Der Breguet G.111 ist ein französischer experimenteller Hubschrauber aus dem Jahr 1951, der vom Flugzeughersteller Ateliers d’Aviation Louis Breguet unter der Leitung des Ingenieurs René Dorand gebaut wurde. Es handelt sich um die letzte Weiterentwicklung dieser Maschine, bei denen die Koaxialrotortechnik zum Einsatz kam. Es wurde nur ein einziges Exemplar hergestellt.

Geschichte Louis Breguet entwarf 1908 seinen ersten Hubschrauber, den Breguet-Richet Gyroplane, doch sein Gyroplane-Laboratoire aus dem Jahr 1935 war weitaus erfolgreicher. Dieser verfügte über keinen Heckrotor, sondern über koaxiale oder gegenläufige Rotoren. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Breguet von der Société Françaises du Gyroplane (SFG, deutsch: Französische Gyroplane-Gesellschaft) mit der Entwicklung eines Hubschraubers beauftragt, der mehrere Passagiere befördern sollte. Breguet entwickelte, seine während des Krieges durchgeführten Studien, zu einem Projekt namens G.34 weiter und schuf daraus den zweisitzigen Breguet G.11, auch bekannt als Société Françaises du Gyroplane G.11, gelegentlich auch als G.11E oder G.IIE.

Obwohl die G.11 ein deutlich größere Hubschrauber war, verfügte sie über dieselbe koaxiale Doppelrotoranordnung mit drei Rotorblättern wie der Gyroplane-Laboratoire. Sie wurde ursprünglich von einem lüftergekühlten 179 kW (240 PS) Potez-9E Neunzylinder-Sternmotor angetrieben, der mittig unter den konzentrischen Rotorwellen montiert war. Zwischen dem Motor und dem Rotorantrieb befand sich ein Untersetzungsgetriebe mit einem Übersetzungsverhältnis von 6,5:1. Die Rotoren sind um konische Rohrholme herum aufgebaut, die Rippen tragen und an den Vorderkanten mit Duraluminium sowie an den übrigen Stellen mit einer Legierung über drei Lagen beschichtet wurden. Sie sind an Klappgelenken gelagert und verfügen über Luftwiderstandsdämpfer an den Gelenken. Der Steuerknüppel verändert die zyklische Steigung über ein Paar Taumelscheiben, und die Pedale dienen zur Drehmomentkorrektur sowie zur Steuerung der Gierbewegung durch Veränderung der relativen kollektiven Steigung der beiden Rotoren. Ein mechanischer Trägheitsregler begrenzte die Rotorbeschleunigungen. Der Pilot konnte die kollektive Steigung über den vom Regler festgelegten Wert hinaus erhöhen, jedoch nicht darunter, außer in Notfällen. mini|Breguet G.11 im Flug (1949) Der Rumpf der G.11E weist einen sich verjüngenden, ovalen Querschnitt auf. Der vordere Teil besteht aus einem Leichtmetall-Monocoque, in dem sich das gut verglaste Cockpit befindet, das über zwei Schiebetüren zugänglich ist. Der hintere Rumpf ist eine mit Stoff bespannte Stahlrohrkonstruktion, die ein hohes T-Leitwerk mit einem beweglichen, einteiligen Höhenleitwerk trägt, das die zyklische Neigung über den Steuerknüppel korrigierte, um Neigungsschwingungen einmal pro Umdrehung zu verhindern. Das breit gespannte Fahrwerk verfügt über Haupträder, die an horizontalen V-Streben an der Rumpfunterseite montiert sind und auf jeder Seite über eine einzelne Verstrebung zum Rumpfmittelteil verfügen.

Der Erstflug fand am 21. Mai 1949 statt, doch Tests ergaben, dass die G.11E untermotorisiert war. Weshalb beschlossen wurde, das Potez-Triebwerk durch einen größeren R-985 Wasp Junior Neunzylinder-Sternmotor mit 336 kW (450 PS) von Pratt & Whitney zu ersetzen. Die Typenbezeichnung wurde in G.111 geändert. Der Einbau dieses großen Sternmotors zwang Breguet zu einer grundlegenden Änderung an der Konstruktion:

Der Rotordurchmesser wurde um 1,00 m vergrößert. Der Rumpf wurde um 480 mm verlängert, um Platz für zwei weitere Sitze zu schaffen, sodass vier Passagiere befördert werden konnten. Das Leergewicht und das Höchstgewicht stiegen auf 1476 kg.

In dieser Konfiguration absolvierte die G.111 am 25. Juni 1951 ihren Erstflug. Dabei stießen die beiden Rotoren, auf Grund der natürlichen Verbiegung bei Belastung der Rotorblätter, beim Übergang vom Senkrecht- zum Horizontalflug zusammen, was den Testpiloten dazu zwang, den Hubschrauber notzulanden. Obwohl er wieder aufgebaut wurde er, nach bisherigen Informationen, nie wieder geflogen.

Im August 2008 wurde die Breguet G.111 in die Drehflüglerhalle des Musée de l’air et de l’espace in Paris aufgenommen, wo sie neben anderen französischen und ausländischen Hubschraubern wie der Alouette II, der Gazelle oder der Sikorsky S-58 ausgestellt ist.

Technische Daten Kenngröße Daten G.11 Besatzung 2 Passagiere 2 Rumpflänge 9,30 m Höhe 4,05 m Rotordurchmesser 2 × 8,60 m Leermasse 800 kg Startmasse 1300 kg Triebwerk 1 × Potez 9E luftgekühlter Neunzylinder Sternmotor mit 180 kW (240 PS) Tankgröße 120 l Höchstgeschwindigkeit 240 km/h Reisegeschwindigkeit 185 km/h Dienstgipfelhöhe 4000 m

Varianten G.11 – Zwei Passagiere, Potez-9E-Sternmotor. G.111 – Vier Passagiere, G.11E mit Wasp-Junior-Sternmotor, vergrößert.

Popkultur Der G.111 tritt in der zweiten Staffel des Animes Girls und Panzer auf.

Literatur Roland de Narbonne: Les gyroplanes de Louis Breguet, Le Fana de l'Aviation, no 571, Juni 2017, S. 60–69. Roland de Narbonne: Il y a 60 ans : mai 1949, dans l'aéronautique française. Breguet G.111E, dernier hélicoptère Breguet, Le Fana de l'Aviation, no 474, Mai 2009, S. 79. Philippe Boulay: Les hélicoptères français : mieux connaître tous les hélicoptères conçus et fabriqués en France, ainsi que tous les hélicoptères étrangers utilisés en France, des origines à nos jours, Clichy, Larivière, 1998, 50 S., ISBN 2-907051-17-2. Pierre Gaillard: Les avions français de 1944 à 1964. Edité par Editions EPA. 1990. ISBN 978-2-85120-357-1

Weblinks

G.11 und G.111 auf avionslegendaires.net G.111 auf aviationsmilitaires.net

Einzelnachweise

Kategorie:Breguet-Luftfahrzeug Kategorie:Erstflug 1949 Kategorie:Hubschrauber