Das Hackländerhaus ist ein Mehrfamilienhaus an der Schoderstraße 7 in Stuttgarter-Nord. Das Gebäude steht seit 1910 an der Schoderstraße, Ecke Eduard-Pfeiffer-Straße. Der Schriftsteller Friedrich Wilhelm Hackländer, dessen Name das Gebäude bis heute trägt, hat nie darin gewohnt. Das Gebäude stand ursprünglich an der Urbanstraße 10. Erst nach Hackländers Tod wurde es dort ab- und am Stuttgarter Killesberg wieder aufgebaut. Es dient bis heute als Wohngebäude und steht unter Denkmalschutz.

Lage Von 1859 bis zum Abriss und der Versetzung im Jahre 1910 stand das ursprüngliche Gebäude zentral in der Stuttgarter Innenstadt an der Urbanstraße 10, Ecke Uhlandstraße.

Der Wiederaufbau erfolgte an der Schoderstraße im sich städtebaulich schnell entwickelnden Stuttgarter Norden. Der Zugang war ursprünglich von der Eduard-Pfeiffer-Straße wie von der Schoderstraße möglich, heute nur noch von der Schoderstraße. An der Eduard-Pfeiffer-Straße wurde in den 1960er Jahren eine moderne Garage mit Terrasse angebaut.

Geschichte Friedrich Wilhelm Hackländer (* 1816 in Burscheid; † 1877 in Leoni) war ein deutscher Schriftsteller, der 1840 nach Stuttgart kam. Zunächst wohnte Hackländer in verschiedenen Wohnungen zur Miete. Nach einer Italienreise mit dem Kronprinzen Karl wohnte er in seiner Funktion als Privatsekretär in zwei oberen Mansardenräumen des Neuen Schlosses. Nach Entlassung als Privatsekretär 1849 wohnte er wieder in verschiedenen Wohnungen im Umkreis des Schlosses und in seinem Landhaus in Stuttgart.

Hackländerhaus in der Urbanstraße 10 Von seinem Freund, dem bekannten Architekten Christian Friedrich Leins, ließ er sich 1859 in der Urbanstraße 10 ein großzügiges Haus erbauen, „ein stattliches, sehr bequemes Wohnhaus, welches aber für seine eigenen Verhältnisse etwas zu großartig angelegt war, weshalb er es später verkaufte, um sich unmittelbar daneben in einer neu gebauten einfacheren, aber ganz nach seinen und seiner Familie Bedürfnissen gebauten Wohnung niederzulassen“.

Das mittlerweile als Hackländerhaus bekannte Gebäude in der Urbanstraße 10 drohte 1910 abgebrochen zu werden. Der Allgemeine Deutsche Versicherungsverein (heute gehört das Gebäude der Allianz) beauftragte 1910 die Architekten Bihl & Woltz mit dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes. Unter Verwendung der alten Materialien und in seiner alten Form wurde das Gebäude im Stuttgarter Norden in der Schoderstraße 7 wieder aufgebaut.

Urbanstraße 10

Wiederaufbau des Hackländerhauses in der Schoderstraße 7 mini|Hackländer-Haus nach der Translozierung in die Schoderstraße 7 (1911) Zum Beginn des Wiederaufbaus 1910 gab es die Schoderstraße noch nicht. Sie wurde 1910 als Stichstraße von der Birkenwaldstraße 105 zur Feuerbacher Straße (heute Eduard-Pfeiffer-Straße) angelegt. Die beiden ersten Gebäude in der Schoderstraße waren die Häuser Nummer 7 und 10. Das damals größtenteils unbebaute Gelände östlich der heutigen Schoderstraße bis Am Kriegsbergturm gehörte dem königlichen Notar Rudolf Fausel, der dort 1901/02 zwei Wohngebäude (Birkenwaldstraße 103 und 105) sowie eine Villa (Birkenwaldstraße 97a) errichten ließ. 1904 wurde die Villa fertiggestellt und fortan als ‚Villa Fausel‘ bezeichnet. An anderer Stelle wird die Villa aufgrund der geschwungenen Giebel und Dreieckserker auch als ‚Zauberschloss‘ bezeichnet. 1905 erwarb der Bauwerkmeister Johannes Mehl (* 1848 in Eningen; † 1910 in Stuttgart) nach dem Tod Fausels die Villa, die beiden angrenzenden Wohngebäude sowie das weitläufige Gelände mit "Bauplätzen an drei Straßenfronten für etwa 10 Villen" aus der Konkursmasse Fausels. Nach dem Erwerb entwickelte Johannes Mehl das Gelände und errichtete weitere Gebäude. Neben dem wiederaufgebauten Hackländerhaus in der Schoderstrasse 7, ein weitere Mehrfamilien-Wohngebäude in der Schoderstrasse 3 und in der Murschelstrasse 1, heute Am Kriegsbergturm 59.

Baustil mini|hochkant|Johannes Mehl, Werkmeister und Bauunternehmer, der 1910 das Hackländer-Haus in der Schoderstraße 7 wieder aufgebaut hat

Das Gebäude zeigt typische Merkmale des späten 19. Jahrhunderts und lässt sich dem Historismus zuordnen, mit Einflüssen der Neorenaissance und Neogotik:

Symmetrische Fassade und klare Gliederung Verzierte Fensterrahmen und Balkone Zinnenartige Abschlüsse und Giebel Turm mit spitzem Dach Massive Steinbauweise Die repräsentativ ausgestaltete Südfassade zeigt neben den Elementen des Historismus zwei in Sandstein gehauene Köpfe – das Antlitz eines Mannes mit Bart und Kappe sowie das Antlitz einer Frau, jeweils eingerahmt von einem auf dem Kopf gedrehten Quadrat. Oberhalb der mittleren Fensterreihe des Erdgeschosses befinden sich zwei Inschriften. Eine Bronze-Tafel mit der Aufschrift „Hackländerhaus“ und die aus Sandstein gemeißelte, lateinische Ovid-Inschrift „Et saxa cava“ – was so viel bedeutet wie Strahlendes Bergwerk. Das „Strahlende Bergwerk“ war eine von Hackländer 1850 begründete Künstlergemeinschaft. Hackländer war der „Bergmeister“ (Vereinsvorsitzender) und sein Freund Christian Friedrich Leins, Architekt des Hackländerhauses, der „Untersteiger“ (Stellvertreter). Die Inschrift 'Et saxa cava' und die Steinköpfe waren bereits an gleicher Stelle am Gebäude in der Urbanstraße 10 zu finden. Die Bronze-Tafel ‘Hackländerhaus’ wurde erst nach dem Wiederaufbau 1910 hinzugefügt. Damit wollte mal auf die historische Bedeutung des Gebäudes als Wohnhaus des Schriftsteller Hackländer hinweisen.

Auf der Westfassade hin zur Schoderstraße sieht man die gleichen aus Sandstein geschlagenen Köpfe sowie zwei reich verzierte Erker. Unterhalb des mittleren Erker entdeckt man die wiederum aus Sandstein gemeißelten Werkzeuge des Schriftstellers: Tinte, Feder und Papierrolle.

Auf der Nordfassade wird das Gebäude von zwei Türmchen überragt. Auf dieser Seite befindet sich auch der Eingangsbereich mit zwei Säulen im Stile eines antiken Portikus. Die Säulen, das Gesims und auch die schwere, doppelflügelige Holztür stammen jedoch nicht vom ehemaligen Gebäude in der Urbanstraße 10. Johannes Mehl hatte diese Elemente nach dem Abriss des 1902 abgebrannten Königlichen Hoftheaters 1904 erworben. Man geht davon aus, dass die beiden Säulen zu den verbliebenen Resten des ursprünglichen Neuen Lusthauses von 1593 gehörten. Sie könnten Teil des westlichen Arkadengangs mit zwei Treppenläufen gewesen sein. Die Lusthausruine wurde 1904 im Mittleren Schlossgarten aufgebaut, wo sie bis heute steht.

Die östliche Fassade weist keine gestalterischen Besonderheiten auf. Sie war auch schon am Standort Urbanstraße 10 von der Straßenseite abgewandt und ist nur teilweise in Sandstein gefertigt. Nach den schweren Fliegerangriffen im September 1944 wurde das Gebäude – wie nahezu allen anderen umliegenden Gebäude der Schoderstraße – schwer beschädigt. Die Ostfassade wurde daher oberhalb des zweiten Geschosses mit verputztem Mauerwerk erneuert. Nachdem ebenso durch den Fliegerangriff von 1944 das gesamte Dach ausgebrannt ist, wurde bei der Sanierung die Dachhöhe und -neigung verändert, damit eine vierte Wohnetage hinzugefügt werden konnte. Die Türmchen der Nordseite sowie Giebel der Südseite wurden in das nun vierte Obergeschoss integriert und die Dachneigung angepasst.

Detail des Hauses

Denkmalschutz und Erhaltung Die euphorische, von Entdeckerfreude getragene Zuwendung, die die Baukunst der zweiten Hälfte des 19. und auch noch zu Beginn des 20. Jahrhunderts sowie seit den frühen 1970er Jahren gefunden hat, sollte nicht verdecken, dass es bereits sehr viel früher Ansätze für denkmalpflegerische Sorge um historistische Bauten gegeben hat als man heute allgemein annimmt. Ob Johannes Mehl aus rein praktischen Überlegungen (die kostengünstige Wiederverwendung von Baumaterialien) oder aus der Motivation historisch Bekanntes und Wertvolles zu erhalten, 1910 das Hackländerhaus an neuer Stelle wieder aufbaute, wissen wir nicht mit Bestimmtheit. Allerdings sagt Eberhard Grunsky: „… in der erwachenden Aera der Denkmalpflege wurde das 1859 von Christian Friedrich Leins in Stuttgart errichtete Wohnhaus des Schriftstellers Wilhelm Hackländer versetzt, welches 1910 an seinem ursprünglichen Standort an der Urbanstraße dem Neubau eines Verwaltungsgebäudes weichen musste. Von den Architekten Bihl & Woltz wurde das sorgfältig abgetragene Haus in seiner alten Form an der Schoderstraße wieder aufgebaut.“

Weblinks

Einzelnachweise

Kategorie:Bauwerk von Christian Friedrich von Leins Kategorie:Wohngebäude in Stuttgart Kategorie:Versetztes Bauwerk in Stuttgart Kategorie:Kulturdenkmal in Stuttgart Kategorie:Bauwerk des Historismus in Stuttgart Kategorie:Erbaut 1859