mini|Giuliano Finelli (zugeschrieben): Möglicherweise Selbstbildnis, vor 1653, Zeichnung, Gabinetto dei Disegni e delle Stampe, Gallerie degli Uffizi, Florenz Giuliano Finelli (* 1602/1603 in Carrara; † 16. August 1653 in Rom) war ein italienischer Bildhauer des Barock. Finelli gilt in der kunsthistorischen Forschung als der erste und lange Zeit einzige feste Werkstattmitarbeiter Berninis, dessen technisches Können insbesondere für die Detailausführung früher Bernini-Werke von Bedeutung war. Nach seinem Bruch mit Bernini wird er neben diesem und Alessandro Algardi als dritte eigenständige Kraft der römischen Porträtplastik des Hochbarock betrachtet. Für die neapolitanische Bildhauerei gilt er als Vermittler des römisch-barocken Stils.

Leben Giuliano Finelli wurde als Sohn des Marmorhändlers Domenico Finelli und dessen Ehefrau Maria Cassione in Torano bei Carrara geboren. Er war ein Neffe des Bildhauers Vitale Finelli. Ab 1610 erhielt er eine Ausbildung zum Steinmetz bei seinem Onkel in Neapel, anschließend eine achtjährige Lehre bei dem Bildhauer Michelangelo Naccherino, dessen technische Versiertheit in Marmor- und Bronzebearbeitung sowie dessen ikonographische Neuerungen in der Grabskulptur für Finellis späteres Schaffen prägend wurden. 1618 kehrte er kurzzeitig zu Vitale Finelli zurück, bevor er Ende 1618 oder Anfang 1619 nach Rom übersiedelte.

In Rom trat Finelli in die Werkstatt Gian Lorenzo Berninis ein und wurde dessen erster und für längere Zeit einziger fester Mitarbeiter. Ihm wird eine erhebliche handwerkliche Beteiligung an den spektakulären Detailwirkungen früher Werke Berninis wie Apollo und Daphne zugeschrieben. Seine in Neapel erworbenen Kenntnisse in der Technik des Bronzegusses nutzte Bernini bei der Ausführung des Baldachins in der Vierung von St. Peter; zwischen 1625 und 1628 erhielt Finelli Zahlungen für Putten an den Säulen, für Modelle der Heiligen Petrus und Paulus sowie für seine Mitarbeit an den Engeln der Bekrönung und an der ursprünglich ebenfalls dort vorgesehenen Salvatorstatue. Ab etwa 1624/25 treten Finellis eigenständige Stilmerkmale deutlicher hervor, sowohl bei Arbeiten als Assistent Berninis (Statue der heiligen Bibiana) als auch bei eigenständiger Ausführung (kniende Engel am Hochaltar von S. Agostino). Auch an mehreren Marmorporträts, die in den 1620er Jahren aus Berninis Werkstatt hervorgingen, war Finelli erheblich beteiligt oder führte sie eigenständig aus, so bei der Büste des Antonio Barberini d. Ä. beziehungsweise der Büste der Maria Barberini-Duglioli. mini|Giuliano Finelli: Büste des Kardinals Alessandro Peretti di Montalto, Marmor, Skulpturensammlung im Bode-Museum, Berlin 1628 verließ Finelli die Werkstatt Berninis, nachdem er sich bei einem Marmorgeschäft von diesem übervorteilt gefühlt hatte; als Ursache für den Bruch werden zudem sein Geltungsdrang und zunehmende stilistische Unvereinbarkeiten mit Bernini genannt. Als selbständiger Bildhauer in Rom widmete er sich vor allem dem Porträt und galt neben Bernini und Alessandro Algardi als dritte eigenständige Kraft dieses Genres, etwa mit der Büste des Kardinals Domenico Ginnasi und der Büste Michelangelo Buonarrotis d. J. Auch der römischen Sepulkralplastik gab Finelli mit den Grabmälern für die Kardinäle Giulio Antonio Santori und Domenico Ginynasi wesentliche typologische Impulse. Seine einzige Standfigur aus dieser Zeit ist die Statue der heiligen Cäcilia in Santa Maria di Loreto, die unter dem Einfluss der Malerei Pietro da Cortonas entstand, mit dem Finelli freundschaftlich verbunden war; bezeugt sind zudem Kontakte zu Giuseppe Cesari (Cavalier d'Arpino) und zu Domenichino. Über Pietro da Cortona erhielt Finelli Förderung durch den Marchese Giulio Sacchetti.

1635 zog Finelli nach dem Tod Sacchettis nach Neapel, wo er 1634 den Auftrag für die kolossalen Marmorstatuen der Heiligen Petrus und Paulus für die Fassade der Cappella del Tesoro am Dom erhalten hatte. Sein Hauptwerk sind die dreizehn überlebensgroßen Bronzestatuen der Stadtpatrone in dieser Kapelle. 1638 heiratete er in Neapel Flavia, die Tochter des Malers Giovanni Lanfranco; aus der Ehe gingen mindestens sieben Kinder hervor. 1645 erwarb er einen Palast gegenüber der Cappella del Tesoro. Zu seinen neapolitanischen Werken zählen ferner Porträtbüsten des Adels, darunter die Büste des Marchese di Torrecuso, sowie Grabmäler mit knienden Adorantenfiguren, etwa für Fürst Cesare Firrao und den spanischen Vizekönig Conde de Monterrey, außerdem aufwendige Wandretabel aus Buntmarmor wie der Altar des heiligen Franz Xaver. mini|Giuliano Finelli: Büste des Kardinals Scipione Borghese (Detail), 1631–1632, Marmor, 81,9 × 78,4 × 40,6 cm, Metropolitan Museum of Art, New York Im Winter 1650/51 ging Finelli erneut nach Rom, um im Auftrag Philipps IV. von Spanien – vermittelt 1649 in Neapel durch Diego Velázquez – Bronzegüsse und Gipsabformungen antiker Plastik für die Ausstattung des Madrider Alcázar herzustellen und zu überwachen. Die meisten dieser Arbeiten gingen beim Brand des Madrider Schlosses verloren.

Werke (Auswahl) Berlin, Skulpturensammlung: Bildnisbüsten Alessandro und Michele Damasceni Peretti, Marmor, 1632/33–1635 Florenz, Casa Buonarroti: Büste Michelangelo Buonarrotis d. J., Marmor, 1630 London, Victoria and Albert Museum: Büste Francesco Braccioliniss, Marmor, 1630/31 Neapel, Cappella del Tesoro di San Gennaro: Statuen der Heiligen Petrus und Paulus, Marmor, 1634–1640; dreizehn Statuen der Schutzpatrone Neapels, Bronze, 1635–1648; Statue der Immaculata, Silber, 1636–1638 Neapel, Gesù Nuovo: Altar des heiligen Franz Xaver, Marmor, 1639–1647 New York, Metropolitan Museum of Art: Büste Scipione Borghese, Marmor, 1632 Paris, Louvre: Büste Maria Barberini-Duglioli, Marmor, 1626 Rom, S. Maria di Loreto: Statue der heiligen Cäcilia, Marmor, 1629–1633 Rom, S. Giovanni in Laterano: Grabmal für Giulio Antonio Santori, Marmor, vor 1635 Salamanca, Agustinas Recoletas: Statuen des Conde de Monterrey und der Leonor de Guzmán y Olivares, Marmor, 1634–1637 Madrid, Prado: Bronzeabgüsse antiker Statuen, 1651

Literatur Damian Dombrowski: Finelli, Giuliano. In: Allgemeines Künstlerlexikon. Bd. 40, München/Leipzig 2004, S. 110–112. Lione Pascoli: Vite de' pittori, scultori, ed architetti moderni. Bd. I–II, Rom 1730–1736; Nachdruck, Perugia 1992, S. 863–881. Bernardo De Dominici: Vite de' pittori, scultori ed architetti napoletani. Bd. III, Neapel 1743, S. 158–163. Leo Bruhns: Zur Kunstgeschichte des römischen Barock. In: Römisches Jahrbuch für Kunstgeschichte. 4 (1940), S. 315–327, 330–332, 342–344. Renato Mormone: Le sculture di G. Finelli nel Tesoro di S. Gennaro in Napoli. Neapel 1956. Antonia Nava Cellini: Un tracciato per l'attività ritrattistica di Giuliano Finelli. In: Paragone. 11 (1960), Nr. 131, S. 9–30. Antonia Nava Cellini: La scultura del Seicento. Turin 1982, S. 90, 124–128. Andrea Bacchi (Hrsg.): Scultura del '600 a Roma. Mailand 1996, S. 805–807. Damian Dombrowski: Giuliano Finelli. Bildhauer zwischen Neapel und Rom. Frankfurt am Main u. a. 1997. Damian Dombrowski: Giuliano Finelli. In: The Burlington Magazine. 140 (1998), Nr. 1149, S. 824–828. Oreste Ferrari, Serenita Papaldo: Le sculture del Seicento a Roma. Rom: Ugo Bozzi, 1999. Malve Kuhlemann: Michelangelo Naccherino. Münster u. a. 1999, S. 140–145.

Weblinks

Treccani The Metropolitan Museum of Art – Cardinal Scipione Borghese (1577–1633) Giuliano Finelli: Der Bildhauer hinter den filigransten Marmordetails

Einzelnachweise

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