Meister Singauf (Singauf, Singûf; bl. im 13. Jahrhundert) war ein mittelhochdeutscher Sangspruchdichter.
Leben und Werk Unter dem Namen Meister Singauf sind in der Jenaer Liederhandschrift vier Sangspruchstrophen auf einen gemeinsamen Ton überliefert, dem auch eine Melodie in Quadratnotation beigegeben ist.
Die erste Strophe fordert von Rittern in Form einer Waffen- und Kleiderallegorie standesgemäße und christliche Tugenden ein. Die zweite Strophe beklagt den Verlust eines Gönners sowie allgemein die mangelnde milte der herren. Bei der dritten und vierten Strophe handelt es sich um Rätselstrophen.
Diesen schließen sich zwei weitere, auf die Rätsel bezogene Strophen im selben Ton an, die durch eine Marginalie Rumelant von Sachsen als Autor zugewiesen sind. In diesen wird die Auflösung der Rätsel gegeben und deren mangelnde Originalität und Qualität verhöhnt. Meister Singauf war auch Gegenstand einer Polemik Rumelants (VIII, 3),Holger Runow: Rumelant von Sachsen. Edition – Übersetzung – Kommentar (= Hermaea, N.F. 121). De Gruyter, Berlin/New York 2011, ISBN 978-3-11-023283-7, S. 130 und Kommentar S. 264–267; doi:10.1515/9783110232844. in der er ihm rät, sich den Meißner sowie Konrad von Würzburg († 1287), Höllefeuer und den Unverzagten, die ihm alle überlegen seien, zum Vorbild zu nehmen. Durch diese Repliken und Polemiken wird die Textzusammenstellung zu einem Sängerwettstreit, der in mancherlei Hinsicht Ähnlichkeiten mit dem Wartburgkrieg aufweist.Burghart Wachinger: Sängerkrieg. Untersuchungen zur Spruchdichtung des 13. Jahrhunderts (= Münchener Texte und Untersuchungen zur deutschen Literatur des Mittelalters. 42). C.H. Beck, München 1973, ISBN 3-406-02842-X, S. 170–178 (zugleich: Habilitationsschrift, Universität München, 1969).
Literatur Textausgaben Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 3. Leipzig 1838, S. 49 (). Esther Collmann-Weiß: Kleinere Spruchdichter des dreizehnten Jahrhunderts: Der Hardegger – Höllefeuer – Der Litschauer – Singauf – Der Unverzagte. Hirzel, Stuttgart 2005, ISBN 3-7776-1327-4, S. 131–143 (zugleich: Dissertation Universität Marburg 2004).
Melodieübertragungen Georg Holz, Franz Saran, Eduard Bernoulli: Die Jenaer Liederhandschrift. II. Band. Hirschfeld, Leipzig 1901, S. 28–29 (). Ronald J. Taylor: The art of the Minnesinger. Band I. University of Wales Press, Cardiff 1968, S. 125–126 ().
Sekundärliteratur Friedrich Heinrich von der Hagen: Minnesinger. Deutsche Liederdichter des zwölften, dreizehnten und vierzehnten Jahrhunderts, aus allen bekannten Handschriften und früheren Drucken … Band 4. Leipzig 1838, S. 714 ().
Jens Haustein: Meister Singauf. in: Verfasserlexikon – Die deutsche Literatur des Mittelalters. Zweite Ausgabe. Band 8: ‘Revaler Rechtsbuch’ – Sittich, Erhard. De Gruyter, Berlin 1992, ISBN 978-3-11-012690-7, Sp. 1278–1280. Freimut Löser: Rätsel lösen. Zum Singûf-Rumelant-Rätselstreit. In: Joachim Heinzle, L. Peter Johnson, Gisela Vollmann-Profe (Hrsg.): Neue Wege der Mittelalter-Philologie. Landshuter Kolloquium 1996 (= Wolfram-Studien. XV). Erich Schmidt Verlag, Berlin 1998, ISBN 3-503-04903-7, S. 245–275.
Volker Zapf: Meister Singauf. In: Wolfgang Achnitz (Hrsg.): Deutsches Literatur-Lexikon. Das Mittelalter. Reihe: Lyrik (Minnesang – Sangspruch – Meistergesang) und Dramatik, Band 4. De Gruyter, Berlin 2012, ISBN 978-3-598-24993-8.
Weblinks
Meister Singauf im Handschriftencensus Jenaer Liederhandschrift (Thüringer Universitäts- und Landesbibliothek Jena, Ms. El. f. 101, 43vb–44va)
Einzelnachweise
Kategorie:Autor Kategorie:Spruchdichtung Kategorie:Literatur (Mittelhochdeutsch) Kategorie:Literatur (13. Jahrhundert) Kategorie:Geboren im 13. Jahrhundert Kategorie:Gestorben im 13. oder 14. Jahrhundert Kategorie:Mann