mini|Pier Francesco Fiorentino: Madonna mit dem Kind und den Heiligen Onofrius, Antonius Abbas, Bernardino von Siena, Stephanus und Maria Magdalena, um 1470–1490, Santa Maria in Canonica, Colle di Val d’Elsa Pier Francesco Fiorentino (* um 1444/1445 in Florenz; † nach 1497), auch Pier Francesco di Bartolomeo di Donato genannt, war ein italienischer Maler und Priester des 15. Jahrhunderts. Die kunsthistorische Forschung setzte ihn lange Zeit mit einem anonymen, ausgesprochen produktiven Nachfolger Filippino Lippis und Pesellinos gleich. In der Literatur wird dieser gelegentlich als Pseudo-Pier Francesco Fiorentino bezeichnet. Diese Gleichsetzung, die vor allem auf Bernard Berenson zurückgeht, wurde jedoch von Robert Langton Douglas, Frederick Mason Perkins und weiteren Forschern zurückgewiesen. Sie hielten an einer Unterscheidung zwischen den beiden Malerpersönlichkeiten fest. Die Berechtigung dieser Unterscheidung wurde schließlich im Jahr 1932 auch von Berenson selbst anerkannt.

Leben Pier Francesco Fiorentino wurde um 1440 in Florenz geboren, wobei neuere Quellen seine Geburt auf die Jahre 1444 oder 1445 datieren. Sein Todesdatum ist nicht gesichert überliefert, doch starb er vermutlich nach 1497 in San Gimignano. Dieser Sterbeort gilt in der Forschung jedoch nicht als endgültig gesichert. Er war der Sohn des Florentiner Möbel- und Kerzenmalers Bartolomeo di Donato di Filippo und erhielt vermutlich seine erste künstlerische Ausbildung bei diesem. Er wird mehrfach in den Katasterdeklarationen seines Vaters erwähnt, allerdings mit widersprüchlichen Altersangaben: 1442 wird er mit fünf Jahren, 1459 mit sechzehn Jahren geführt, 1469/70 schließlich erscheint er als geweihter Priester im Alter von 25 Jahren. Aufgrund seiner Priesterweihe wurde er in zeitgenössischen und späteren Quellen gelegentlich als Pier Francesco Prete bezeichnet.

Stilistisch weist sein Werk deutliche Bezüge zu Benozzo Gozzoli auf, weshalb eine Mitarbeit in dessen Werkstatt angenommen wird, unter anderem bei der Ausführung der Fresken in der Hauptchorkapelle von Sant’Agostino in San Gimignano (1464–1467). Als sein frühes, eigenständiges Werk gilt das Kreuzigungsfresko in Santa Lucia a Barbiano bei San Gimignano. Dokumentiert ist eine nach 1474 entstandene Altartafel mit der thronenden Madonna und Heiligen für die Kollegiatskirche in Empoli, die sich heute im dortigen Museum befindet. Im Jahr 1475 ist er gemeinsam mit Domenico Ghirlandaio bei Dekorationsarbeiten in der Kollegiatskirche von San Gimignano bezeugt. In den folgenden Jahren erhielt er zahlreiche Aufträge für Kirchen in Colle di Val d’Elsa, San Gimignano und Umgebung.

Ab 1483 führte er im Auftrag verschiedener kommunaler Amtsträger Fresken im Palazzo Pretorio in Certaldo und der angrenzenden Kirche San Tommaso aus. Zu diesen Fresken zählen eine Pietà mit Johannes dem Täufer und Maria Magdalena (1484), eine Thronende Madonna (1489), ein Baldachin mit Engeln sowie eine Darstellung des Ungläubigen Thomas (1490). Letztere zeigt deutliche Anklänge an die gleichnamige Skulptur Andrea del Verrocchios. Im Jahr 1490 malte er im Treppenaufgang des Palazzo dei Priori in Volterra eine Kreuzigung mit Heiligen.

Ab Mitte der 1490er Jahre war er auch im oberen Arnotal tätig, unter anderem in Figline Valdarno, wo er ein Fresko der thronenden Madonna mit den Heiligen Bartholomäus und Sebastian im Kreuzgang von San Francesco schuf (1494). Ein weiteres Werk ist das Madonnentabernakel in Santa Maria delle Grazie di Malva. Signiert und auf das Jahr 1494 datiert ist die große Altartafel mit der thronenden Madonna, acht Heiligen und dem Porträt des Stifters in der Kirche Sant’Agostino in San Gimignano. Zu seinen letzten datierten Arbeiten zählen das im Jahr 1497 entstandene Fresko der Trinität (San Gimignano, Museo Civico) sowie die signierte Tafel der thronenden Madonna mit zwei Erzengeln (Montefortino, Pinacoteca Civica).

Werk mini|Pier Francesco Fiorentino: Madonna mit dem Kind auf dem Thron zwischen den Heiligen Matthäus, Wilhelm von Aquitanien, Barbara und Sebastian, um 1474, Museo della Collegiata di Sant’Andrea, Empoli Pier Francesco Fiorentino schuf vorwiegend Fresken und Altartafeln mit religiösen Motiven, insbesondere Darstellungen der thronenden Madonna mit Heiligen. Sein Stil gilt als eher konventionell, jedoch technisch solide ausgeführt. Damit entsprach er offenbar dem Geschmack seiner provinziellen Auftraggeber im Umland von Florenz.

Werke von ihm befinden sich unter anderem an folgenden Orten:

Antwerpen, Königliches Museum der Schönen Künste: Thronende Madonna mit Tobias, dem Erzengel Raphael sowie weiteren Heiligen (1477) Colle di Val d’Elsa, Museo Civico – Santa Maria in Canonica Pontorme, San Martino: Madonna mit Heiligen (Fresko) San Gimignano, Museo Civico: Madonna mit den Heiligen Justus und Thomas, Maria in Anbetung des Kindes mit Heiligen San Gimignano, Sant’Agostino: Thronende Madonna mit acht Heiligen und Stifterporträt (1494, signiert) Villamagna, Oratorio della Madonna della Neve: Madonna Washington, D.C., National Gallery of Art: Madonna mit Kind (um 1475)

Die Zuschreibung des im Courtauld Institute of Art in London aufbewahrten Gemäldes einer Madonna mit Kind und dem Johannesknaben ist in der Forschung nicht eindeutig geklärt. Es wird sowohl Pier Francesco Fiorentino als auch dem Maler Piero di Lorenzo di Pratese di Bartolo Zuccheri zugeschrieben, dessen Werk demjenigen Fiorentinos stilistisch nahesteht.

Literatur

Sabine Hoffmann: Fiorentino, Pier Francesco. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Die Bildenden Künstler aller Zeiten und Völker. Band 95, De Gruyter, Berlin/Boston 2017, S. 431. Anna Padoa Rizzo: Il percorso di Pier Francesco Fiorentino. In: Commentari. n. s., Band 24, 1973, S. 154–175. Anna Padoa Rizzo (Hrsg.): Arte e committenza in Valdelsa e Valdera: con Benozzo. Catalogo di un itinerario pittorico. Octavo, Florenz 1997. Bruno Santi: Un pittore religioso per le comunità religiose: Pier Francesco Fiorentino. In: Gli ordini mendicanti in Val d'Elsa. Convegno di studio, Colle Val d'Elsa, Poggibonsi, San Gimignano, 6.–8. giugno 1996. Società Storica della Valdelsa, Castelfiorentino 1999. Werner Jacobsen: Die Maler von Florenz zu Beginn der Renaissance. Deutscher Kunstverlag, München [u. a.] 2001.

Weblinks

Treccani

Einzelnachweise

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