Unter einem Cashflow [] (von , Zahlungsstrom, Geldfluss, Kassenzufluss oder Einzahlungsüberschuss) versteht man in der Wirtschaft eine betriebswirtschaftliche Kennzahl, bei der Einzahlungen und Auszahlungen innerhalb eines bestimmten Zeitraums einander gegenübergestellt (saldiert) werden und dadurch Aussagen zur Innenfinanzierung oder Liquidität eines Wirtschaftssubjektes ermöglichen.

Allgemeines Der Anglizismus Cashflow ist eine Stromgröße, die in den USA entwickelt wurde. Als Wirtschaftssubjekte kommen hauptsächlich Unternehmen (Nichtbanken) in Frage, aber auch bei Privathaushalten und Staaten (sowie deren Untergliederungen) ist der Cashflow ermittelbar, jedoch von geringerer Aussagekraft. Als Zeitraum dient meist ein Jahr (Geschäftsjahr), wobei externe Analysten den Cashflow aus dem Jahresabschluss als Vergangenheitswert ermitteln; für unternehmensinterne Analysen ist jedoch auch eine Cashflow-Prognose zwecks Liquiditätsplanung möglich. Der Discounted Cash-Flow ist ein solches zukunftsorientiertes Verfahren zur Wertermittlung im Rahmen einer Unternehmensbewertung.

Geschichte Betrachtet man den Cashflow als reine Einnahmen-Ausgaben-Rechnung, so kann der von der Kameralistik entwickelte öffentliche Haushalt als Ursprung der Cashflow-Rechnung angesehen werden. Denn die Kameralistik beruht auf der Abbildung von Zahlungsströmen, die durch zahlungswirksame Einnahmen und Ausgaben eine Verbuchung auslösen. Der Wirtschaftswissenschaftler Georg Heinrich Zincke gilt als erster, der die Kameralistik 1742 systematisch und umfassend erläutert hat. Die Höhe der Hofausgaben (Staatsausgaben) müsste ihm zufolge „in Ansehung der Größe des Landes, … derer Revenüs [ Staatseinnahmen, d. Verf.], derer vieler dazu nötigen Leute, derer erforderten rohen und verbesserten Güter“, also mit Rücksicht auf die Ressourcen des Landes, kalkuliert werden.Georg Heinrich Zincke, Grund-Riß einer Einleitung zu denen Cameral-Wissenschaften, 1742, S. 483 f. Haushaltsdefizite mussten durch staatliche „Cammer-Hülfen“ (Finanzausgleich) ausgeglichen werden.

Die Ermittlung des Cashflows von Aktiengesellschaften begann 1951 in den USA als Finanzflusstabelle () im Rahmen der Finanz- und Aktienanalyse,Holger Neubert, Der betriebliche Finanzfluss und seine Darstellung, in: Die Wirtschaftsprüfung, Heft 18, 1951, S. 422 ff. insbesondere für die Kennzahl des Cashflow je Aktie. Im selben Jahr erschien die erste Finanzbewegungsbilanz.J. Nertinger, Finanzbewegungsbilanz, in: Der Wirtschaftsprüfer, 1951, S. 103–104 William J. Baumol entwickelte 1952 ein Losgrößenkonzept für das Cash Management,William J. Baumol, The transaction demand for cash, in: The Quarterly Journal of Economics 66 (4), 1952, S. 545–556 das sich mit der Vorhersage des Cashflow () im Rahmen des Bestandsmanagements befasste. Ab 1961 begann die amerikanische Fachliteratur mit der „Cash flow Analysis“ (CFA) als Instrument externer Rechnungslegung.Perry Mason, Cash Flow Analysis, in: American Institute of Certified Public Accountants, 1961, S. 1 ff. Die einfache Cashflow-Rechnung enthielt die Auflistung der flüssigen Mittel, während eine zweite „Funds-Flow-Rechnung“ die Veränderungen des Working Capital untersuchte.Götz Hohenstein, Cash Flow – Cash Management, 1990, S. 25 Der Accounting Principles Board führte sie 1963 als „Statement of Source and Application of Funds“ ein; sie hieß ab 1971 „Statement of Changes in Financial Position“. Seit Juli 1988 wird sie durch das „Statement of Cash Flows“ als Pflichtbestandteil der externen Rechnungslegung amerikanischer Unternehmen ersetzt, seit 1992 ist sie auch im internationalen Rechnungslegungsstandard IFRS geregelt.

In Europa tauchte die Kennzahl des Cashflow erstmals 1959 im Geschäftsbericht der Imperial Chemical Industries London auf.Martin Zumbuehl, Finanzstarke und Finanzschwache Unternehmen und Banken auf einen Blick, 2011, S. 18 Erste deutsche Veröffentlichungen gab es zuvor seit 1952, als ein Autor die dem Cashflow sehr ähnliche Kennzahl des „Umsatzüberschusses“ vorstellte.Rudolf Verhülsdonk, Die Darstellung der betriebswirtschaftlichen Finanzwirtschaft in der Bewegungsbilanz, in: Der Betrieb, 1952, S. 22 Weitere bedeutende Veröffentlichungen folgten ab 1962Max Boemle, Betriebswirtschaftliche Überlegungen zum „cash flow“-Begriff, in: Die Unternehmung, 16. Jg., 1962, S. 199 ff. und vor allem 1963 durch Günter FlohrGünter Flohr, Die Zeitraumbilanz, 1963, S. 62 und 1964.Günter Flohr, Die Cash Flow Analyse, in: Der Betrieb, Heft 21, 1964, S. 705–711 Er übte Kritik an der Berücksichtigung des Bilanzgewinnes im Cashflow, weil der Bilanzgewinn auf die ausschüttungsfähige Dividende zugeschnitten sei. Lediglich der Gewinnvortrag könne nach seiner Auffassung einbezogen werden. Deshalb ist es erforderlich, dass die Verwendungsmöglichkeit des Cashflows für Finanzierungszwecke unter dem Gesichtspunkt der zeitlichen Verfügungsmodalität beachtet wird.

Die Betriebswirtschaftslehre entdeckte den Cashflow erst, als die Wirtschaftspraxis ihn längst verbreitet hatte.Stefan Behringer, Cash-flow und Unternehmensbeurteilung, 2010, S. 60 Ab 1965 griff die deutsche Bilanzanalyse diese Kennzahl auf. Der Betriebswirt Erich Gutenberg definierte in der 8. Auflage seines Grundlagenwerks 1980, dass die Cash-flow-Kennziffer angibt, „wie oft das Unternehmen seinen Cash flow einsetzen müsste, wenn es seine langfristigen Schulden zurückzahlen wollte, oder: wie viele Jahre es benötigen würde, um seine langfristigen Schulden aus dem Cash flow abzulösen“.Erich Gutenberg, Grundlagen der Betriebswirtschaftslehre, Band 3: Die Finanzen, 1980, S. 226 Der Begriff ist als „Cash flow“ im aktuellen FEE-Guide enthalten,Fédération des Experts Comptables Européens, Guide, 2001, S. 11 in Deutschland ist offiziell vom „Zahlungsstrom“ die Rede,IDW-Standard S1, 2008, Abschnitt 4.4.1.1 Frankreich übersetzte ihn als „flux de liquidités“.Jérôme Ortscheid, L’évaluation des dommages dans les arbitrages internationaux, 2001, S. 211 Die DVFA griff den Cashflow erstmals 1982 auf und sorgte für eine einheitliche Definition in der Finanzanalyse.DVFA, Der Cash-flow in der Finanzanalyse, 1982, S. 1 ff.

Arten Unterscheiden lassen sich:

Cashflow aus der laufenden Geschäftstätigkeit (darin enthalten der operative Cashflow), Cashflow aus der Investitionstätigkeit und Cashflow aus der Finanzierungstätigkeit.

Die Summe dieser drei Salden ergibt die Veränderung des Bestands an liquiden Mitteln der Periode.Adolf Coenenberg, Jahresabschluss und Jahresabschlussanalyse, 21. Auflage, 2009, S. 1078

Der operative Cashflow ist das Ergebnis aller zahlungswirksamen Geschäftsvorfälle der gewöhnlichen Geschäftstätigkeit. Insbesondere wird der operative Cashflow im Rahmen der Jahresabschlussanalyse als Indikator für das Innenfinanzierungspotenzial eines Unternehmens verwendet. Ein positiver operativer Cashflow versetzt ein Unternehmen in die Lage, aus den Umsatzprozessen heraus Kredite ordnungsgemäß zu tilgen oder neue Investitionen zu tätigen. Anders als der operative Cashflow, der auf die gewöhnliche Geschäftstätigkeit abstellt, umfasst der Cashflow der laufenden Geschäftstätigkeit insbesondere auch außerordentliche Einzahlungen und Auszahlungen.

Negativer Cashflow Der Abfluss des Zahlungsstroms aus einem Unternehmen (negativer Cashflow) wird als Cash-Loss bzw. Cash-Drain [] bezeichnet. Das Geld muss für das operative Geschäft genutzt werden und steckt zum Beispiel in Vorräten oder Forderungen. Umgangssprachlich wird ein negativer Cashflow auch als „Geldverbrennung“ bezeichnet. Passend zu dem Begriff existiert die so genannte Cash-Burn-Rate. Diese gibt die Geschwindigkeit an, mit der die liquiden Mittel aufgebraucht werden.

Ermittlung Der Cashflow-Wert kann sowohl direkt als auch indirekt ermittelt werden. Beide Vorgehensweisen müssen zum gleichen Ergebnis führen, wenn einheitliche Ermittlungs- und Abgrenzungskriterien angewendet werden.

Direkte Ermittlung Zur direkten Ermittlung werden alle betriebsnotwendigen, zahlungswirksamen Aufwendungen (z. B. Materialkosten, Löhne/Gehälter, Zinsaufwand, Steuern) einer Periode von den zahlungswirksamen Erträgen (z. B. Umsatzerlöse, Desinvestitionen, Zinserträge, Subventionen) subtrahiert. Dabei ist zu beachten, dass von den Umsatzerlösen die Veränderung des Forderungsbestands jeweils am Periodenende subtrahiert wird, da die Forderungen zwar Umsatz generieren, aber nicht zahlungswirksam sind. Zahlungswirksam wird oft auch fondswirksam genannt, da sich die Zahlungen auf den Zahlungsmittelbestand oder -fonds auswirken. Die Daten erhält man aus der Gewinn- und Verlustrechnung, sofern sie nach dem Gesamtkostenverfahren aufgestellt ist. Bei einer Aufstellung der Gewinn- und Verlustrechnung nach dem Umsatzkostenverfahren ist die direkte Ermittlung des Cashflows – zumindest für den externen Analysten – nicht möglich.

Indirekte Ermittlung Zur indirekten Ermittlung (auch „Praktikermethode“ genannt) wird der bilanzielle Erfolg, in der Regel der Jahresüberschuss nach Steuern herangezogen. Ausgabenneutrale Aufwendungen (die keine Zahlungswirkung haben und nur bilanzielle Verrechnungsposten sind), wie beispielsweise Abschreibungen oder Erhöhung der Rückstellungen, werden addiert. Einnahmenneutrale Erträge hingegen wie Zuschreibungen werden subtrahiert. Ausgabenneutral und einnahmenneutral wird auch zahlungsunwirksam und oft auch fondsunwirksam genannt, da sich diese Bewegungen nicht auf den Zahlungsmittelbestand oder -fonds auswirken.

Für den externen Betrachter (speziell im Rahmen der Bilanzanalyse) ist meist nur die indirekte Cashflow-Ermittlung anwendbar. Für die indirekte Ermittlung gibt es keine allgemein anerkannte Methode. Um methodenbedingte Missverständnisse zu vermeiden, wird empfohlen, die gesamte Rechnung zu veröffentlichen. Die Deutsche Vereinigung für Finanzanalyse und Asset Management (DVFA) und die Schmalenbach-Gesellschaft für Betriebswirtschaft (SG) empfehlen zudem eine einheitliche Berechnungsform.

Finanzwirtschaftliche Unternehmensanalyse rechts|rahmenlos|396x396px|Zahlungsströme des Unternehmens

Das Unternehmen kann vereinfachend als System von Zahlungsströmen betrachtet werden. Auf dem Absatzmarkt erzielt das Unternehmen Einzahlungen aus Umsätzen (EU). Auf den Faktormärkten muss das Unternehmen Auszahlungen für Löhne (AW), Material (AM) und Investitionen (AI) vornehmen. Die gesamten Zahlungsströme auf den Absatz- und Beschaffungsmärkten bezeichnet man auch als Zahlungsströme der Leistungsebene und den entsprechenden Saldo (EU – AW – AM – AI) als Zahlungssaldo der Leistungsebene. Die Zahlungsströme der Leistungsebene umfassen damit alle Zahlungsströme, die im Rahmen der betrieblichen Leistungserstellung auf den Absatz- und Faktormärkten entstehen. Die Steuerzahlungen an den Staat (AST) können separat betrachtet werden, sie werden aber in der Regel auch dem Leistungsbereich zugeordnet.

Darüber hinaus hat das Unternehmen Zahlungsströme im Finanzbereich. Dem Finanzbereich werden Zahlungsströme zugeordnet, die dem Unternehmen mit seinen Eigen- und Fremdkapitalgebern entstehen. Auf der einen Seite kann das Unternehmen Einzahlungen durch die Aufnahme von Eigenkapital (EEK) oder Fremdkapital (EFK) generieren, auf der anderen Seite werden die Kapitalgeber durch Ausschüttungen (AA), Zinsen (AZ) und Tilgungen (AT) bedient. Die verschiedenen Zahlungsströme können mithin verschiedenen Quellen zugeordnet werden. Diese Darstellung macht deutlich, dass in jeder beliebigen Teilperiode folgende Finanzierungsgleichung erfüllt sein muss:

+Finanzierungsgleichung    Leistungssaldo

     (EU - AW - AM - AI)=    Zahlungsmittel am Ende der Periode

    (LT) + Finanzsaldo

     (EEK+EFK-AA-AZ-AT) - Zahlungsmittel am Anfang der Periode

    (L0) - Steuerzahlungen

     (AST)