Die Bahnstrecke Norden–Norddeich ist eine elektrifizierte Hauptbahn in Niedersachsen. Sie zweigt in Norden von der Bahnstrecke Emden–Jever ab und führt in Ostfriesland nach Norddeich. Endpunkt der Strecke ist ein Haltepunkt im Hafen von Norddeich, der den direkten Anschluss zum Schiffsverkehr zu den Inseln Juist und Norderney vermittelt.

Geschichte

Bereits kurze Zeit nach Eröffnung des Norder Bahnhofs gelangte dieser an seine Kapazitätsgrenzen. Um insbesondere dem steigenden Bäderverkehr gerecht zu werden, kam der Wunsch für eine kurze Stichbahn zum Hafen in Norddeich auf. Gleichzeitig sollte die Stadt Norden durch einen näher am Stadtzentrum gelegenen Bahnhof besser angeschlossen werden. mini|links|Norddeich Mole (um 1900) Die Strecke sollte zunächst als Pferdebahn angelegt werden. 1890 trug die Stadt abermals den Wunsch nach einem neuen Bahnhof bei der zuständigen Königlichen Eisenbahndirektion Cöln rechtsrheinisch vor, Mitte des Jahres äußerte sie zudem, dass die betroffene Strecke bereits abgesteckt sei. Innerhalb der nächsten zwei Jahre wurde das Vorhaben umgesetzt. Am 26. Mai 1892 erteilte die Eisenbahndirektion die Betriebsgenehmigung auf der Strecke Norden – Norddeich, am 15. Juni desselben Jahres folgte die Eröffnung. Da für den Hafenanschluss der Deich überquert werden musste, wurde der Norddeicher Bahnhof über dem Geländeniveau angelegt. In den Aushublöchern entstanden später durch Sturmfluten zwei Kolks.

Am 1. März 1895 wurde der Haltepunkt Norden Osterstraße eröffnet und damit dem Wunsch der Stadt Norden nach einem nahen Bahnanschluss letztlich entsprochen. In unmittelbarer Nähe des Haltepunkts befand sich zudem ein Gleisanschluss der Norder Eisenhütte. Der Haltepunkt wurde am 1. September 1933 in Norden Adolf-Hitler-Straße umbenannt, nach dem Zweiten Weltkrieg kurzzeitig zurückbenannt und erhielt um 1948 den Namen Norden Stadt. Er wurde zum 28. Mai 1983 aufgelassen. mini|links|Intercity in Norddeich Mole (2020) Die Deutsche Bundesbahn rüstete die Strecke 1959 mit induktiver Zugsicherung (Indusi) aus. 1975 beschloss sie die Elektrifizierung der Strecke. Mit dem Beginn des Winterfahrplans am 28. September 1980 wurde der elektrische Betrieb aufgenommen.

Aufgrund ihrer touristischen Bedeutung im Nordseeinselverkehr verkehrten schon früh Schnellzüge (D) auf der Strecke. Diese wurden ab 1991 sukzessive durch Interregio-Züge (IR) ersetzt, die wiederum 2002 durch Intercity-Züge (IC) abgelöst wurden. Dieses Angebot wird seit 2021 mit einer Verbindung nach Stuttgart fortgeführt. Im Jahr 2020 wurde außerdem ein Intercity-Express-Zugpaar (ICE) aus München nach Norddeich Mole eingeführt.

Im Schienenpersonennahverkehr wird die Strecke im Jahresfahrplan 2026 von der Regionalexpress-Linie RE1 (Hannover–Norddeich Mole) des Betreibers DB Regio bedient. Darüber hinaus können zwischen Bremen und Norddeich Mole auch die Intercity-Züge mit Nahverkehrsfahrkarten genutzt werden. Insgesamt ergibt sich damit tagsüber in etwa ein Stundentakt.Jahresfahrplan 2026 der Kursbuchstrecke 395

Streckenbeschreibung Die Strecke zweigt im Bahnhof Norden von der Bahnstrecke Emden–Jever ab. Noch im Bahnhof passiert das Gleis die Bahnübergänge Am Bahndamm und Heerstraße. Die Strecke führt parallel zur Straße Im Horst nach Nordwesten und überquert zunächst das Norder Tief. In Höhe des Bahnübergangs Osterstraße befand sich der Haltepunkt Norden Stadt. Im weiteren Verlauf durchquert die Norder Stadtviertel Ekel, Ostlintel und Neustadt. Nördlich der Ostermarscher Straße verläuft die Bundesstraße 72 parallel zum Streckengleis. Im Bahnhof Norddeich befinden sich mehrere Abstellgleise für die hier beginnenden und endenden Reisezüge. Unmittelbar nördlich des Bahnübergangs Hafenstraße befindet sich der eingleisige Bahnhofsteil Norddeich Mole, wo die Strecke endet.

Die Strecke hatte ursprünglich ihren Nullkilometer in Norden und erhielt später eine von Emden ausgehende Kilometrierung.

Fahrzeugeinsatz mini|Nahverkehrszug mit Baureihe 141 und n-Wagen in Norddeich Mole (1989) Die Intercity-Züge wurden ursprünglich von Lokomotiven der Baureihe 101 bespannt. Die IC-Linie 56 wird mit Intercity-2-Doppelstockwagen betrieben, die von einer Maschine der Baureihe 146 oder 147 befördert werden.

Weblinks

Einzelnachweise

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