Der als Spanische Zweig (italienisch: ramo ispano-napoletano) bezeichnete unter dem Großmeister Pedro von Bourbon-Sizilien stehende Ordenszweig des Konstantinorden ist der größte der heute drei Ordenszweige dieses Ordens.
Geschichte Der Orden soll bereits durch Kaiser Konstantin im Jahre 313 gestiftet und durch Kaiser Isaak Angelos 1190 erneuert worden sein. Andrea II. Angelo statuierte den Orden 1573 und erhielt 1575 die päpstliche Bestätigung.
Giovanni Andrea II. verkaufte das Großmeistertum des Ordens 1697 an Herzog Francesco Farnese von Parma, was dieser sich 1699 von Kaiser und Papst bestätigen ließ.
Mit dessen Nachfolger Karl wanderte der Orden ins Königreich Neapel. Hier bestand der Orden mit einer Unterbrechung während der Parthenopäischen Republik bis zum Untergang des Königreichs beider Sizilien 1861, unter dessen Protektorat der Orden stand.
Die Gründung des Spanischen Zweiges geht zurück auf den Nachfolgestreit im Hause Bourbon-Sizilien:
Als Carlo 1900 die spanische Thronfolgerin Prinzessin María de las Mercedes de Borbón, Schwester des regierenden Königs Alfons XIII., heiraten wollte, ergab sich folgendes dynastisches Problem: König Karl III. von Spanien, der die sizilianische Linie der Bourbonen 1735 begründet hatte, hatte bei seiner Thronbesteigung am 6. Oktober 1759 in einer Pragmatischen Sanktion die Trennung der spanischen Haupt- von der sizilianischen Nebenlinie verfügt. Dieses Dekret wäre durch eine gleichzeitige Thronfolge von Carlo in Neapel und Madrid unterlaufen worden, zu welcher es aber durch die Heirat mit der spanischen Thronfolgerin unweigerlich kommen würde, jedenfalls solange deren königlicher Bruder keine eigenen Nachkommen zeugen würde. Daher verzichtete er am 14. Dezember 1900 im „Akt von Cannes“ auf sein sizilianisches Thronfolgerecht, erwarb die spanische Staatsangehörigkeit und nahm, unter Hispanisierung seines Vornamens in „Carlos“, den Titel eines Infanten von Spanien an.
Als Carlos’ älterer Bruder, der sizilianische Thronerbe Prinz Ferdinand, 1960 mit einundneunzig Jahren ohne männlichen Nachkommen starb, brach zwischen dem verbliebenen Bruder Ranieri – Carlos selbst war schon 1949 gestorben – und dessen Neffen, Carlos’ ältestem Sohn Alfons Maria, ein Thronfolgestreit aus: Der ursprüngliche Vorbehalt gegen das sizilianische Thronfolgerecht Carlos’ war fortgefallen, nachdem sein Schwager König Alfons XIII. nacheinander Vater von sieben Kindern geworden war, unter ihnen Jaime de Borbón sowie der Juan de Borbón y Battenberg, dessen Sohn Juan Carlos 1975, nach dem Ende der franquistischen Ära, dann auch die Herrschaft in Spanien antrat.
Ungeachtet des Erbfolgestreits legten das päpstliche Breve von 1698 und die Bulle von 1718 fest, dass die Großmeisterwürde nicht an eine weltliche Souveränität gebunden sei, sondern eine gesonderte Erbschaft der Familie Farnese, und daher ist es die verbreitete akademische Auffassung, dass die Sukzession nicht mit dem Thron von Neapel und Sizilien verknüpft ist. Folgt man dieser Logik, ist der Spanische Zweig der legitime Zweig des Konstantinordens.
Rechtsstellung Keiner der drei Ordenszweige ist vom Heiligen Stuhl anerkannt. Der spanische Ordenszweig wird allerdings durch das Konkordat mit Spanien geschützt, in dessen Rahmen der Heilige Stuhl die Autonomie Spaniens akzeptiert, die Rechtsstellung katholischer Organisationen auf seinem Staatsgebiet eigenständig zu regeln, sodass dieser Ordenszweig in Spanien als anerkannte Institution unter dem Schutz der spanischen Monarchie gilt. Auch Italien, die Niederlande, Mexiko und die Vereinigten Staaten haben das Tragen der Ordensinsignien für ihre Militärangehörigen zugelassen.
Literatur
Alessio Cassinelli Lavezzo, Il Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio, Phasar Edizioni, Florenz, 2005. Alfonso Marini Dettina (mit Vorwort von Kardinal Gilberto Agustoni), Il legittimo esercizio del Gran Magistero del Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio, ed. Libreria Editrice Vaticana, Vatikanstadt, 2003. Roberto Saccarello, Gli Ordini cavallereschi della Real Casa di Borbone delle Due Sicilie, Ente Fiere di Vicenza, 2006. Roberto Saccarello, Il Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio: storia, istituzioni, insegne, Ed. Araldiche, Viterbo, 2008. Roberto Saccarello, Il Sacro Militare Ordine Costantiniano di San Giorgio Sotto la Regola di San Basilio, Ed. Araldiche, Viterbo, 2012. Guy Stair Sainty, The Constantinian Order of Saint George, Boletín Oficial del Estado, Madrid, 2018, 577 S. (Online).
Kategorie:Konstantinorden