mini|Faravahar, ein Symbol des menschlichen Geistes mini|Atar (heiliges Feuer), ein weiteres der Symbole des Zoroastrismus mini|Tonskulptur eines wahrscheinlich zoroastrischen Priesters, gefunden in Tacht-i Sangin, aus dem 3. bis 2. Jahrhundert v. Chr.B. A. Litvinski, I. R. Pichikian: The Hellenistic Architecture and Art of the Temple of the Oxus. Bulletin of the Asia Institute, New Series, Vol. 8, The Archaeology and Art of Central Asia Studies From the Former Soviet Union (1994), S. 47–66.Graeco-Bactrian Kingdom (250–125 BC). International Foundation for Cultural Property Protection web.archive.org Der Zoroastrismus bzw. Zarathustrismus (auch: Mazdaismus oder Parsismus sowie zoroastrische Religion und Zoroastrianismus) ist eine Religion, die von Zarathustra gestiftet wurde. Der Begriff wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert n. Chr. gebräuchlich. Die heutigen Anhänger des Zoroastrismus werden Zoroastrier (nach Zoroaster, der griechischen Form von Zarathustra) oder Zarathustrier genannt. Die Religion Zarathustras, die auf sehr alten indoiranischen Traditionen und Überlieferungen fußt, entstand zwischen 1800 und 600 v. Chr. Ihre Herkunft ist umstritten. Sie breitete sich etwa vom 7. bis zum 4. Jahrhundert v. Chr. im iranischen Kulturraum (vom östlichen Kleinasien und Mesopotamien über Persien bis Zentralasien) aus. In der Spätantike war unter der Dynastie der Sassaniden die zurvanistische Variante des Zoroastrismus weit verbreitet, in der der gute und der böse Geist als Kinder der „unendlichen Zeit“ (Zurvan/Zervan, Neupersisch Zaman) galten.
Im Zentrum der Religion Zarathustras steht der Schöpfergott Ahura Mazda (mittelpersisch Ohrmazd). Er wird begleitet von den Amescha Spenta (die Wohltätigen Unsterblichen) sowie von seinem Widersacher, dem Herrscher über die Daeva, Angra Mainyu (mittelpersisch Ahriman). Gottesbilder sind dem Zoroastrismus fremd. Er kennt Feuertempel, in denen ein ständig brennendes Feuer als heilige Flamme gehütet wird, das als Symbol der Gottheit und der vollkommenen Reinheit gilt.
Der Zoroastrismus basiert auf den sehr alten mündlichen Überlieferungen der heiligen Schrift Avesta. Die schriftliche Fixierung erfolgte zur Zeit des Sassanidenreichs. Die ältesten überlieferten Manuskripte des Avestas sind in avestischer und mittelpersischer Sprache geschrieben und stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. Manche enthalten Interpretationen, Übersetzungen und Kommentare. Bekannte Zusammenstellungen des Avestas und seiner Exegese sind der Denkard als bedeutende Sammlung von älteren Quellen, das ältere Bundahischn, das die ursprüngliche Schöpfung behandelt, und das Rechtsbuch Madayan-i Hazar Dadestan.
Bis ins späte 1. Jahrtausend n. Chr. war die Religion des Zarathustra eine Weltreligion mit Millionen Anhängern. Heute geht man weltweit von etwa 130.000 Anhängern aus. Größere Gemeinden leben in Indien, Iran und den USA. Die heutigen Anhänger in Indien nennen sich Parsen.
Bezeichnungen Die Religion Zarathustras hat im Lauf ihrer jahrtausendealten Geschichte mehrere Selbstbezeichnungen geführt, die auf verschiedene religionsgeschichtliche Situationen hinweisen. Für die älteste Phase der Geschichte ist kein Fachbegriff (Terminus) überliefert, mit dem sich die Anhänger von anderen Religionen unterschieden haben. Erst mehrere Jahrhunderte später, in einer zweiten Phase, scheint sich eine Begrifflichkeit herausgebildet zu haben. Die Autoren der avestischen Ritualtexte benutzen für einen Anhänger ihrer religiösen Praxis die Bezeichnung „derjenige, dessen rituelle Verehrung sich an Mazda richtet“, „Mazdaverehrer“ (avestisch mazdaiiasna-). In den religiösen Schriften späterer Zeit wird diese Formulierung aufgegriffen, wenn die Autoren auf die „mazdaverehrende Religion“ oder die „Religion der Mazdaverehrer“ verweisen. Sie sprechen von der „guten“, der „wahren“ oder der „reinen“ Religion.Michael Stausberg: Die Religion Zarathustras. Geschichte – Gegenwart – Rituale. Band 1. Stuttgart 2002, S. 7–10.
Die meisten Anhänger der ursprünglich iranischen „mazdaverehrenden Religion“ leben heute in Indien. Sie bezeichnen ihre Religion als „Zoroastrismus“ und nennen sich Parsen. Der Begriff des Zoroastrismus wurde vermutlich erst im 19. Jahrhundert gebräuchlich. Er geht auf die wichtigste griechische Namensform (griechisch Ζωροάστρης Zōroástrēs) des sehr alten Eigennamens (avestisch Zaraθuštra)Jean Kellens, Éric Pirart: Les textes vieil-avestiques. 3 Bände. Wiesbaden 1988, 1990 und 1991. Band 2, S. 321. zurück. Der persische Name des Gründers der Religion lautet Zardoscht.
In den Vereinigten Staaten gibt es seit einigen Jahren organisierte Versuche zur Einführung einer neuen Terminologie. Die Anhänger der Religion Zarathustras werden demnach, indem sie sich auf den persischen Namen von Zarathustra berufen, als „Zartoshtis“ und die Religion selbst als „Zartoshti Din“ bezeichnet.
Schriften Das Rückgrat des Zoroastrismus ist seine heilige Schrift, das Avesta. Die ältesten Teile wurden über mindestens 1000 Jahre mündlich überliefert, bevor ältere und jüngere Texte in der Zeit des Sassanidenreichs schriftlich fixiert wurden. Das Avesta ist eine Sammlung von Zeremonien, die von Wissenschaftlern im 19. Jahrhundert n. Chr. in Bücher unterteilt wurde.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Band I, Kohlhammer, Stuttgart 2002, S. 78–80.Jean Kellens, Céline Redard: Introduction à l'Avesta. Collège de France, Paris 2021, Kapitel 3, Abschnitt 17 (Online).
Die ältesten überlieferten Manuskripte des Avestas stammen aus dem 9. und 10. Jahrhundert n. Chr. Da die Manuskripte oftmals auch eine Interpretation, Übersetzungen und Kommentare in mittelpersischer Sprache enthalten, werden sie Pahlavi-Texte genannt. Es wird unterschieden zwischen dem ursprünglichen mündlichen Avesta, den reinen Texten (sǎda, , ) in avestischer Sprache, und seinen mittelpersischen Erweiterungen.Jeans Kellens: Considérations sur l’histoire de l’Avesta (= Journal Asiatique. Band 286, Nr. 2). Paris 1998, S. 451–519, hier S. 453–456. Bedeutende Pahlavi-Texte sind die Sammlung von älteren Quellen, der Denkard, die Schöpfungsgeschichte, das Bundahischn, und das Rechtsbuch Madayan-i Hazar Dadestan.Vgl. Maria Macuch, “MĀDAYĀN Ī HAZĀR DĀDESTĀN,” Encyclopædia Iranica, online edition, 2017 abgerufen am 16. Oktober 2017.Carlo G. Cereti: Die iranischen Sprachen. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran (Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Bonn. Skira editore, Milano, Kunsthistorisches Museum Wien). Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 31–37, hier S. 34.
Lehre Glaubensbekenntnis mini|Das heilige zoroastrische Pilgerheiligtum Chak Chak in Yazd (Iran) mini|hochkant|Darstellung der Činvat-Brücke auf dem Sarkophag von Wirkak aus dem 6. Jahrhundert n. Chr. Die heilige Schrift der Anhänger von Zarathustra ist das Avesta, dessen Schriften zu den ältesten religiösen Texten der Menschheit gehören. In der Forschung wird das Kapitel 12 des ersten Buchs des Avesta (Yasna) oft als Glaubensbekenntnis der Mazdaverehrer bezeichnet. Es gehört zum jüngeren Teil des Avesta. Die Begriffsreihe im ersten Vers – „Mazdaverehrer“, „Zarasthuraanhänger“, „Dämonenzurückweiser“, „Anhänger der Lehre der Ahuras“ – bildet eine theologische Einheit.Michael Stausberg: Die Religion Zarathustras. Geschichte – Gegenwart – Rituale. Band 1. Stuttgart 2002, S. 8. Im Zentrum stehen die guten Gedanken, Worte und Werke des Gläubigen.
Die Frommen oder Gläubigen, die sich für das Gute, und die Götzendiener, die sich für das Böse entschieden haben, stehen sich widerstreitend gegenüber. Letztere werden mit verschiedensten Ausdrücken bezeichnet, wie das Beispiel bei der Ablehnung des Opfers durch Anahita zeigt:
Die Činvat-Brücke Nach dem Tod gelangen die Seelen an die Činvat-Brücke, die die Welt der Lebenden von den Toten trennt und wo die Seelen gerichtet werden. Der Übergang ist in den Büchern des YasnaYasna 71.16. In: Fritz Wolff: Avesta. Die heiligen Bücher der Parsen. Straßburg 1910, S. 101, doi:10.1515/9783111517407. und Vendidâd beschrieben.
Die Zweiteilung der Welt Die Welt teilt sich nach zoroastrischer Vorstellung in ein Reich des Lichtes, in dem auf alle Ewigkeit Ahura Mazda (Ohrmazd), der Herr der Weisheit wohnt, und einen Abgrund der Finsternis, der seinen Widersacher Ahriman, die Macht der Negation, der Zerstörung und des Todes verbirgt. Zwischen dem Herrn des Lichtes und jenem der Finsternis tobt dieser Kampf, dessen Schauplatz die Erde ist. Ein Kampf, der so lange andauert, bis Ahura Mazda die dämonischen Gegenmächte in ihren Abgrund zurückgestoßen haben wird. In zoroastrischen Texten wird das Ende dieses Kampfes als tan-i pasen, „leibliche Auferstehung“,Antonio Panaino: Religionen im antiken Iran. In: Wilfried Seipel (Hrsg.): 7000 Jahre persische Kunst. Meisterwerke aus dem Iranischen Nationalmuseum in Teheran: Eine Ausstellung des Kunsthistorischen Museums Wien und des Iranischen Nationalmuseums in Teheran. Kunsthistorisches Museum, Wien 2001, S. 22–29, hier: S. 27 f. (die letzte ExistenzGötz König: Geschlechtsmoral und Gleichgeschlechtlichkeit im Zoroastrismus (= Iranica. Band 18). Harrassowitz, Wiesbaden 2010, ISBN 978-3-447-06228-2, S. 57 (Online-Vorschau). bzw. der zukünftige Körper oder LeibD. Schwiderski: Zeitschrift für die Alttestamentliche Wissenschaft. Band 122, Nr. 3, (Berlin) 2010, S. 488. Yearbook 2009: The Human Body in Death and Resurrection. (Online bei Google Books)) bezeichnet.
Die Zwillinge Die Unterscheidung zwischen der Wahrheit und der Lüge ist eine uralte Vorstellung, die insbesondere in Iran von zentraler Bedeutung war.Vgl. auch Gherardo Gnoli: Iran als religiöser Begriff im Mazdaismus (= Rheinisch-Westfälische Akademie der Wissenschaften. Vorträge G. Band 320). Opladen 1993. Im Zoroastrismus erscheint sie als Dualismus, der die Welt zum Kampfgebiet der Zwillinge, des Guten Geists (Spenta Mainyu) und des Bösen Geists (Angra Mainyu), macht. Im Gegensatz zum jüngeren Avesta und dem orthodoxen Zoroastrismus der Sassaniden sind die Zwillinge im ältesten Teil des Avesta nicht ursprünglich, sondern Ausdruck von Ahura Mazda oder von ihm erschaffen. Sie unterschieden sich im Geist, in der Rede und in den Taten. Der eine war sehr gut und der andere schlecht. Zusammen errichteten sie Leben und Tod.William W. Malandra: An introduction to ancient iranian religion. Readings from the Avesta and the achaemenid inscriptions. Minneapolis 1983, S. 19.
Der Konflikt zwischen Gut und Böse führt zur Entstehung der Welt, und die Beilegung desselben ist gleichbedeutend mit der Neuschöpfung am Ende der Zeitachse. Die „theoretisch unbegrenzte Unendlichkeit“ der Zeit wird in einen strukturierten Zeithorizont gerafft. Die Grundeinheit wird in den mittelpersischen Texten auf 3000 Jahre festgelegt, während die gesamte Weltzeit ein Vielfaches davon ist. Die irdische Existenz Zarathustras steht in der Mitte und markiert den Übergang zum letzten Zeitalter. Er ist der Empfänger der Religion, und durch seine geistige Kraft schränkt er das Wirken der dämonischen Mächte ein, so dass die „reine Religion“ zum Sieg des Schöpfers führt.Michael Stausberg: Die Religion Zarathushtras. Geschichte, Gegenwart, Rituale. Band 1, Stuttgart 2002, S. 63–64.
Die Rolle des Menschen