Das Bildnis des Galeazzo Maria Sforza (it. Ritratto di Galeazzo Maria Sforza) ist ein in Öl auf Zypressenholz ausgeführtes Gemälde des italienischen Renaissancemalers Piero del Pollaiuolo (* um 1443; † 1496). Das wahrscheinlich 1471 ausgeführte Porträt befindet sich im Bestand der Galleria degli Uffizi, der Gemäldesammlung der Uffizien in Florenz.

Der Porträtierte Der Porträtierte, Galeazzo Maria Sforza (* 24. Januar 1444; † 26. Dezember 1476), Herzog von Mailand, unternahm in den Jahren 1470 bis 1472 ausgedehnte diplomatische Reisen. Er war in zweiter Ehe mit Bona von Savoyen verheiratet, einer Schwägerin von König Ludwig XI. von Frankreich, und hatte Anfang 1471 eine Reise an den französischen Hof geplant, um die Beziehungen zu diesem mächtigen Verbündeten zu festigen. Der Plan scheiterte; Galeazzo Maria änderte nun sein Reiseziel und beschloss, stattdessen Florenz zu besuchen. Als offizieller Grund wurde der Besuch der dortigen Kirche Santissima Annunziata angegeben, der seine Familie tief verbunden war. Vorgeblich wollte der Herzog dort ein Gelübde zum Besuch eines wundertätigen Bildes in dieser Kirche erfüllen; tatsächlich waren für ihn die Beziehungen zu Florenz und insbesondere den Medici ausschlaggebend. Das Bündnis mit ihnen war für Galeazzo Marias Vater Francesco I. Sforza von großer Wichtigkeit gewesen, aber in den ersten Jahren der neuen Regierung ins Wanken geraten. Seitdem hatte es sich indes wieder gefestigt.

1470 wurde Lorenzo der Taufpate für das erste Kind Galeazzo Marias mit Bona. Der Besuch im folgenden Jahr 1471 ist durch zeitgenössische Beschreibungen gut dokumentiert. Danach bestand das Gefolge des herzoglichen Paares aus etwa 400 Personen, deren spektakulärer Prunk von den Einwohnern der Städte, durch die sie hindurchzogen, bewundert wurde. Nach ihrer Ankunft in Florenz am 15. März 1471 wurde zunächst die Kirche besucht, anschließend sprach Galeazzo Maria vor der Signoria. Er wurde im Palast von Lorenzo untergebracht, seine Gemahlin bei Pierfrancesco de’ Medici. Da der Besuch während der Fastenzeit stattfand, wurde der Großteil der Zeit ruhig im Palast verbracht. Höchstwahrscheinlich saß Galeazzo Maria während dieser Zeit Modell für Piero del Pollaiuolo, der damals auf dem Höhepunkt seines Ruhmes stand und mit einem großen Auftrag für die Ausgestaltung des Tribunale della Mercanzia beschäftigt war. Lorenzo als de-facto-Herrscher von Florenz war an diesem Projekt beteiligt, was es wahrscheinlich macht, dass der Auftrag für das Porträt des Herzogs von ihm ausging.

Wenige Jahre später, am 26. Dezember 1476, wurde Galeazzo Maria in der Kirche Santo Stefano Maggiore in Mailand von drei Verschwörern ermordet, die die Stadt von einem Tyrannen befreien wollten. Er wird als äußerst unattraktiver Charakter beschrieben; ein Florentiner Chronist nannte das Attentat eine „würdige und lobenswerte Tat“, und Niccolò Machiavelli schrieb darüber ausführlich als Lehrstück gegen die Tyrannei.

Bildbeschreibung Der Maler stellt den Herzog vor einem neutralen dunklen Hintergrund dar. Gezeigt wird der Oberkörper bis etwas oberhalb der Taille; Galeazzo Marias Torso ist ein wenig zu seiner Rechten geneigt. Sein Blick ist nach rechts vorne gewandt, eine visuelle Kommunikation mit dem Betrachter findet nicht statt. Während der Körper im Halbprofil dargestellt ist, grenzt die Darstellung der scharf gezeichneten Gesichtszüge des Porträtierten fast an ein reines Profil, denn die linke Wange ist nicht sichtbar, sondern lediglich Teile des Auges. Der prononciert ausgestreckte Zeigefinger der rechten Hand weist ungefähr in Blickrichtung des Herzogs. Sein Gesicht wird durch eine stark ausgeprägte Höckernase, ein markantes Kinn und volle Lippen charakterisiert, sein nackenlanges dunkles Haar ist leicht gewellt.

Der Herzog wird in einem mit Hermelin gefütterten und mit den französischen Lilien (Fleur-de-Lis) bestickten Wams (Doublet) gezeigt, in einem zeitgenössischen Bericht über den Einzug des Herzogs in die Stadt als veste bezeichnet. Das Kleidungsstück hat weite Ärmel und breite Nähte und entspricht franko-burgundischem Stil. Um den Hals trägt Galeazzo Maria eine Goldkette mit einem ungewöhnlich geformten Anhänger; wegen seiner bekannten Vorliebe für solche Edelsteine dürfte es sich um einen Rubin handeln. Die rechte Hand steckt in einem feinen Lederhandschuh, dessen Haut so dünn ist, dass er fast transparent wirkt und durch ihn hindurch der Nagel des Zeigefingers erkennbar ist; den zweiten Handschuh hält er in derselben Hand. Von Galeazzo Maria heißt es, er sei stolz auf seine zarten Hände gewesen; als leidenschaftlicher Jäger trug er häufig Handschuhe. In Florenz mochten diese zusätzlich eine Erhöhung des Status bewirken, denn dort wurden sie von Bürgern nicht getragen.

Für den Herzog war die Prachtentfaltung (magnificenza) seiner Garderobe von fast existenzieller Bedeutung. Er war auch eifrig bemüht, seine Höflinge prachtvoll einzukleiden; es hieß, er strebe danach, den Hof von Mailand zu „einem der glanzvollsten im Universum“ zu machen.

Alison Wright zieht einige Schlüsse aus dem halbausgestreckten weisenden Zeigefinger der rechten Hand. Auch außerhalb eines erzählerischen Kontextes erzeugt diese Geste eine narrative Bereicherung des Porträts. Der erhobene Finger war ein etabliertes ikonographisches Symbol für das Sprechen. Dies heißt nicht, dass der Herzog als sprechend dargestellt wird, vielmehr steht der ausgestreckte Finger Wright zufolge für das Privileg, jederzeit das Wort ergreifen zu können. Er symbolisiert damit Galeazzo Marias Autorität und seine Urteilskraft. Auf diese Weise trägt er erheblich zur Wahrnehmung des Herzogs als einer mächtigen und nach außen agierenden Figur bei, Eigenschaften, die als zentrale Tugenden (virtù) eines idealen Herrschers und militärischen Führers galten. Insofern nimmt die Geste eine ähnliche Funktion wahr wie das entschlossene Vorstrecken des Kommandostabes in der Faust von Francesco Sforza, Galeazzos Vater, wie ihn Pieros Bruder, Antonio del Pollaiuolo (* 1431; † 1498), in seinem Entwurf für dessen Reiterdenkmal zeigt (datiert auf 1482/1483, Staatliche Graphische Sammlung München). Die durch das Bildformat des Porträts erzwungene Beschränkung der Gestik erzeugt eine Ambiguität, ob der Dargestellte die Bewegung willentlich ausführt oder die Handhaltung lediglich ein Zufall ist. In diesem Sinne ist die Gestik auch als höfische Sprezzatura deutbar, die Kunst des kalkulierten Handelns, das den Eindruck des Absichtsvollen bewusst vermeidet.

Die Gestik der rechten Hand und die Auffassung der ganzen Figur haben etwas Experimentelles. Piero mag flämische Porträts gekannt haben, die etwa um dieselbe Zeit in Florenz bekannt wurden und in kompositorischer Hinsicht Ähnlichkeiten aufweisen. Es gibt auch ein paar vergleichbare eigenständige italienische Porträts, etwa das Bildnis eines Mannes von Andrea del Castagno (* um 1419; † 1457), entstanden in den letzten Lebensjahren des Meisters und aufbewahrt in der National Gallery of Art, Washington D.C. Doch in keinem der heute bekannten Werke gibt es eine vergleichbare Darstellung eines kraftvollen, sich durch den Raum bewegenden und sein Volumen ausfüllenden Körpers, in dem derart Bewegung und herrscherlicher Ausdruck impliziert werden, ein Eindruck, der durch die tiefliegenden und dunkel umschatteten Augen noch unterstrichen wird. Andrea Bayer zufolge mag der Künstler nach einer ähnlichen Wirkung gestrebt haben, wie sie die großen Porträtbüsten jener Zeit vermittelten, etwa die Büste des Piero di Cosimo de’ Medici von Mino da Fiesole (* 1429; † 1484) aus den Jahren 1453 und 1454 (Museo Nazionale del Bargello in Florenz).

Lorenzo de’ Medici und das Bildnis des Galeazzo Maria Sforza Mit der Beauftragung des Gemäldes, das gleichzeitig an eine Person und ein Ereignis erinnern sollte, begann Lorenzo, die Porträtkunst als Werkzeug seiner diplomatischen Ambitionen zu nutzen. Die Charakterisierung des Herzogs ist neuartig und schmeichelhaft. Vordergründig als Andenken an den Besuch von 1471 gedacht, konnte es auch als Kompliment an den Dargestellten präsentiert werden und auf diese Weise dazu beitragen, eine wichtige diplomatische Beziehung zu besiegeln. Galeazzo Marias Vater Francesco Sforza hatte als Condottiere erfolgreich für Florenz gekämpft, und seine 1450 erfolgte Anerkennung als Nachfolger von Filippo Maria Visconti als Herrscher von Mailand hatte eine neue Ära in der Beziehung der beiden Städte eingeleitet.

Alison Wright hält die Reise Galeazzo Marias nach Florenz für eine „Werbemaßnahme“, bei der er sich und seinen Hofstaat sowohl Florenz als auch den durchreisten Gebieten Mailands in ihrer prachtvollsten und manipulativsten Form präsentiert wollte. Der blaue Brokat mit den Fleur-de-Lis, den Herzog und Gemahlin bei ihrem Einzug trugen, verkündete Galeazzo Marias Ehebündnis mit der französischen Krone, deren Hofstil er nachzuahmen suchte. Er war vermutlich im Vorfeld des beabsichtigten Frankreichbesuchs gefertigt worden, konnte aber aufgrund des für den Herzog glücklichen Zufalls, dass auch Florenz und der Familie Medici 1465 das Recht zur heraldischen Nutzung dieses Emblems gewährt worden war, als Kompliment an die Besuchten interpretiert werden.

Zwar waren die direkten politischen Ziele des Besuchs nur begrenzt, im Hinblick auf die Beziehung der beiden Mächte aber äußerst bedeutungsvoll. Der Herzog wurde nicht nur mit allen Ehren im Medici-Palast empfangen, seinen Aufenthalt finanzierte Lorenzo zudem aus den eigenen finanziellen Mitteln und nicht aus denen der Stadt. Dieser Moment war von beträchtlicher Bedeutung für Lorenzo, der dem Anspruch der Präsenz eines glanzvollen Hofes gerecht werden musste, dennoch aber innenpolitisch den Anschein zu vermeiden hatte, selber einem solchen vorzustehen. Er war gefordert, das fragile Gleichgewicht von öffentlichem und privatem Interesse, Ehre und Profit, Bürgertum und Herrschaft auszubalancieren.

Die magnificenza im öffentlichen Auftreten Galeazzo Maria Sforzas Glanz und andere Eigenschaften von Licht waren im Italien des 15. Jahrhunderts wesentliche höfische Ideale, die aristokratische Autorität begründeten, indem sie Distinktion und Adel ausstrahlten. Das von den Haaren, dem Teint, der Kleidung, dem Schmuck und der Rüstung Adliger ausgehende Leuchten manifestierte ihren herausgehobenen Status und vermittelte dem Publikum unmittelbar zugänglich politisch bedeutsame Botschaften über ihre Souveränität; kurz, sie überzeugten ihre Betrachter davon, dass ihre Träger rechtmäßig regierten. Offenbar hatte Galeazzo Marias Auftreten den gewünschten Effekt, denn er wurde von einem Autor, der ihn mit einer „lebenden Sonne“ umgeben von leuchtenden Sternen verglich, als „glänzend“ (pulito), „strahlend“ (lustre), „makellos hell“ (candido) und „von Gold umgeben“ (aureato) beschrieben.

Aber nicht nur das persönliche Erscheinungsbild eines Fürsten, auch das der ihn umgebenden Höflinge war von Bedeutung. Zurschaustellungen von Macht waren im 15. Jahrhundert eher gemeinschaftliche als rein individuelle Aufgaben. Männer, die Galeazzo Maria zur Weihnachtszeit 1468 an seinen Hof einlud, erinnerte er daran, dass durch ihre Gegenwart „der Fürst selbst deutlicher hervortrat, aber auch die herausragenden Männer, die seine Gunst genossen, an Gnade und Ehren zunahmen“. Eine Gruppe von Höflingen bat den Herzog demütig um Hilfe: Während Galeazzo Maria jene Kammerdiener, die sich direkt in seinem Gefolge befänden, reich einkleidete, seien sie selbst vergessen worden. Sie flehten ihn an, sich herabzulassen und auch ihnen eine standesgemäße Kleidung zu gewähren.