Das Hôtel Solvay ist ein historisches Stadthaus in der Hauptstadtregion Brüssel, Gemeinde Ixelles/Elsene, in Belgien. Es wurde von dem belgischen Jugendstil-Architekten Victor Horta für den Industriellen Armand Solvay entworfen und erbaut. Die Adresse des Hôtel Solvay lautet Avenue Louise/Louizalaan 224. Es ist nicht weit vom Hôtel Max Hallet entfernt, ebenfalls ein Werk von Victor Horta.

Geschichte Im Jahr 1894 beauftragte Armand Solvay, Sohn des Chemikers, Industriellen und Kunstmäzens Ernest Solvay, den Architekten Victor Horta mit dem Entwurf eines Stadthauses, in dem er in den Wintermonaten mit seiner Familie wohnen wollte. Parallel zu diesem Projekt beauftragte Solvay Horta auch mit der Umgestaltung des auf dem Land gelegenen Château de La Hulpe, das im Sommer genutzt wurde.

Die Baugenehmigung für das Hôtel Solvay wurde 1895 erteilt, der Rohbau wurde 1898 fertiggestellt und die Innenausstattung und Einrichtung folgten in den Jahren danach. Das Hôtel Solvay ist eines der bemerkenswertesten Werke von Horta. Als Architekt hatte er absolute finanzielle Freiheit, was sich in der kreativen Ausführung und den verwendeten hochwertigen Materialien widerspiegelt. Horta entwarf das Gebäude als Ganzes und die Einrichtung und das Innere bis ins kleinste Detail.

Durch den nahegelegenen Einschlag einer deutschen V 1 im Zweiten Weltkrieg sowie den gewöhnlichen Alterungsprozess beschädigt, wurde das Hôtel Solvay 1958 von Louis und Berthe Wittamer-De Camps gekauft, die dort ihre Haute-Couture-Werkstätten einrichteten. 1976 zogen die Nähwerkstätten aus und das Ehepaar Wittamer-De Camps widmete sich der Sanierung des Hauses.

1977 wurde das Gebäude unter Denkmalschutz gestellt, 1999 auch der Garten und die früheren Ställe. 2021, als das Hôtel Solvay als Museum geöffnet wurde, wurde die Familie Wittamer mit dem Bronzen Zinneke ausgezeichnet, als Anerkennung dafür, dass sie das wertvolle Haus „stets gehegt und gepflegt hat“.

In den 2020er Jahren wurde die Fassade mit einem Budget von fast 1 Million Euro denkmalgerecht saniert.

Fassade Mit Ausnahme des Erdgeschosses ist die Fassade symmetrisch. Das Fenster der Bel étage führt zu einem Balkon und wird auf beiden Seiten von Fenstererkern flankiert. Die Fassade besteht aus Glas, Eisen und Naturstein wie Belgisch Granit aus der Provinz Hennegau.

Innenraum Im Inneren führt eine erste Treppe, ausgestattet mit einer geschwungenen Balustrade aus vergoldetem Metall, vom Erdgeschoss zum Bel-Étage, wo sich die Empfangsbereiche befinden (Lounges an der vorderen Fassade und Speisesaal hinten). Diese Räume sind durch Glaswände voneinander getrennt, die geöffnet werden können, um einen riesigen, durchgehenden Raum über fast die gesamte Fläche des Hauses zu erhalten. Diese festliche Treppe wird von einem beeindruckenden Glasdach gekrönt, dessen Krümmung auch eine optimale Verteilung der heißen Luft gewährleistet, die von der Heizlüftung am Fuß der Treppe abgegeben wird. Das Glasdach wurde von Raphaël Évaldre entworfen. Eine zweite, versetzte Treppe dient als Zugang zu den oberen Stockwerken, wo sich die Schlafzimmer und Badezimmer befinden.

Eine große Tür führt zu den Ställen, die sich hinter dem Gebäude im Garten befinden. Im Erdgeschoss befinden sich außerdem die Küchen und der Raucherraum.

Der Eingang ist mit Marmor gepflastert und mit kleinen Säulen versehen, an denen sich Lampen mit kronenförmigen Schirmen befinden. Die Treppe läuft direkt auf ein Gemälde von Théo van Rysselberghe zu. Die Möbel, Verzierungen, Holzarbeiten, Marmor- und Eisenarbeiten wurden von Horta selbst entworfen, der auch die Lösung für die gleichmäßige Verteilung der heißen Luft im gesamten Gebäude erarbeitete.

Familie Solvay Das Hôtel Solvay war nicht der einzige Auftrag, den die Familie Solvay Victor Horta erteilte. Die Solvays waren Industrielle und zugleich große Förderer und Philanthropen. Sie beauftragten neben Horta noch weitere bedeutende Architekten wie Paul Hankar, Henry van de Velde, Gustave Serrurier-Bovy, Ernest Blerot und Paul Cauchie. Victor Horta entwarf beispielsweise den Pavillon für die Weltausstellung 1905 der Firma Solvay.

UNESCO-Weltkulturerbe

Die UNESCO-Kommission erkannte das Hôtel Solvay im Jahr 2000 als Teil von "Jugendstilbauten von Victor Horta in Brüssel" als UNESCO-Weltkulturerbe an. Unter diesem Titel werden die vier großen Stadthäuser – neben dem Hôtel Solvay noch das Hôtel Tassel, das Hôtel van Eetvelde und das Hortawohnhaus mit Werkstatt (das Horta-Museum) – zusammengefasst, die in Brüssel liegen und von Victor Horta, einem der frühesten Initiatoren des Jugendstils, entworfen wurden.

Umwandlung in ein Museum Seit dem 23. Januar 2021 ist das Hôtel Solvay ein Museum und kann während der Öffnungszeiten besichtigt werden.

Siehe auch Jugendstil in Brüssel Liste von Bauwerken des Jugendstils, Abschnitt Belgien

Weblinks

Einzelnachweise

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