Die Cannone da 70/15 ist eine Kanone, die zunächst als Gebirgsgeschütz von den italienischen Streitkräften vor dem Ersten Weltkrieg eingeführt wurde. Nachdem das Geschütz im Ersten Weltkrieg an allen Fronten eingesetzt worden war, fand es nach dieser Zeit bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs nur noch bei den italienischen Kolonial- und Grenztruppen Verwendung.
Entwicklung Nachdem am Ende des 19. Jahrhunderts mit der Einführung der französischen 75-mm-Kanone Mle. 1897 ein markanter Wendepunkt in der Entwicklung der artilleristischen Waffentechnik erreicht worden war, begannen bei den Streitkräften aller Nationen die Diskussionen über die künftige eigene Ausrüstung. Das Königreich Italien war zu dieser Zeit mit der 1881 entwickelten Gebirgskanone 7 BR Ret. Mont. ausgerüstet. Welche als inzwischen veraltet erkannt worden war. Maßgebliche Aspekte für ein Gebirgsgeschütz waren für die Entscheider bei den italienischen Streitkräften der präzise Schuss mit guter Beobachtung der Waffenwirkung, eine möglichst einfache Handhabung und ein insgesamt geringes Gewicht. Durch den Einbau von Rücklaufbremse und Rohrvorholer-Systemen stieg das Gesamtgewicht jedes Geschützes. Die hohe Schussfolge wirkte sich negativ auf die Beobachtung der Wirkung des Einzelschusses und den Munitionsverbrauch aus. Die Wartung der komplexeren Systeme erforderte eine umfangreichere Ausbildung der Mannschaften, um die neuen Waffensysteme erfolgreich einzusetzen und die Einsatzfähigkeit zu erhalten. Unter diesen Aspekten wurde 1904 ein im Jahr 1902 vom Capitano (Hauptmann) Regazzi entwickeltes Geschütz mit der Bezeichnung 70 A Cannone eingeführt. Hierbei steht die 70 für den Innendurchmesser des Rohrs (Kaliber in mm) und der Buchstabe A (acciaio) für die Ausführung des Rohrs in Stahl beschreibt. Man ging bei der Einführung nicht davon aus, dass sich die Technik so schnell weiterentwickeln würde, dass Rücklaufbremse und Rohrvorholer für ein Gebirgsgeschütz mit geringer Feuerrate bald erforderlich würden.
Technische Beschreibung Die Cannone da 70/15 ist ein Hinterlader-Geschütz mit starrer Radlafette. Das Rohr ist aus Nickelstahl gefertigt und wiegt ca. 100 kg. Der Lauf hat einen Linksdrall mit 28 Zügen und einen kegelstumpfförmigen Schraubenverschluss. Das Geschütz verfügt nicht über ein serienmäßiges Schutzschild und seine Holzräder mit einem Durchmesser von 800 mm sind an einer Unterlafette aus Stahlblech mit einem mittigen Holm montiert. Die Spurweite des Geschützes liegt bei 913 mm. Die Zieleinrichtung ist mit Korn und Visier am Ende des Verschlusses möglichst einfach ausgeführt.
Einsatz Da die Entwicklung der Technologie schneller voranging als von den Entscheidern in den italienischen Streitkräften erwartet, sah man sich schon wenige Jahre nach der Einführung der 70 A Cannone gezwungen das zwischenzeitlich entwickelte Geschütz Cannone da mont. 65/17 modello 1908 für die Gebirgstruppen einzuführen. Die inzwischen als Cannone da 70/15 bezeichneten Geschütze wurden nun reitenden Artillerie-Batterien zugeteilt, wofür die Geschütze wegen des geringen Gewichts naturgemäß geeignet waren. Im türkisch-italienischen Krieg wurden die Geschütze erstmals im Kampf eingesetzt.
Erster Weltkrieg Als der Erste Weltkrieg begann und Italien 1915 in den Krieg eintrat, stellte sich heraus, dass die k.u.k.-Artillerie bei Kriegsbeginn sowohl qualitativ als auch quantitativ überlegen war. Als Reaktion darauf ließen die italienischen Streitkräfte sowohl modernere als auch einfachere und kostengünstigere Geschütze fertigen. Hierbei wurden alte Modelle wieder in die Fertigung genommen. So wurde die Cannone da 70/15 wieder neu in die Produktion genommen und ging als Ersatz für zerstörte Geschütze an Einheiten und diente auch als Erstausrüstung für neu aufgestellte Batterien. Hierzu fertigte Vickers-Terni während des Ersten Weltkriegs 710 neue Geschütze dieses Typs.
Zwischenkriegszeit und Zweiter Weltkrieg Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs wurden das Geschütz aus den Einheiten des Regio Esercito entfernt und den Guardia alla Frontiera (Grenzschutztruppen) sowie den berittenen Artilleriebatterien der Kolonialtruppen (batteria artiglieria sommeggiate coloniali). Bei Ausbruch des Zweiten Weltkriegs waren noch 92 Geschütze verteilt auf I. Gruppe (Abteilung)/ 1° Raggruppamento artiglieria GaF, der VII. Gruppe / 2° Raggruppamento artiglieria GaF und der II.bis Raggruppamento artiglieria GaF in Albanien eingesetzt. Im italienischen Ostafrika (Africa Orientale Italiana) waren die Geschütze bei der XCI. Gruppo artiglieria coloniale/ XCI. Brigata coloniale, der XCII. Gruppo artiglieria coloniale/XCII. Brigata coloniale und der CI. Gruppo artiglieria coloniale in der Autonomen Zone Giuba im Einsatz.
Literatur
Weblinks
Kategorie:Feldartillerie (Italien)