Matthias Götz (* 26. Oktober 1952 in Karlsruhe) ist ein deutscher Designtheoretiker, Ausstellungsmacher und Hochschullehrer. Von 1998 bis 2018 war er Professor für Designtheorie an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle, dort organisierte und leitete er mehrere Ausgaben des „Designtheoretischen Symposions“. Zuvor prägte er als Kurator des Museums für Gestaltung Basel eine Reihe vielbeachteter thematischer Ausstellungen.
Leben
Ausbildung und wissenschaftliche Anfänge Götz studierte von 1973 bis 1982 Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte an der Universität Würzburg sowie Philosophie, Wissenschafts- und Planungstheorie an der Universität Stuttgart. 1979 legte er die Magisterarbeit Marken: semiotische Untersuchung und Klassifikation vor, 1980 erwarb er den Magister Artium. 1982 wurde er an der Universität Stuttgart bei Max Bense mit der Arbeit Schein Design: die Form und ihre Planung in semiotischer Sicht zum Dr. phil. promoviert.Prof. Dr. Matthias Götz. burg-halle.de, Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle Bereits 1982 veröffentlichte er im Umfeld der Stuttgarter Schule der Semiotik um Max Bense den Aufsatz Präsemiotische Bemerkungen über „Schein“ und „Design“ in Band 7 der Zeitschrift für Semiotik, in dem er sich mit den semiotischen Kategorien von Max Bense, Charles Sanders Peirce und Elisabeth Walther für eine Design- und Architekturtheorie auseinandersetzte.Matthias Götz: Präsemiotische Bemerkungen über „Schein“ und „Design“. In: Zeitschrift für Semiotik, Jg. 7, Heft 4, 1982, S. 31–42 Der Designtheoretiker Hermann Sturm würdigte später, Götz habe mit dieser Arbeit die Begriffe des „Opaken und der Transparenz“ in die ästhetische Debatte eingeführt.Hermann Sturm: Pandoras Box: Design. Zu einer Ikonografie der Gestaltung des Nützlichen. In: Kunstforum International, Band 130, 1995
Von 1980 bis 1986 war Götz Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Universität Essen bei Hermann Sturm. Von 1986 bis 1988 arbeitete er im Atelier Stankowski + Duschek in Stuttgart. Auch nach dem Wechsel nach Basel blieb er Sturm verbunden und veröffentlichte 1987 und 1989 Beiträge in dessen Sammelbänden Artistik und Verzeichnungen. Vom Handgreiflichen zum Zeichen.Matthias Götz: Zum Entwurf einer Theorie des Artistischen. In: Hermann Sturm (Hrsg.): Artistik. Aachen 1987, S. 3–45Matthias Götz: Verzeichnung – ein ästhetisches Thema. In: Hermann Sturm (Hrsg.): Verzeichnungen. Vom Handgreiflichen zum Zeichen. Essen 1989, S. 35 ff.
Kuratorische Tätigkeit in Basel 1989 wählte der Regierungsrat des Kantons Basel-Stadt Götz zum „Konservator Ausstellungen“ des Museums für Gestaltung Basel.Notiz. In: ProgrammZeitung Basel, April 1989, S. 7 Ab 1996 führte er das Museum gemeinsam mit Bruno Haldner als geschäftsführender Gesellschafter in privater, teils staatlich unterstützter Trägerschaft weiter.«Kommunikation braucht Theorie». In: markt-kom.com Werbewoche, 14. Dezember 2000 Die erste von ihm im Museum für Gestaltung Basel konzipierte und kuratierte Ausstellung trug den Titel Wo ist der Ausgang? Wenn Bilder Auskunft geben; Piktogramme und fand vom 24. Februar bis zum 29. April 1990 statt. Sie setzte sich gestalterisch und analytisch mit visuellen Leitsystemen und der Bildsprache von Piktogrammen auseinander, begleitet von einem von Götz herausgegebenen Katalogbuch im Basler Schwabe-Verlag.portal.dnb.de; Suche nach „124166288“. Katalog der Deutschen Nationalbibliothek In den folgenden Jahren kuratierte er am Museum eine Reihe weiterer thematischer Ausstellungen, die nicht Objekte, sondern Wahrnehmungsphänomene und Alltagsbedingungen von Gestaltung zum Thema machten:
+ Ausstellungen am Museum für Gestaltung Basel (Auswahl) Zeitraum Ausstellung Kuratoren und Mitwirkende 15. Dezember 1990 – 17. Februar 1991 Licht Matthias GötzLicht: 15.12.1990–17.2.1991, Museum für Gestaltung Basel. Katalog, Schwabe, Basel 1990 23. März – 20. Mai 1991 Die Tücke des Objekts Matthias Götz, Bruno Haldner (unter Mitwirkung von Hermann Sturm)Die Tücke des Objekts. Vademecum, ein Leitfaden. Entwickelt von Matthias Götz und Bruno Haldner, mitgewirkt hat Hermann Sturm. Museum für Gestaltung, Basel 1991Plakat – Tuekke – Die Tücke des Objekts. Museum für Gestaltung Basel, Gestaltung: Marcel Schmid, Thomas Gfeller, Sandra Kunz, 1991. buch-antiquariat.ch 15. Juni – 11. August 1991 Die gute Form. Teigwaren aller Art Matthias Götz, Bruno Haldner, Karolin LinkerStaehelin Georg – Die gute Form. Teigwaren aller Art, Museum für Gestaltung Basel. Swiss Poster Art (Plakatarchiv) 14. Dezember 1991 – 29. März 1992 Schmutz und Sauberkeit. Wasser Matthias Götz, Bruno Haldner 5. September – 8. November 1992 Risiko, Absicht, Versehen und Versicherungen – Vorsicht! Matthias Götz, Bruno Haldner (Mitwirkende: Karolin Linker, Ursula Pecinska) 1993 Über den Boden (Begleitpublikation Bodenspiel: 70 Spielgründe) Matthias Götz u. a.Bodenspiel: 70 Spielgründe. MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, Sammlung online 4. Dezember 1993 – 26. Juni 1994 Geräusche. Ein Hörspiel Matthias Götz, Bruno Haldner 1994 Netto – Nichts als Inhalt Matthias Götz, Bruno HaldnerNetto. Nichts als Inhalt. MAK – Museum für angewandte Kunst, Wien, Sammlung online 19. November 1994 – 2. April 1995 Die Geländer des Daseins – Gestaltung als Kompensation Matthias Götz, Bruno Haldner 20. Mai 1995 – 7. Januar 1996 Aroma, Aroma. Versuch über den Geruch Matthias Götz, Bruno HaldnerAroma, Aroma – Versuch über den Geruch. Artifiche – die Schweizer Plakatgalerie 2. Oktober 1996 Touch me – Bitte berühren!Neue Ausstellung «Touch me – Bitte berühren!» des Museums für Gestaltung. Regionaljournal Basel Baselland, srf.ch/audio, 1996 – 1997 Naturdesign. Rosige AussichtenVeranstaltungskalender. In: ProgrammZeitung Basel, Juni 1997, S. 29 – 1998 Detail-Design (Kornhaus Bern) Matthias Götz, Bruno HaldnerJürgen Raap: Nachrichtenforum: Museen & Institutionen. In: Kunstforum International, Band 143, 1998, S. 8–11 2001/2002 Schatten, Schatten. Der Schatten – das älteste Medium der Welt Matthias Götz, Bruno Haldner, Matthias BuschleSchatten, Schatten. Der Schatten – das älteste Medium der Welt. perlentaucher.de
Die Plakate zu den meisten dieser Ausstellungen des Museums für Gestaltung Basel stammen vom Schweizer Grafiker Georg Staehelin.Plakatsammlung Basel – Suche „Georg Staehelin“. recherche-plakatsammlungbasel.ch
Im März 1996 musste das Museum aus Sparmaßnahmen des Kantons seinen bisherigen Standort am Petersgraben schließen. Haldner und Götz führten die Institution daraufhin privat am neuen Standort im Schwarzenbachareal in Weil am Rhein weiter, wo sie zeitweise als „Museum für Gestaltung Basel-Weil“ firmierte. Die Ausstellung Touch me markierte im Oktober 1996 die Eröffnung dieses neuen Standorts. Detail-Design entstand 1998 als multimediale Eröffnungsausstellung für das neu eröffnete Kornhaus Bern, ein Forum für Medien und Gestaltung. 2001 richtete Götz, weiterhin gemeinsam mit Bruno Haldner, das 14. Internationale Forum für Gestaltung Ulm zum Entwurfsprozess aus, dessen Begleitband Heureka oder die Kunst des Entwerfens 2002 erschien.Rene Spitz: HfG – IUP – IFG Ulm 1968–2008, S. 142
Professur an der Burg Giebichenstein Bereits zum 17. Designtheoretischen Kolloquium der Burg Giebichenstein, das im November 1996 unter dem Thema „Objekt und Prozess“ stattfand, beteiligte sich Götz, damals noch Leiter des Museums für Gestaltung Basel, mit dem Vortrag und Essay Corpus delicti – Objekt und Prozess.Matthias Götz: Corpus delicti – Objekt und Prozess. In: Designtheoretisches Kolloquium, 17.1996, S. 78–88. Hochschule für Industrielle Formgestaltung, Halle. Digitalisat (Einzelbeitrag) und Digitalisat (Gesamtband), Universitätsbibliothek Heidelberg 1998 wurde Götz als Professor für Designtheorie an die Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle berufen, wo er bis zu seiner Emeritierung 2018 lehrte. Er übernahm dort als Nachfolger von Horst Oehlke, der die Reihe 1977 begründet hatte, die Ausrichtung des „Designtheoretischen Symposions“.Kolloquium zu Fragen der Theorie und Methodik der Industriellen Formgestaltung. Fachinformationsseite, Universitätsbibliothek Heidelberg Der Sammelband zu seiner ersten Ausgabe der Reihe mit 31 Beiträgen unter dem Titel Der Tabasco-Effekt. Wirkung der Form, Formen der Wirkung, erschien 1999 im Vorfeld des 18. Symposions, das Ende November 2000 auf der Burg Giebichenstein vor rund 200 Dozenten, Studierenden und Gästen stattfand.Der Tabasco-Effekt® Wirkung der Form, Formen der Wirkung. burg-halle.deMatthias Götz (Hrsg.): Der Tabasco-Effekt. Burg Giebichenstein Hochschule für Kunst und Design Halle, Halle 1999, ISBN 3-86019-023-7 (Schwabe, Basel, ISBN 3-7965-1506-1)
Es folgte www.thebasicparadox.de als 19. Symposion, gemeinsam mit dem Professor für Prozessdesign Wolfgang Jonas herausgegeben und am 7. Dezember 2002 von 0 bis 24 Uhr als 24-Stunden-Live-Chat zwischen der Kunsthochschule in Halle und der Hochschule für Künste Bremen ausgerichtetes Kooperationsprojekt. Dem Symposion war ein zweijähriges Online-Projekt auf derselben Website vorausgegangen.design_paradox? chat! In: design_paradox. chat, cd. Hg. Matthias Götz, Wolfgang Jonas, Red. Maike Fraas, Matthias Götz. Halle 2003 An Konzeption, Organisation und Redaktion war Maike Fraas beteiligt, die von da an bei den folgenden Symposien mitwirkte.Impressum. In: design_paradox. chat, cd. Hg. Matthias Götz, Wolfgang Jonas. Dokumentation des 19. Designtheoretischen Symposions, Halle 2003 Das Programm aus sieben Hauptchats und Diskussionen lief rund um die Uhr: Eine fortlaufend aktualisierte Countdown-Anzeige führte durch einen dichten Wechsel aus Chat-Interviews mit internationalen Gästen – etwa aus Perth und Newcastle in Australien –, mit Vorlesungen und Nachtdiskussionen, während in den Pausen an aufgestellten iMacs gearbeitet oder im Foyer Tischtennis gespielt wurde. Der Ort glich damit über weite Strecken eher einem durchgehend geöffneten Internetcafé als einem klassischen Kolloquium.Fotodokumentation. In: design_paradox. chat, cd. Hg. Matthias Götz, Wolfgang Jonas. Dokumentation des 19. Designtheoretischen Symposions, Halle 2003 Die Statistik des begleitenden Chats – 113.799 Kilobyte übertragene Daten, 25.691 Zugriffe – wurde in der Dokumentation festgehalten.
Villa Paragone – Thesen zum Ausstellen (20. Symposion, 2006), untersuchte unter dem Leitbegriff des Vergleichs („paragone“) die Geschichte und Praxis des Ausstellens aus interdisziplinärer Perspektive – von Museologen über Sammler bis zu Messebauern und Architekten.Villa Paragone: Thesen zum Ausstellen. burg-halle.de Das letzte von Götz wiederum gemeinsam mit Maike Fraas herausgegebene Symposion war Fiasco – ma non troppo. Vom Designfehler zum Fehlerdesign (21. Symposion, 2012).Fiasco - ma non troppo! Vom Designfehler zum Fehlerdesign. Ankündigung, 21. Designtheoretisches Symposion, 8.–10. November 2012. In: ArtHist.net, 2012Fiasco – ma non troppo. Ein Doppelband. burg-halle.de Die Veranstaltungen fanden im Volkspark Halle (Saale) statt und versammelten jeweils mehrere Dutzend nationale und internationale Vortragende aus Design, Architektur, Philosophie und Kulturwissenschaften.