mini|Palazzo Pretorio, Sitz des Museo Civico (heute Museo di Palazzo Pretorio), Piazza del Comune, Prato Das Museo di Palazzo Pretorio (auch Museo civico di Palazzo Pretorio) ist ein städtisches Kunstmuseum in Prato in der italienischen Region Toskana. Es befindet sich im Palazzo Pretorio an der Piazza del Comune im historischen Zentrum der Stadt. Die Sammlung umfasst Kunstwerke vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert, darunter Gemälde von Bernardo Daddi, Giovanni da Milano, Filippo Lippi und Filippino Lippi sowie Skulpturen von Donatello und Lorenzo Bartolini. Zu den überregional beachteten Ausstellungen des Museums zählen Da Donatello a Lippi. Officina Pratese (2013/2014), die anlässlich der Wiedereröffnung erstmals Werke Filippo Lippis und weiterer, heute in Museen verschiedener Länder verstreuter Künstler aus dem Umkreis Pratos zusammenführte, sowie Legati da una cintola. L’Assunta di Bernardo Daddi e l’identità di una città (2017/2018) zur Reliquie der Sacra Cintola des Doms von Prato.
Geschichte Die Ursprünge der Sammlung gehen auf eine Initiative des Großherzogs Peter Leopold von Habsburg-Lothringen zurück, der 1788 die Einrichtung einer Schule des Geschmacks (scuola del gusto) für angehende Künstler anregte. Aus dieser Initiative ging 1858 eine erste, im benachbarten Palazzo Comunale untergebrachte Gemäldesammlung (Quadreria) hervor, die von Gaetano Guasti neu geordnet wurde.
1912 wurde das Museum in den Räumen des Palazzo Pretorio eröffnet. Von März 1998 bis 2013 blieb es wegen Restaurierungsarbeiten geschlossen; in dieser Zeit war ein Teil der Werke im benachbarten Museo di Pittura Murale bei der Kirche San Domenico ausgestellt. Im September 2013 wurde das Museum mit der Ausstellung Da Donatello a Lippi. Officina Pratese. Nach Angaben des Museums selbst wurde die vollständige Neugestaltung der Dauerausstellung am 12. April 2014 eingeweiht; das Museum beging dieses Datum 2024 als zehnjähriges Jubiläum der Wiedereröffnung. 2011 erhielt das Museum von der Contessa Angela Riblet Bargagli Petrucci drei Gemälde aus der Kapelle des Palagio degli Spini in Peretola als Schenkung, darunter zwei Werke von Alessandro Allori und eines von Santi di Tito.
Architektur mini|Ausstellungsraum im ersten Obergeschoss des Museums Das Museum ist im Palazzo Pretorio untergebracht, einem im ausgehenden 13. und frühen 14. Jahrhundert aus dem Zusammenschluss mehrerer älterer Gebäude entstandenen Bauwerk. Kern der Anlage ist ein Turmhaus der Familie Pipini aus dem 13. Jahrhundert, das 1284 vom Capitano del Popolo Fresco Frescobaldi erworben wurde, um dort Sitz der städtischen Behörden einzurichten. Zwischen 1334 und 1338 wurde der Bau durch Florentiner Handwerker erweitert; der südliche Gebäudeflügel entstand in dieser Zeit aus hellem Kalkstein (Alberese). Im 16. Jahrhundert stürzte der ursprüngliche Glockenturm ein und wurde durch einen neuen Turm mit Zinnenkranz ersetzt. Im späten 19. Jahrhundert war ein Abriss des Gebäudes im Gespräch; ab 1909 wurde stattdessen eine Restaurierung beschlossen, die im frühen 20. Jahrhundert spätere Barock-Umbauten entfernte und den mittelalterlichen Charakter des Baus wiederherstellte.
Sammlung Die Sammlung ist auf mehreren Stockwerken des Palazzo Pretorio ausgestellt und umfasst nach Angaben des Museums rund 3000 Kunstwerke – Gemälde, Zeichnungen und Skulpturen – vom Mittelalter bis in das 20. Jahrhundert.
Im ersten Obergeschoss befinden sich unter anderem gotische Polyptychen, darunter das Polyptychon Bernardo Daddis aus dem Dom von Prato mit Szenen aus der Legende der Sacra Cintola, sowie Werke von Giovanni da Milano und Lorenzo Monaco. Mehrere Gemälde stammen von Filippo Lippi und seinem Sohn Filippino Lippi, darunter die Madonna del Ceppo (1452–1453) und die Madonna della Cintola (1456–1460) von Filippo Lippi. Von Filippino Lippi ist zudem das Fresko des Tabernacolo del Canto al Mercatale erhalten, das ursprünglich am Geburtshaus des Malers angebracht war; es wurde bei einem Bombenangriff 1944 schwer beschädigt und anschließend von Leonetto Tintori restauriert. Ferner sind Terrakotten von Andrea della Robbia und Benedetto Buglioni sowie eine Terrakotta Donatellos (Madonna mit Kind zwischen zwei Engeln, um 1415–1420) Teil der Sammlung. Ausgestellt sind außerdem Werke von Luca Signorelli und aus der Werkstatt Botticellis.
Im zweiten Obergeschoss befinden sich Altarbilder toskanischer Künstler des 16. und 17. Jahrhunderts, darunter manieristische Werke von Giovan Battista Naldini, Giovanni Balducci und Francesco Morandini (genannt il Poppi). Zum Barockbestand zählen Werke römischer und neapolitanischer Provenienz, darunter ein Noli me tangere von Battistello Caracciolo, Stillleben des 18. Jahrhunderts sowie eine Verkündigung von Gian Domenico Ferretti.
Im dritten Obergeschoss werden Gipsmodelle und Alabasterarbeiten des in Vaiano geborenen Bildhauers Lorenzo Bartolini gezeigt, darunter das Modell zu dessen Werk Fiducia in Dio (1835), dessen Marmorausführung sich im Museo Poldi Pezzoli in Mailand befindet. Zur Sammlung gehören zudem mehrere Gipsplastiken von Jacques Lipchitz.
Werke (Auswahl)
Literatur
Gaetano Guasti: Alcuni quadri della galleria comunale di Prato descritti e illustrati con documenti inediti da Gaetano Guasti. Prato: Tipografia Guasti, 1858. 50 S. Gaetano Guasti: I quadri della Galleria e altri oggetti d’arte del Comune di Prato descritti e illustrati con documenti inediti. Prato: Tipografia Giachetti, Figlio e C., 1888. Guido Carocci: Catalogo della Galleria Comunale di Prato. Prato: Giachetti, 1900. Roberto Papini (Bearb.): Catalogo della Galleria Comunale di Prato. Bergamo: Istituto Italiano d’Arti Grafiche, 1912. Giuseppe Marchini: La Galleria Comunale di Prato: catalogo delle opere. Firenze: Arnaud, 1958. 74 S., 32 Taf. Giulio Datini (Hrsg.): Musei di Prato: Galleria di Palazzo Pretorio, Opera del Duomo, Quadreria comunale. Bologna: Calderini, 1972. 80 S. (Musei d’Italia: Meraviglie d’Italia, 1). Riccardo Francovich u. a.: Il materiale archeologico nel Palazzo Pretorio. Firenze: Coop. Libraria Universitatis Studii Florentini, 1978. 322 S. Maria Pia Mannini (Hrsg.): Il Museo civico di Prato: le collezioni d’arte. Firenze: Arti Grafiche Giorgi & Gambi, 1990. 259 S. Francesca Carrara, Maria Pia Mannini; mit einem Anhang von Ivo Regoli: Lo Spedale della Misericordia e Dolce di Prato: storia e collezioni. Signa: Masso delle Fate, 1993. 258 S.
Weblinks
Website des Museums Sammlungsrecherche
Einzelnachweise
Kategorie:Museum in der Toskana Kategorie:Prato (Toskana) Kategorie:Kunstmuseum in Italien Kategorie:Museumsgründung 1912