Das Massaker von Bobo-Ufe () fand am 8. und 9. September 1999 in der osttimoresischen Exklave Oe-Cusse Ambeno statt. 17 Mordopfer sind namentlich aus dem Suco Bobometo bekannt, ein bis zwei aus dem Suco Usitaqueno.CAVR-Report, Chapter 7.2:

„Bobo“ ist der Name des lokalen Clans aus dem Subdistrikt Oesilo. „Ufe“ bedeutet „Herkunft“, „heimisch“, aber auch „Besitzer des Landes“. Die Bezeichnung des Massakers soll die Opfer ehren.

Geschehen Beim Unabhängigkeitsreferendum in Osttimor 1999 am 30. August 1999 entschied sich die Mehrheit der Bevölkerung des von Indonesien seit 1975 besetzten Osttimors für die völlige Unabhängigkeit als eigenständiger Staat. Bereits ab dem Tag darauf brannten Soldaten der Streitkräfte Indonesiens (TNI) und pro-indonesische Milizionäre der Sakunar über hundert Häuser im Suco Bobometo nieder. Ein lokaler Führer namens Horacio Tabes soll dabei geköpft worden sein.

Am 4. September wurde das offizielle Ergebnis des Referendums bekanntgegeben. Daraufhin brach im ganzen Land eine letzte Gewaltwelle der Besatzer aus. Sakunar und TNI wendeten sich gegen die vermeintlichen Hochburgen der Unabhängigkeitsbefürworter im Subdistrikt Oesilo. Am 7. September wurde der Miliz im Hauptquartier des militärischen Bezirkskommandos (Korem) befohlen, die Aldeias in Passabe und Oesilio anzugreifen. Sakunar-Chef Simão Lopes sollte den Überfall auf die Siedlungen in Passabe anführen, sein Stellvertreter Laurentino Moko Soares wurde die Verantwortung für das Gebiet von Oesilo übertragen. Als weiterer Anführer wird Gabriel Kolo, Sakunar-Chef und Verwaltungschef von Passabe genannt. Etwa 200 Milizionäre waren mit Macheten und selbstgebauten Schusswaffen an den Angriffen beteiligt.CAVR-Report, Chapter 7.3:

Lopes führte seine Gruppe nach Nibin im Suco Usitaqueno. Hier ermordeten sie den Chefe de Aldeia Armando Sani, der als Unabhängigkeitsbefürworter bekannt war. Einer Untergruppe der Miliz unter Quelo Mauno (Agostinho Atolan, aus Naetuna, Suco Abani), wird die Ermordung von Domingos Kolo in der Aldeia Nitas (Suco Usitaqueno) vorgeworfen. Häuser wurden in Brand gesteckt und das Vieh der Einwohner getötet. Quelo Mauno bekannte sich im September 2003 des Mordes schuldig.

Danach griff die Gruppe die Aldeia Quiubiselo (Suco Bobometo) an. Der Angriff auf Quiubiselo erfolgte aus vier Richtungen: von Pune, vom Fluss Noel Ekat (Suco Bobometo), von Imbate (Westtimor) und Passabe aus. Victor Punef, Yacobus Siki, Yosep Noni Maknaun, Augustino Ulan, Zacharias Ena, Mikhael Sasi, Yacobus Oki und José Siki wurden getötet. Lopes griff dann von drei Richtungen aus das Dorf Bobomanat (Aldeia Tumin, Suco Bobometo) an. Unterdessen fiel auch Soares in die Aldeia Tumin ein. Häuser wurden geplündert und niedergebrannt, Vieh getötet. Marcos Sufa Afoan, Filippus Tualaka, Laurentino Ulan Cono, Augustino Neno, Naub Lape, Alberto Afoan, Nenu Catu, Ciprianus Anin und Francisco Elu kamen ums Leben. Angriffe gab es auch in der Aldeia Nonquican (Suco Bobometo). Bei fünf Opfern blieb es bei versuchtem Mord.

Die überlebenden Einwohner aus den angegriffenen Dörfern wurden zusammengetrieben und nach Imbate gebracht. Dort wurden die Gefangenen registriert und nach Alter und Bildungsstand gruppiert. Je nach Quelle 55 oder 80 junge, gebildete Männer wurden durch die TNI und die Sakunar von den anderen abgetrennt und paarweise aneinandergefesselt. Acht Gefangene konnten entkommen, doch die anderen wurden am 10. September beim Passabe-Massaker exekutiert. Auch in der Folge kam es in den folgenden Tagen in Oesilo zu Morden, bis ab dem 23. Oktober die INTERFET wieder für Ruhe und Ordnung sorgte. Namentlich bekannte Opfer sind die Brüder Bonat Afoan, Paul Ase, Kusi One und Punef Bonat sowie Francisco Kefi, Firmino Nahak, Sufa Tabun, Neno Katu, Francisco Sani, Francisco Sanan und Cipriano Kono.

Gedenken In Bobometo befindet sich eine Gedenkstätte für die Opfer des Sucos.

Einzelnachweise

Kategorie:Oe-Cusse Ambeno Kategorie:Massaker Kategorie:Kriegsverbrechen in Osttimor (1975–1999) Kategorie:Konflikt 1999