hauptredner an die Universität Tilburg ein, um ihr 20-jähriges Bestehen zu feiern.John Thomas Lanzetta (1926-1989) auf Research Gate, abgerufen am 22. September 2026.
Werk Seine frühen Arbeiten bezogen sich auf eine Analyse von Gruppenleistung, speziell auf die Untersuchung von Verhaltensmustern und die Leistungsfähigkeit von Teams unter Druckbedingungen. Gegen Ende der 1950er Jahre begann er eine Versuchsreihe zur Informationssuche und zum Erwerb von Imitationsreaktionen. Er präzisierte dabei die Aufgaben- und Sozialverstärker, die gemeinsam das Imitationsverhalten beeinflussen.
In den 1960er Jahren, als das Interesse an der Sozialpsychologie vorwiegend der Entscheidungsfindung galt, initiierte er ein neues Forschungsprogramm zur Informationssuche vor der Entscheidungsfindung; diese Versuchsreihe sollte klären, wie sich Faktoren wie Ungewissheit, Unausweichlichkeit und zeitliche Verzögerungen von Ergebnissen auf die Informationswahl auswirken.
Die längste und produktivste Phase seiner Laufbahn widmete er den Themen Affekt und emotionaler Ausdruck sowie der nonverbalen Kommunikation. Er erforschte, wie der mimische Ausdruck (z. B. das Zeigen von Emotionen im Gesicht) die eigene emotionale Erfahrung beeinflusst und verstärkt. Seine Arbeiten trugen maßgeblich zum Verständnis von Emotionen, Mimik, Empathie und zwischenmenschlicher Beeinflussung bei. Er wies nach, dass Mimik nicht bloß Emotionen widerspiegelt, sondern diese auch formt, reguliert und bei anderen hervorruft, wodurch Empathie, Konflikte und sogar politisches Verhalten beeinflusst werden. Er konnte zeigen, dass eine Veränderung des eigenen Gesichtsausdrucks auch den eigenen emotionalen Zustand verändert. Seine späteren Studien belegten, dass das Unterdrücken oder Verstärken von Gesichtsausdrücken sowohl die physiologische Erregung als auch das subjektive emotionale Erleben verändert. Dies führte zu der Auffassung, dass Emotionen bidirektional funktionieren: Der Ausdruck spiegelt das Gefühl nicht nur wider, sondern reguliert es auch. Er belegte experimentell auch die These, dass Gesichter bei Betrachtern starke emotionale Reaktionen hervorrufen, sie wirken als bedeutsame zwischenmenschliche Signale, die messbare physiologische Reaktionen auslösen. Seine Arbeiten nahmen spätere Forschungen zu Spiegelsystemen und automatischer Mimikry vorweg; damit belegte er, dass Emotionen einen sozialen Charakter haben und nicht bloß interne Vorgänge sind. Eine Variante dieser Untersuchungen bezog sich auf die Bedeutung der Mimik in der Politik sowie deren Einfluss auf politische Interaktionen und Machtdynamiken. Er konnte zeigen, dass mimische Signale Dominanz, Unterordnung, Überzeugungskraft und die Wahrnehmung von Führungspersönlichkeiten beeinflussen. Seine Arbeiten nahmen die Forschungen zur nonverbalen Kommunikation in politischen Debatten, Medien und der Führungspsychologie vorweg.
Ehrungen/Positionen 1971–1977: Herausgeber des „Journal of Personality and Social Psychology“ Mitglied im Redaktionsbeirat des „European Journal of Social Psychology“ 1963: Gründungspräsident der European Association of Experimental Social Psychology
Privates Er war verheiratet mit Jane Lanzetta, aus der Ehe gingen vier Kinder hervor. Er verstarb an einer seltenen Form des Knochenkrebs, die bereits 1987 diagnostiziert wurde. Zwei Monate später starb sein jüngster Sohn Michael mit 26 Jahren unerwartet im Schlaf.
Publikationen (Auswahl) Monographien Mit Vera T. Kanareff: Some social factors affecting the choice of an "imitative" response in a probability learning situation. Generic 1960 (Neuauflage 2020). Group Behavior Under Stress. Human Relations, London 1955.
Zeitschriftenartikel/Buchbeiträge Mit Ursula Hess; Arvid Kappas; Gregory J. Mchugo; Robert Kleck: The facilitate effect of facial expression on the self-generation of emotion. In: International Journal of Psychophysiology, 1992, 12 (3), 251–265. Mit Gregory J. Mchugo; Lauren K.: The effect of attitudes on emotional reaction to expressive displays of political leaders. In: Journal of Nonverbal Behavior, 1991, 15 (1), S. 19–41. Mit Ursula Hess; Arvid Kappas; Gregory J. Mchugo; Robert Kleck: An analysis of the encoding and decoding of spontaneous and posed smiles: The use of facial electromyography. In: Journal of Nonverbal Behavior, 1989, 13 (2), S. 121–137. Mit Basil Englis: Expectations of Cooperation and Competition and Their Effects on Observers’ Vicarious Emotional Responses. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1989, 56 (4), S. 543–554. Mit Lauren K. Bush; Carol L. Barr; Gregory J. Mchugo: The Effects of Facial Control and Facial Mimicry on Subjective Reactions to Comedy Routines. In: Motivation and Emotion, 1989, 13 (1), S. 31–52. Mit Gregory J. Mchugo: Facial Expressive and Psychophysiological Correlates of Emotion. In: Carlo Caltagirone (Hrsg.): Emotions and the Dual Brain, 1989. Mit Craig A. Smith; Gregory J. McHugo: The facial muscle patterning of posed and imagery-induced expressions of emotion by expressive and nonexpressive posers. In: Motivation and emotion, 1986, 10 (2), S. 133–157. Mit R. D. Masters; Denis Sullivan; Gregory J. Mchugo; Basil Englis: The facial displays of leaders: Toward an ethology of human politics. In: Journal of Social and Biological Systems, 1986, 9 (4), S. 319–343. Mit Scott P. Orr: Excitatory Strength of Expressive Faces. Effects of Happy and Fear Expressions and Context on the Extinction of a Conditioned Fear Response. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1986, 50 (1), S. 190–194. Mit Gregory J. Mchugo; Denis Sullivan; R. D. Masters: Basil Englis: Emotional Reactions to a Political Leader's Expressive Displays. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1985, 49 (6), S. 1513–1529. Mit Basil Englis; Katherine B. Vaughan: Conditioning of counter-empathetic responses. In: Journal of Experimental Social Psychology, 1982, 18 (4), S. 375–391. Mit Jeffrey Cartwright-Smith; Robert E. Eleck: Effects of nonverbal dissimulation on emotional experience and autonomic arousal. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1976, 33 (3), S. 354–370. Mit Robert Kleck: Encoding and decoding of nonverbal affect in humans. In: Journal of Personality and Social Psychology, 1970, 16 (1), S. 12–19. Mit C. P. Bankart: Dissonance and Desire for a Cigarette. In: Psychological Reports, 1968, 23 (3 suppl), S. 1155–1161. Innovation in organizations. In: Transaction 1965, 2, S. 30–31.
Weblinks A. Pepitone; R. Kleck: John Thomas Lanzetta (1926–1989): Obituary. In: American Psychologist, 1991, 46 (2), S. 150. John T. Lanzetta’s research while affiliated with University of Geneva and other places auf Research Gate, abgerufen am 21. September 2026. John T. Lanzetta auf Research-com, abgerufen am 21. September 2026.
Literatur Gregory J. Mchugo; Craig A. Smith: The power of faces: A review of John T. Lanzetta's research on facial expression and emotion. In: Motivation and Emotion, 1996, 20 (2), S. 85–120.
Einzelnachweise
Kategorie:Sozialpsychologe Kategorie:Hochschullehrer (Newark, Delaware) Kategorie:Hochschullehrer (Hanover, New Hampshire) Kategorie:Geboren 1927 Kategorie:Gestorben 1989 Kategorie:US-Amerikaner Kategorie:Mann