Kazuyoshi Ishii (; auch Kanchō Ishii genannt, geb. 10. Juni 1953 in Uwajima (Präfektur Ehime), Japan) ist ein japanischer Karateka, Promoter und Geschäftsmann. Er ist der Gründer der Karate-Organisation Seidokaikan sowie der K-1-Veranstaltungsreihe, die zu einem Vorreiter im Bereich der Mixed Martial Arts wurde.
mini|Titelseite von Kazuyoshi Ishiis Autobiographie "Das Leben eines eingefleischten Karate-Fans" (2009) mini|Kanchō Ishii (Gründer von Seidokaikan und K-1) und Thorsten Domke in Osaka (2026)
Leben Kazuyoshi Ishii wurde in Uwajima in der Präfektur EhimeDie abgelegene Präfektur Ehime liegt auf Shikoku, der kleinsten der vier japanischen Hauptinseln. als eines von drei Geschwistern geboren. Er absolvierte die Präfektur-Oberschule Uwajima Higashi in Ehime. Als Junge interessierte er sich für Baseball, Sumō und Gymnastik.Black Belt. World’s Leading Magazine of Self-Defense. Band 41, Nr. 1, Januar 2003. ISSN 0277-3066. S. 55–59. Als Ishii die Mittelstufe besuchte, weckte ein Buch von Nakayama Masatoshi sein Interesse am Shōtōkan-Karate, doch der Film Karate Baka-Ichidai (engl. The Fanatical Karate Generation) mit Sonny Chiba, welcher die Abenteuer und Herausforderungen von Ōyama Masutatsu auf seiner Suche nach der ultimativen Wahrheit des Karate schildert,Der Manga über Ōyamas Vermächtnis namens Karate Baka Ichidai (wörtlich: Die karate-verrückte Generation) von Ikki Kajiwara mit Illustrationen von Jirō Tsunoda und Jōya Kagemaru, der 1971 im Shōnen Magazine veröffentlicht wurde, war die Grundlage für den Film. inspirierte ihn später dazu, mit dem Training im Kyokushin-Karate zu beginnen. Dank der durch Baseball trainierten Beine und Hüften und der durch Gymnastik erworbenen Beweglichkeit erlangte er in etwas mehr als einem Jahr den schwarzen Gürtel (1. Dan). Nachdem er die Hochschulaufnahmeprüfung nicht bestanden hatte, lebte er als Rōnin bei seinem älteren Bruder, der in Osaka wohnte. Während seines Besuchs einer Kunstschule strebte er die Aufnahme an der Tokyo University of the Arts an, doch da die meisten Schüler an dieser Schule gut zeichnen konnten, gab er den Gedanken an ein Studium auf und nahm eine Stelle bei einer Handelsgesellschaft in Osaka an.
1969 wurde er Schüler von Hideyuki Ashihara, der damals als leitender Trainer für Kyokushin Kaikan bei der International Karate Organization (IKO) von Mas Ōyama tätig war. In dessen Trainingsraum Kyokushinkai Shikoku Honbu Dōjō trainierten zu dieser Zeit auch Hikaru Ninomiyagi (Enshin Kaikan) und Nariaki Takami (Karate-do Takami Karate). 1975, im Alter von 22 Jahren, gründete er auf Geheiß von Ashihara die Osaka-Niederlassung des Kyokushin Kaikan Ashihara Dōjō in einem Nebenraum des Osaka-Baseballstadion. 1976 war er tagsüber Büroangestellter und nachts Karatelehrer, doch aufgrund der steigenden Schülerzahlen bat ihn Ashihara, sich ganz dem Karateunterricht zu widmen, woraufhin er seinen Job kündigte. Als Ashiharas rechte Hand wurde er zum Geschäftsführer der Region Kinki ernannt und setzte sich intensiv für den Ausbau des Dōjō ein, indem er Zweigstellen in Kōbe, Kyōto, Nara, Sakai und Okayama eröffnete, wo bis zu 50.000 Schüler unterrichtet wurden.Black Belt. World’s Leading Magazine of Self-Defense. Band 41, Nr. 1, Januar 2003. ISSN 0277-3066. S. 154.
Als Ashihara 1980 die IKO verließ, folgte ihm Ishii, verließ dessen Organisation jedoch bereits nach wenigen Monaten wieder, machte sich selbständig und gründete im Juni 1980 in der Nishinari Sangyo Hall in Kishisato, Osaka, die New Japan Karatedo Federation Seidokan sowie die New Japan Student Karatedo Federation, deren Leiter er wurde. 1981 wurde der Name in Seido Kaikan geändert.Die Bedeutung des Wortes Seido ist Der korrekte Weg und soll dem Menschen, die Seidokaikan Karate praktizieren, physisch wie auch psychisch fordern, entwickeln und wachsen lassen. Ishiis Idee war es, einen progressiven Karate-Stil zu entwickeln, der neben dem Knockdown-Karate auch Elemente des Thaiboxen und des Judos beinhaltet, so dass der Trainierende sich im Wettkampfbereich und in der Selbstverteidigung realitätsnah entwickeln kann. Quelle: Das erste Dōjō wurde im Stadtbezirk Kita in Osaka gegründet. Da Ishiis neue Gruppe bei ihrer Gründung für die Öffentlichkeit gesichtslos war, kam er zu dem Schluss, dass die einzige Möglichkeit wahrgenommen zu werden darin bestand, dass Kämpfer von Seidokaikan begannen, Turniere anderer Verbände zu gewinnen. 1982 organisierte er das erste offene Vollkontakt-Turnier in Westjapan, das vor ausverkauftem Haus mit 5.000 Zuschauern stattfand und das Ishiis Musterschüler Nakayama Takeo gewann. In der Folge nahmen Masaaki Satake, Nobuaki Tsunoda, Satoshi Yanagisawa und andere an Karate-Turnieren anderer Schulen teil, und der Seido Kaikan wurde als das unbesiegbare Team bekannt.
1983 wurde Ishii der erste Vorsitzende der neu gegründeten All Japan Budo Promotion Association, die aus Karate- und Kenpo-Gruppen aus der Kansai Region bestand. Der Ruf des Seidokaikan wuchs, als Ishiis Schüler wie z. B. Masaaki Satake, Toshiyuki Yanagisawa und Toshiyuki Atokawa Turniersiege errangen.
1984 wurde Ishii eingeladen, eine Karate-Sendung namens Endless Night auf Kansai Television zu moderieren, worauf weitere im japanischen Fernsehen übertragene Vollkontakt-Karate-Turniere folgten.
1985 eröffnete Ishii ein Seido Kaikan Büro in den Vereinigten Staaten mit Tom Edwards als Manager.
1988 wurden zwei von Ishiis Schülern, Toshiyuki Yanagisawa und Masaaki Satake Erster und Zweiter im Karate Real Champion Turnier.
Im Juni 1990 stieg das Unternehmen nach der Teilnahme am Turnier der All Japan Kickboxing Federation in die Welt des Boxsports ein, wobei es bereits zuvor unter dem Namen Prince Gym angehende Profis eingeladen hatte, an Kickboxkämpfen teilzunehmen.
1991 ging Ishii eine Partnerschaft mit Rings, dem Mixed-Martial-Arts-Unterhaltungsunternehmen von Hiroaki Maeda, ein und eignete sich dort Know-how in der Unterhaltungsindustrie an.
Ebenfalls im 1991, nach einer Serie erfolgreicher Turniere, kam Seido Kaikan nach Tokio, um ein Turnier gegen USA Oyama Karate auszutragen, in welchem Masaaki Satake Willie Williams besiegte.
Im März 1992 veranstaltete Ishii die Martial Arts Olympics, die später zum Vorläufer von K-1 wurden und heute als Vorläufer von K-1 gelten.
K-1-Turniere Bis 1988 kämpften die Teilnehmer bei Ishiis Veranstaltungen nach Kyokushin-Regeln: ohne Handschuhe, Vollkontakt, keine Schläge oberhalb der Schultern. Doch bei seiner 7. All Japan Karatedo Championship führte er für den Fall eines Unentschiedens eine zusätzliche Runde ein, bei der die Kämpfer Handschuhe tragen und Schläge zum Kopf ausführen durften. Die Regeländerung führte zu spektakulären K.o.-Siegen und stieß bei den Fans auf große Beliebtheit. Dies inspirierte Ishii zusammen mit seiner Erfahrung mit Veranstaltungen, die verschiedene Kampfstile vereinten, dazu, das K-1-Konzept zu entwickeln.
In den 1990er Jahren begann Ishii damit, Spitzen-Kickboxer wie Peter Aerts sowie die besten Muay-Thai-Kämpfer zu verpflichten, damit diese als zusätzliche Attraktionen bei seinen „Karate World Cup“-Veranstaltungen auftraten.
Am 3. April 1993 veranstaltete Ishii den ersten K-1 Grand Prix im mit 10.000 Zuschauern ausverkauften Yoyogi Dai-Ichi Stadion in Tokio. Das Turnier, welches Branko Cikatić gewann, wurde in einem regulären Boxring nach den von Ishii geprägten K-1-Regeln ausgetragen und Karate- und Kickboxkämpfern gleichermaßen gerecht werden.Das Konzept bestand darin, alle mit dem Buchstaben „K“ beginnenden Kampfsportarten – Karate, Kickboxen, Kung-Fu, Kempo usw. – einzubeziehen und das Ganze zu einem vermarktbaren Gesamtpaket mit einheitlichem Regelwerk zusammenzuführen. Quelle: Arne Soldwedel: "21st Century Shogun." In: "Black Belt. World’s Leading Magazine of Self-Defense." Band 41, Nr. 1, Januar 2003. ISSN 0277-3066. S. 58. Im gleichen Jahr fanden zwei weitere K-1-Veranstaltungen statt, die von Masaaki Satake und Ernesto Hoost gewonnen wurden. Fuji Television nahm danach K-1-Turniere in ihr reguläres Programm auf.
In den folgenden zehn Jahren wurde der K-1-Wettbewerb auf 24 Veranstaltungen pro Jahr ausgeweitet, die in Japan, EuropaAndy Hug brachte K-1 mehrmals ins Zürcher Hallenstadion. und Nordamerika stattfanden.
Im Jahr 1997 vereinte Ishii die Kyokushin Kaikan, die All Japan Kickboxing Federation, die Martial Arts Kick Boxing Federation, die Japan Kickboxing Association, die All Japan Shootboxing Association sowie vier professionelle Showbusiness-Organisationen unter dem Dach der K-1 Japan League.
Im Jahr 2001 war Ishii donnerstags als Radiomoderator in der Radiosendung All Night Nippon R des Nippon Broadcasting System tätig. Im Dezember desselben Jahres plante er im Rahmen der K-1-Japan-Bewegung die Veranstaltung INOKI BOM-BA-YE 2001, schloss einen Vertrag mit Nippon Television ab und wirkte an der Produktionsleitung sowie als Leiter der K-1-Bewegung mit. Der Name INOKI BOM-BA-YE 2001 wurde auf Wunsch von Antonio Inoki festgelegt. Aus dieser Veranstaltung entwickelte sich später auch Dynamite!.
Im August 2002 veranstaltete Ishii „Dynamite! Summer Night Fever in Kunitachi“ und fungierte als Generalproduzent. Die Veranstaltung lockte nach Angaben der Veranstalter 100.000 Zuschauer ins Kokuritsu-Yoyogi-Kyōgijō-Stadion in Tokio, was die größte Zuschauerzahl in der Geschichte des Kampfsports darstellt.
Am 7. Dezember 2002 fand das Finale des K-1 World Grand Prix 2002 im Tokyo Dome statt. Die 50.000 Eintrittskarten waren ausverkauft, und der Gesamtumsatz der Veranstaltung belief sich auf etwa 1 Milliarde Yen. Es war die größte Kampfsportveranstaltung in der Geschichte des Tokyo Dome. Am 31. Dezember wurde die Ausstrahlung von INOKI BOM-BA-YE 2002 von Nippon Television auf TBS verlegt. Die Veranstaltung fand in der Saitama Super Arena statt. Als Vorprogramm zur NHK-Sendung Kohaku erzielte sie eine Einschaltquote von 16,7 %.
Verurteilung wegen Steuerhinterziehung Kazuyoshi Ishii wurde 2004 vom Bezirksgericht Tokio wegen Hinterziehung von 300 Millionen Yen an Unternehmenssteuern zu einer Freiheitsstrafe von 22 Monaten verurteilt.„Der 50-jährige Ishii hatte sich schuldig bekannt, sein Handeln bedauert und eine Bewährungsstrafe beantragt. Die Staatsanwaltschaft hatte eine Freiheitsstrafe von 42 Monaten gefordert. Bei der Verhängung der Freiheitsstrafe erklärte der vorsitzende Richter Yoshinobu Iida, Ishii habe ,eine große Summe an Steuern‘ hinterzogen, und es handele sich um eine ,dreiste und böswillige‘ Tat. Ishiis Anwälte legten umgehend Berufung gegen das Urteil ein. Das Gericht verurteilte das Unternehmen mit dem Namen K-1 zur Zahlung einer Geldstrafe in Höhe von 70 Millionen Yen. Nach Angaben des Gerichts hatte Ishii mit Hilfe von zwei weiteren Personen in den vier Jahren bis zum Jahr 2000 Einnahmen in Höhe von rund 900 Millionen Yen verschleiert, indem er das Geld fälschlicherweise als Werbehonorare an ein anderes Unternehmen angab. Durch diese Täuschung umging er die Zahlung von rund 300 Millionen Yen an Körperschaftssteuern. Die beiden anderen, ein Steuerberater und ein Geschäftspartner von Ishii, wurden in diesem Fall bereits vor Gericht gestellt und für schuldig befunden.“ (Übersetzung mit DeepL). Quelle:
Neustart Im Juni 2009 startete Kazuyoshi Ishii den Kancho Channel auf YouTube.