mini|Ehemalige Schuhfabrik, heute Museum Naila im Schusterhof Die Geschichte der Stadt Naila in Oberfranken beginnt mit der Besiedlung des Nordwaldes durch die Kelten im 7. Jahrhundert nach Christus. Wichtige Stationen der weiteren Entwicklung waren die Stadtgründung, der Bergbau und die Industrialisierung.
Frühzeit, bis 10. Jahrhundert Als erste Bewohner des Gebietes um Naila werden Kelten vermutet. Anhaltspunkte sind u. a. die Ortsnamen Kemlas und Marlesreuth, die nach Aussagen von Sprachwissenschaftlern keltischen Ursprungs sein sollen. Am Rand des Ortskerns von Naila wurden bei Bodenbohrungen 24 Keramikscherben gefunden, die anhand einer Radiokohlenstoffdatierung der sie umgebenden Holzkohle in die Jahre 600–900 n. Chr. datiert werden konnten. Da außerdem bei diesen Scherben Eisenschlacke gefunden wurde, die ebenfalls aus dieser Zeit stammt, würde das bedeuten, dass es schon vor der eigentlichen Besiedlung durch germanische Stämme eine produzierende und damit auch siedelnde Bevölkerung auf Grundlage des Bergbaus im Raum Naila gegeben hat.
Anschließend wurde die Gegend um Naila in den Jahren 850 bis 1000 als Teil der Bavaria Slavica von Slawen bevölkert. Darauf deuten einige Ortsnamen hin, die slawischen Ursprungs sind, wie Döbra (vgl. tschechisch dobrá: gut), Premeusel bei Presseck (vgl. polnisch przemysl und tschechisch přemysl: pflügen, umgestalten) oder Tschirn (tschechisch černý: schwarz). Die slawische Besiedlung war jedoch nicht so dicht wie die spätere, von den Bamberger Bischöfen geförderte Kolonisation, in deren Folge die verbliebenen Slawen christianisiert und assimiliert wurden.
Deutsche Besiedlung, ca. 11.–14. Jahrhundert Die erste Welle von Siedlern aus dem fränkischen und thüringischen Raum jenseits des nahen Rennsteigs im Raum Naila wird um das Jahr 1000 vermutet. Diese rodeten Wald und betrieben Feld- und Ackerbau auf den erschlossenen Flächen. Welches Adelsgeschlecht Naila gegründet hat, ist nicht sicher. In Frage kommen vor allem die Radecker und ihre Vorfahren, die Herren von der Grün, die in den ersten Urkunden über Naila erwähnt werden. Das früheste bekannte Naila lag am Zusammenfluss des Dreigrünbachs mit der Culmitz. Ca. 1200–1300 gab es die zweite größere Siedlungswelle deutscher Stämme, die viele der kleineren Ortschaften um Naila hervorgebracht hat und ein dichteres Netz von Siedlungen zur Folge hatte.
Erste urkundliche Erwähnungen, ca. 14.–15. Jahrhundert Es gibt Hinweise, dass Naila schon im Jahr 1333 in Rechtsgeschäften zwischen dem Hochstift Bamberg und verschiedenen Adelsgeschlechtern eine Rolle gespielt hat. Naila ist in Urkunden der Vögte von Weida aus dem Jahr 1343 erstmals dokumentiert. Die älteste dieser Urkunden nannte jedoch noch nicht den Namen Naila, sondern bezeichnete den Ort als „Neulins“. Die Übersetzung ins Neuhochdeutsche lautet folgendermaßen:
Da sich von da an die urkundlichen Erwähnungen mehren, kann man davon ausgehen, dass Naila in der Zeit bis 1400 n. Chr. ein starkes Bevölkerungswachstum hatte. Die Bezeichnung Dorf lässt darauf schließen, dass es schon 1343 eine ansehnliche Größe gehabt haben muss. 1398 wurde Froschgrün erstmals urkundlich erwähnt, als Kunemund und Petzold von Dobeneck am 26. März ein Lehen in Froschgrün vom Burggrafen empfingen. Naila wurde auf den Urkunden jetzt „dorff zum Newlein“ betitelt.
Erhebung zur Stadt, Anfang 15. Jahrhundert mini|hochkant|Wappen der Stadt Naila Ein Schiedsspruch aus dem Jahr 1435 zur Beilegung des Streits zwischen den Gotteshauspflegern in Naila und dem Pfarrer in Steben wegen der für das Gotteshaus gegebenen Spenden erwähnt die St.-Veits-Kirche in Naila. Die St.-Veits-Kirche war ein Vorgängerbau der heutigen evangelischen Stadtkirche.
Im Jahre 1454 wurde Naila von Markgraf Johann IV. von Brandenburg-Kulmbach zur Stadt erhoben. Dabei wurde auch das bis auf kleine Änderungen bis heute gültige Wappen festgelegt. Mit der Wappenverleihung waren keine Privilegien verbunden. Naila muss so reich gewesen sein, dass es die zum Kauf eines Wappenbriefes nötige Summe selbst aufbringen konnte. Naila war damals Markt mit Bürgermeister und Rat, hatte also eine städtische Verfassung. Märkte, vor allem Jahrmärkte und Viehmärkte, belebten den Handel und sicherten dem Ort Einkünfte. Damit verbunden dürfte das Recht der Bürger zum Mälzen, Brauen und Schänken gewesen sein. Der mutmaßliche Reichtum des Ortes könnte seine Ursache im Aufblühen des Bergbaus gehabt haben.
Entwicklung und Bedeutung der Bergbautätigkeit Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Beginn des 18. Jahrhunderts Im Juli 1456 erließ Markgraf Albrecht Achilles eine Ordnung des Berckwercks über das Kupferfletz zu Neylen. 1466 wurde über ein Hammerwerk und 1471 über Versuche zum Abbau von Erzen in Nailaer Gruben berichtet.
Am 5. Oktober 1471 wurde Wilhelm von Wildenstein bei der Gesamtbelehnung mit Schloss Wildenstein vom Bamberger Bischof Georg I. von Schaumberg mit dem Bann, über das Blut zu richten, belehnt. Die Macht der in Naila sitzenden Wildensteiner dürfte in dieser Zeit ihren Höhepunkt erreicht haben. In dieser Zeit wandelte sich das Dorf von einer Agrargemeinschaft in einen industriell ausgerichteten Markt. In einer alten Bergbauchronik heißt es über das Jahr 1477, Naila sei um jene Zeit durch seine Kupfer- und Eisenbergwerke so in die Höhe gekommen, dass es an Größe fast mit der Stadt Hof wetteifern konnte.
Im Jahr 1502 verzeichnet das Hofer Landbuch als markgräflichen Besitz in Naila 28 Güter, 9 Gütlein, 2 Höfe, 1 Halbhof, 1 Häuslein und 1 wildes Haus, weiter die Selbitzmühle, die Culmitzmühle, den Weinrichshammer, die Badestube, das Frühmesshaus und die Kirche sowie 2 Edelmannssitze mit 20 besetzten Gütern der Herren von Wildenstein.
Im 15. Jahrhundert waren die blühenden Hauptwirtschaftszweige Bergbau und Hüttenwesen; Kupfer- und Eisenerze wurden bis in die Mitte des 18. Jahrhunderts abgebaut. Die Nailaer Bergwerke gruppierten sich um den Hofer Berg. Dabei lagen die zwar wertvolleren, jedoch auch wegen der ständigen Wassereinbrüche kostspieligeren, im Selbitzgrund, während sich die anderen auf etwa auf der Höhe der Straße zum heutigen Wohngebiet Lindenpark und nach Rodesgrün befanden.
Die im Selbitzgrund gelegenen Kupferbergwerke verdanken ihren Wert einem Gang von Kupfererz, der eine reiche Ausbeute ergab. Es wurde berichtet, dass man dort sogar gediegenes Kupfer gefunden hat. Beide Werke hatten wohl wegen ihres schon frühzeitig erkannten Wertes biblische Namen. Das Bergwerk Reicher König Salomo, benannt nach König Salomo, befand sich rechts der Hofer Straße etwa dort, wo heute die Fabrikanlagen des Textilwerkes Naila stehen. Links der Straße, etwa an der Stelle der alten Gebäude der Firma Paetzel & Sell und eines Teils des Sportplatzes der Freien Turnerschaft lag das Bergwerk Königin vom Reich Arabien.
Zu den ergiebigsten gehörte das Eisenbergwerk Wilder Mann. Es war nach dem Wappenbild der Stadt Naila benannt. Es gab den Oberen und den Unteren Wilden Mann. Die Schächte des Oberen Wilden Mannes befanden sich etwa an der Stelle des Kreiskrankenhauses. Unterhalb davon, links der Straße, lag der Untere Wilde Mann. Beide Werke lieferten einen gehaltreichen Spateisenstein, der oft Knollen von Kupfererz einschloss. Der Obere Wilde Mann war das ergiebigere Werk.
Rechts der Hofer Straße, etwa gegenüber dem Kreiskrankenhaus, war hinter der Wildemannshalde, auf der das geförderte Erz aufgeschüttet wurde, das ebenfalls auf Eisen betriebene Bergwerk Weiser Mann. Südöstlich davon am Hang des Eschenbachs befand sich das Bergwerk Sankt Jakob. Es wurde ebenfalls auf Eisen betrieben, erlangte jedoch wie der Weise Mann keine größere Bedeutung. Der Name dürfte zu Ehren des Apostels Jakobus gewählt worden sein.
Nach dem Reformator Martin Luther (1483–1546) war das im Jahr 1755 auf dem Schelmenacker (heute Park und Villa Seyffert) zur Gewinnung von Kupfer eröffnete Bergwerk benannt, das jedoch kurze Zeit später wieder geschlossen werden musste. Der Bergbau spielte bis ins frühe 18. Jahrhundert eine tragende Rolle für die Prosperität der Stadt. In seinem Gefolge entwickelten sich u. a. Schuhmacherei und Weberei zu wichtigen Wirtschaftszweigen; diese Handwerkszweige stellten die für die Bergleute notwendige Ausrüstung her. Um die Kupferbergwerke im Selbitzgrund vor den ständigen Wassereinbrüchen zu schützen, verlegte man zwischen 1691 und 1695 das Selbitzflussbett von der östlichen auf die westliche Talseite. Das Flussufer wurde zusätzlich mit einem Damm gegen Hochwasser geschützt.
16. und 17. Jahrhundert – Reformation und Dreißigjähriger Krieg Zwischen 1518 und 1523 wurde Naila selbständige Pfarrei. 1529 wurde die Reformation eingeführt.
1626 brannte Naila samt Kirche vollständig nieder. Zwischen den Jahren 1632 und 1634 wurde Naila in den Wirren des Dreißigjährigen Krieges mehrmals überfallen und gebrandschatzt. Noch während der Kriegswirren wurde 1639 das Pfarrhaus und 1640–1654 die Kirche wieder aufgebaut. 1646 erhielten die Nailaer Schuhmacher ihre Zunftordnung. In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts gründeten sich weitere Zünfte. 1683 wurde ein Bergamt eingerichtet. 1685 gründeten Hugenotten, die wegen ihres Glaubens aus Frankreich vertrieben worden waren, eine reformierte Gemeinde. Die Belebung der Bergbautätigkeit sorgte nach den Zerstörungen zu Anfang des Jahrhunderts für einen wirtschaftlichen Aufschwung. Für 1699 gibt es Hinweise auf eine Rektoratsschule.
Ende des Bergbaus, 18. Jahrhundert 1716 sind in Naila 142 Häuser und acht Zünfte dokumentiert worden. In den 40er-Jahren des 18. Jahrhunderts erlebte der Bergbau seinen letzten Höhepunkt. 1765 wurde die Marmorbrücke über die Selbitz gebaut und drei Jahre später fertiggestellt. Im Jahr 1792 wurde Naila zusammen mit dem Markgraftum Brandenburg-Bayreuth/Culmbach kurzzeitig preußisch.
19. Jahrhundert: Naila wird bayerisch, Beginn der Industrialisierung mini|Ehemaliges Amtsgericht, heute Polizei-Inspektion mini|Briefkopf der Textilwerke C.Seyffert 1810 wurde Naila mit den östlichen Teilen Frankens bayerisch. Zwei Jahre später wurde ein Bayerisches Landgericht eingerichtet. Im damaligen Landgerichtsgebäude ist die Polizeiinspektion Naila untergebracht. 1818 wurde Naila zur Stadt erhoben mit Bürgermeister, Magistrat dritter Klasse und Gemeindekollegium. Der Bau eines neuen Bezirksamtsgebäudes wurde 1825 begonnen. Heute wird dieses Gebäude als Rathaus genutzt. Die erste Postexpedition wurde 1848 eingerichtet. Um 1858 gab es letzte Anstrengungen zur Belebung des Bergbaus in Naila, jedoch schon 1859 kam die Anordnung zur Einstellung.
Ein tiefer Einschnitt in die städtische Entwicklung war der große Brand vom 3. August 1862, bei dem fast die gesamte Stadt vernichtet wurde. Doch schon 1871 wurde die heutige evangelische Kirche geweiht.
1881 wurde der neu angelegte Friedhof eingeweiht und etwa zu dieser Zeit war auch der Beginn der industriellen Textil- und Schuhproduktion in Naila. Seit 1883 ist Naila Sitz der Sektion Frankenwald des Deutschen und Österreichischen Alpenvereins. Daraus ging später der Frankenwaldverein hervor.
Am 1. Juni 1887 wurde Naila an die Bahnlinie Hof-Marxgrün angeschlossen. Mit dem Bahnanschluss bekam die Industrialisierung in Naila einen großen Schub. Es entwickelte sich eine starke mittelständische Industrie mit den Schwerpunkten Textil- und Schuhherstellung. Wichtige Betriebe waren die 1884 gegründete Schuhfabrik Seifert & Klöber und die 1891 eröffnete Buntweberei C. Seyffert, die bereits 1914 über 600 Webstühle verfügtefrankenpost.de: , Ressort Naila, 18. Oktober 2007.
Die erste Nailaer Zeitung erschien 1897. Ein Jahr später, im Jahr 1898, folgte die erste Telefonanlage. Das Eisenbahnnetz wurde durch Verlängerung der bestehenden Verbindung von Hof bis Bad Steben erweitert.
20. Jahrhundert mini|Kronacher Straße, darunter die abgedeckte Culmitz