Gertrud Ceranke (geborene Ekstein) (* 19. März 1893 in Teplitz, Österreich-Ungarn; † Oktober 1956 in Wien, Österreich) war eine österreichische Ärztin, Volksbildnerin, NS-Verfolgte und Überlebende des Holocaust.

Gertrud Ekstein wurde als Tochter des Gynäkologen Emil Ekstein und dessen Ehefrau Olga Ekstein (geborene Jontof) geboren. Sie studierte Medizin an der Universität Wien. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs begleitete sie ihren Vater als dessen Assistentin und Militärärztin in den Kriegsdienst. Zu Ende des Krieges arbeitete sie als Ärztin an der Charité in Berlin. 1918 erfolgte die Heirat mit dem Mediziner Paul Ceranke. 1919 erfolgte die medizinische Promotion an der Universität Wien. Danach arbeitete Ceranke als praktische Ärztin in Wien. Ab Mitte der 20er Jahre engagierte sie sich als Volksbildnerin und referierte zu frauen- und kindermedizinischen Themen, dies vor allem in sozialdemokratischen Organisationen, später auch als Referentin des Wiener Stadtschulrates sowie der Wiener Volkshochschule. Sie publizierte in der „Hebammen-Zeitung“ sowie in der sozialdemokratischen Zeitung „Die Unzufriedene“.Walter Mentzel: Aus den medizinhistorischen Beständen der UB Meduni Wien: Ceranke, Gertrud – Ärztin Volksbildnerin, Aktivistin in der Wiener Frauenrechtsbewegung und NS-Verfolgte Gertrud Ceranke, 2. März 2022.MedUniWienePub: Gertrud Ceranke, abgerufen am 2. September 2026. 1925 war Ceranke gemeinsam mit Clara Kohn-Liebmann und Jenny Adler-Herzmark Teil des von der sozialdemokratischen Zentralstelle für das Bildungswesen organisierten Führungsteams in der von Julius Tandler initiierten Hygieneausstellung in Wien. Ceranke engagierte sich, gemeinsam mit Frida Becher von Rüdenhof, in der von Marianne Hainisch gegründeten „österreichischen Frauenpartei ÖPF“. Die ÖPF wurde 1934 liquidiert. In der Nachfolgeorganisation „Verein Österreichische Frauenschaft“ übernahm Ceranke das Ressort Eheberatung. Ceranke war Mitglied der „Kommission für Volksgesundheit“ in der „Bundeskommission des Bundes österreichischer Frauenvereine BÖFV“ mit Dora Brücke-Teleky als Kommissionsvorsitzender. Gertrud Bien, Hedwig Fischer-Hofmann und Cornelie Much-Benndorf gehörten zu den Mitstreiterinnen. Nach dem „Anschluß Österreichs“ im März 1938 wurde Ceranke mit Berufsverbot belegt. Sie überlebte den Holocaust und verstarb im Oktober 1956 in ihrer Wahlheimat Wien.Österreichisches Staatsarchiv: AT-OeStA: Vermögensansammlung Gertrud Ceranke 1938-1945, abgerufen am 2. September 2026. Tochter Susanne Ceranke (* 1. Oktober 1921) in Wien wurde ebenfalls Ärztin und verstarb 2002 in Wien.

Veröffentlichung

Literatur Helmut Gruber: Sexuality in “Red Vienna”: Socialist Party Conceptions and Programs and Working-Class Life, 1920–1934. In: International Labor and Working-Class History. Cambridge University Press, No. 31 (Spring 1987), S. 37–68 Sexuality in Red Vienna. Walter Mentzel: Aus den medizinhistorischen Beständen der UB Meduni Wien: Ceranke, Gertrud – Ärztin Volksbildnerin, Aktivistin in der Wiener Frauenrechtsbewegung und NS-Verfolgte Gertrud Ceranke, 2. März 2022.

Einzelnachweise

Kategorie:Pädiater Kategorie:Überlebender des Holocaust Kategorie:Mediziner (20. Jahrhundert) Kategorie:Absolvent der Universität Wien Kategorie:Person (Cisleithanien) Kategorie:Österreicher Kategorie:Geboren 1893 Kategorie:Gestorben 1956 Kategorie:Frau