Das Licht ungewöhnlicher Sterne (Originaltitel: Light From Uncommon Stars) ist ein Roman der US-amerikanischen Schriftstellerin Ryka Aoki aus dem Jahr 2021. Er verbindet Elemente von Science-Fiction- und Fantasyliteratur. Eine deutsche Übersetzung von Michael Pfingstl erschien 2024. Das Buch gewann mehrere Preise und war für den Hugo Award und den Locus Award nominiert.
Handlung Shizuka Satomi ist eine berühmte Violinenlehrerin. Alle, die bei ihr studieren, werden zu Weltstars, allerdings sind ihre Karrieren kurz und enden tragisch. Das ist einem Pakt mit dem Teufel geschuldet, den Shizuka eingegangen ist, als sie jung war: Im Austausch gegen ihren Erfolg verschrieb sie ihre Seele der Hölle. Ihr einziger Ausweg daraus ist, ihrerseits sieben junge Menschen zu überzeugen, den gleichen Handel einzugehen. Sechs Seelen hat Shizuka bereits an die Hölle geliefert; die siebte steht noch aus.
Katrina Nguyen ist eine junge trans Frau, die aus ihrem Elternhaus wegläuft. Sie ist wohnungslos und schlägt sich mit Sexarbeit durch. Katrina ist eine begabte Violinistin, hatte aber weder die finanziellen Ressourcen noch die familiäre Unterstützung, um guten Unterricht zu erhalten.
Lan Tran ist Kapitänin eines Raumschiffs, die mit ihren vier jugendlichen Kindern auf der Erde gelandet ist, nachdem sie aus ihrem im Untergang begriffenen Universum flüchten mussten. Die Familie betreibt ein Donut-Geschäft am Stadtrand von Los Angeles.
Shizuka lernt durch Zufall erst Lan, dann Katrina kennen. Sie erkennt sofort Katrinas musikalisches Talent. Sie bietet ihr an, Katrina als ihre Schülerin aufzunehmen, und überlässt ihr ein Zimmer in ihrem Haus. Als Shizukas Schülerin entwickelt Katrina schnell ihre Fähigkeiten weiter, besteht aber auf einem ausgefallenen eigenen Stil. Lieber als die von Shizuka ausgewählten Stücke spielt sie Musik aus Videospielen. Ihre im Internet veröffentlichten Musikvideos bringen ihr eine Fangemeinde ein, aber auch transfeindliche Angriffe. Shizuka sieht anfangs in Katrina eine Kandidatin für ihre letzte zu verkaufende Seele. Mit der Zeit entwickelt sie aber echte Zuneigung zu Katrina, die in Shizukas Haushalt zum ersten Mal die Erfahrung macht, akzeptiert und respektiert zu werden. Zwischen Shizuka und Lan entwickelt sich derweil eine romantische Beziehung, die davon überschattet ist, dass sie beide ein Geheimnis hüten: Lan die Hintergründe ihrer Flucht, Shizuka ihren Teufelspakt.
Als Katrina von Shizukas Dilemma erfährt, ist sie bereit, ihre eigene Seele zu opfern, um Shizukas zu retten. Shizuka will das nicht zulassen. Gemeinsam mit Lans Familie ersinnen sie einen Plan, der eine Lücke in Shizukas Pakt ausnutzt: Shizuka und Lan entschwinden in ein anderes Universum, in dem der Pakt keine Gültigkeit hat, um dort gemeinsam ein neues Leben zu beginnen. Katrina kann unversehrt weiterleben und sich ihres selbst erarbeiteten Erfolgs als Violinistin und Social-Media-Star erfreuen.
Hintergrund Das Licht ungewöhnlicher Sterne spielt im San Gabriel Valley im Großraum Los Angeles, wo Ryka Aoki aufgewachsen ist. Aspekte ihrer Identität als trans Frau aus einer japanisch-amerikanischen Familie spiegeln sich in den Protagonistinnen wider. Aoki begann, Violine spielen zu lernen, um besser über das Instrument schreiben zu können.
Rezeption Christian Endres für das Online-Magazin Die Zukunft ordnet das Buch als Mischung aus Science Fiction und zeitgenössischer Fantasyliteratur ein. Er hebt die gelungenen Wechsel zwischen den unterschiedlichen Erzählperspektiven hervor und betrachtet Das Licht ungewöhnlicher Sterne als ein Highlight des Literaturjahres. Die Rezension in der Zeitschrift Kirkus Reviews lobt die gut geschriebenen Figuren und bezeichnet das Buch als „unerwartetes Geschenk“. Die wilde Mischung der Themen und Genres sei überraschend, füge sich aber bestens zusammen. Maya Gittelman für die Zeitschrift Reactor bezeichnet Das Licht ungewöhnlicher Sterne als innovativ, subversiv und klug und durch den Wechsel zwischen den Perspektiven der Figuren „eine Symphonie von einer Geschichte“. Das Buch sei eine Freude und gleichzeitig schmerzhaft zu lesen angesichts der ungeschönten Darstellungen von Transfeindlichkeit und Gewalt. Gittelman stellt heraus, dass das Buch diverse Formen der Liebe behandele – sowohl romantische als auch die einer queeren Wahlfamilie sowie die Liebe zu sich selbst. Caren Gussoff Sumption im Magazin Locus zeigte sich unentschlossener. Zwar seien die Frauenfiguren sehr vielseitig und lebendig, die männlichen Figuren aber allesamt bedeutend schwächer geschrieben. Das Ende sei etwas zu süß und die Auflösung zu einfach. Dennoch sei es schwer, das Buch nicht zu mögen. Es lohne sich besonders angesichts der Entwicklung der Hauptfigur Katrina. Sämtliche Rezensionen lobten die lebhaften und bewegenden Beschreibungen von Musik.
Auszeichnungen Das Licht ungewöhnlicher Sterne wurde mehrfach ausgezeichnet: Es gewann 2021 den Otherwise Award, 2022 den Stonewall Book Award und einen Alex Award. Es war für die renommiertesten Preise für Fantasyliteratur nominiert, darunter den Hugo Award, den Locus Award, und den Mythopoeic Award, außerdem für den Ignyte Award und den Dragon Award.
Ausgaben (Auswahl) Light from Uncommon Stars. Tor Books, 2021. ISBN 978-1-250-78906-8. Das Licht ungewöhnlicher Sterne. Aus dem Englischen von Michael Pfingstl. Heyne Verlag, 2021, ISBN 978-3-453-32309-4.
Weblinks Das Licht ungewöhnlicher Sterne auf den Seiten des Verlags Penguin (mit Leseprobe) Light From Uncommon Stars auf den Seiten der Autorin Ryka Aoki
Einzelnachweise
Kategorie:Literarisches Werk Kategorie:Literatur (20. Jahrhundert) Kategorie:Literatur (Vereinigte Staaten) Kategorie:Literatur (Englisch) Kategorie:Roman, Epik Kategorie:Fantasyliteratur Kategorie:Science-Fiction-Literatur Kategorie:LGBT in der Literatur Kategorie:Teufelspakt