Johann „Hans“ Hüdl (* 6. September 1871 in EbenseeKatholische Kirchenbücher. Linz, Österreich. Archiv der Diözese Linz; † 1. April 1918 ebendort.Josef Schopf: Hans Hüdl †. In: Österr. Touristenzeitung 38 (1918), S. 77–78.) war ein österreichischer Bergsteiger, Bergführer, Skilehrer und Höhlenforscher. Er bestieg gemeinsam mit Paul Preuß und Grete Loew 1911 als erster die Trisselwand über den Westpfeiler und beteiligte sich außerdem an der Erforschung der Dachstein-Rieseneishöhle. Dort wurde er der erste autorisierte Höhlenführer.

Leben und Wirken Hüdl wurde als Sohn des Tischlermeisters und Grundbesitzers Johann Hüdl und dessen Ehefrau Theresia geboren. Er wuchs in Ebensee auf, besuchte dort die Volksschule und erlernte das Tischlerhandwerk. Anschließend arbeitete er in der Werkstatt seines Vaters in Oberlangbath (Ebensee) mit. Um 1900 trat Hüdl der Sektion Gmunden des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins bei und war fortan als Bergführer tätig. Er führte zahlreiche Erstbegehungen und sorgte für Ausbau von Kletterrouten auf die Gasseltürme bei Ebensee. Wintertouren führten ihn auf den Dachstein und den Großen Priel.

Hüdl schloss 1904 die Schiführerausbildung ab und erhielt vom Österreichischen und Deutschen Alpenverein die entsprechende Konzession. 1907 war er als Schilehrer für die auf Schloss Cumberland in Gmunden residierende fürstliche Familie von Cumberland tätig. Mit diversen Initiativen förderte er den Schisport im Salzkammergut.

Gegen 1908 übersiedelte Hüdel nach Bad Aussee, trat dem Österreichischen Schiverein bei und arbeitete hauptberuflich als Berg- und Schiführer. Er führte gemeinsam mit Paul Preuß Touren durch. Gemeinsam mit Preuß und Grete Loew gelang ihm 1911 eine Erstbesteigung des Trisselbergs über den Westpfeiler im Freikletterstil. Hüdl beteiligte sich im selben Jahr an der Erforschung der Dachstein-Rieseneishöhle durch Hermann Bock und Georg Lahner. Die Forst- und Domänendirektion setzte ihn anschließend als ersten autorisierter Höhlenführer für die Dachsteinhöhlen ein.

Ab 1911 erforschte Hüdl zusammen mit Oskar Stipić und Julius Kalmar die Elmhöhle im Toten Gebirge und wirkte an der Gründung der Sektion Obersteier des Vereins für Höhlenkunde in Österreich mit, deren erster Sachwart er wurde. Seine Bemühungen um die touristische Erschließung der Elmhöhle bei Grundlsee sowie des Großen Loserlochs bei Altaussee wurden durch Ausbruch des Ersten Weltkriegs verhindert.

Nachdem Hüdl in den Wintermonaten noch in verschiedenen Schigebieten unterreichtet hatte, darunter 1914/15 am Semmering, rückte er im Januar 1916 als Freiwilliger zum Kriegsdienst ein und wurde an der Dolomitenfront eingesetzt. Bereits im Frühjahr 1917 wurde er aufgrund eines schweren Magenleidens vorzeitig entlassen. Als Invalide übernahm er im Sommer 1917 die Bewirtschaftung des Schiestlhauses am Hochschwab. Im Frühjahr 1918 erlag er seinen gesundheitlichen Leiden.

Literatur Johannes Mattes: Wissenskulturen des Subterranen. Vermittler im Spannungsfeld zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit. Ein biografisches Lexikon. Böhlau, Wien 2019, S. 262–263.

Einzelnachweise

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