Jawohl, meine Herr’n, manchmal auch als Jawoll, meine Herr’n bezeichnet, ist ein von Hans Sommer komponierter und von Richard Busch getexteter Schlager aus dem Jahr 1937. Hans Albers und Heinz Rühmann sangen das als Foxtrott angelegte Lied in der Filmkomödie Der Mann, der Sherlock Holmes war. Noch im selben Jahr erschien eine Schallplattenaufnahme des Liedes bei Odeon.
Entstehung und Hintergrund mini|links|hochkant|Logo von Der Mann, der Sherlock Holmes war Jawohl, meine Herr’n wurde für den von Karl Hartl inszenierten Ufa-Film Der Mann, der Sherlock Holmes war komponiert. Der Filmkomponist Hans Sommer war dabei für die vollständige Filmmusik zuständig, die Liedtexte schrieb Richard Busch. Hans Albers spielte Morris Flynn, der sich als Sherlock Holmes ausgibt, und Heinz Rühmann dessen Partner Macky McPherson, der die Rolle von Dr. Watson mimte. Der Film wurde am 15. Juli 1937 im Ufa-Palast am Zoo in Berlin uraufgeführt. Die Schallplattenaufnahme erfolgte am 2. Juli 1937 in den Lindström-Studios in Berlin-Kreuzberg. Albers und Rühmann sangen das Lied mit Begleitung des Odeon-Tanzorchesters unter der Leitung von Hans Sommer ein. Die Aufnahme erschien im September 1937 bei Odeon auf einer 25-Zentimeter-Schellackplatte.Hansfried Sieben: Odeon, Band 5: die Matrizen-Nummern der elektrischen Aufnahmen 25 cm der Serie Be. Sieben, Düsseldorf 1994, S. 78 Auf der Rückseite befand sich das von Hans Albers gesungene Lied Ich hab’ eine kleine Philosophie. Das Lied wurde später wiederholt in Sammlungen mit Schlagern und Tonfilmmusik der 1930er Jahre wiederveröffentlicht.
Musik und Text
Jawohl, meine Herr’n ist als Foxtrott gestaltet und von zeitgenössischer Tanz- und Swingmusik geprägt. Das Lied wird im Film von den beiden Hauptfiguren in einer Hotelsuite gesungen, während sie in zwei durch ein Schlafzimmer getrennten Badewannen sitzen und von einem Hoteldetektiv belauscht werden. Gesungene Passagen wechseln sich dabei mit gesprochenen Dialogen zwischen Albers und Rühmann ab. Im Film wird das Lied durch Pfeifen eingeleitet, bevor ein Orchester und der Gesang einsetzen.
Der Text greift die Haltung der beiden Abenteurer auf, die sich von etwaigen Schwierigkeiten nicht aufhalten lassen und ihre neu gewonnene Freiheit genießen. In der Filmfassung ist das Stück dialogartig gestaltet, wobei Albers und Rühmann abwechselnd einzelne Textpassagen übernehmen und sie stellenweise wie ein Gespräch fortführen. In den Gesprächsteilen geben sie zu erkennen, dass sie sich der Anwesenheit des Hoteldetektivs bewusst sind und diesen absichtlich in ihr Zimmer gelockt haben, damit er ihre angenommenen Identitäten als Sherlock Holmes und Dr. Watson „erkennt“. Bildlich „seifen“ sie den Detektiv ein, wie sie es auch besingen: „Und wer uns stört, ist, eh er’s noch begreift, längst von uns schon eingeseift.“
Bei der Schallplattenfassung handelt es sich um eine eigenständige Studioaufnahme und nicht um eine Übernahme des Filmtons. Sie wurde von den beiden Schauspielern mit dem Odeon-Tanzorchester unter der Leitung des Komponisten Hans Sommer eigens eingespielt, im Film wurde das Lied dagegen vom Filmorchester begleitet. Die im Film verwendete Fassung und die für Odeon eingespielte Schallplattenaufnahme unterscheiden sich dabei auch in ihrer Gestaltung. Im Film ist das Lied mit den Dialogen und Rufen unmittelbar in die Handlung eingebunden, diese fehlen auf der Schallplatte. Die Schallplattenfassung hat ein längeres Intro des Orchesters, bevor der Gesang beginnt. Während im Film Hans Albers beginnt und sich beide Schauspieler die Strophe in kurzen Abschnitten zuspielen, beginnt auf der Platte Heinz Rühmann und übernimmt zunächst einen längeren zusammenhängenden Teil, bevor Albers einsetzt mit seinen Strophen.
Rezeption und Einordnung Jawohl, meine Herr’n entwickelte sich zu einem der bekanntesten Lieder aus dem Film Der Mann, der Sherlock Holmes war und wurde zu einem Duettklassiker der beiden Schauspieler. Bereits die zeitgenössische Aufnahme mit Albers und Rühmann war erfolgreich und rückblickend bezeichnete die Jüdische Allgemeine das Duett als „Kassenschlager“.
Als Produkt der deutschen Unterhaltungsindustrie des Jahres 1937 wird das Lied heute zugleich im Zusammenhang mit der Kulturpolitik des Nationalsozialismus betrachtet. Die Friedrich-Wilhelm-Murnau-Stiftung charakterisiert den Film einerseits als Eskapismus aus dem politischen Alltag, andererseits als Produkt des NS-Filmapparats, der mit internationalen, insbesondere US-amerikanischen Produktionen konkurrieren sollte. Der Film wurde am 13. Juli 1937 von der Filmprüfstelle unter der Prüfnummer B.45742 zugelassen und mit dem Prädikat „künstlerisch wertvoll“ ausgezeichnet. Das Prädikat war Teil des 1934 neu geregelten staatlichen Bewertungssystems für Unterhaltungsfilme. Die dem Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterstehende Filmprüfstelle entschied dabei nicht nur über die Zulassung, sondern zugleich über die Vergabe von Prädikaten, die mit steuerlichen Vergünstigungen verbunden waren. „Künstlerisch wertvoll“ bezeichnete dabei eine künstlerische Anerkennung und war vom stärker politisch konnotierten Prädikat „staatspolitisch und künstlerisch besonders wertvoll“ zu unterscheiden.
Die ZDF-Dokumentation Hits unterm Hakenkreuz behandelte Jawohl, meine Herr’n 2026 im Zusammenhang mit der populären Unterhaltungsmusik während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei zeigt gerade die Biografie des Komponisten Hans Sommer die Widersprüche dieser Unterhaltungsindustrie. Er war mit der Jüdin Anna-Susanne Reichenheim verheiratet und durfte bereits bei seinem letzten deutschen Film Sergeant Berry 1938 nur noch mit einer Sondergenehmigung arbeiten. Das Paar emigrierte wenig später in die Vereinigten Staaten.
Die Bekanntheit des Liedes hielt über den Film hinaus an. Als dessen Handlung 2009 für die Staatsoperette Dresden als Musical bearbeitet wurde, verzichteten die Autoren auf das Lied und komponierten stattdessen ein neues Duett, woraufhin gerade das Fehlen des bekannten Liedes in der Rezeption bedauert wurde.
Coverversionen Jawohl, meine Herr’n wurde wie weitere erfolgreiche deutsche Schlager der NS-Zeit, darunter etwa Zarah Leanders Der Wind hat mir ein Lied erzählt oder Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n, als Klassiker auch nach dem Zweiten Weltkrieg bis in die heutige Zeit häufig von verschiedenen Künstlern interpretiert. Bereits im Veröffentlichungsjahr 1937 und in direkter Folge erschienen mehrere Orchesterversionen des Liedes, darunter Aufnahmen von Die Goldene Sieben, Max Rumpf mit seinem Tanz-Orchester mit Gesang von Kurt Mühlhardt oder von Walter Raatzke und dem Gesang von Ernst Harten. Eine Fassung des Grammophon-Tanzorchesters unter Leitung von Erhard Bauschke mit Sänger Paul Erdtmann verwendet dabei einen anderen Text, bei dem die Passagen durch Aussagen über Mut, Stärke und Durchsetzungsvermögen ersetzt wurden. BR-Klassik wies 2017 auf diese Fassung hin; Urheber und Anlass der Neutextierung ließen sich dort nicht ermitteln.
Da Hans Albers und Heinz Rühmann auch nach dem Weltkrieg erfolgreich als Schauspieler waren, wurden ihre eher unpolitischen Lieder weiterhin gespielt. Rühmann selbst griff das Lied 1977 in einem Medley und Duett mit Peter Alexander unter dem Titel Ich brech' die Herzen der stolzesten Frau’n auf, und 1992 spielte Heinz Rudolf Kunze das Lied im Rahmen einer Rühmann-Revue. 2002 nahm Schlagersänger Guildo Horn das Lied für sein Album Der König der Möwen auf. 2008 gab es eine Version von Bürger Lars Dietrich mit Mathias Schlung und Tetje Mierendorf auf dessen Album Damenwahl sowie eine weitere der Streetpunk-Band Emscherkurve 77.
Belege , abgerufen am 3. September 2026. Bertelsmann Vinyl Collection: Das waren Schlager 1937, Datensatz L 36791, abgerufen am 3. September 2026. Der Mann, der Sherlock Holmes war. In: filmportal.de, Deutsches Filminstitut & Filmmuseum, abgerufen am 3. September 2026. Hans Albers & Heinz Rühmann – Jawoll, meine Herrn. In: hitparade.ch, abgerufen am 3. September 2026. Hans Albers & Heinz Rühmann - Jawohl, meine Herren (1937), Filmausschnitt auf youtube.com, abgerufen am 3. September 2026. Jawohl, meine Herr'n, Songtext auf songtexte.com, abgerufen am 3. September 2026. Heinz Rühmann & Hans Albers – Jawohl, meine Herr'n (1937) auf cover.info, abgerufen am 3. September 2026. Deutsche Schellackschlager: Jawohl, meine Herr’n, BR-Klassik 3. Januar 2017, abgerufen am 3. September 2026.
, abgerufen am 3. September 2026. , abgerufen am 3. September 2026. , abgerufen am 3. September 2026. , abgerufen am 3. September 2026. , abgerufen am 3. September 2026.
Weblinks
Deutsche Schellackschlager: Jawohl, meine Herr’n, BR-Klassik 3. Januar 2017
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