mini|Mariana Koskull, ca. 1815. Henrietta Mariana „Marianne“ Charlotta Koskull (* 19. Februar 1785 in Växjö, Schweden; † 30. März 1841 in Stockholm) war eine schwedische Adlige und Hofdame, die als Mätresse der Könige Karl XIII. und Karl XIV. Johann von Schweden bekannt wurde.
Biographie Herkunft Mariana – oder Marianne, wie sie am französisch geprägten Hof oft genannt wurde – war die Tochter von Baron Gustaf Fredrik Koskull und Anna Charlotta Gjelstrup. Sie gehörte der verarmten baltischen Adelsfamilie Koskull an. Ihre Schwester war Constance Koskull (1788–1840), ihr Bruder Gustaf Adolf Koskull.
Koskull erhielt eine gute Ausbildung und wurde dank ihres Standes zur Hofdame (: Hovfröken) von Königin Hedwig von Schleswig-Holstein-Gottorf, genannt Königin Charlotta, ernannt. Damit ergriff sie einen der wenigen für eine Adlige gesellschaftlich akzeptablen Berufe. Sie war bei Hofe sehr beliebt und wurde für ihre Musikalität sowie ihr schauspielerisches Talent bewundert. Sie spielte hervorragend Harfe und übernahm bei besonderen Anlässen und Festlichkeiten oft die Hauptrolle im höfischen Laientheater, wobei ihr Talent dem einer professionellen Schauspielerin ebenbürtig war.
Am 28. Januar 1811 wirkte Koskull unter großem Beifall an einer Laienaufführung von Der Barbier von Sevilla mit, die von Mitgliedern des Adels im Königlichen Schloss zu Ehren des Namenstages des Königs und der Ankunft der Kronprinzessin aufgeführt wurde. Koskull spielte die Rolle der Rosina. Im Anschluss folgte ein Ballett, das ebenfalls von Mitgliedern des Hofadels dargeboten wurde.
Geliebte des Königs Nachdem Karl XIII. 1809 61-jährig den Thron bestiegen hatte, wurde Koskull als seine Geliebte gehandelt. Königin Charlotta tat dies jedoch mit der Bemerkung ab, der König sei zwar vielleicht in Koskull vernarrt gewesen, aber zu gebrechlich, um tatsächlich noch etwas daraus zu machen. Parallel zu den Gerüchten über eine Affäre mit Karl XIII. galt Koskull auch als Geliebte des Adoptivsohns und Thronfolgers des Königs, Kronprinz Karl Johann, der als ehemaliger französischer Maréchal d’Empire unter Napoleon, 1810 als Thronfolger in Schweden eingetroffen war. Die Affäre begann Berichten zufolge, nachdem Karl Johanns Ehefrau Désirée Clary Schweden 1811 in Richtung Frankreich verlassen hatte und nachdem der Kronprinz zuvor vergeblich um Koskulls Cousine Aurora Wilhelmina Brahe geworben hatte. Die Affäre blieb offenbar vier Jahre lang verborgen, bevor sie aufflog. Übereinstimmend vermerkte auch Königin Charlotte in ihrem später veröffentlichten Tagebuch, Koskull und Karl Johann hätten das Verhältnis 1811 im Jahr der Abreise der Kronprinzessin nach Paris begonnen und im Frühjahr 1815 war diese öffentlich geworden, als die Königin selbst Gewissheit darüber erlangte. Es hieß, Koskull und Karl Johann hätten ein gemeinsames uneheliches Kind gehabt, doch dies ist nicht bestätigt.
Als 1816 Gerüchte über eine Rückkehr der Kronprinzessin nach Schweden aufkamen (zu der es aber zunächst nicht kam), bemerkte die Königin, dass der Kronprinz ihre Rückkehr aufgrund seiner Beziehung zu Koskull nicht wünschte.
Während ihrer gleichzeitigen Affären mit dem König und dem Kronprinzen ließ Koskull in einem der Salons des Königs ein Gemälde aufstellen, das auf jeder Seite ein anderes Motiv zeigte und dazu diente, dem Kronprinzen Signale zu geben. Die eine Seite des Gemäldes stellte Koskull als Terpsichore, der Muse des Tanzes, dar, die andere zeigte eine Wahrsagerin. Berichten zufolge signalisierte das zum Kronprinzen hin gedrehte Bild der Wahrsagerin, dass sie den Tag mit dem König verbringen würde; zeigte das Gemälde hingegen die Muse, so verbrachte sie den Tag mit dem Kronprinzen.
Koskull nutzte Berichten zufolge ihren Einfluss sowohl bei Karl XIII. als auch bei Karl Johann (der schon während der Regierungszeit Karls XIII. als Regent fungierte), um Verwandte und Schützlinge in lukrative Ämter zu bringen. So wurde ihr am Hof vorgeworfen, ihren Einfluss auf den Kronprinzen missbraucht zu haben, um ihrem Bruder Gustaf Adolf Koskull – der sowohl am Hof als auch in seiner eigenen Verwandtschaft, der Familie Brahe, als Wüstling verschrien war – zu einer Beförderung zum Kapitänleutnant der Königlichen Garde verholfen zu haben.Stichwort: Koskull, släkter. In: Svenskt biografiskt lexikon. Band 21. 1975–1977. Seite 493. Link. Abgerufen am 3. September 2026.
Folgerichtig wurde sie aufgrund ihrer Stellung nicht nur von Bittstellern, sondern auch von anderen einflussreichen Persönlichkeiten umworben: So suchte etwa der Staatsmann Graf Johan Christopher Toll ihre Gunst – nicht nur, weil sie die Mätresse des Königs war, sondern auch, weil sie mit Gräfin Aurora Wilhelmina Brahe verwandt war, der beliebten Stiefmutter des königlichen Günstlings Magnus Brahe (1790–1844).
Im Februar 1818 starb Karl XIII., und Karl Johann wurde als Karl XIV. Johann König. In den Jahren zwischen dem Tod von Königin Charlotte im Juni 1818 und der Ankunft von Königin Désirée und Kronprinzessin Josephine (1823) gab es – auch weil Prinzessin Sophie Albertine von Schweden aufgrund ihres Alters ein zurückgezogenes Leben vorzog – keine weiblichen Mitglieder des Königshauses am Hof. Koskull nahm somit als offizielle Mätresse des Königs faktisch die Rolle der führenden Dame bei Hofe ein und bewohnte ein prachtvolles Apartment,Andreas Anderber: Sköna kvinnor och strategiska män. Om den koskullska släktkretsen vid hovet på 1700- och 1800-talen (: Schöne Frauen und strategisch denkende Männer. Über den Familienkreis der Koskulls am Hof im 18. und 19. Jahrhundert). Arte et marte. 2019. während der König es vorzog, in ihrer Gesellschaft „das Leben eines wohlhabenden Privatmanns“ zu führen, und kaum am höfischen Zeremoniell teilnahm.Ingvar von Malmborg (Hrsg.): Min gud tocket hov! Det svenska hovet från Napoleon till Louis Philippe (: Mein Gott, der Hof! Der schwedische Hof von Napoleon bis Louis-Philippe.) In: Familjen Bernadotte - kungligheter och människor (: Die Familie Bernadotte – Königshaus und Volk). Stockholm. 2010.
Späteres Leben Als Königin Désirée schließlich 1823 nach elfjähriger Abwesenheit in Begleitung der neuen Kronprinzessin nach Schweden zurückkehrte, ernannte der König sowohl Koskull als auch Jacquette Löwenhielm – die Mätresse des Kronprinzen Oskar – zu Hofdamen der Königin. Koskull erhielt das Amt der Ersten Hofdame (: Kammarfröken) die höchste Position, die eine unverheiratete Adlige am königlichen Hof bekleiden konnte; dieses Amt behielt sie bis zu ihrem Tod bei. Die Königin hatte selten Einfluss auf die Besetzung ihres Hofstaats, war jedoch nicht gezwungen, Zeit mit einer ihr missliebigen Hofdame zu verbringen.
Nach der Ankunft der Königin und der Kronprinzessin lebte das formelle repräsentative Hofleben in Schweden wieder auf, und Koskull war nicht länger die offizielle Mätresse des Königs. Es ist überliefert, dass sie ihre prunkvollen Gemächer im Königlichen Schloss – die ihre Stellung als offizielle Mätresse unterstrichen hatten – aufgab und in eine bescheidenere Wohnung zog, wie sie einer gewöhnlichen Hofdame zustand. Ob die Beziehung zwischen Koskull und Karl XIV. Johann tatsächlich endete oder fortan lediglich diskret geführt wurde, ist nicht bekannt; nach 1823 wurde sie jedoch nicht mehr in der Rolle seiner Mätresse erwähnt. Trotzdem verschaffte ihre Position Koskull ein hohes Einkommen sowie einen legitimen Grund, am Hof zu bleiben und somit ein komfortables Leben zu führen.
Koskull starb unverheiratet und kinderlos.
Literatur Lars Elgklou: Familjen Bernadotte. En kunglig släktkrönika. Fischer & Co. Stockholm. 1995. Cecilia af Klercker: Hedvig Elisabeth Charlottas dagbok IX. P.A. Norstedt & Söners förlag. Stockholm. 1942. Lars Elgklou: Bernadotte: historien – och historier – om en familj. Askild & Kärnekull Förlag. Stockholm. 1978.
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Einzelnachweise
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