Mechthild, auch Mette von Rietberg (* im 14. Jahrhundert, † 26. April 1400) stammte aus dem Haus Rietberg. Sie war durch ihre Ehe mit Graf Heinrich VII. von Schwalenberg die letzte Gräfin von Schwalenberg. Nach dem Tod ihres Mannes lebte sie längere Zeit als Witwe. Später wurde sie Äbtissin des Stifts Heerse, wo sie von 1384 bis 1400 amtierte.
Herkunft und Ehe Mechthild war eine Tochter Graf Ottos I. von Rietberg. Anton Gemmeke nennt als ihre Mutter Adelheid, Gräfin von Tecklenburg.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 105 Diese Angabe ist nach den Untersuchungen von Wolfgang Leesch zu korrigieren. Otto I. war mit Alheidis von Hallermund, einer Tochter Graf Gerhards des Jüngeren von Hallermund, verheiratet. Sie starb am 23. Februar 1342.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 311f. Zu Mechthilds Geschwistern gehörten unter anderem Konrad III., der seinem Vater 1347 als Graf von Rietberg nachfolgte, und Otto, der Domherr in Paderborn und später auch in Köln war.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 313–315
Zwischen 1342 und 1345 heiratete Mechthild Graf Heinrich VII. von Schwalenberg. Eine Urkunde von 1345 bezeichnet Heinrich als Schwiegersohn Graf Ottos I. von Rietberg; 1347 erscheint Mechthild selbst als Gräfin von Schwalenberg. Aus der Ehe ging die Tochter Jutta hervor.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315 Das Todesjahr Heinrichs VII. ist bei Gemmeke noch unsicher zwischen 1350 und 1362 angesetzt.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 105 Leesch kann den Zeitraum enger bestimmen: 1350 wird Mechthild bereits ausdrücklich als Witwe Graf Heinrichs von Schwalenberg bezeichnet. Heinrich war 1345 noch als Schwiegersohn Ottos I. belegt. Er muss daher zwischen 1345 und 1350 verstorben sein.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Nach dem Tod ihres Mannes verkaufte Mechthild als Vormünderin ihrer Tochter Jutta und mit Zustimmung ihrer Brüder Konrad und Otto die von Heinrich ererbten Rechte an der Grafschaft Schwalenberg für 500 Mark an Balduin von Steinfurt Bischof von Paderborn. Bereits zuvor hatten Verkäufe und Verpfändungen zu Auseinandersetzungen zwischen dem Hochstift Paderborn, der Grafschaft Lippe, der Grafschaft Waldeck und den Edelherren von Schöneberg geführt. In der Folge waren Besitzungen und Rechte geteilt worden, während andere gemeinschaftlich blieben. Das Amt Schwalenberg-Oldenburg-Stoppelberg wurde von Paderborn und Lippe bis zum Ende des Alten Reiches gemeinsam verwaltet.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 105
Zeit als Witwe Ein unmittelbarer Eintritt Mechthilds in das Stift Heerse nach dem Tod ihres Mannes ist nicht belegt. Leesch kann sie vielmehr noch über mehrere Jahrzehnte als verwitwete Gräfin von Schwalenberg nachweisen. 1371 erscheint sie als „Mechthild Gräfin von Schwalenberg“, Schwester des Paderborner Domherrn Otto von Rietberg, gemeinsam mit ihrer Tochter Jutta. Otto überließ seiner Schwester damals seine Domkurie in Paderborn, die er zuvor gemeinsam mit ihr bewohnt hatte. 1377 wird sie erneut als Gräfin Mette von Schwalenberg und Schwester Ottos von Rietberg bezeichnet.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Am 6. Februar 1380 wird Jutta ausdrücklich als Tochter der „Mette von Rietberg, Gräfin von Schwalenberg“ und als Äbtissin des Stifts Böddeken bezeichnet. Mutter und Tochter erhielten damals vom Paderborner Domkapitel einen Klosterhof gegenüber der Burg als Wohnung auf Lebenszeit. Damit ist zugleich die im Westfälischen Klosterbuch enthaltene Angabe problematisch, nach der Mechthild selbst 1380/82 Äbtissin von Böddeken gewesen sein soll.Manfred Baltzer: Böddeken - Kanonissen. In: Westfälisches Klosterbuch. Lexikon der vor 1815 errichteten Stifte und Klöster von ihrer Gründung bis zur Aufhebung. Bd. 1 Münster, 1992 S. 104 Die von Leesch ausgewertete Urkunde von 1380 bezeichnet vielmehr eindeutig ihre Tochter Jutta als dortige Äbtissin.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Äbtissin von Heerse mini|Siegel Gemmeke hat die spätere Äbtissin von Heerse mit der Witwe Heinrichs VII. von Schwalenberg identifiziert.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 105 Leesch hält diese zunächst erschlossene Gleichsetzung durch weitere Quellen für weitgehend gesichert. Ein wichtiges Indiz ist der Rietberger Verwandte Cord: 1380 wird er als „Vetter“ der Gräfin Mette von Schwalenberg bezeichnet, 1384 derselbe Cord als „Vetter“ der Äbtissin Mette von Heerse. Hinzu kommen die zahlreichen weiteren Übereinstimmungen in Herkunft und Verwandtschaft.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Noch am 26. Mai 1383 war Sophie als Äbtissin von Heerse im Amt. Mechthild ist erstmals am 14. Februar 1384 sicher als Äbtissin nachgewiesen. 1393 wird sie ausdrücklich als „Mette van deme Retberghe“ bezeichnet. Von Mechthild ist auch ein zwischen 1384 und 1397 verwendetes Siegel bekannt. Es zeigt unter einem Baldachin das Brustbild einer Nonne und darunter den Rietberger Adlerschild. Die Umschrift lautet „SECRETUM ABATISSE HERISIENSIS“.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Fehden und wirtschaftliche Schwierigkeiten Während ihres Abbatiats war die Region durch zahlreiche Fehden und gewaltsame Auseinandersetzungen unsicher. Davon war auch das Stift Heerse stark betroffen. Besonders die Familien von Brobeck, von Padberg und von Falkenberg traten als gewalttätige Gegner hervor. Vor diesem Hintergrund erließ Papst Bonifatius IX. am 29. Oktober 1395 einen Schutzbrief für das Stift. Darin wird berichtet, Äbtissin und Kapitel hätten darüber geklagt, dass sie im Besitz ihrer Güter sowie in ihren Einkünften und Rechten beeinträchtigt würden. Der Versuch des Paderborner Bischofs, militärisch gegen die Unruhestifter vorzugehen, blieb zunächst erfolglos. Ausgerechnet Friedrich von Padberg wurde anschließend von den Landständen zum Anführer der Landmiliz und Schutzherrn des Hochstifts bestimmt. Erst wesentlich später gelang es, die Ritterbünde dauerhaft zurückzudrängen.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 112
In Mechthilds Amtszeit fallen zudem mehrere Verkäufe und Verpfändungen von Stiftsgütern. Gemmeke sieht darin Hinweise auf angespannte wirtschaftliche Verhältnisse des Stifts.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 112
Memorialstiftungen und Tod Am 5. Februar 1400 stiftete Mechthild ein doppeltes Jahresgedächtnis für sich und ihre Angehörigen. Leesch nennt ausdrücklich Heinrich von Schwalenberg, dessen Tochter Jutta und Mechthilds Bruder Otto von Rietberg als Personen, deren gedacht werden sollte.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 113f. Zur Ausstattung der Stiftung schenkte Mechthild dem Stift einen Hof. Dessen Einkünfte sollten verschiedenen wohltätigen Zwecken dienen, darunter der Unterstützung armer Frauen. Außerdem wurde genau festgelegt, welche Geldbeträge die an der Memorie beteiligten Geistlichen erhalten sollten. Gottesdienste sollten sowohl im Stift als auch in zwei zum Stiftsbereich gehörenden Kirchen gefeiert werden. Das erste jährliche Begängnis sollte jeweils am Todestag der Äbtissin, das zweite am vierten Fastensonntag stattfinden.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 113f.
Aus einer Urkunde ihrer Nachfolgerin Mechthild von Waldeck ist eine weitere Stiftung Mechthilds für ihr Seelenheil bekannt. Zugleich sollte damit eine Subdiakonstelle materiell besser ausgestattet werden. Hierfür hatte Mechthild zwei Drittel der Einkünfte eines Hofes bestimmt. Auf den Tag ihres Todes ist außerdem eine Verfügung datiert, durch die ein Haus und Hof zunächst einer Familie zur lebenslangen Nutzung überlassen wurden. Nach dem Tod der Nutzungsberechtigten sollte der Besitz wieder an das Stift zurückfallen.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 114f.
Gemmeke gibt als Todestag den 25. April 1400 an.Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 S. 106 Leesch korrigiert dies anhand des Nekrologs von Heerse auf den 26. April 1400. Eine weitere Quelle belegt, dass Mechthild am 6. Dezember 1400 bereits verstorben war.Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Einzelnachweise
Literatur Anton Gemmeke: Geschichte des adeligen Damenstifts zu Neuenheerse. Bonifacius-Druckerei, Paderborn 1931 () S. 104–108 Wolfgang Leesch: Die Grafen von Rietberg aus den Häusern Arnsberg und Ostfriesland. In: Westfälische Zeitschrift 113 (1963) S. 315
Kategorie:Familienmitglied des Adelsgeschlechts Cuyk (Linie Rietberg) ⚭Mechthild #Rietberg Kategorie:Äbtissin Kategorie:Person (Bad Driburg) Kategorie:Geboren im 14. Jahrhundert Kategorie:Gestorben 1400 Kategorie:Frau