mini|Eva Löwen, Portrait von Gustaf Lundberg (1695–1786) Eva Helena Löwen (* 15. Dezember 1743 in Lilla Edet, Schweden; † 16. Januar 1813 ebenda) war eine schwedische Gräfin, die als Mitglied des königlichen Hofstaats unter Adolf Friedrich und Gustav III. auch politisch und als französische Agentin tätig war.
Biografie Eva Löwen entstammte dem deutsch-baltisch-schwedischen Adelsgeschlechts Löwen und war die Tochter von Axel von Löwen (1686–1773) und seiner Frau Eva Horn af Ekebyholm (1716–1790), die Enkelin von Arvid Horn (1664–1742) und die Urenkelin von Christina Piper. 1764 heiratete sie Graf Fredrik Ribbing (1721–1783). Aus der Verbindung ging ihr Sohn Adolph Ribbing (1765–1843) hervor.
Leben am Hof Obwohl sie nie offiziell Hofdame war, nahm sie eine bevorzugte Stellung am Hof ein und war eine Freundin von Königin Luise Ulrike. Im Februar 1768 wurde berichtet, dass Charlotte Du Rietz und Eva Löwen mit dem Kronprinzen Gustav flirteten und ihn verführten. Nachdem seine Beziehung zu Du Rietz im Oktober 1768 geendet hatte, schlug er Eva Löwen eine Liebesbeziehung vor; sie lehnte jedoch mit der Begründung ab, dass sie ihn zwar lieben könne, sich aber nicht zwischen ihn und seine zukünftige Königin stellen wolle.Nils Erdmann: Vid hovet och på adelsgodsen i 1700-talets Sverige: en tidskrönika. Wahlström & Widstrand. Stockholm. 1926.
Es ist belegt, dass Löwen als Agentin im Dienste des französischen Staates stand. Ihr Name findet sich auf einer Liste aus den letzten Jahren der sog. „Zeit der Freiheit“ (: Frihetstiden); diese Liste verzeichnete einflussreiche schwedische Bürger, die vom französischen Königshaus geheime Zuwendungen erhielten, als Gegenleistung dafür, dass sie ihren Einfluss nutzten, um französische Interessen in der schwedischen Politik zu vertreten. Ihre französische Zuwendung entsprach einem Drittel des Gehalts eines schwedischen Reichstagsabgeordneten jener Zeit und war fast so hoch wie das Gehalt des Präsidenten des Svea Hovrätt (Appellationsgericht von Svealand). Die Liste umfasste neun Namen, darunter drei Frauen. Eine weitere Agentin war Christina Sofia Bielke, die Mutter von Magdalena Rudenschöld, die 1793 Mitinitiatorin der sog. Armfelt Verschwörung gegen Gustav III. war. Die Frauen wurden oft finanziell unterstützt, um Salons führen zu können, die den französischen Interessen dienten.Svante Norrhem: Kvinnor vid maktens sida: 1632-1772 (: Frauen auf der Seite der Macht: 1632-1772). Nordic Academic Press. Lund. 2007. ISBN 978-91-89116-91-7.
Nach der Revolution von 1772, die von Gustav III. von Schweden durchgeführt wurde und faktisch einen Sieg der französischen Interessen in Schweden bedeutete, genoss Eva Löwen weiterhin die Gunst des Königs und pflegte eine platonische Freundschaft mit ihm. Sie besuchte beispielsweise die Königliche Oper in der königlichen Loge und saß bei Abendessen regelmäßig an der Seite des Königs. 1778 kam es zum Bruch zwischen Eva Löwen und Gustav III., nachdem sie als eine der Urheberinnen des Gerüchts identifiziert worden war, der König habe Adolph Fredrik Munck beauftragt, die Königin zu schwängern, und Munck sei folglich der Vater des Kronprinzen. Löwen schlug sich während des Skandals auf die Seite der Königinwitwe, die dieses Gerücht ebenfalls stütze, was dazu führte, dass sie bei Gustav III. in Ungnade fiel. Zwei Jahre später kam es zu einer teilweisen Versöhnung.
Dame der Gesellschaft Eva Löwen war eine führende Persönlichkeit der Stockholmer Adels- und Hofgesellschaft; sie galt als gefeierte Schönheit und „Modekönigin“ der Hauptstadt und war für ihre Liebesabenteuer bekannt. Es wird berichtet, dass bestimmte Kleidungsstücke – etwa ein spezielles Haubenmodell – in Mode kamen, nachdem sie diese getragen hatte. Johan Fischerström beschrieb sie als eine Frau mit „gesundem Verstand und liebenswürdigem Urteilsvermögen“ sowie „angenehmen Umgangsformen“, die „wie geschaffen für das Leben am Hofe“ sei.
1767 geriet sie in einen Skandal: Ihr Ehemann kehrte – nachdem ihn ein Diener informiert hatte – nach Hause zurück und traf sie dort mit ihrem Liebhaber an, dem französischen Gesandten Louis Auguste Le Tonnelier de Breteuil; dieser sah sich gezwungen, die Dienerschaft zu bestechen, um vom Ort des Geschehens fliehen zu können. 1772 unterhielt sie eine Beziehung zu Graf Axel von Fersen dem Älteren; 1774 trat dessen Sohn, Graf Axel von Fersen der Jüngere, an seine Stelle. Später folgte eine Affäre mit dem französischen Gesandten Graf Claude Bigot de Sainte-Croix, den sie sich mit Sophie Piper teilte. Graf Claes Julius Ekeblad beschrieb 1774 gegenüber Brita Horn die Affäre zwischen Eva Löwen und Axel von Fersen dem Jüngeren wie folgt: „Er liebt sie leidenschaftlich. Doch seine Unbedarftheit und Kindlichkeit verunsichern sie so sehr, dass ihre gesamte Koketterie aus dem Gleichgewicht gerät. Er ist ein wahrer Lindor, dem man alles verzeihen muss – und ich glaube, das tut sie auch.“
1788 fiel ihr Sohn Adolph Ribbing beim Monarchen in Ungnade, nachdem er sich ein skandalöses Duell mit Hans Henrik von Essen geliefert hatte, und schloss sich der Opposition gegen den König an. 1792 war er an der Ermordung von Gustav III. beteiligt und verbrachte den Rest seines Lebens im Exil. Die Verwicklung ihres Sohnes in den Königsmord soll sie tief getroffen haben; dennoch unterstützte sie ihn weiterhin finanziell. Nachdem sie bereits seit dreizehn Jahren verwitwet war, heiratete sie 1796 Baron Gustaf Macklean (1744–1804), der bereits seit zwölf Jahren ihr Liebhaber gewesen war.
Literatur Nils Erdmann: Vid hovet och på adelsgodsen i 1700-talets Sverige: en tidskrönika. Wahlström & Widstrand. Stockholm. 1926.
Svante Norrhem: Kvinnor vid maktens sida: 1632-1772 (: Frauen auf der Seite der Macht: 1632-1772). Nordic Academic Press. Lund. 2007. ISBN 978-91-89116-91-7.
Weblinks Brita Planck: Eva Helena Löwen. In: Svenskt kvinnobiografiskt lexikon.
Einzelnachweise
Kategorie:Salonnière Eva Helena Kategorie:Schwede Kategorie:Geboren 1743 Kategorie:Gestorben 1813 Kategorie:Frau