James Michael „Mike“ Heron (* 27. Dezember 1942 in Edinburgh) ist ein schottischer Sänger, Songwriter und Multiinstrumentalist. Bekannt wurde er in den 1960er und 1970er Jahren als Mitglied der Folkband The Incredible String Band, in der er sang und unter anderem Gitarre, Sitar und Mundharmonika spielte.
Leben
Herkunft und Anfänge
Heron wuchs in Edinburgh auf und besuchte dort die Royal High School und später die George Heriot’s School, an der sein Vater unterrichtete. Nach einem Jahr an der University of Edinburgh brach er das Studium ab und begann eine Ausbildung zum Buchhalter. Er spielte in Edinburgher Rhythm-and-Blues- und Popgruppen, unter anderem bei den Saracens. Gegen Ende 1965 stieß er nach einem erfolgreichen Vorspielen als drittes Mitglied zu dem Duo von Robin Williamson und Clive Palmer, das als The Incredible String Band regelmäßig in Palmers Glasgower Incredible Folk Club auftrat. Heron steuerte fortan eigene Lieder bei und spielte mehrere Instrumente.
Über die Anfangszeit sagte Heron später, die Sechziger seien eine Zeit des Ausprobierens gewesen, die Leute hätten sich vom langweiligen Popzeug abgewandt und dem Folk, dem Blues und der Weltmusik zugewandt. Man habe sich nicht hinsetzen, Buddy Holly hören und dabei einen Joint herumreichen können. Also habe die Gruppe die Musik zu machen versucht, die ihr im Leben gefehlt habe und die zum Hippieleben gepasst habe.
1969 kamen die Mitglieder der Incredible String Band über einen Bekannten ihres Managers und Produzenten Joe Boyd mit der Scientology in Berührung und traten der Organisation bei. Sie verzichteten fortan auf Drogen und Alkohol. Nach eigener Darstellung hatte sich Heron zuvor mit Theosophie, Astrologie und Meditation beschäftigt. Die Scientology sei für ihn persönlich die Methode gewesen, die „am wirkungsvollsten und dramatischsten“ bei ihm eingeschlagen habe, „so dramatisch, wie es der erste Trip sein kann“. Erst sie habe für ihn den Anlass gebildet, mit Drogen aufzuhören. Zuvor habe dafür keine Notwendigkeit bestanden, weil nichts anderes ähnlich greifbare Veränderungen bewirkt habe.
Solowerk und spätere Jahre
Neben seiner Arbeit in der Band veröffentlichte Heron mehrere Soloaufnahmen, die stärker rockorientiert ausfielen als das Material der Incredible String Band. Das erste dieser Alben, Smiling Men with Bad Reputations, erschien 1971, als er noch Bandmitglied war. Es trieb den Eklektizismus auf die Spitze und verband Rock, Folk und Weltmusik zu einem atmosphärischen Ganzen. Als Gastmusiker wirkten unter anderem Pete Townshend, Keith Moon, Duncan Browne und Ronnie Lane, die beiden Letzteren gemeinsam unter dem Namen Tommy & the Bijoux, sowie John Cale, Richard Thompson, Dave Mattacks, Simon Nicol, Dave Pegg, Dudu Pukwana, Elton John und Steve Winwood mit.
Heron selbst beurteilte das Album zwei Jahre später zurückhaltend. Es sei „eigentlich gar kein Album, sondern eine Sammlung von Tracks“ gewesen, „erste strauchelnde Schritte in eine neue Richtung“, deren Qualität stark geschwankt habe. Die Entstehung führte er darauf zurück, dass sich in einer Gruppe zurückgestellte eigene Vorstellungen nach einiger Zeit entladen. Ein zweites Soloalbum mit geschlossener Konzeption kündigte er 1973 an, kam wegen seiner Produktionsarbeit für die Band aber zunächst nicht dazu.
1973 übernahm Heron bei No Ruinous Feud erstmals allein die Produktion eines Albums der Incredible String Band. Anlass war die Kritik an der Produktion des Vorgängers Earthspan, dessen Stücke keine Beziehung untereinander hätten und der insgesamt schlecht produziert sei. Er bezeichnete den Schritt als Experiment und als zeitlich begrenzte Lösung, begründete ihn aber damit, auf diesem Gebiet die meiste Erfahrung in der Band zu haben. Auch die Hinwendung der Gruppe zu rhythmisch betontem Material ging teilweise auf ihn zurück, entsprechende Ansätze hatte er zuvor auf seinem Soloalbum verfolgt.
Auf dem Abschiedsalbum Hard Rope & Silken Twine von 1974 dominierte Heron nach dem Urteil des Rockmagazins eclipsed die Gruppe so stark, dass die Bandchemie nicht mehr stimmte.
Nach der Auflösung der Incredible String Band im September 1974 gründete Heron mit drei Musikern der letzten, elektrisch verstärkten Besetzung, Graham Forbes, John Gilston und Malcolm Le Maistre, die Gruppe Mike Heron’s Reputation, die später nur noch Heron hieß. Mit ihr nahm er auf und ging bis 1977 auf Tournee. In den Jahren 1977 und 1978 entstanden in der Häusergruppe Glen Row bei Innerleithen, die der Incredible String Band als Wohnsitz und Stützpunkt gedient hatte, Aufnahmen, die später als The Glen Row Tapes veröffentlicht wurden. 1979 erschien ein Soloalbum bei Casablanca Records. Danach zog sich Heron für mehrere Jahre von Auftritten zurück. In den 1990er Jahren kehrte er mit der neuen Gruppe Mike Heron’s Incredible Acoustic Band zurück und veröffentlichte das Album Where the Mystics Swim.
2017 veröffentlichte Heron gemeinsam mit dem Dichter und Schriftsteller Andrew Greig den Erinnerungsband You Know What You Could Be. Tuning into the 1960s. Sein Teil des Buches schildert auf den Seiten 5 bis 104 sein Leben von 1957 bis 1966.
Diskografie
Soloalben
1971: Smiling Men with Bad Reputations 1975: Mike Heron’s Reputation (als Mike Heron’s Reputation) 1977: Diamond of Dreams (als Heron) 1979: Mike Heron 1988: The Glen Row Tapes 1996: Where the Mystics Swim (als Mike Heron’s Incredible Acoustic Band) 1998: Conflict of Emotions 2002: Futurefield 2005: Echo Coming Back
Literatur
Weblinks
Offizielle Website (englisch) Diskografie (englisch)
Einzelnachweise
Kategorie:Folksänger Kategorie:Songwriter Kategorie:Multiinstrumentalist Kategorie:Musiker (Vereinigtes Königreich) Kategorie:Schotte Kategorie:Brite Kategorie:Geboren 1942 Kategorie:Mann