mini|hochkant=1.5|Das Streckennetz der A.T.E. Die k.k. privilegierte Aussig-Teplitzer Eisenbahn (A.T.E.), ab 1919 offiziell tschechisch: Ústecko-teplická dráha (ÚTD) war eine private Eisenbahngesellschaft in Österreich und dessen Nachfolgestaat Tschechoslowakei, deren Strecken im heutigen Tschechien lagen.
Geschichte mini|Siegelmarke Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft mini|Aktie über 210 Gulden der Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft vom 20. Januar 1874 Zur Abfuhr der im Nordböhmischen Becken um Teplitz geförderten Braunkohle zum Elbhafen Aussig entstand im Jahre 1858 die erste Eisenbahnstrecke dieser Gesellschaft. Zügig wurde der weitere Streckenausbau in Richtung Komotau fortgesetzt, um auch die Kohlegruben um Dux und Brüx anzuschließen. Am 8. Oktober 1870 erfolgte der Anschluss zur Buschtěhrader Eisenbahn in Komotau. In den folgenden Jahren entwickelte sich die 69 km lange Strecke Aussig–Komotau zur am stärksten belasteten Eisenbahnstrecke in Österreich-Ungarn. Als Ergänzung wurde im Jahre 1874 die Strecke Bilin/Dux–Türmitz im Bielatal eröffnet, um die Hauptstrecke zwischen Dux und Aussig zu entlasten.
Ab 1883 stand die Gesellschaft im Einflussbereich des Stahlmagnaten Karl Wittgenstein und dessen Prager Eisenindustrie-Gesellschaft, als dieser in den Verwaltungsrat gewählt wurde. Die Gesellschaft erschloss neben Kohlengruben auch das Walzwerk in Teplitz, welches den Aufstieg Wittgensteins begründete.
Als weitere Strecke der A.T.E. entstand schließlich in den Jahren 1897–1900 die Nordböhmische Transversalbahn Teplitz–Reichenberg. Diese ungünstig trassierte Linie erfüllte allerdings nicht die Erwartungen. Vor allem die starken Neigungen und engen Radien im Böhmischen Mittelgebirge und auch bei der Überquerung des Jeschkenkamms führten dazu, dass keine langen und schweren Züge befördert werden konnten.
Zum 1. Januar 1923 Reichsbahndirektion in Mainz (Hg.): Amtsblatt der Reichsbahndirektion in Mainz vom 19. Januar 1923, Nr. 3. Bekanntmachung Nr. 87, S. 39. wurde die Aussig-Teplitzer Eisenbahn als eine der letzten großen Privatbahnen Böhmens verstaatlicht. Die Fahrzeuge und Strecken wurden ins Eigentum der Tschechoslowakischen Staatsbahnen ČSD überführt.
Während die Strecke Aussig–Komotau ihre Bedeutung bis heute behalten hat, verlor die Lokalbahn Teplitz–Reichenberg in den 1930er Jahren ihren Durchgangsverkehr. Die vorher über diese Strecke geführten Züge zwischen Eger und Reichenberg verkehren seitdem über den Knoten Tetschen und benutzen nur noch zwischen Böhmisch Leipa und Reichenberg die Strecke der Nordböhmischen Transversalbahn.
Strecken
Das Streckennetz der Aussig-Teplitzer Eisenbahn hatte eine Länge von 250,231 Kilometer und gliederte sich in fünf selbständige Strecken und vier Verbindungsbahnen. Darüber hinaus bestanden insgesamt 188 Schleppbahnen zu den Kohlenschächten und Industriewerken, deren Streckenlänge zusammen 81,2 Kilometer betrug.
Hauptbahnen (Altes Netz)
Aussig–Komotau: 64,971 km Dux–Schwaz/Kuttowitz: 4,965 km Türmitz–Bilin: 26,136 km Aussig–Aussig Landungsplatz und Aussig–Aussig Elbehafen: 5,080 km
Lokalbahn (Ergänzungsnetz)
Settenz–Reichenberg: 142,831 km
Verbindungsbahnen
Czalositz–Czernosek ÖNWB: 0,840 km Auscha–Auscha L.G.W.A.: 0,387 km Zweigbahn zum Bahnhof Niemes: 3,047 km Zweigbahn zum Bahnhof Reichenberg: 1,974 km
Für Rechnung der Eigentümer betriebene Linien
Rakonitz–Protivín (von 1. Jänner 1877 bis 28. Februar 1877) Sandbahn der Brucher Kohlenwerke (ab 1912)
Lokomotiven
Lokomotiven der Aussig-Teplitzer Eisenbahn-Gesellschaft Reihe ATE-Nr. Anzahl Hersteller Baujahre Achsformel ČSD-Nr. DR-Nr. Bild Ia 1–4 (alt)1–2 (neu) 4 Borsig 1858 1B 220.101–102 - Ib 3–5, 70–73 7 Wiener Neustadt 1887/97 2'B 253.201–207 - 100px Ic 99–100, 140–141 4 StEG 1900 2C-n2v 344.501–504 k. A. 100px Id 145146 11 StEG 1902 1C-n21C-n3v / 1C-n2 334.401 / 344.337334.402 / 344.338 54 53754 538 100px Ie 147–148 (alt)211–220 (neu) 10 Erste Böhmisch-MährischeMaschinenfabrik 1908–1914 1'C-h2 344.601–610 k. A. If 150–152 3 Wiener Neustadt 1906 1'C1'-h2 354.801–803 35 401–403 100px IIa, IIb 4–16, 24–36 (alt)26–59, 63–65 (neu) 37 Borsig, Sigl, Hartmann, Wiener Neustadt 1859–1884 C-n2 302.101–136 - 100px IIIa 17–25 9 Hartmann 1869–1874 C-n2 322.301–309 - 100px IIIb 9–16, 81–98 26 Wiener Neustadt 1889–1894 C-n2 322.401–425 53 7401–7413 100px IVa 60–62, 66–69 7 Hartmann, Wiener Neustadt 1882/1888 D-n2 402.201–207 55 7111–7117 100px IVb 101–110 10 Wiener Neustadt,Floridsdorf 1897 D-n2 412.101–110 - 100px IVc 111–132 22 Wiener Neustadt 1899–1910 D-n2 413.201–222 55 6001–6022 100px X 6–7 2 Wiener Neustadt 1899 B-n2t 200.101 - Xa 8 1 Krauss/München 1870 B-n2t - - GBK 001–003 3 Erste Böhmisch-MährischeMaschinenfabrik 1912/1914 E-n2t 514.101–103 – 100px
Literatur
Siegfried Bufe, Heribert Schröpfer: Eisenbahnen im Sudetenland. Bufe-Fachbuch-Verlag, Egglham 1991, ISBN 3-922138-42-X Alfred Horn: k.k. priv. Aussig-Teplitzer Eisenbahn (ATE). In: Die Modelleisenbahn. Mitteilungsblatt des Verbandes der Eisenbahnfreunde 7/1964. Ludvík Losos: Ústecko-teplická dráha. Eysenberg ERZ, Dubí 2023, ISBN 978-80-11-03960-8 Karel Zeithammer: Lokomotivy Ústecko-teplické dráhy. Vydavatelství dopravní literatury, Litoměřice 2011, ISBN 978-80-86765-19-8
Weblinks
Aussig-Teplitzer Eisenbahn in der Enzyklopädie des Eisenbahnwesens 1912
Einzelnachweise
Kategorie:Bahngesellschaft (Österreich) Kategorie:Bahngesellschaft (Tschechoslowakei) Kategorie:K.k. privilegiertes Unternehmen Kategorie:Gegründet in den 1850er Jahren