Zürich Tourismus ist ein Verein für Destinationsmarketing und die Profilierung der Stadt und Region Zürich als Marke.
Geschichte Die Ursprünge von Zürich Tourismus reichen ins Jahr 1885 zurück. Das Historische Lexikon der Schweiz nennt Zürich neben Lausanne als eine der ersten Schweizer Städte, in denen 1885 ein Verkehrsverein entstand. Zürich Tourismus selbst führt seine Entstehung auf eine Versammlung mit etwa 40 Hoteliers und Geschäftsleuten im Zunfthaus zur Meisen zurück, bei der im Zusammenhang mit der Förderung der Verkehrsinteressen Zürichs eine «offizielle Verkehrscommission» gegründet wurde. Hintergrund war unter anderem die Typhus-Epidemie von 1884,Zürich Tourismus ist dem Typhus zu verdanken, SRF News, 3. Juni 2010 welche dem Ansehen Zürichs als Reiseziel geschadet hatte. Treibende Kraft war das Initiativkomitee der ersten Schweizerischen Landesausstellung 1883. Zur Landesausstellung 1883 waren 600'000 Besucher erwartet worden, tatsächlich wurden es 1'700'000 in fünf Monaten. Neben dem Problem der Typhus-Epidemie hatte auch die Eröffnung des Gotthardtunnels 1883 und die damit beschleunigte Reiseart die Aufenthaltsdauer von Gästen in der Schweiz vermindert. Im ersten Bureau der Commission arbeitete ein einzelner Sekretär, welchem 1895 eine «Gehülfin» zur Seite gestellt wurde. Die erste Geldsammlung hatte 26'000 Franken eingebracht. Seit der Gründung hatten sich Stadt und Kanton an der Finanzierung beteiligt. Das Amt des Verkehrsdirektors wurde 1928 geschaffen, erster Direktor war Arnold Ith.100 Jahre dienstfertig für Zürich, NZZ, Nummer 133, 12. Juni 1985, S.53 Die Gründer wollten Reklame für Zürich machen «ohne der Wahrhaftigkeit Gewalt anzutun».Tourismus und Werbung - Gespräch mit Dr. Werner Kämpfen, NZZ, Nummer 133, 12. Juni 1985, S.53-54. Aus der Verkehrscommission entwickelte sich später der «Verkehrsverein Zürich». An der Generalversammlung vom 6. Juni 1995 wurde die Umbenennung des Verkehrsvereins Zürich in «Zürich Tourismus» beschlossen; die Namensänderung trat per 1. Januar 1996 in Kraft.
In der bis 1951 dauernden Ära von Arnold Ith lautete der Slogan «Zürich, die Gartenstadt am See». Ith unternahm im Zürcher Verkehrsverein erste Schritte zum Bau eines Kongresshauses, 1928 schlug er eine Verbindung mit der Tonhalle vor, da diese für grössere gesellschaftliche Anlässe geeignet sei. Das Projekt fand im Hinblick auf die Schweizerische Landesausstellung 1939 Unterstützung und 1936 wurde ein Wettbewerb für den Bau eines Tonhallen- und Kongressgebäudes am Standort der Tonhalle ausgeschrieben. Ith hatte sich laut seinem Nachfolger Werner Kämpfen auch «energisch» für die Entwicklung des Flughafens Dübendorf eingesetzt. Danach wurde Ith auch erster Präsident des «Aktionskomitee für den Grossverkehrsflugplatz Zürich-Kloten», das 1943 gegründet wurde.Pro Flughafen – ältestes Abstimmungskomitee der Schweiz, Medienmitteilung Pro Flughafen, 5. November 2013
Bereits Mitte der 1950er Jahre galt Zürich als bedeutendstes Tourismuszentrum der Schweiz und verzeichnete im internationalen Vergleich mehr Logiernächte als Metropolen wie Frankfurt, Stuttgart oder Wien. Der spätere Direktor der Schweizerischen Verkehrszentrale, Werner Kämpfen, war zu dieser Zeit von 1952 bis 1959 Verkehrsdirektor in Zürich. Laut NZZ genoss die Fremdenverkehrswerbung Zürichs während dieser Zeit «internationales Ansehen», Drucksachen, Plakate und Filme aus dieser Ära seien „zahlreich“ ausgezeichnet worden. Gleichzeitig achtete der Direktor sehr auf die Finanzen - Hoteliers hatten erst in diesen Jahren zugunsten des Vereins eine freiwillige Logiertaxe eingeführt. Die Jahresauswertung von 1953 nannte 1'614'000 Übernachtungen, die Hotel Revue kommentierte, dass die “Gartenstadt am See” nicht wie so oft als «Handels- und Industriestadt» zu beschreiben sei, sondern «längst zum grössten Touristenzentrum der Schweiz» gemausert sei. In diesem Jahr konnte verhandelt werden, dass weiterhin eine freiwillige Abgabe anstelle einer gesetzlichen Logiertaxe als Staatseingriff bestehen würde, indem 93 nicht dem Hotelier-Verband angeschlossenen Betriebe einen Logierbeitrag von acht Rappen entrichteten. Die Mitglieder des Zürcher Hotelier-Vereins bezahlten einen nach Hotelkategorie abgestuften Beitrag von viereinhalb bis sechs Rappen pro Logiernacht. Die Stadt Zürich beschloss einen einmaligen Beitrag von 75'000 Franken sowie einen unbefristeten Jahresbeitrag von 50'000 Franken.Zürich – grösstes Touristenzentrum der Schweiz –– und sein Verkehrsverein. In: Hotelrevue, Nummer 27, 8. Juli 1954, S. 5.
Ein Werbefilm für Zürich zur Zeit des Verkehrsdirektors Bruno H. Anderegg entstand 1961 bei Condor Films mit dem Titel “Zürcher Impressionen”, Regie führte Hans Trommer; nur sechs Jahre später gab es eine Auftragsarbeit des Verkehrsvereins und der Swissair mit dem Titel “...via Zürich”. Von 1962 bis 1970 erschien unter dem Titel “Zürich” eine Zeitschrift des internationalen Flughafens Zürich-Kloten und des Verkehrsvereins, auch 2007 bis 2009 gab es ein Magazin “Zürich” zu Zürich und der Region Greater Zürich Area.Archiv des Verkehrsvereins Zürich (VVZ) 1886 – 1997, Stadtarchiv Zürich Im Jahre 1968 liess sich der Verkehrsverein aus Imagegründen durch eine umfangreiche Studie der Handelshochschule St. Gallen bestätigen, dass Zürich eine Kleinstadt geblieben sei. Fritz Herdi spottete im Nebelspalter, das wisse man auch ohne Studie und Illustrierte, dass die ganze Welt darüber lache anhand des Beispiels eines amerikanischen Reisebüros, welches in einem Wettbewerb «als 1. Preis eine Woche Ferien in Zürich und als 2. Preis - drei Wochen Ferien in Zürich aussetzte.»Fritz Herdi: Limmatspritzer. In: Nebelspalter, Band 94 (1968), Heft 48, S. 21. Ab 1976 leitete Erich Gerber als Verkehrsdirektor die Organisation. Bis mindestens in diesem Jahr 1976 bestand das Logo des Verkehrsvereins Zürich auf seinem Briefpapier aus drei weissen Möwen-Silhouetten auf blauem Grund. Gestaltet hatte das Logo Max Bill im Jahre 1937.Fritz Herdi: Möwe auf Löwe, Nebelspalter], Band 102 (1976), Heft 20, S. 24.
Condor-Film produzierte 1981 den Film «Achthundert Schritte - Zürichs Mitte» als Imagefilm.Zürich - Metropole oder Disneyland?; NZZ, 22. Oktober 2004 Der Film dauert untypischerweise rund eine halbe Stunde und schien laut einer Einschätzung produziert worden zu sein, um die internationale Berichterstattug zu den Zürcher Jugendunruhen 1980 zu korrigieren.Felix Aeppli: , Cinematheque Suisse Im gleichen Jahr wurde ein „Spielkasino“ im Kongresshaus eröffnet, dessen Erträge die Finanzen des Verkehrsvereins aufbesserten, was im Folgejahr eine Diskussion im Kantonsparlament zur Folge hatte zur Kürzung des Staatsbeiträge.Zürcher Kantonsrat - Staatsbeitrag an den Verkehrsverein Zürich, NZZ, 18. Dezember 1984, Nummer 295, S. 42. Gleichzeitig begann die Organisation des Seenachtsfestes als Mittelpunkt der Feier des 100-Jahre-Jubiläums, kombiniert mit der Abhaltung des ersten Welt-Jugendmusik-Festivals (WJMF) 1985.1985 - Ein Seenachtsfest und ein Jubiläum, Neue Zürcher Zeitung, Nr.291 vom 13. Dezember 1984, S. 49. Im Jahr 1986 betrug der Staatsanteil an der Finanzierung 22 Prozent, davon stammten 225'000 Franken vom Kanton. Die Stadt hatte zum Teuerungsausgleich ihren Beitrag um 85'000 Franken erhöht. Die 78 Prozent der Privatbeiträge setzten sich zusammen aus 380'000 Franken Mitgliederbeiträgen, 1,2 Millionen Franken Logiertaxen und 770'000 Franken kommerzieller Einnahmen. Andere Städte würden viel höhere öffentliche Beiträge zahlen, monierte Verkehrsdirektor Erich Gerber, genannt wurden Basel und Bern mit je über einer Million Franken.Künftig wieder mehr Gäste?, Hotel Revue, Nummer 7, 12. Februar 1987, S. 3.
Mit dem ab Mitte der 1990er-Jahre verwendeten Slogan des Verkehrsvereins “ZÜR!CH - Little Big City” wurde auch ein Film erstellt, der etwas grosszügig Szenen aus der halben Schweiz mit einbezog. 1997 zog sich Zürich Tourismus von seiner Rolle als regionaler Veranstalter zurück und konzentrierte sich auf das Marketing im Ausland.Zürich Tourismus ist dem Typhus zu verdanken, SRF News, 3. Juni 2010, Minute 3:45 Der Slogan «ZÜR!CH - Little Big City» wurde nur wenige Jahre verwendet und abgelöst von «Zurich – Downtown Switzerland». Der Film Downtown Switzerland 2004 übernahm als Titel den damaligen Slogan der Tourismusorganisation für einen Film in einer Periode der Verhärtung der politischen Fronten.
Während der Fußball-Europameisterschaft 2008 wurde vorübergehend der Claim «Wir leben Zürich» verwendet.nicht mehr «World Class» Zürich ist nicht mehr «World Class», Tages-Anzeiger, 15. November 2017.
2011 lancierten der Kanton Zürich, die Stadt Zürich und Zürich Tourismus gemeinsam das neue Markenlogo «Zürich – World Class. Swiss Made». Drei Jahre später entstanden anstelle eines Werbefilms eine Reihe kurzer Videoclips unter «Zürich besuchen. Die Schweiz entdecken», welche zum Beispiel mit dem Klischee der sauberen Schweiz spielten. Hauptperson des international ausgestrahlten und humorvollen Werbespots mit viel Understatement war ein in die Stadt verliebter Fahrer einer Straßenreinigungsmaschine.
Im Jahr 2017 wurde das System eines durchgehend verwendeten Slogans abgeschafft zugunsten einer flexiblen Verwendung eines Corporate Designs, basierend auf einem Logosystem, das jeweilen «Zürich, Switzerland» enthält mit verschiedenen vorangestellten Inhalten.Das ist der neue Auftritt von Zürich Tourismus, SRF News, 15. November 2017.
2018 erklärte sich Airbnb bereit, die in Zürich immer noch an sich freiwillige, aber von Hotels flächendeckend bezahlte «City Tax» ebenfalls einzuziehen.Auch Airbnb-Kunden zahlen künftig «Kurtaxe», SRF News, 16. Mai 2018.
Die gesamte historische Überlieferung der Organisation befindet sich im Stadtarchiv Zürich im Bestand VII.198 «Zürich Tourismus. Archiv. 1886–2010».Stadtarchiv Zürich, VII.198. Zürich Tourismus. Archiv. 1886–2010.
Organisation
Zürich Tourismus ist ein gemeinnütziger Verein im Sinne von Art. 60 ff. des Schweizerischen Zivilgesetzbuches mit Sitz in Zürich. Zweck des Vereins ist die Förderung des Tourismus für die Tourismusregion Zürich in Verbindung mit Behörden, Gastgewerbe, Kulturinstitutionen und weiteren interessierten Kreisen. Die Organe des Vereins sind die Generalversammlung, der Vorstand, die Direktion und die Revisionsstelle. Die Generalversammlung ist das oberste Organ. Der Vorstand besteht aus höchstens neun Mitgliedern; Stadt und Kanton Zürich haben Anspruch, maximal zwei Abgeordnete in den Vorstand zu delegieren. Die operative Leitung liegt bei der Direktion. Die aktuelle Organisation umfasst unter anderem die Bereiche Corporate Services, Destination Development, Marketing, Markets, Convention Bureau und Visitor Information.
Aufgaben
Zürich Tourismus verantwortet die Destinationsentwicklung und die touristische Vermarktung der Stadt und Region Zürich. Während im Ausland diese Aufgabe oft von einem Amt wahrgenommen wird, handelt es sich in Zürich um eine als Verein existierende Organisation. Zu den Aufgaben gehören die touristische Markenführung, die Marktbearbeitung im In- und Ausland, Medien- und Öffentlichkeitsarbeit, die Zusammenarbeit mit Reisebranche und Veranstaltern, die Gästeinformation sowie die Entwicklung touristischer Angebote. Zur Gästeinformation betreibt Zürich Tourismus die «Visitor Information» im Hauptbahnhof Zürich. Dort werden Gäste unter anderem zu Stadtführungen, Tagesausflügen, Zürich Card, öffentlichem Verkehr, Hotelvermittlung, Veranstaltungstickets sowie privaten und Gruppenführungen beraten.
Zu den touristischen Angeboten, die Zürich Tourismus gemeinsam mit Partnern vermarktet, gehört unter anderem die Zürich Card. Sie kombiniert die Nutzung des öffentlichen Verkehrs in der Stadt und Region Zürich mit Vergünstigungen und Gratis-Eintritten bei Museen, Führungen, Ausflügen und weiteren Angeboten.
Finanzierung