Flora von Herwarth (* 11. November 1981 in Wiesbaden) ist eine deutsche Dichterin und Schriftstellerin.
Leben Flora von Herwarth wuchs in Wiesbaden auf und absolvierte nach dem Abitur einen Freiwilligendienst im Heim für krebskranke Kinder Maria Jesús Vergara in Santiago de Chile. Nach längeren Aufenthalten in Chile, Bolivien und Peru, begann sie das Studium der Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin, das sie 2005 abbrach, um eine Hebammenausbildung zu beginnen. Für ihr Hebammenexternat arbeitete sie einige Monate in der Geburtshilfe von Ocotal, Nicaragua. 2008 legte sie ihr Examen an der Dr. Horst-Schmidt-Klinik in Wiesbaden ab und zog im Anschluss daran nach Großbritannien, wo sie bis 2012 im University Hospital Cambridge als Hebamme praktizierte. 2013 siedelte sie mit ihrer Familie nach Wiesbaden um und arbeitet seitdem, neben Vertretungsdiensten als Hebamme, primär als Autorin. Flora von Herwarth hat eine Tochter (* 2012).
Literarisches Werk Flora von Herwarth veröffentlichte seit 2004 literarische Texte; zunächst Gedichte und Erzählungen im Rahmen von Anthologien und Literaturzeitschriften, war Preisträgerin des Jungen Literaturforums Hessen-Thüringen und Teilnehmerin bei dessen Herbstseminaren 2004, 2005 und 2006. Nach der Geburt ihrer Tochter widmete sie sich intensiv dem Schreiben und verfasste ihren Debütroman Splitterzeiten, der 2020 erschien und als Tatsachenroman das Leben einer unbeugsamen Ärztin in zwei deutschen Diktaturen portraitiert. 2021 wurde Splitterzeiten für den Uwe-Johnson-Förderpreis nominiert. Im selben Jahr wurde das erste Werk ihrer Lyrik-Trilogie mit Musik und bildender Kunst veröffentlicht. Unter dem Titel Das Marsyasprojekt. Was eins ward und innen interpretiert es den Mythos des Satyrs Marsyas als Selbstfindungs- und Selbstwerdungsprozess neu. Die Gedichte wurden von dem australischen Pianisten Alexander Kokic Schmidt vertont und von der Malerin Sandy Lang in sechs Gemälden bildhaft dargestellt. Nach den großflächigen Rodungen für den Autobahnausbau der A49, verfasste von Herwarth als zweites multidisziplinäres Lyrikwerk eine Totenmesse für den Wald, die von dem Cellisten Manuel Fischer-Dieskau für fünf Celli vertont und durch großformatige Bilder des spanischen Malers Amador Vallina ergänzt wurde. Das Requiem viridem. Träume mich grün erschien 2022 und wurde im Landesmuseum Wiesbaden uraufgeführt. Es folgten überregionale Aufführungen u. a. im Maison Heinrich Heine, Paris. 2025 setzte sich Flora von Herwarth für ihr drittes Lyrikwerk intensiv mit der Not fliehender Menschen rund um das Mittelmeer auseinander und schrieb für sie das 2026 erschienene Mare nostrum. Sonate aus Salz. Die Gedichte wurden von dem Pianisten Aeham Ahmad vertont und durch Fotografien, die ins Verschwommene bearbeitet wurden, erweitert. Das Werk wurde überregional, u. a. bei der Nacht der offenen Kirchen in Berlin, aufgeführt und kooperierte mit der Seenotrettungsorganisation SOS Mediterranee.
Von Herwarth erhielt für die Arbeit an ihrem Roman ein Autorenstipendium der Hessischen Kulturförderung sowie eine Projektförderung des Kulturamts Wiesbaden für Mare nostrum. Sonate aus Salz. 2026 las Flora von Herwarth bei der 16. Hochstädter Lyriknacht.
Rezeption Der Wiesbadener Kurier 2022 zur Uraufführung des Requiem viridem:
„Schmerzvoll kreischen die E-Cello-Saiten zu Flora von Herwarths Zeilen „Es rollen die Räder,/es fällen die Säger“, wenn Paarreime zuschlagen und sich die Töne lautmalerisch im Walzer der Maschinen drehen. Es ist „Dies irae“, der Tag des Zorns, Klimax der sechs Sätze, die über Trauer und Mahnung schließlich „In paradisum“ heilende Bilder beschwören“.
Werke
Lyrik
Mare nostrum. Sonate aus Salz. Lyrik. KLAK Verlag, Berlin 2026, ISBN 978-3-911617-30-7. Requiem viridem. Träume mich grün. Lyrik. KLAK Verlag, Berlin 2022, ISBN 978-3-948156-58-9. Das Marsyasprojekt. Was eins ward und innen. Lyrik. KLAK Verlag, Berlin 2021, ISBN 978-3-948156-49-7. Prosa Splitterzeiten. Roman. KLAK Verlag, Berlin 2020, ISBN 978-3-948156-28-2.
Verstreute Veröffentlichungen
Russisches Roulette Kurzgeschichte in Zeichen und Wunder/Frankfurt a. M./Mainz 2006, Nr. 48. Nähe und Die Krähen. Gedichte in L. Der Literaturbote/Frankfurt a. M. 2004, Nr. 74. Laubgeflüster. Gedicht in Anthologie Nagelprobe 21, Allitera/München 2004, ISBN 3-86520-053-2.
Weblinks
Autorenbiografie von Flora von Herwarth auf der Webseite des KLAK Verlags https://www.klak-verlag.de/autorinnen/herwarth-flora-von/
Kurzbiographie und Angaben zum Werk bei Literaturport
Einzelnachweise
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