alternativtext=Porträt der rumänischen Schriftstellerin Doina Ruști|mini|Doina Ruști Doina Ruști (* 15. Februar 1957 in Comoșteni, Kreis Dolj) ist eine rumänische Schriftstellerin und Hochschullehrerin. Bekannt wurde sie vor allem durch Romane, in denen sie die kommunistische Vergangenheit Rumäniens, soziale Gewalt sowie fantastische und historisch-balkanische Stoffe verarbeitet. Mehrere ihrer Werke wurden ins Deutsche übersetzt.

Leben und Werk Ruști studierte Philologie an der Universität Bukarest und promovierte im Fach Philologie. Sie lehrte Kulturgeschichte und Universalgeschichte an der Nationaluniversität für Theater- und Filmkunst „Ion Luca Caragiale“ in Bukarest. Ihr Prosadebüt gab sie 2004 mit dem Roman Omulețul roșu („Der kleine rote Mann“). Es folgten unter anderem Zogru (2006), Fantoma din moară (2008), Lizoanca la 11 ani (2009), Manuscrisul fanariot (2015), Mâța Vinerii (2017) und Homeric (2019). In Ruștis Romanen verbinden sich realistische Darstellungen der rumänischen Gesellschaft mit fantastischen und mythischen Elementen. Ein Teil ihres Werks beschäftigt sich mit der Erinnerung an die kommunistische Diktatur; ein weiterer Teil ist im Bukarest des 18. Jahrhunderts und in der kulturellen Welt des Balkans angesiedelt.

Rezeption im deutschsprachigen Raum Drei Romane Ruștis liegen vollständig in deutscher Übersetzung vor.

Lizoanca Der Roman Lizoanca la 11 ani erschien 2009 in Rumänien und wurde mit dem „Ion-Creangă“-Preis der Rumänischen Akademie ausgezeichnet. Im Mittelpunkt steht ein elfjähriges Mädchen, das von den Bewohnern eines Dorfes beschuldigt wird, eine Syphilisepidemie ausgelöst zu haben. Der Roman behandelt Gewalt gegen Kinder, soziale Ausgrenzung und die moralische Verantwortung einer Gemeinschaft. Die deutsche Übersetzung von Jan Cornelius erschien 2013 unter dem Titel Lizoanca im Berliner Horlemann Verlag. Das Buch wurde in Berlin und auf der Leipziger Buchmesse vorgestellt. In den Deutsch-Rumänischen Heften schrieb Claudiu Zeppel, der Roman eröffne eine Perspektive auf die gegenwärtige rumänische Dorfgesellschaft und werfe Fragen der Menschenrechte und der europäischen Migrationspolitik auf.Claudiu Zeppel: Rezension zu Lizoanca. In: Deutsch-Rumänische Hefte, Jg. XVII, Heft 1, 2014.

Das Phantom in der Mühle Fantoma din moară erschien 2008 in Rumänien und erhielt den Prosapreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes. Der Roman verbindet die Geschichte eines Dorfes an der Donau mit Erinnerungen an die kommunistische Diktatur. Eine verlassene Mühle wird zum Schauplatz fantastischer Erscheinungen und zugleich zum Symbol einer Gesellschaft, die von Angst, Überwachung und kollektiver Schuld geprägt ist. Die deutsche Übersetzung von Eva Ruth Wemme erschien 2017 unter dem Titel Das Phantom in der Mühle im Berliner KLAK Verlag. Das Buch wurde 2017 auf der Frankfurter Buchmesse im Rahmen einer Diskussion über Geschichte und Schuld vorgestellt. Markus Bauer beschrieb den Roman in der Neuen Zürcher Zeitung als eine literarische Verarbeitung der rumänischen Erfahrungen des 20. Jahrhunderts.

Freitagskatze Der historische Fantasyroman Mâța Vinerii spielt im Bukarest des Jahres 1798. Im Zentrum steht ein magisches Kochbuch, dessen Rezepte übernatürliche Wirkungen hervorrufen. Der Roman gehört zusammen mit Manuscrisul fanariot und Homeric zu Ruștis sogenannter Phanarioten-Trilogie. Die deutsche Übersetzung von Roland Erb erschien 2018 unter dem Titel Freitagskatze. Das Buch der bösen Gerichte im KLAK Verlag. Das Buch wurde im Zusammenhang mit der Leipziger Buchmesse präsentiert. Ruști verbindet darin historische Recherche über das phanariotische Bukarest mit fantastischen Motiven, Magie und kulinarischer Kultur.

Auszeichnungen (Auswahl) Preis des Bukarester Schriftstellerverbandes für Zogru Prosapreis des Rumänischen Schriftstellerverbandes für Fantoma din moară „Ion-Creangă“-Preis der Rumänischen Akademie für Lizoanca la 11 ani

Werke in deutscher Übersetzung Lizoanca. Aus dem Rumänischen von Jan Cornelius. Horlemann Verlag, Berlin 2013, ISBN 978-3-89502-334-7. Das Phantom in der Mühle. Aus dem Rumänischen von Eva Ruth Wemme. KLAK Verlag, Berlin 2017, ISBN 978-3-943767-46-9. Freitagskatze. Das Buch der bösen Gerichte. Aus dem Rumänischen von Roland Erb. KLAK Verlag, Berlin 2018, ISBN 978-3-943767-90-2.

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