mini|Christoff Zalpour, 2026 Christoff Zalpour (* 1963) ist ein deutscher Arzt und Hochschullehrer. Er ist seit 2003 Professor für Physiotherapie an der Hochschule Osnabrück und leitet dort das Institut für angewandte Physiotherapie (INAP/O). Zalpour ist ein Wegbereiter einer eigenständigen physiotherapeutischen Forschung und Versorgung für Musiker und darstellende Künstler im deutschsprachigen Raum. Er ist auch Herausgeber mehrerer physiotherapeutischer Standardwerke, darunter das Springer Lexikon Physiotherapie.

Leben

Ausbildung und frühe wissenschaftliche Tätigkeit Zalpour wurde 1963 geboren. Er studierte Humanmedizin und Diplom-Pädagogik an der Justus-Liebig-Universität Gießen, der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster und der Stanford University in Kalifornien.

An dem Center of Cardiovascular Research (CVRC) der Stanford University war Zalpour in der kardiovaskulären Grundlagenforschung tätig. Dort wirkte er an Arbeiten der Gruppe um John P. Cooke zur Bedeutung von L-Arginin und Stickstoffmonoxid für die Gefäßfunktion mit, unter anderem an einer 1997 im Journal of the American College of Cardiology erschienenen Studie zur Normalisierung der Thrombozytenaggregation bei hypercholesterinämischen Probanden.Andreas Wolf, Christoff Zalpour, Gregor Theilmeier u. a.: Dietary L-arginine supplementation normalizes platelet aggregation in hypercholesterolemic humans. In: Journal of the American College of Cardiology. Band 29, Nr. 3, 1997, S. 479–485, doi:10.1016/S0735-1097(97)00523-8. Seine medizinische Promotion befasste sich mit demselben Themengebiet.

Lehre und ärztliche Tätigkeiten In Deutschland war Zalpour als Arzt in der Arbeits- und Umweltmedizin, in der Rehabilitations- und Sozialmedizin sowie in der Inneren Medizin tätig. Parallel arbeitete er in der Ausbildung von Gesundheitsberufen, unter anderem als ärztlicher Leiter der Lehranstalt für Physiotherapie der Deutschen Angestellten-Akademie in Münster sowie als Dozent an der International Academy of Osteopathy in Gent.

Wirken an der Hochschule Osnabrück 2003 folgte Zalpour dem Ruf auf eine Professur für Physiotherapie an der damaligen Fachhochschule Osnabrück, der heutigen Hochschule Osnabrück, wo er der Fakultät Wirtschafts- und Sozialwissenschaften angehört. 2005 gründete er die hochschulinterne Arbeitsgemeinschaft SCIPOS (Science in Physiotherapy Osnabrück), in der Lehrende und wissenschaftliche Mitarbeitende der Physiotherapie und Osteopathie zusammenarbeiten.

2007 gründete er das Institut für angewandte Physiotherapie und Osteopathie (INAP/O), dessen Direktor er seither ist. Am INAP/O richtete er in Zusammenarbeit mit dem Institut für Musik der Hochschule eine physiotherapeutische Musikersprechstunde ein. Es folgten die Gründung des hochschuleigenen Trainingszentrums INMOVE sowie 2014 die Einrichtung eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und dem niedersächsischen Wissenschaftsministerium geförderten Bewegungslabors (MotionLab), aus dem später die PhysioLabs hervorgingen; deren Leitung übernahm Zalpour 2019. Seit 2015 gehört er der Ethikkommission der Hochschule Osnabrück an, zu deren Gründungsmitgliedern er zählt.

In der Lehre vertritt Zalpour die Gebiete Differentialdiagnose und medizinisches Screening, Forschungs- und Berufsethik sowie Musikphysiologie; letztere unterrichtet er auch im musikpädagogischen Bachelorstudiengang des Instituts für Musik.

Forschung

Gesundheit von Musikern und darstellenden Künstlern Zalpours Arbeitsschwerpunkt liegt auf spielbedingten muskuloskelettalen Beschwerden von Musikerinnen und Musikern. Ziel ist die Etablierung einer eigenständigen Teildisziplin Performing Arts Physiotherapy analog zur Sportphysiotherapie. 2021 veröffentlichte er gemeinsam mit Nikolaus Ballenberger und Florian Avermann eine Auswertung der Behandlungsdaten von 614 Patientinnen und Patienten der Osnabrücker Musikersprechstunde.Christoff Zalpour, Nikolaus Ballenberger, Florian Avermann: A Physiotherapeutic Approach to Musicians’ Health – Data From 614 Patients From a Physiotherapy Clinic for Musicians (INAP/O). In: Frontiers in Psychology. Band 12, 2021, Artikel 568684, doi:10.3389/fpsyg.2021.568684.

2020 erhielt das von Zalpour mitverantwortete Verbundprojekt RefLabPerform (Referenzlabor Performing Artists) eine Förderung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung in Höhe von rund 1,1 Millionen Euro. Es verbindet die physiotherapeutische Befunderhebung mit instrumenteller Bewegungsanalyse.

Seit 2024 ist Zalpour Leiter des von der DFG im Programm Forschungsimpulse geförderten Vorhabens PA.H.LIFETIME.ai, das mithilfe künstlicher Intelligenz Risikoprofile und prädiktive Modelle für spielbedingte Beschwerden entwickelt. Beteiligt sind neben der Hochschule Osnabrück die Hochschule für Musik, Theater und Medien Hannover sowie internationale Partner. 2026 berichteten Tagesschau und NDR über die Arbeit des Projekts.

Berufsautonomie und Akademisierung der Physiotherapie Ein zweiter Schwerpunkt Zalpours ist die Akademisierung der Gesundheitsfachberufe und der sogenannte Direktzugang (Direct Access bzw. Patient Self Referral) zur Physiotherapie. Hierzu veröffentlichte er zahlreiche Fach- und Übersichtsbeiträge sowie Absolventenbefragungen der Osnabrücker Studiengänge. Eng damit verbunden ist seine Beschäftigung mit der ärztlichen Differentialdiagnostik als Kompetenzfeld von Physiotherapeuten; gemeinsam mit Harry von Piekartz verfasste er über viele Jahre die Fallserie Red flags erkennen in der Zeitschrift physiopraxis.

Mitgliedschaften und Ämter seit 2017 Mitglied des Vorstands der Deutschen Gesellschaft für Musikphysiologie und Musikermedizin (DGfMM) Vorstandsmitglied des European Network of Physiotherapy in Higher Education (ENPHE) Vorstandsmitglied des Hochschulverbundes Gesundheitsfachberufe Mitglied des Fachausschusses „Medizin und Gesundheitswissenschaften“ der Akkreditierungsagentur ACQUIN Mitglied der Österreichischen Gesellschaft für Musik und Medizin Mitglied der New York Academy of Sciences Mitglied der wissenschaftlichen Beiräte der Fachzeitschriften pt_Zeitschrift für Physiotherapie, physioscience und Physiotherapie

Schriften (Auswahl) Herausgeberschaften Anatomie Physiologie für die Physiotherapie. 5. Auflage. Urban & Fischer/Elsevier, München 2022, ISBN 978-3-437-45305-2 (Erstauflage 2002). Springer Lexikon Physiotherapie. Von A–Z. 2. Auflage. Springer, Berlin/Heidelberg 2014, ISBN 978-3-642-38913-9. Checklisten Krankheitslehre für die Physiotherapie. Urban & Fischer/Elsevier, München, ISBN 978-3-437-45023-5. mit Edgar Hinkelthein: Diagnose- und Therapiekonzepte in der Osteopathie. 3. Auflage. Springer, Berlin 2021, ISBN 978-3-662-62692-4.

Aufsätze mit Nikolaus Ballenberger und Florian Avermann: A Physiotherapeutic Approach to Musicians’ Health – Data From 614 Patients From a Physiotherapy Clinic for Musicians (INAP/O). In: Frontiers in Psychology. Band 12, 2021, doi:10.3389/fpsyg.2021.568684. mit Annika Griefahn und Kerstin Luedtke: Identifying the risk of exercises, recommended by an artificial intelligence for patients with musculoskeletal disorders. In: Scientific Reports. Band 14, 2024, Artikel 14472, doi:10.1038/s41598-024-65016-1. mit Dirk Möller und Nikolaus Ballenberger: The German version of the Musculoskeletal Pain Intensity and Interference Questionnaire for Musicians (MPIIQM-G). In: Musculoskeletal Science and Practice. Band 37, 2018, S. 1–7.

Weblinks

Christoff Zalpour an der Hochschule Osnabrück ORCID-Profil von Christoff Zalpour Projekt PA.H.LIFETIME.ai in der DFG-Projektdatenbank GEPRIS

Einzelnachweise

Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Mediziner (21. Jahrhundert) Kategorie:Physiotherapeut Kategorie:Hochschullehrer (Hochschule Osnabrück) Kategorie:Sachbuchautor (Medizin) Kategorie:Herausgeber Kategorie:Deutscher Kategorie:Geboren 1963 Kategorie:Mann