mini|hochkant=1.8|James Robertson: Döner-Kebab-Verkäufer in Konstantinopel, 1855

Das Foto eines Döner-Kebab-Verkäufers 1855 („Kebab“-Seller, Istanbul (damals Konstantinopel), 1855, Salzdruck, 13,5 × 19,5 cmBahattin Öztuncay: James Robertson. Pioneer of Photography in the Ottoman Empire. Eren Yayıncılık Ltd., Istanbul 1992.) des britischen Fotografen James Robertson (1813–1888) gilt als ältestes Foto, das die Zubereitung von Döner Kebab (; „drehendes Grillfleisch“) dokumentiert. Robertsons Fotografien von Straßenszenen aus Konstantinopel zählen zu den frühesten Beispielen der „instantaneous photography“, also von Momentaufnahmen von Personen außerhalb eines Fotostudios.

Beschreibung des Fotos Das Schwarzweißfoto zeigt einen großen Tisch, auf dem ein senkrecht aufgestellter Drehspieß mit übereinander geschichteten Fleischstücken vor einer mit Holzkohle aufgefüllten Konstruktion gegrillt wird. Über dem Grill ist ein tellerförmiger Hitzeschild montiert. In der rechten Bildhälfte steht seitlich neben dem Tisch ein Mann mit Schürze, der in der rechten Hand ein Langmesser hält und damit den Fleischspieß berührt. In der linken Bildhälfte steht ein weiterer Mann hinter einem an einer Holzstange hängenden großen Fleischstück. Vor dem Tisch ist ein junger Mann im Profil zu sehen. Auf dem Tisch sind ein großer Topf auf einem Dreibein und außerdem ein Tellerstapel zu erkennen. Ein Zeltdach im Hintergrund und auf dem Boden stehende Körbe lassen auf eine Marktszene schließen. Zwei am rechten Bildrand nur verschwommen zu erkennende Menschen deuten darauf hin, dass die drei um den Tisch gruppierten Personen für das Foto posieren und während der langen Belichtungszeit still gehalten haben. Wegen der teils starken Kontraste und durch eine weit geöffnete Blende erzeugten Unschärfe an den Bildrändern sind nicht alle Details des Fotos klar zu erkennen.

Fotograf James Robertson mini|hochkant=0.5|James Robertson, ca. 1875 Der aus Middlesex bei London stammende Fotograf James Robertson kam erstmals 1841 nach Konstantinopel, wo er zunächst als Graveur arbeitete. Ab 1853 begann er, sowohl bedeutende Bauwerke Konstantinopels als auch das städtische Alltagsleben und Marktszenen zu fotografieren. Robertson eröffnete Mitte der 1850er Jahre ein Fotostudio im europäisch geprägten Stadtteil Pera, das er bis 1867 und teilweise in Kooperation mit dem italienischen Fotografen Felice Beato betrieb. In diesen Jahren bereiste er Griechenland, Ägypten, Indien und Japan und erwarb sich während des Krimkriegs 1855/56 den Ruf als einer der ersten Fotojournalisten bzw. Kriegsfotografen.Helmut Gernsheim, Alison Gernsheim: The History of Photography. From the Camera Obscura to the Beginning of the Modern Era. London 1969. Er organisierte Ausstellungen in Paris und London und konnte so seine Fotografien erfolgreich vermarkten. Seine Fotografien der Straßenhändler und anderer Personen gelten als die frühesten Porträtaufnahmen der Bewohner Konstantinopels.

Historische Einordnung Frühe Personenfotografie Als erste Aufnahme, auf der Menschen zu sehen sind, gilt die Daguerreotypie „Boulevard du Temple“ von Louis Daguerre aus dem Jahr 1839. Aufgrund der mehrere Minuten dauernden Belichtungszeit sind nur der Schuhputzer und sein Kunde schemenhaft auf dem Foto zu erkennen. Auch das Foto Robertsons fällt noch in die Frühphase der „instantaneous photography“, also der Momentaufnahmen beispielsweise von Straßenszenen. Im Gegensatz zur bereits seit Ende der 1840er Jahre populären Porträtfotografie finden sich für die „instantaneous photography“ erst in den 1850er Jahren bekannte Beispiele – etwa von André Adolphe-Eugène Disdéri (Paris 1854), George Washington Wilson (Edinburgh 1859) oder Edward Anthony (New York 1859). Frühe Aufnahmen aus dem deutschsprachigen Raum sind beispielsweise die Berliner Stadtansichten von Leopold Ahrendts.Sigrid Schulze: Leopold Ahrendts (1825-1870) und die Frühzeit der Photographie in Berlin. Galerie Berinson, Berlin 2011, ISBN 978-3-9814270-0-4.

Von regelrechter Schnappschussfotografie kann man in der frühen Phase solcher Momentaufnahmen noch nicht sprechen, da die Personen aufgrund der langen Belichtungszeiten posieren mussten. In den 1850er Jahren betrug die Belichtungszeit bei Außenaufnahmen immer noch mindestens zehn Sekunden. Das lässt sich beispielsweise auf Robertsons Foto „Grab des Sultans Süleyman“ von 1854 (s. o.) ablesen: An der Mauer sitzen zwei Personen. Die linke Person scheint halb durchsichtig. Sie ist offenbar während der Aufnahme aufgestanden und gegangen.

Döner Kebab mini|hochkant=0.5|„Dönne Mangal“, ca. 1910 Erste Hinweise auf den senkrecht aufgestellten und sich drehenden Kebabspieß sind für die Mitte des 19. Jahrhunderts sowohl aus KastamonuCihan Anadologlu: Einmal mit Alles. Der Döner und seine Verwandten. Callwey, München 2020. als auch aus BursaMaren Möhring: Fremdes Essen: Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland. Oldenbourg, München 2012. überliefert. Die Methode der Fleischzubereitung verbreitete sich von dort aus über ganz Anatolien und auch ins benachbarte Konstantinopel. Von Beginn an wurde das zuvor marinierte Döner-Fleisch (damals ausschließlich Lammfleisch) entweder als Tellergericht (auf dem Foto ist ein Tellerstapel zu erkennen) oder in Brot (Pide oder Lavash) eingewickelt serviert. In seinem Reisebericht von 1836 – also bereits knapp 20 Jahre vor Entstehung des Fotos – beschrieb Helmuth von Moltke sein Mittagessen, bei dem das Fleisch „in Brotteig eingewickelt“ serviert wurde.Helmuth von Moltke: Unter dem Halbmond. Online unter: projekt-gutenberg.org, ohne Jahr, abgerufen am 1. September 2026. Die häufig geäußerte Zuschreibung, der Street-Food-Döner sei eine Erfindung aus Berlin,S. beispielsweise Döner Kebab ist eine Berliner Erfindung. Online unter: berlin.de, 16. Juni 2026, abgerufen am 1. September 2026. gilt in der Forschung längst als widerlegt.

Außer Robertsons Foto von 1885 gibt nur wenige frühe fotografische Überlieferungen der Zubereitung von Döner Kebab. Ein zweites überliefertes Foto entstand um 1910, also über ein halbes Jahrhundert später.

Weblinks Fotografien von James Robertson. Online unter: saltresearch.org, abgerufen am 1. September 2026.

Literatur Cihan Anadologlu: Einmal mit Alles. Der Döner und seine Verwandten. Callwey, München 2020, ISBN 3-7667-2450-9. Helmut Gernsheim, Alison Gernsheim: The History of Photography. From the Camera Obscura to the Beginning of the Modern Era. Thames and Hudson, London 1969 (überarbeitete Auflage). Maren Möhring: Fremdes Essen: Die Geschichte der ausländischen Gastronomie in der Bundesrepublik Deutschland. Oldenbourg, München 2012, ISBN 978-3-11-048505-9. Bahattin Öztuncay: James Robertson. Pioneer of Photography in the Ottoman Empire. Eren Yayıncılık Ltd., Istanbul 1992, ISBN 975-7622-08-7.

Einzelnachweise

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