Bobolice (deutsch Bublitz) ist eine Kleinstadt in der Stadt- und Landgemeinde Bobolice im Powiat Koszaliński der Woiwodschaft Westpommern in Polen.

Geographie mini|links|Landkarte mit Bublitz, 1932 mini|links|Bublitz auf der Lubinschen Karte von 1618 mini|links|Deutsches Wappen von Bublitz mini|links|Bublitz um 1900 Die Stadt liegt in Hinterpommern, am Ufer des Flusses Gozel im Hinterland des Pommerschen Höhenrückens an der Ostsee. Die benachbarten größeren Städte Koszalin (Köslin) im Nordwesten und Szczecinek (Neustettin) im Süden sind 40 bzw. 28 km entfernt.

Geschichte Im Mittelalter In einer Urkunde von 1339 wird das umliegende Land, das sich zu dieser Zeit im Herrschaftsbereich der Herzöge von Pommern-Wolgast befand, als „Terra Bubulzik“ erwähnt. Der Ort selbst wurde früher Bubulz genannt.Heinrich Berghaus (Hrsg.): Landbuch des Herzogtums Pommern und des Fürstentums Rügen. III. Teil, Band 1. Anklam 1867. S. 31–38; .Ludwig Wilhelm Brüggemann: Ausführliche Beschreibung des gegenwärtigen Zustandes des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. II. Teil, 2. Band, Stettin 1784. S. 525–531; . Damals erwarb der Bischof von Cammin Friedrich von Eickstedt von den ansässigen Adelsgeschlechtern Wedell, Spening und Sanitz dreiviertel des Landes Bublitz. Der restliche vierte Teil blieb im Besitz der Familie Kameke.Christian Friedrich Wutstrack (Hrsg.): Nachtrag zu der Kurzen historisch-geographisch-statistischen Beschreibung des Königlich-Preußischen Herzogtums Vor- und Hinterpommern. Stettin 1795, S. 212; . 1340 verlieh er dem Flecken Bublitz das lübische Stadtrecht.Heinrich Gottfried Philipp Gengler: Regesten und Urkunden zur Verfassungs- und Rechtsgeschichte der deutschen Städte im Mittelalter, Erlangen 1863. S. 429. (Online). Bis in das 16. Jahrhundert hinein war das Bublitzer Land Gegenstand von Zwistigkeiten zwischen den Landesfürsten und den Bischöfen, in deren Folge die Stadt mehrfach verpfändet, abgetreten oder verkauft (um 1512 etwa an Jakob von Kleist) wurde. Dadurch wurde die Stadt immer wieder in ihrer Entwicklung gehemmt. Bevor nach dem Westfälischen Frieden von 1648 mit der Übernahme durch Brandenburg die Verhältnisse in geordnetere Bahnen gelenkt wurden, hatte Pommernherzog Kasimir IX. 1577 die Stadt völlig verarmt erworben. In den Jahren 1605, 1631 und 1639 richteten Brände große Schäden an.

Bublitz in Preußen Im Jahre 1800 vernichtete erneut ein großer Brand die Stadt, in deren Folge am Marktplatz ein neues Rathaus errichtet wurde. In der Zeit der Koalitionskriege wurde auf Befehl eines französischen Feldmarschalls der „Alte Friedhof“ außerhalb der Stadt angelegt. Während der Befreiungskriege war 1813 eine deutsch-russische Legion einquartiert, für deren Versorgung die Stadt aufkommen musste. 1818, die Stadt gehörte jetzt zur preußischen Provinz Pommern, wurde eine dreiklassige Schule eröffnet, die nach der Errichtung eines Neubaus 1838 um eine vierte Klasse erweitert wurde. Nach der Gründung des Deutschen Reiches wurde die Stadt 1872 Kreisstadt des Kreises Bublitz. Es setzte eine rege Bautätigkeit ein, so wurden 1881 ein neues Schulgebäude, 1886 die Johanniskirche und 1908 das Rathaus neu errichtet sowie der Marktplatz umgestaltet. Ein Jahr später wurde das neue Postamt eröffnet.

1932 wurde der Kreis Bublitz aufgelöst und das Landratsamt in Bublitz geschlossen. Die Stadt kam zum Kreis Köslin.

Um das Jahr 1930 hatte die Gemarkung der Stadt Bublitz eine Flächengröße von 35,3 km², und im Stadtgebiet standen zusammen 549 Wohnhäuser an drei verschiedenen Wohnstätten: Ackerhof Bublitz Friedenshof

Zum 1. April 1939 wurde das östlich von Bublitz liegende Dorf Friedrichsfelde, das bislang eine eigene Landgemeinde bildete, nach Bublitz eingemeindet.Systematisches Verzeichnis der Namens- und Bestandsänderung von Gemeinden. Auszugsweise abgedruckt in: Fritz R. Barran: Städte-Atlas Pommern. 2. Auflage. Rautenberg, Würzburg 2005, ISBN 3-8003-3097-0, S. 192.

1940 wurde auf dem Gelände der in den Novemberpogromen 1938 zerstörten Synagoge ein Kino errichtet.

Gegen Ende des Zweiten Weltkriegs marschierte am 27. Februar 1945 nach schwerem Beschuss am Vortage die Rote Armee in Bublitz ein. Nach Beendigung der Kampfhandlungen wurde die Stadt seitens der sowjetischen Besatzungsmacht der Volksrepublik Polen zur Verwaltung überlassen. Die polnische Ortsbezeichnung Bobolice wurde eingeführt. Es begann nun die Zuwanderung von Polen. Die einheimische Bevölkerung wurde von der polnischen Administration aus Bublitz vertrieben.

Im Oktober 2022 wurde das Denkmal für die im Zweiten Weltkrieg gefallener Soldaten der Roten Armee abgerissen. „Die Sowjets haben 1945 nicht die Freiheit gebracht, sondern eine neue Versklavung“ erklärte Karol Nawrocki, Leiter des polnischen Instituts für Nationales Gedenken (IPN) dazu.

mini|St.-Johannis-Kirche in Bublitz (Aufnahme 2014) mini|Innenraum der Kirche von Bublitz mini|Orthodoxe Allerheiligenkirche in Bobolice mini|Gedenkstein auf dem Friedhof von Bublitz mini|Friedhof von Bublitz

Demographie + Bevölkerungsentwicklung bis 1945 Jahr Einwohner Anmerkungen 1740 856 Gustav Kratz: Die Städte der Provinz Pommern – Abriss ihrer Geschichte, zumeist nach Urkunden. Berlin 1865, S. 47; . 1782 1091 davon 22 Juden 1791 1140 davon 19 JudenChristian Friedrich Wutstrack, Hrsg.: Kurze historisch-geographisch-statistische Beschreibung von dem königlich-preußischen Herzogtum Vor- und Hinterpommern. Stettin 1793, Übersichtstabelle auf S. 736. 1794 1168 davon 19 Juden 1812 1474 davon 51 Juden, keine Katholiken 1831 2095 davon fünf Katholiken und 139 Juden 1852 3840 davon sieben Katholiken und 170 Juden 1861 3743 davon vier Katholiken und 189 Juden 1875 4362 1880 4734 1890 4731 davon 21 Katholiken und 126 Juden 1900 4919 meist Evangelische 1910 5175 Bublitz, Pommern. In: Meyers Gazetteer (mit Eintrag aus Meyers Orts- und Verkehrslexikon, Ausgabe 1912, sowie historischer Landkarte der Umgebung von Bublitz) 1925 5432 davon 58 Katholiken und 67 Juden, in 1335 HaushaltenDie Stadt Bublitz im ehemaligen Kreis Köslin in Pommern (Gunthard Stübs und Pommersche Forschungsgemeinschaft, 2011). 1933 6094 1939 6190 + Anzahl Einwohner seit Ende des Zweiten Weltkriegs Jahr Einwohner Anmerkungen 2009 4364 Główny Urząd Statystyczny: .

Kirche Die einheimischen Bewohner von Bublitz waren in der Zeit von der Reformation bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs vorwiegend evangelisch. Die nach Kriegsende zugewanderte polnische Bevölkerung ist dagegen überwiegend katholisch. Die St.-Johannis-Kirche von Bublitz wird erstmals im Jahr 1340 im Zusammenhang mit der Verleihung des lübischen Stadtrechts an Bublitz erwähnt. In den Jahren 1377–1383 waren dort die Pfarrer Gerhard Detbern und Jakob Herman tätig. Im Rahmen der Reformation in Pommern wurde die Kirche evangelisch. Während des großen Brandes der Stadt von 1605 brannte die Holzkonstruktion der Kirche vollständig ab. Sie wurde 1631 bis 1673 in Stein wieder aufgebaut. 1858 drohte die Kirche einzustürzen. Sie wurde daraufhin abgetragen und 1883 im neugotischen Stil wieder aufgebaut, wie sie heute noch am Ort steht."An der Kirche in Bublitz angebrachte Tafel beschreibt die Geschichte der Kirche" Im Jahre 1946 wurde sie in eine römisch-katholische Kirche umgewidmet und trägt jetzt den Namen: „Kirche der Himmelfahrt der Jungfrau Maria“.Ryszard Baran: Kościół w Bobolicach . parafia.bobolice.pl, 16. Februar 2008 (polnisch). Die Orthodoxe Allerheiligenkirche in Bobolice wurde 1902 im neugotischen Stil für die Gemeinde der Altlutheraner errichtet. Auf dem Friedhof ist der große Bereich deutscher Gräber, abgegrenzt von dem polnischer Gräber, noch erhalten. Es sind jedoch nur noch wenige Grabsteine und Grabkreuze vorhanden. Ein Gedenkstein ist „den toten Bublitzern“ gewidmet.

Städtepartnerschaften Demmin (Deutschland, Mecklenburg-Vorpommern) Jašiūnai (Litauen)

Persönlichkeiten

Bürgermeister bis 1866 Reinerns Massow, 1397 Hinricus Dupel, 1397 Jacob Mechelin, 1604 David Pothorst, 1618 Carsten Kakeldey, 1618 Elias Kakeldey, 1631–1647 Friedrich Holtz, 1655–1666 David Radecke, 1721–1732 Johann Gottlieb Schmidt, (nach 1730) Moretz, 1742 Christian Gottlieb Schmidt, 1753–1767 J. C. Wildegans, 1757 Carl Gottlieb Leopold, 1775–1795 G. E. Schieden, 1816–1835 A. Pachur, Dr., 1835–1837 Fr. W. Schmidt, 1837–1841 C. Fr. Wesenberg, 1841–1866 Th. R. Bartholdy, 1866

Söhne und Töchter der Stadt Georg Friedrich von Dittmer (1727–1811), deutscher Kaufmann und Bankier Johann Heinrich Otto von Schmidt (1758–1841), deutscher Artillerieoffizier, verabschiedet als preußischer Generalleutnant Otto August Heinrich Dahlke (1767–nach 1806), deutscher Jurist und Oberbürgermeister von Kolberg Arthur Janke (1843–1928), deutscher Generalmajor Max Seliger (1865–1920), deutscher Maler und Kunstgewerbler Hanns Alexander (1881–1955), deutscher Mediziner und Tuberkulose-Forscher Paul Robien (1882–1945), deutscher Ornithologe, Naturschützer und Umweltaktivist, geboren als Paul Ruthke Paul Kleinschmidt (1883–1949), deutscher Maler Johannes Eggert (1898–1937), deutscher kommunistischer Widerstandskämpfer gegen das Naziregime Ré Soupault (1901–1996), deutsch-französische Fotografin, geboren als Meta Erna Niemeyer Kurt Westphal (1904–1978), deutscher Musikwissenschaftler und Musikjournalist Hans-Jürgen Heise (1930–2013), deutscher Schriftsteller, geboren als Hans-Jürgen Scheller Egon Nitz (1934–2011), deutscher Marineoffizier, zuletzt Konteradmiral der Volksmarine Helmut C. Schulitz (* 1936), Architekt und Hochschullehrer Hans Jagenow (* 1938), deutscher Diplomat und Jugendfunktionär, Botschafter der DDR in Äthiopien von 1983 bis 1987 Heinz Neitzel (1938–2025), deutscher Klassischer Philologe Horst Ludwig (* 1942), deutscher Kunsthistoriker

Weitere Persönlichkeiten, die in der Stadt gewirkt haben Georg Otto von Bonin (1613–1670), Amtshauptmann in Bublitz Joachim Holce (1683–1742), deutscher evangelischer Geistlicher, Pfarrer in Bublitz von 1725 bis 1742 Michael Friedrich Unruh (1714–1765), deutscher evangelischer Geistlicher, Pfarrer in Bublitz von 1760 bis 1765 Carl Ludwig von Winterfeld (1726–1784), Amtshauptmann in Bublitz Theodor Gustav Harder (1762–1811), deutscher evangelischer Geistlicher, Pfarrer in Bublitz von 1790 bis 1811 Heinrich Ernst Boeters (1893–1945), deutscher evangelischer Geistlicher, Superintendent in Bublitz von 1931 bis 1936

Gmina Bobolice Die Stadt- und Landgemeinde Bobolice gehört zum Powiat Koszaliński (Kreis Köslin) mit dem Kraftfahrzeugkennzeichen ZKO.

Nachbargemeinden sind: Manowo (Manow), Polanów (Pollnow) und Świeszyno (Schwessin) im Landkreis Koszalin Tychowo (Groß Tychow) im Landkreis Białogard (Belgard) Biały Bór (Baldenburg), Grzmiąca (Gramenz) und Szczecinek (Neustettin) im Landkreis Szczecinek (Neustettin).

Seit dem 1. Januar 1999 gehört die Gmina Bobolice zur Woiwodschaft Westpommern und war bis dahin Teil der Woiwodschaft Köslin.

Die Gemeinde ist flächenmäßig (bei 367,74 km²) die siebtgrößte von 114 Gemeinden in der Woiwodschaft Westpommern, einwohnermäßig (10.006 im Jahre 2005) steht sie an 36. Stelle. In der Gemeinde besteht eine Bevölkerungsdichte von 27 Einwohnern pro km². Das Gemeindegebiet macht 22 % der Fläche des Landkreises Koszalin aus.

Amtssitz der Gemeindeverwaltung ist die ul. Ratuszowa 1 in Bobolice. Die Gemeinde hat eine einheitliche Postleitzahl: 76-020.

Ortsteile Die Gmina Bobolice gliedert sich in 20 Ortsteile (Schulzenämter):Sołectwa. Website der Gmina Bobolice. Chlebowo (Ackerhof) Chmielno (Hopfenberg) Chociwle (Friedrichsfelde) Dargiń (Dargen) Dobrociechy (Dubbertech) Drzewiany (Drawehn) Głodowa (Goldbeck) Gozd (Gust) Górawino (Gerfin) Jatynia (Jatzthum) Kłanino (Klannin) Krępa (Crampe) Kurowo (Kurow) Łozice (Neudorf) Nowe Łozice (Neuhütten) Pomorzany (Pomorzany) Porost (Porst) Radwanki (Ernsthof) Świelino (Schwellin) Ubiedrze (Ubedel)