mini|Orgel in cornu Epistolae der Basilika Santissima Annunziata, Florenz, mit Gehäuseverzierung von Nanni Unghero (1521/22) Nanni Unghero (eigentlich Giovanni d’Alesso d’Antonio, auch Giovanni di Alessio, Giovanni d’Alessio d’Antonio, Johannes Alexii Antonii oder Nanni Ungaro; * um 1480/1490; † 31. Mai 1546 in Florenz) war ein italienischer Holzbildhauer, Architekt und Festungsbaumeister.
Leben Über seine Herkunft, seinen Geburtsort und sein genaues Geburtsdatum liegen keine gesicherten Angaben vor. Während eine ältere Forschungsmeinung von einer Geburt um 1490 ausgeht, erscheint eine Geburt um 1480 nach neueren Untersuchungen wahrscheinlicher. Aufgrund seines Beinamens Unghero (auch Ongaro, der Ungar) wird vermutet, dass er in Ungarn geboren wurde. Möglicherweise war er der Sohn des Architekten Alexius Italus, der zur Zeit König Vladislaws II. an ungarischen Festungsbauten mitwirkte. Unghero erhielt seine Ausbildung nachweislich in Florenz, wo er den größten Teil seines Lebens und Wirkens verbrachte. In der älteren Forschung wurde zeitweise die These vertreten, es habe sich bei Nanni Unghero um zwei verschiedene, gleichnamige Personen gehandelt: einen zwischen 1460 und 1515 tätigen Holzschnitzer und einen ab 1537 tätigen Architekten und Ingenieur. Anhand der Rechnungsbücher der Parte Guelfa und des Klosters Santissima Annunziata in Florenz gilt diese These jedoch heute als widerlegt, da Holzschnitzer und Architekt als identisch angesehen werden.
Nanni Unghero führte eine eigene Werkstatt in Florenz, in der zeitweise auch der spätere Bildhauer Niccolò Tribolo als Geselle arbeitete, bevor dieser zu Jacopo Sansovino wechselte. Unghero gehörte dem Freundeskreis um Andrea del Sarto und Andrea Sansovino an. Von letzterem erhielt er mehrere Holzmodelle, die er für eigene Schnitzarbeiten verwendete. Sein Sohn Matteo di Giovanni Unghero war ebenfalls Holzschnitzer und wirkte ab 1539 als Legnaiolo für das Kloster Santissima Annunziata. Nanni Unghero starb am 31. Mai 1546 in Florenz.
Werk Die früheste bekannte Arbeit Nanni Ungheros ist die zwischen August 1509 und Juni 1511 ausgeführte Verzierung des Orgelgehäuses in der Kirche Santissima Annunziata in Florenz. Zwischen Juni und Dezember 1510 erhielt er von der Opera del Duomo mehrere Aufträge, darunter die Anfertigung eines geschnitzten Podests und Rahmens für den Altar der Madonna sowie die Ausgestaltung des Altars der Heiligen Dreifaltigkeit im Dom von Florenz. Beide Arbeiten wurden im Zuge von Restaurierungen im Jahr 1841 entfernt. Ebenfalls aus dieser Zeit stammt ein geschnitztes und bemaltes Tabernakel für ein bestehendes Marienbild. Im Jahr 1515 schnitzte Unghero die Holzstatue des Heiligen Nikolaus von Tolentino mit zwei Putten für die diesem Heiligen geweihte Kapelle in der Kirche Santo Spirito in Florenz. Sie basiert auf einem Tonmodell Andrea Sansovinos und gilt als sein Hauptwerk. Die zugehörigen Putten sind nicht erhalten.
Am 16. Juni 1519 wurde er von der Opera del Duomo mit der Erneuerung des Chorgestühls im Dom Santa Maria del Fiore beauftragt. Die Arbeiten wurden im Oktober 1520 abgeschlossen und im Mai 1521 um achtzig Kandelaber ergänzt. Das Chorgestühl ist nicht erhalten. Laut einem Katalog der Opera di Santa Maria del Fiore war Unghero in den Jahren 1519/1520 gemeinsam mit Baccio d’Agnolo und dem Holzschnitzer Domenico Baccelli auch an der Chorschranke des Doms beteiligt. Diese ersetzte eine ältere, 1439 von Filippo Brunelleschi geschaffene hölzerne Chorschranke. Im Anschluss an die Arbeiten am Domchor erhielten die Serviten von Santissima Annunziata bei Unghero die Verzierung des Gehäuses der neuen Orgel in Auftrag, die von Domenico di Lorenzo da Lucca gebaut wurde. Die Arbeit wurde am 4. April 1522 mit 200 Goldflorin vergütet. Im Jahr 1538 erhielten Unghero und seine Gehilfen, darunter sein Sohn Matteo, den Auftrag für ein neues Chorgestühl in Santissima Annunziata. Dieses Werk ist ebenfalls nicht erhalten.
Architektur und Festungsbau Ab den 1520er Jahren erweiterte Nanni Unghero sein Tätigkeitsfeld. Im Jahr 1524 (nach anderen Angaben 1528) erhielt er von Zanobi Bartolini den Auftrag für den Entwurf und die Bauleitung des sogenannten Palazzaccio (auch Palazzo del Capitano genannt) in Pistoia. Der Bau blieb unvollendet, wurde im 17. Jahrhundert unter dem Namen Palazzo Manfredini fortgeführt und 1928 abgerissen.
Im Jahr 1529 leitete Unghero die Umleitung des Mugnone bei der Porta San Gallo in Florenz. Vom 28. Juni 1531 bis zum 16. April 1532 wurde er von der Parte Guelfa offiziell zum Capomaestro der Festungsbauten ernannt. In dieser Funktion assistierte er Antonio da Sangallo dem Jüngeren bei der Erneuerung der Florentiner Stadtbefestigungen, insbesondere der Bastion della Giustizia. Im Jahr 1533 lieferte er die Entwürfe für die Pia Casa della Sapienza in Pistoia (heute die Biblioteca Forteguerriana) und wirkte an der Bauleitung der Festung Fortezza da Basso in Florenz mit. Als Capomaestro war er dort nicht nur Assistent Antonio da Sangallos, sondern nahm auch eigene Änderungen an dessen Plänen vor.
In den 1530er- und 1540er-Jahren war er an Festungsbauten in mehreren toskanischen Städten beteiligt, darunter Pistoia (Fortezza di Santa Barbara, ab 1540; ab 1543/44 unter Beteiligung Giovanni Battista Belluzzis fortgeführt), Arezzo (1539; Wiederaufbau nach Plänen Antonio da Sangallos), Borgo San Sepolcro (1544/45; Bastion und Instandsetzung des Palazzo del Capitano) und Pisa (1544; Bastion bei der Porta a Lucca). Sein letztes bekanntes Bauvorhaben waren Arbeiten am Kastell und an der Bastion San Pier Gattolino in Florenz in den Jahren 1545/46.
Literatur Nanni Unghero. In: Allgemeines Künstlerlexikon Online. De Gruyter, 2009.
Giorgio Vasari: Le vite de’ più eccellenti pittori, scultori e architettori. Florenz 1568, hrsg. von Gaetano Milanesi, Florenz 1881, Band VI, S. 56 f., Band VII, S. 488.
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