mini|160px|Albert Elmstedt – Maler sowie Lehrer an der Technik-Schule Odense (1952). Albert Karl Jensen Elmstedt (* 15. Juni 1895 in Hjallese Mark in der Kirchspielgemeinde Dalum südlich von Odense; † 20. März 1976 in Odense) war ein dänischer vielseitiger Künstler, hauptsächlich Maler und Zeichner sowie Hochschullehrer für Zeichnen und Malerei an der Technischen Schule in Odense,Anne Christiansen: Albert Elmstedt. In: Weilbachs Kunstnerleksikon (dänisch), abgerufen am 18. Juni 2026. an der er mehr als 30 Jahre unterrichtete.
Herkunft, Ausbildung, Familie Albert Elmstedts Eltern waren der Maurer Peder Jensen (1860–1953) und dessen Ehefrau Johanna Augusta Olsdatter Elmstedt. Er hatte einen Bruder – Johann –, der in die USA auswanderte. Die Volksschule besuchte Albert Elmstedt in seinem Heimatort. Nach dem Schulabschluss arbeitete er drei Jahre in einem Büro als Helfer und entschloss sich dann, seinen künstlerischen Neigungen nachzugehen. Da er kein Abitur hatte, begann er 1915 eine Malerlehre, um mit dem praktischen Berufsabschluss die Voraussetzungen für ein Studium an einer Akademie zu erfüllen. 1917 wurde er Malergeselle. Gleichzeitig besuchte er drei Jahre (mit Unterbrechungen im Sommer) die Technische Schule, danach die Akademie der Bildenden Künste, beide in Odense. Zwischen 1918 und 1923 studierte er an der Kunstakademie in Kopenhagen, wo er sich in seinem ersten Studienjahr 1918/19 mit Frode Nielsen anfreundete. 1922 unternahm er seine erste Auslandsreise, die ihn nach Deutschland führte. 1923 beendete er sein Studium. Seinen Lebensunterhalt sicherte er durch handwerkliche Malerarbeiten. Nach dem Abschluss des Studiums erhielt Elmstedt 1924 sein erstes Künstlerstipendium: ein Carl-Julius-Petersen-Stipendium.Carl-Julius-Petersen-Stipendien werden von Carl-Julius-Petersen-Hilfsfonds u. a. Einzelpersonen vergeben, indem beispielsweise Studienreisen oder andere Ausbildungsmaßnahmen den vom Königlich Dänischen Theater oder dem Akademierat der Königlich Dänischen Kunstakademie nominierten Künstlern finanziert werden. Davon konnte er seine zweite Auslandsreise finanzieren, die er unmittelbar danach unternahm. Da ihn die südeuropäische Natur und Architektur anzogen, fuhr er nach Italien, wo er unter anderem in Paestum war.Maleri af Albert Elmstedt – Parti fra Paestum 1924. In: Antikvitet.net (dänisch).
mini|Die Kirche von Havbro in Vesthimmerland. Auf der Rückreise kam Elmstedt nach Løgumkloster, einer Kleinstadt in Nordschleswig, die erst seit 1920 wieder zu Dänemark gehörte, und wohnte dort ab 1924 rund zwei Jahre in der Storegade 16. In der Klosterkirche von Løgumkloster wurden in den Jahren 1918–1926 umfangreiche Restaurierungsarbeiten durchgeführt, an denen sein Studienfreund Frode Nielsen seit dem Frühjahr 1925 als Restaurator beteiligt war. Da in den schriftlichen Unterlagen zu durchgeführten Arbeiten nur Namen von qualifiziertem Personal festgehalten wurden, ist nicht belegt, welchen Grund Elmstedts Aufenthalt in Løgumkloster hatte, doch ist es naheliegend, dass er dort Arbeit als Wandmaler fand. Es war für ihn offenbar eine willkommene Gelegenheit seine knappe Kasse aufzubessern. Als Nielsen 1925 nach Løgumkloster kam, hielt er sich im Posthuset (Gasthof Post) in der Storegade 13 schräg gegenüber seiner Wohnung auf. Nielsen hatte vom Nationalmuseum den Auftrag, als Restaurator in der Klosterkirche zusammen mit Jens Christian Jepsen vom Architekturbüro Lønborg Jensen an der Wiederherstellung des Kircheninventars im Rahmen der Kirchenrestaurierung zu arbeiten. Für Elmstedt und Nielsen muss es ein glückliches Zusammentreffen gewesen sein, denn Nielsen lud Elmstedt bei der ersten Gelegenheit zu einem gemeinsamen Besuch auf den Hof der Nielsen-Familie nach Jelstrup ein. Hier machte ihn Kirsten Kjær, die Ehefrau von Frode Nielsen, auf dessen Schwester Marie aufmerksam und empfahl sie ihm nachdrücklich. Da auch Nielsen eine längere Zeit in Løgumkloster arbeiten sollte, hielt sich Kirsten Kjær im Sommer 1925 bei ihrem Mann in Løgumkloster auf.Bent E. Beim: Storegade. In: Slægt og Lokalhistorie (Genealogie und Ortsgeschichte) (dänisch). In dieser Zeit kam auch Frode Nielsens Schwester Marie zu ihrem Bruder zu Besuch. Kirsten Kjær hat eine aktive Rolle dabei gespielt, Albert Elmstedts und Maries Beziehung zu vertiefen. Sie verdient bei dieser Liaison den Namen „Ehestifterin“, denn am 24. August 1926 heirateten Albert Elmstedt und Marie Nielsen in der Kirche von Havbro, ganz in der Nähe von Maries Geburtsort. Der dänische Begriff für eine Ehestifterin ist „Kirsten giftekniv“„Kirsten Giftekniv“ war ursprünglich eine Bezeichnung für eine Frau, die gegen Bezahlung versuchte, einen passenden Partner für einen Mann oder eine Frau zu finden und die beiden Parteien zusammenzubringen. Heute wird der Begriff spöttisch für eine Person verwendet, die übermäßig eifrig darauf aus ist, für andere Liebesbeziehungen zu vermitteln. Der Ausdruck wurde mehrfach von Ludvig Holberg verwendet, möglicherweise in Anspielung auf lebende Personen. Das Wort „kniv“ in „Giftekniv“ ist eine euphemistische Bezeichnung für den Penis. – Eske K Mathiesen: Kirsten Giftekniv. In: Lex på lex.dk (dänisch). – und hier bewahrheitet sich die alte Redensanrt nomen est omen.Anke Haagensen: Wie ein Wikipedia-Projekt ein übersehenes Kunstwerk in Tondern neu ins Licht rückt. In: Der Nordschleswiger. 25. Dezember 2025. Nach der Trauung führte Marie den Ehenamen Elmstedt. Albert Elmstedt wurde somit, als er Marie heiratete, der Schwager des Ehepaares Kirsten Kjær und Frode Nielsen. Und er wurde ein Schwager, der die beiden, insbesondere Kirsten Kjær in ihrer Beziehung zu ihrem Mann, sehr unterstützte.Hanne Abildgaard: Kirsten Kjær: Menneskemaler (Menschenmalerin), S. 31 (dänisch).
Albert und Marie Elmstedt lebten spätestens seit 1929 in Odense. Am 17. April 1929 ließ Albert Elmstedt seinen Doppelnachnamen „Jensen Elmstedt“ zu „Elmstedt“, dem Mädchennamen seiner Mutter, verkürzen, da der Nachname des Vaters, „Jensen“, ein Allerweltsname ist. Zudem emigrierte der Vater wohl in den 1900er Jahren nach Australien, war also zu dieser Zeit nicht anwesend, so dass die Namensänderung auch als Distanzierung zum Vater gesehen werden kann. Und schließlich führte ja auch Marie seit der Trauung den Namen „Elmstedt“ als Ehenamen.Albert Elmstedt. In: Weilbachs Kunstnerleksikon (dänisch). Albert und Marie Elmstedt hatten drei Kinder: Den Sohn ThomasThomas Elmstedt (1930–2012) wurde Bibliothekar und, als Autodidakt, Maler. – Gitte Kjeldal: Maleren Thomas Elmstedt er død (Der Maler Thomas Elmstedt ist tot). In: Fyens Stiftstidende. 19. September 2012 (dänisch). als Erstgeborenen und die Zwillinge Else Marie (* 1940) und Johanne Kirstine Elmstedt (1940–1988)Johanne Kirstine Elmstedt war von 1982 bis zu ihrem Tod Direktorin und Vorstandsmitglied im Folkemusikhusets Forlag (Volksmusikhaus-Verlag) in Albertslund. – Johanne Kirstine Elmstedt. In: Paqle (dänisch)., geboren im Kreiskrankenhaus auf der Insel Samsø. Albert Elmstedt war bis zu seinem Tod knapp 50 Jahre mit Marie Nielsen verheiratet. Bis zum Goldenen Hochzeitstag fehlten nur noch fünf Monate.
Künstlerische Entwicklung – Beruf mini|Signatur Albert Elmstedt Nachdem er geheiratet hatte, unternahm Albert Elmstedt bis 1936 noch weitere Reisen nach Mittel- und Südeuropa. Auf seiner dritten Auslandsreise war Elmstedt 1926 wieder in Italien und zwar in Rom und Assisi. Ob Marie ihn auf dieser Reise begleitet hat, ist nicht bekannt, aber nicht wahrscheinlich. Während und nach seinen Italienreisen entstanden ausdrucksvolle naturalistische Bilder mit Tempelmotiven in südländischer Vegetation und mit süditalienischer Architektur. In seinen frühen Werken ging es ihm im Wesentlichen darum, die ihn umgebende Realität abzubilden. Seine bevorzugte Technik in dieser Zeit war die Radierung, sowohl schwarz-weiß als auch farbig. Die Bilder signierte er mit „Alb. Jensen“ oder nur „AJ“, ein Hinweis darauf, dass sie in den 1920er Jahren entstanden sind, da er nach der Namensänderung von 1929 „Albert Elmstedt“ signierte. Seine Motive fand er in dänischen Städten, seine Bilder stellten, fast fotografisch genau gezeichnet, Häuser in Kleinstädten an Straßen und Flüssen, Herrenhäuser, Kirchen oder Schlösser dar. Waren seine früheren Werke noch durch Akribie und sorgfältige Komposition gekennzeichnet, war es nach seinem Italien-Aufenthalt sein Bestreben, die Farbe in ihrer ganzen Kraft wirken zu lassen, wie Hermann MadsenHermann Madsen (1898–1970) war ein dänischer Maler, Kritiker und Schriftsteller von der Insel Fünen. die Entwicklung von Elmstedts Stil beschreibt.Herman Madsen: Den fynske Malerkunst (Die Malerkunst von Fünen), Levin & Munksgaard Forlag. København 1935, S. 107–108 (dänisch).
In Elmstedts frühen Porträts ist der Einfluss seines Lehrers Anders Christian Tersløse (1857–1932) durch die schwer wirkende, detailreiche und gradlinige Ausführung und den Versuch, den Porträts eine im Ausdruck sichtbare menschliche Charakterisierung zu geben, erkennbar. Später ist der Einfluss von Ejnar NielsenEjnar August Nielsen (1872–1956) war ein dänischer Maler und Hochschullehrer. und Peder Henrik Christian ZahrtmannDer dänische Maler Peder Henrik Christian (Kristian) Zahrtmann (1843–1917) war einer der Initiatoren der 1882 gegründeten Kunstnernes Studieskole (Studienschule der Künstler) und ab 1885 dort selbst Lehrer. Die Schule sollte das freiheitliche, auch ungeregelte Gegenstück zur staatlichen Kunstakademie mit ihren strengen Regularien werden. Seine Arbeit als Lehrer war so bedeutsam und wegweisend, dass die Schule Zahrtmann's Skole genannt wurde. Er beeinflusste mehrere Generationen dänischer Maler. in einer stärkeren Betonung von Linie und Komposition zu spüren.
Ab Ende der 1920er Jahre suchte Elmstedt eine Abgrenzung zum traditionellen, oft naturalistischen Stil, der im 19. und frühen 20. Jahrhundert in Dänemark vorherrschte. In seinen Bildern zeigen sich mehr und mehr Einflüsse des Expressionismus, der eng verbunden war mit dem deutschen, besonders durch die Bilder von Emil Nolde. Elmstedt experimentierte in seinen Bildern nun mit Farbflächen anstelle naturnaher detaillierter Landschafts- und Personendarstellungen. Er entwickelte Stillleben mit schematischen Formen, umrissartig gezeichnet und mit Wasserfarben unterlegt.Solche Arbeiten sind im Kunsthandel zu erwerben, z. B. Albert Elmstedt: Stilleben. In: Pinterest (Zugang nach Anmeldung). In seiner künstlerischen Arbeit ließ Albert Elmstedt sich auch von Paul Cézanne inspirieren. Elmstedts Stil ist ab Mitte der 1930er Jahre dem Modernismus zuzurechnen. Seine Bilder wirken optimistisch und widersprechen der frühen modernistischen Malerei, die in der Zeit der Weltwirtschaftskrise um 1930 auf düsterem Alltagsrealismus basierte.
In den 1940er Jahren gewannen Elmstedts Bilder an Kraft und Gewicht und wurden ausdrucksstärker. In seinen besten Werken, wie z. B. dem Bild Im Wald erinnert er sehr an Erik Hoppe.Erik Hoppe (1896–1968) war ein dänischer Maler, der für seine Landschaftsgemälde aus der Region von Kopenhagen bekannt ist, insbesondere für seine Darstellungen junger Damen im Park von Valby. Hoppe beherrschte auch die Effekte von Licht und Farbe. Seine früheren Werke sind durch Grün- und Mattfarben geprägt, später schuf er Kompositionen, die von hellem Sonnenlicht profitieren. Erik Hoppe gilt als einer der bedeutendsten dänischen Landschaftsmaler der jüngeren Zeit.