mini|The John and Mable Ringling Museum of Art in Sarasota, Florida, mit der Bronzeskulptur Lygea Tied to the Bull im Vordergrund The John and Mable Ringling Museum of Art (offizielle Kurzbezeichnung seit 2013: The Ringling) ist das staatliche Kunstmuseum des US-Bundesstaats Florida. Es befindet sich in Sarasota auf dem ehemaligen Anwesen des Zirkusunternehmers John Ringling (1866–1936) und seiner Frau Mable Burton Ringling (1875–1929). Das Gebäude wurde von John Ringling ab 1927 zur Aufnahme seiner Kunstsammlung errichtet und war von Beginn an als öffentliches Museum vorgesehen. Nach ersten zeitweiligen Öffnungen 1930 und 1931 wurde es am 17. Januar 1932 dauerhaft für die Öffentlichkeit eröffnet. Nach Ringlings Tod 1936 ging es testamentarisch an den Bundesstaat Florida über. Seit dem Jahr 2000 untersteht es der Verwaltung der Florida State University.
Geschichte
Gründung und Bau mini|Luftaufnahme des The Ringling in Sarasota, Florida, mit dem Bronzeabguss von Michelangelos David John Ringling, einer der Brüder des später mit Barnum & Bailey fusionierten Zirkusunternehmens Ringling Bros., besaß gemeinsam mit seiner Frau Mable seit 1911 ein Anwesen am Sarasota Bay. Im Jahr 1925 beauftragte er den Architekten John H. Phillips mit dem Entwurf eines Kunstmuseums zur Unterbringung seiner privaten Kunstsammlung. Am 27. Juni 1927 begannen die Bauarbeiten auf dem sumpfigen Gelände von Shell Beach, das zuvor durch Ausbaggerungen und Aufschüttungen für die Bebauung vorbereitet worden war. Ursprünglich plante Ringling auch die Gründung einer Kunsthochschule auf dem Museumsgelände sowie nach dem Tod seiner Frau Mable im Juni 1929 die Gründung einer John Ringling University. Beide Vorhaben wurden jedoch aus finanziellen und organisatorischen Gründen nicht verwirklicht. Die Bauausführung lag zunächst bei der Firma Hageman and Harris, später bei Chase and McElroy. Die für Februar 1930 vorgesehene Eröffnung verzögerte sich, sodass das Museum 1930 und 1931 zunächst nur zeitweise geöffnet war. Die offizielle Eröffnung fand schließlich am 17. Januar 1932 statt.
Übergang in staatlichen Besitz John Ringling vermachte dem Bundesstaat Florida nach seinem Tod im Jahr 1936 sein Anwesen, seine Kunstsammlung und eine Stiftungssumme in Höhe von 1,2 Millionen US-Dollar. In seinem Testament hatte er festgelegt, dass der offizielle Name des Museums nicht verändert werden dürfe. Da Ringling bei seinem Tod hoch verschuldet war und sein Nachlass Gegenstand umfangreicher Gläubigerforderungen war, kam es zu einem langjährigen Rechtsstreit zwischen dem Staat Florida und Ringlings Gläubigern um den Nachlass. Der Bundesstaat obsiegte schließlich im Jahr 1946. In den ersten zehn Jahren nach der Eröffnung war das Museum unregelmäßig geöffnet und wurde nicht professionell verwaltet. Von 1932 bis 1946 hatte es keinen Direktor. Im Jahr 1946 wurde A. Everett Chick Austin Jr., der zuvor das Wadsworth Atheneum in Hartford, Connecticut, geleitet hatte, zum ersten Direktor des Museums ernannt.
Restaurierung und Neuausrichtung ab den 1980er Jahren mini|Haupteingang des Circus Museum auf dem Gelände des The RinglingVon 1985 bis 1992 leitete Laurence J. Ruggiero, der zuvor beim Metropolitan Museum of Art und bei der Oakland Museum Association tätig gewesen war, das Museum. 1989 wurde das Circus Museum erneuert und das restaurierte Museum am 19. Januar 1991 wiedereröffnet. An der Evaluierung waren Kuratoren des Metropolitan Museum of Art und des Baltimore Museum of Art sowie der Architekt Arthur Rosenblatt beteiligt. Im Jahr 2002 bewilligte der Bundesstaat Florida 42,9 Millionen US-Dollar an Baumitteln unter der Bedingung, dass das Museum innerhalb von fünf Jahren zusätzlich 50 Millionen US-Dollar an privaten Mitteln aufbringt. Diese Summe wurde letztlich mit rund 55 Millionen US-Dollar erreicht. Im Januar 2007 wurde die 76 Millionen US-Dollar umfassende Erweiterung und Sanierung des Museumskomplexes abgeschlossen; letzter Bestandteil des fünfjährigen Masterplans war der Arthur F. and Ulla R. Searing Wing.
2013 führte das Museum The Ringling als neue Marken- und Dachbezeichnung für den Museumskomplex ein. Der rechtliche bzw. formale Name The John and Mable Ringling Museum of Art blieb dabei bestehen. Im Jahr 2016 wurde das von dem Bostoner Architekturbüro Machado and Silvetti Associates entworfene Ting Tsung and Wei Fong Chao Center for Asian Art eröffnet. Im selben Jahr wurde mit der Keith D. Monda Gallery for Contemporary Art der erste Ausstellungsraum des Hauses eröffnet, der dem zeitgenössischen Kunstschaffen gewidmet ist. 2018 wurde der Kotler-Coville Glass Pavilion als neuer Eingangsbereich zum Historic Asolo Theater eröffnet. Er beherbergt eine Sammlung zeitgenössischer Studioglaskunst.
Architektur mini|Ca’ d’Zan, ehemaliger Winterwohnsitz von John und Mable Ringling, 1926 fertiggestellt Das 1925 von John H. Phillips entworfene Museumsgebäude orientiert sich an italienischer Architektur und wurde mehreren übereinstimmenden Quellen zufolge von den Uffizien in Florenz inspiriert. Der Bau umfasst 21 Galerien, die um einen mehrstufig terrassierten Innenhof mit zwei Brunnenanlagen und zahlreichen Abgüssen antiker Statuen angeordnet sind. Offene Loggien umschließen den Hof auf drei Seiten in U-Form. Am zur Bucht hin offenen Ende des Hofes verbindet eine Brücke die beiden Gebäudeflügel. In ihrer Mitte steht ein Bronzeabguss der David-Statue von Michelangelo, der von der italienischen Chiurazzi-Gießerei hergestellt wurde.
Auf dem Gelände befindet sich außerdem die Villa Ca’ d’Zan (House of John, Casa di Giovanni, venezianischer Dialektausdruck), der winterliche Wohnsitz des Ehepaars Ringling. Sie wurde von 1924 bis 1926 nach Plänen des Architekten Dwight James Baum unter Mitwirkung Mable Ringlings errichtet und vom Bauunternehmer Owen Burns ausgeführt. Der Bau wird dem Mediterranean Revival zugerechnet und verbindet insbesondere Elemente der venezianischen Gotik mit solchen der Renaissance sowie maurischen und spanischen Einflüssen. Die Villa liegt direkt an der Sarasota Bay. Sie wurde 2002 restauriert. Zum Gelände gehört auch der 1913 angelegte Rosengarten Mable Ringlings in der Nähe des ursprünglichen Wohnhauses der Vorbesitzer Charles N. und Mary Louise Thompson aus dem Jahr 1895. In einem als Secret Garden bezeichneten Bereich in der Nähe des Rosengartens sind John Ringling, Mable Ringling und Johns Schwester Ida Ringling North bestattet.
Sammlung
Die Sammlung des Museums umfasst eigenen Angaben zufolge mehr als 10.000 Objekte, darunter Gemälde, Skulpturen, Zeichnungen, Druckgrafiken, Fotografien sowie kunsthandwerkliche Gegenstände von der Antike bis zur Gegenwart. Der Schwerpunkt liegt auf europäischen Gemälden des 16. bis 20. Jahrhunderts, insbesondere auf einer umfangreichen Sammlung von Werken Peter Paul Rubens. Im Bestand sind darüber hinaus unter anderem Werke von Diego Velázquez, Paolo Veronese, Frans Hals, Nicolas Poussin, Thomas Gainsborough, Eugène Boudin, Rosa Bonheur und Lucas Cranach dem Älteren sowie Skulpturen von Gian Lorenzo Bernini und Giuliano Finelli vertreten. Auch Werke der Moderne und Gegenwartskunst, etwa von Marcel Duchamp, sind vorhanden.
Werke von Rubens
Weitere Gemälde (Auswahl)
Neben der europäischen Malerei zeigt das Museum zyprische Antiken sowie asiatische, US-amerikanische und zeitgenössische Kunst. Letztere wird seit 2016 in der eigens dafür eingerichteten Keith D. Monda Gallery for Contemporary Art präsentiert, asiatische Kunst seit demselben Jahr im Chao Center for Asian Art.
Zum Gelände gehört außerdem das 1948 gegründete Circus Museum, das erste US-amerikanische Museum, das sich der Dokumentation der Zirkusgeschichte widmete. Es verwahrt unter anderem Plakate, Programmhefte, Geschäftsunterlagen, Kostüme, Zirkusgeräte und Wagen. Im angeschlossenen Tibbals Learning Center befindet sich ein von Howard Tibbals gefertigtes Miniaturmodell des Ringling Bros. and Barnum & Bailey Circus im Maßstab ¾ Zoll pro Fuß. Es stellt den Zustand des Zirkusunternehmens zwischen 1919 und 1938 dar und wird vom Museum als das größte Miniaturzirkusmodell der Welt bezeichnet.
Zum Bestand gehört auch der private Eisenbahnwagen Wisconsin, den John Ringling von 1905 bis 1916 bzw. 1917 nutzte. Der 1896 von der Pullman Company gebaute Wagen wurde 1905 nach Ringlings Vorgaben umgebaut. Nach mehreren Besitzerwechseln und einer Restaurierung kehrte der Wagen wieder in den Besitz des Museums zurück.
Die dem Museum angegliederte Ringling Art Library zählt zu den größten kunstwissenschaftlichen Fachbibliotheken im Südosten der Vereinigten Staaten. Die Ringling Art Library gehört seit 1946 zum Museum und erhielt 2007 einen eigenen dauerhaften Lesesaal. Der Bestand von rund 90.000 Bänden umfasst unter anderem etwa 800 Bücher aus dem persönlichen Besitz John Ringlings sowie die Bibliothek des ersten Museumsdirektors A. Everett Austin Jr. Die inhaltlichen Schwerpunkte liegen auf europäischer Kunst der Renaissance und des Barocks, asiatischer Kunst, Studioglas und Zirkusgeschichte.
Weblinks
The Ringling – Offizielle Website Testament und Namensvorschrift West Courtyard Fountain Conservation The Ringling – Online Sammlungsrecherche The Ringling – Teacher Guide
Einzelnachweise
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