mini|Edmund Kealoha Parker Sr. Edmund Kealoha Parker (* 19. März 1931 in Honolulu, Hawaii, USA; † 15. Dezember 1990 in Honolulu, Hawaii, USA), auch Ed Parker genannt, war ein amerikanischer Kampfkünstler, welcher das American Kenpō Karate erfand.
Leben Parker wurde in Honolulu geboren. Im Alter von zwölf Jahren wurde er von seinem Vater zum Judo-Unterricht angemeldet und erhielt 1949, im Alter von achtzehn Jahren, seinen Shodan (1. Dan) im Judo.
In den 1940er Jahren wurde Parker von Frank Chow in das Kenpō eingeführt; dieser machte Parker anschließend mit William Kwai Sun Chow bekannt, einem Schüler von James Mitose. Parker trainierte bei William Chow, während er bei der Küstenwache diente und die Brigham Young University besuchte.
Im Februar 1956 begann Ed Parker, Kenpō Karate gewerblich zu unterrichten – jeweils dienstags und donnerstags abends in Roy Woodwards Bodybuilding-Studio in Provo, Utah. Roy überließ Ed eine Ecke, in der dieser zwei oder drei Schüler unterrichtete. Dies währte jedoch nicht lange, da Roy das Fitnessstudio an American Health Studios verkaufte und nach Los Angeles zog, wo er die Position des Regionalleiters bei American Health Studios übernahm. Zu der Zeit besaß Ed Parker den Judo-Sandan (3. Dan) und Kenpō brown belt. Ed Parker schloss sein Studium an der Brigham Young University (BYU) in der ersten Junihälfte 1956 ab und zog nach Pasadena, Kalifornien, wo er im September 1956 seine erste Schule eröffnete. Roy Woodward lud Ed Parker ins Hollywood Health Gym ein und machte ihn mit Bert Goodrich bekannt. Im August 1956 unterrichtete Ed Parker im Bert Goodrich Bar Bell Gym. Kurz darauf machten Roy Woodward und Bert Goodrich Ed Parker mit Terry Robinson bekannt und so bekam er Kontakt zum Beverly Wilshire Health Club und begann auch viel Prominente aus der Film und Fernsehbranche zu trainieren. Im Februar 1957 errichtete Ed Parker sein eigenes Studio.
Parker erkannte, dass die moderne Zeit neue Situationen mit sich brachte, die im Kenpō nicht berücksichtigt wurden, und passte die Kampfkunst so an, dass sie auf den Straßen Amerikas leichter anwendbar war. Er nannte seinen angepassten Stil „American Kenpō Karate“.
In dieser Zeit wurde Parker maßgeblich von den auf Hawaii verbreiteten japanischen und okinawanischen Interpretationen beeinflusst. Parkers 1961 veröffentlichtes Buch Kenpo Karate zeigt die zahlreichen harten, linearen Bewegungen – wenngleich in modifizierter Form –, die seine Interpretationen auszeichneten.
Sämtliche bis zu jenem Zeitpunkt aufgenommenen Einflüsse spiegelten sich in Parkers strenger, linearer Methode des sogenannten „Kenpo Karate“ wider. Noch vor der Veröffentlichung seiner Lehren begann er jedoch, sich von chinesischen Kampfkünsten beeinflussen zu lassen, und integrierte diese Erkenntnisse in sein System. In Südkalifornien war er von Kampfkünstlern unterschiedlichster Stilrichtungen umgeben, von denen viele bereit waren, sich mit ihm auszutauschen und ihr Wissen zu teilen. Parker knüpfte Kontakte zu Persönlichkeiten wie Ark Wong, Haumea Lefiti, Jimmy Wing Woo (der viele der auch heute noch praktizierten American-Kenpo-Formen entwickelte), Jimmy H. Woo (Chin Siu Dek) – dem Gründer und Großmeister des San Soo – sowie Lau Bun. Diese Kampfkünstler waren für ihr Können in Stilen wie „Five Family Fist“-Kung-Fu, Splashing-Hands (Jian Shou), San Soo (Human Style), Tai-Chi und Hung Gar bekannt; ihr Einfluss ist sowohl in historischen Unterlagen (etwa in den Formen, die Parker in seinem System unterrichtete) als auch in den heutigen Prinzipien weiterhin erkennbar.
Nachdem er mit neuen chinesischen Trainingskonzepten und der Geschichte dieser Kampfkunst in Berührung gekommen war, verfasste er ein zweites Buch mit dem Titel Secrets of Chinese Karate, das 1963 erschien. Darin sowie in weiteren Werken zog Parker Vergleiche zwischen dem Karate – einer zu jener Zeit in den USA bekannteren Kampfkunst – und den chinesischen Methoden, die er übernommen hatte und unterrichtete.
Parker eröffnete die erste Karateschule im Westen der Vereinigten Staaten im Jahr 1954 in Provo, Utah.
Im Jahr 1956 eröffnete er ein Dojo in Pasadena, Kalifornien. Es ist umstritten, ob der erste von Parker verliehene schwarze Gürtel an Rich Montgomery oder an seinen ersten Schüler mit braunem Gürtel, Charles Beeder, ging. Beeders Sohn hat ausdrücklich erklärt, dass sein Vater den schwarzen Gürtel erst erhielt, nachdem Ed Parker nach Kalifornien gezogen war.
Die weiteren Schwarzgurte in chronologischer Reihenfolge bis 1962 waren James Ibrao, Ben Otaké, Mills Crenshaw – dem Parker Ende 1958 die Eröffnung einer Schule in Salt Lake City, Utah, gestattete (aus der später die International Kenpo Karate Association, kurz IKKA, hervorging) –, Tom Garriga, Rick Flores, Chuck Sullivan, Al und Jim Tracy, Mark Georgantas, John McSweeney sowie Dave Hebler.
Im Jahr 1962 eröffnete John McSweeney eine Schule in Irland; dies veranlasste Parker dazu, die Führung der Kenpo Karate Association of America an die Tracy-Brüder zu übergeben und eine neue Organisation zu gründen: die International Kenpo Karate Association (IKKA).
Parker war für seine unternehmerische Kreativität bekannt und half vielen Kampfsportlern dabei, ihre eigenen Dojos zu eröffnen.
Er war in Hollywood bekannt, wo er mehrere Stuntmen und Prominente trainierte – allen voran Elvis Presley. Da sich Elvis Presley aber etwas zu viel Freiheiten nahm, anstatt sich auf das Training zu konzentrieren, schickte Ed Parker diesen zu Henry (Hank) Slomanski nach Fort Campbell. Hank verlieh Elvis Presley am 21. Juli 1960 dessen ersten schwarzen Gürtel (Sho Dan, 1. Dan) im Chitō-ryū und am 17. Oktober 1963 erhielt er von diesem den Ni-Dan (2.Dan). Elvis war so sehr von Kenpo und seinem Lehrer Ed Parker Sr. begeistert, dass er das Logo seiner Kampfkunst auf der Seite seiner Gitarre anbrachte.
Er hinterließ einige weltbekannte Großmeister: Bob White, Richard „Huk“ Planas, Larry Tatum, Ron Chapel und Frank Trejo, der vor seinem Tod eine Schule in Kalifornien betrieb. Er verhalf Bruce Lee zu landesweiter Bekanntheit, indem er ihn bei seinen „International Karate Championships“ vorstellte. Während der letzten Lebensjahre von Elvis Presley fungierte er als einer dessen Bodyguards. Kenpo-Praktizierenden ist er vor allem als Begründer des American Kenpo bekannt; liebevoll wird er als „Vater des American Kenpo“ bezeichnet. Offiziell trägt er den Titel „Senior Grand Master of American Kenpo“.
Parker hatte eine bescheidene Karriere als Hollywood-Schauspieler und Stuntman. Sein bekanntester Film war Kill the Golden Goose.
In diesem Film spielte er an der Seite von Hapkido-Meister Bong Soo Han. Außerdem verkörperte er sich selbst (als Söldner) in dem Actionfilm Sieben von 1979 an der Seite von William Smith. Zu seinen weiteren schauspielerischen Leistungen zählt die (nicht im Abspann erwähnte) Rolle des Mr. Chong in Blake Edwards’ Revenge of the Pink Panther und wieder in Curse of the Pink Panther. Er war einer der Ausbilder des Kampfsport-Actionfilmstars Jeff Speakman, und Parker wirkte an der Kampfchoreografie von Jeff Speakmans Film The Perfect Weapon mit, der 1991, kurz nach Parkers Tod, veröffentlicht wurde. Parker wurde 1976 als „Man of the Year“ in die Black Belt Hall of Fame auf Hawaii aufgenommen.
Parker war gemeinsam mit Elvis Presley in der Eröffnungssequenz des TV-Specials Elvis in Concert aus dem Jahr 1977 zu sehen. Er verfasste das Buch Inside Elvis über seine Zeit mit Elvis auf Tournee.
Parker hinterließ vor seinem Tod noch folgende Zitate:„A true Martial Artist is not one who fear change, but one who makes it to happen. To live is to change, and to obtain perfection is to have changed often“ – „Ein wahrer Kampfkünstler ist nicht jemand, der Veränderungen fürchtet, sondern jemand, der sie herbeiführt. Leben heißt sich verändern, und Perfektion zu erlangen bedeutet, sich oft verändert zu haben“.
„I want you to always remember that Kenpo will always be the art of perpetual change… If you remember this then the art will never become obsolete.” … „The ignorant refuse to study and the intelligent never stop.” – „Ich möchte, dass ihr euch immer daran erinnert, dass Kenpo die Kunst des ständigen Wandels sein wird… Wenn ihr das beherzigt, wird diese Kunst niemals überholt sein.“ … „Die Unwissenden weigern sich zu lernen, und die Intelligenten hören niemals auf.“
Tod Am 15. Dezember 1990 erlitt der 59-jährige Parker nach seiner Ankunft am Honolulu International Airport einen Herzinfarkt. Er starb auf dem Weg zum Kaiser Hospital. Ed Parker Sr. hinterließ seine Ehefrau Marguerite Leilani Bertelmann und fünf gemeinsame Kinder, darunter Ed Parker Jr.
Parker Sr. wurde noch 1990 in die Black Belt Hall of Fame aufgenommen.
Literatur
1960, Kenpo Karate: Law of the Fist and the Empty Hand. Delsby Publications 1963, Secrets of Chinese Karate. Prentice-Hall 1975, Ed Parker’s Guide to the Nunchaku 1975, Ed Parker’s Kenpo Karate Accumulative Journal. International Kenpo Karate Association. 1978, Inside Elvis. Rampart House 1982, Ed Parker’s Infinite Insights into Kenpo, Vol. 1: Mental Stimulation. Delsby Publications 1983, Ed Parker’s Infinite Insights into Kenpo, Vol. 2: Physical Analyzation I. Delsby Publications 1985, Ed Parker’s Infinite Insights into Kenpo, Vol. 3: Physical Analyzation II. Delsby Publications 1986, Ed Parker’s Infinite Insights Into Kenpo, Vol. 4: Mental and Physical Constituents. Delsby Publications 1987, Ed Parker’s Infinite Insights Into Kenpo: Vol. 5: Mental and Physical Applications. Delsby Publications 1988, The Woman’s Guide to Self Defense 1988, The Zen of Kenpo. Delsby Publications 1992, Ed Parker’s Encyclopedia of Kenpo. Delsby Publications Parker, L. (1997). Memories of Ed Parker: Sr. Grandmaster of American Kenpo Karate. Delsby Publications. B
Filme JahrTitelRolleHinweis1964The Secret Doornicht im Abspann erwähnt1966Dimension 5Orientaler1966I Spy, Court of the LionUdo1968The Money JungleCassidy1968RollkommandoGuardnicht im Abspann erwähnt1978Inspektor Clouseau – Der irre Flic mit dem heißen BlickMr. Chong1978SeaboJimbo1978Kill the Golden GooseMauna Loa1979SevenParker selbst1983Der Fluch des rosaroten PanthersMr. Chong
Fernsehen JahrTitelRolleHinweis1963The Lucy Show episode Lucy And Viv Learn KarateParker selbstnamentlich im Abspann als Judo-Schüler Nr. 1 genannt.
Einzelnachweise
Kategorie:Gestorben 1990 Kategorie:Geboren 1931 Kategorie:Filmschauspieler Kategorie:Karateka Kategorie:Stuntman Kategorie:Mann