mini|200px|Lewis Harcourt, 1. Viscount Harcourt (Gemälde von Solomon Joseph Solomon, 1922) mini|200px|„Lulu“, Karikatur von Spy in Vanity Fair, 26. September 1895. mini|200px|Mary Ethel Burns, Viscountess Harcourt (1911). Lewis Vernon Harcourt, 1. Viscount Harcourt, PC (* 31. Januar 1863 in Nuneham Courtenay, Oxfordshire; † 24. Februar 1922 in London) war ein britischer Politiker der Liberal Party. Er war von 1904 bis 1916 Mitglied des House of Commons, Minister für öffentliche Arbeiten (1905–1910, 1915–1916), Kolonialminister (1910–1915) und von 1917 bis zu seinem Tod 1922 als erblicher Peer Mitglied des House of Lords.
Leben Lewis Harcourt war ein Sohn des Unterhausabgeordneten Rt. Hon. Sir William George Granville Harcourt (1827–1904) und Maria Theresa Lister († 1863). Er besuchte das Eton College und daraufhin Privatsekretär seines Vaters, der zwischen 1880 und 1885 Innenminister (Home Secretary) sowie 1886 Schatzkanzler (Chancellor of the Exchequer) war. Als Nachfolger von William Mather wurde er für die Liberale Partei (Liberal Party) bei einer Nachwahl (By-election) im Wahlkreis Rossendale am 15. März 1904 erstmals zum Mitglied des House of Commons gewählt, des Unterhauses des Parlaments des Vereinigten Königreichs, und vertrat diesen Wahlkreis bis zu seinem Mandatsverzicht am 2. Januar 1917, woraufhin Sir John Maden bei einer Nachwahl am 13. Februar 1917 zum neuen Abgeordneten gewählt wurde.
In der Regierung Campbell-Bannerman fungierte Harcourt vom 10. Dezember 1905 bis zum 6. April 1908 als Minister für öffentliche Arbeiten (First Commissioner of Works) und bekleidete dieses Amt zwischen dem 12. April 1908 und seiner Ablösung durch William Lygon, 7. Earl Beauchamp am 3. November 1910 auch im Kabinett Asquith I. Am 11. Dezember 1905 wurde er außerdem zum Mitglied des Privy Council (PC) ernannt, ein politisches Beratungsgremium des britischen Monarchen. Während der Tweedmouth-Affäre im März 1908 scharten sich große Teile der regierenden Liberal Party um ihn und Schatzkanzler David Lloyd George, die eine Reduktion des Flottenhaushaltes forderten, um die so freiwerdenden Finanzmittel zugunsten von Wirtschaftsinvestitionen und einem Ausbau der Sozialgesetzgebung aufwenden zu können. Gegen diese Forderung führten die rechte Presse und die konservativen Abgeordneten das kurz zuvor, im November 1907, verabschiedete neue deutsche Flottengesetz ins rhetorische Feld.
Im Zuge einer Umbildung des ersten Kabinetts Asquith löste er am 3. November 1910 Robert Crewe-Milnes, 1. Earl of Crewe als Kolonialminister (Secretary of State for the Colonies) ab und verblieben in diesem Amt bis zum Ende der Amtszeit des ersten Kabinetts Asquith am 25. Mai 1915. Im Kabinett gehörte er zu einer Gruppe von Ministern, die neben ihm aus John Morley, John Simon, John Elliot Burns und Earl Beauchamp bestand, die das das engere Bündnis mit Frankreich als auch die Ausgleichspolitik mit Russland von Außenminister Sir Edward Grey kritisch sahen. In diesem Zusammenhang unterstütze er die Haldane-Mission, eine diplomatische Reise, die Kriegsminister Richard Haldane vom 8. bis 9. Februar 1912 nach Berlin unternahm, um das Flottenwettrüsten zwischen dem Deutschen Kaiserreich und dem Vereinigten Königreich zu beenden. Ihm zu Ehren wurde die 1912 gegründete Stadt Port Harcourt im heutigen Nigeria benannt.
Im Kabinett Asquith II übernahm Harcourt vom 25. Mai 1915 bis zum 5. Dezember 1916 noch einmal den Posten des Ministers für öffentliche Arbeiten. Nach seinem Ausscheiden aus dem Unterhaus wurde er am 3. Januar 1917 als Viscount Harcourt, of Stanton Harcourt in the County of Oxford, und Baron Nuneham, of Nuneham-Courtenay in der the County of Oxford, zum erblichen Peer der Peerage of the United Kingdom erhoben und war dadurch bis zu seinem Tod am 24. Februar 1922 Mitglied des House of Lords, des Oberhauses des Parlaments. Er war zeitweise Kurator (Trustee) des British Museum, der National Portrait Gallery, der Wallace Collection sowie des London Museum und bekam von der University of Oxford die Ehrendoktorwürde eines Doctor of Civil Law (DCL) verliehen.
Am 1. Juli 1899 heiratete Lewis Vernon Harcourt Mary Ethel Burns († 1961), die Tochter von Walter Hayes Burns (1838–1897) und Mary Lyman Morgan (1844–1919) sowie Enkelin des Bankiers und Finanziers Junius Morgan (1813–1890), der 1864 in London die Bank J. S. Morgan & Co. gründete. Aus dieser Ehe gingen die drei Töchter Hon. Doris Mary Thérèse Harcourt (1900–1981), Hon. Olivia Vernon Harcourt (1902–1984) und Hon. Barbara Vernon Harcourt (1905–1961) sowie der Sohn William Edward Harcourt (1908–1979), der bei seinem Tod am 24. Februar 1922 seine Adelstitel als 2. Viscount Harcourt und 2. Baron Nuneham, erbte. Seine älteste Tochter Doris war die Ehefrau des Offiziers und Wirtschaftsmanagers Alexander Francis St. Vincent Baring, 6. Baron Ashburton (1898–1991) und seine zweitälteste Tochter Olivia die Ehefrau des Offiziers und Wirtschaftsmanagers Hon. Godfrey John Arthur Murray Lyle Mulholland (1892–1948), während die jüngste Tochter Barbara in erster Ehe mit Robert Charles Horace Jenkinson (1900–1970), einem Captain der 1st Life Guards, sowie in zweiter Ehe mit William James Baird († 1961) verheiratet war.
Veröffentlichungen An Eton bibliography, S. Sonnenschein & Co., Ltd, London 1898 Electoral reform, Mitautor Joseph King, T. F. Unwin, London 1908 Loulou. Selected extracts from the journals of Lewis Harcourt (1880–1895), Liberal Publication Department, London 1909 The lords and how to deal with them. A speech…, Liberal Publication Department, London 1909 Army report, H. M. Stationery Office, London 1919
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Einzelnachweise
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