Das Staatstheater Mainz (bis 1989 Stadttheater Mainz) wurde zwischen 1829 und 1833 von Georg Moller errichtet.

Für die Spielzeit 2025/2026 wurde es im September 2026 zum Opernhaus des Jahres gewählt.

Entwicklung Die Entwicklung des Staatstheaters Mainz vom einstigen römischen Bühnentheater, dem größten nördlich der Alpen, über das Städtische Theater bis hin zum wieder sanierten Mollerbau erstreckt sich über mehr als 2000 Jahre.

Das Staatstheater Mainz ist ein Mehrspartenhaus. Es vereint Musiktheater, Schauspiel und Tanz unter einem Dach. Neben den drei Hauptsparten zeigt das Staatstheater Mainz Konzerte sowie Stücke für Kinder und Jugendliche. Die drei Spielstätten – Großes Haus, Kleines Haus und die Studiobühne U17 befinden sich im Zentrum der Stadt.

Architektur Errichtung mini|Seitenansicht des Staatstheaters nach dem Umbau 2001 mini|Mollerbau vor dem Umbau von 1910 Der Bau des Staatstheaters Mainz am Gutenbergplatz wurde zwischen 1829 und 1833 durch den Darmstädter Hofbaumeister Georg Moller errichtet. Der Bau war bereits seit Jahrzehnten vom Bürgertum der Stadt Mainz gefordert worden, kostete rund 280.000 Gulden (der Haushalt der Stadt belief sich damals auf 300.000 Gulden) und löste den ehemaligen kurfürstlichen Marstall auf der Großen Bleiche als Theaterraum ab. Im Zuge der Eröffnung des Baus wurde die Großherzogliche Nationalbühne Mainz in Stadttheater Mainz umbenannt.

Der Theaterbau stellte erstmals, in Anlehnung an das Kolosseum in Rom, das Halbrund des Zuschauerraums nach außen hin dar. Dies war eine deutliche Abkehr von der bisherigen Praxis, Theaterbauten eckig und symmetrisch im Stil antiker Tempel zu errichten. Die neue Formgebung wirkte sich positiv auf die Sichtverhältnisse aus. Allerdings verfügte das Theater über kein größeres Foyer, in welchem die Zuschauer die Vorstellungspausen hätten verbringen können. Ein solches wurde 1910 dem Moller-Bau vorgebaut, wodurch die charakteristische Rundung der Frontfassade allerdings verloren ging. Das Theater wurde durch die Luftangriffe auf Mainz teilweise zerstört und unbespielbar. Die französische Administration der Stadt sorgte für eine Verbesserung der Situation. Der französische Hohe Kommissar in Deutschland, André François-Poncet, regte 1949 den Wiederaufbau des Theaters an und unterstützte auch die Umsetzung dieses Kulturziels. Der Mainzer Oberbaurat Richard Jörg leitete 1949 bis 1951 den Wiederaufbau des zerstörten Stadttheaters. Die feierliche Wiedereröffnung fand am 24. November 1951 statt und wurde durch Serge Lifar mit dem Ballett der Pariser Oper in Anwesenheit von François-Poncet gestaltet.

Erweiterung und Umbau 1989–2001 1989 wurde zwischen dem Land Rheinland-Pfalz und der Stadt Mainz der Vertrag zur Gründung der Staatstheater Mainz GmbH geschlossen, das Stadttheater Mainz wurde demzufolge in Staatstheater Mainz umbenannt. 1997 eröffnete das Mainzer Theater eine zweite Spielstätte, das Kleine Haus, welches über ca. 400 Sitzplätze verfügt. Dieses befindet sich als vermeintlich eigener Baukörper direkt hinter dem Großen Haus, ist neben zwei gläsernen Brücken aber auch unterirdisch mit dem Großen Haus verbunden. Nach der Eröffnung des Kleinen Hauses wurde das Große Haus in den Jahren 1998 bis 2001 einer vollständigen Renovierung unterzogen. Das alte Gebäude wurde komplett entkernt, sodass nur die Außenmauern und die unter Denkmalschutz stehenden Fassaden erhalten blieben. Während der Bauarbeiten war das große Haus in der Phönixhalle untergebracht, einer ehemaligen Fabrikhalle, die heute als Konzert- und Musicalhalle dient. Bei der Wiedereröffnung des rund 1000 Zuschauer fassenden Großen Hauses im Jahr 2001 zählte das Staatstheater Mainz zu den modernsten Theaterbauten überhaupt. Außerdem wurde auf dem Dach des Großen Hauses eine Glaskuppel errichtet, die bis 2009 ein Restaurant beherbergte. Seit der Spielzeit 2012/2013 befindet sich dort die Studiobühne Glashaus (ehemals Deck 3) mit 90 bzw. 190 Plätzen.

mini|Skulptur „Der Flug“ (1988) von Rainer Fetting auf dem Kleinen Haus

Intendanten (Auswahl) 1892–1894: Georg Brandes 1905–1906: Max Behrend ab 1961: Georg AufenangerWalter Habel (Hrsg.): Wer ist wer? Das deutsche Who’s who. 24. Ausgabe. Schmidt-Römhild, Lübeck 1985, ISBN 3-7950-2005-0, S. 31. 1977–1991: Dietrich Taube 1991–1999: Peter Brenner 1999–2006: Georges Delnon 2006–2014: Matthias Fontheim Seit 2014: Markus Müller

Theaterbetrieb Der Spielplan des Staatstheaters Mainz umfasst die Sparten Oper mit Konzert, Tanz und Schauspiel. Zusätzlich wird ein breites Programm für Kinder und Jugendliche (justmainz) angeboten.

Schauspiel Aufgeführt werden zeitgenössische Stücke und Uraufführungen wie „Stirb, bevor du stirbst“, „Verbrennungen“, „Ramstein Airbase – Game of Drones“, „Kopflohn“, „Water by the spoonful“ oder „Begehren“, moderne Klassiker wie „Ein Volksfeind“, „Die Ratten“, „Die Physiker“ oder „Nathan der Weise“ und klassische Stücke wie „Orestes“ oder „Hamlet“.

Tanz Der Tanz am Staatstheater Mainz ist seit der Spielzeit 2014/15 zeitgenössisch. Es wird mit wechselnden Choreografen aus aller Welt zusammengearbeitet. Die Tanzsparte des Staatstheaters konnte bereits dreimal den Deutschen Theaterpreis – Der Faust für die beste Choreografie gewinnen: im Jahr 2017 für „Fall Seven Times“ von Guy Nader und Maria Campos, 2018 für „Soul Chain“ von Sharon Eyal und 2022 für „Sphynx“ von Rafaële Giovanola.

Seit 2015 ist das alle zwei Jahre stattfindende tanzmainz festival ein fester Bestandteil des Jahresprogramms. Hier werden spannende Compagnien und Choreografien aus aller Welt nach Mainz eingeladen.

Ein besonderer Höhepunkt war 2022 die Ausrichtung des Internationalen Tanzkongresses der Kulturstiftung des Bundes in Mainz.

Honne Dohrmann ist als kuratierender Tanzdirektor für das Programm verantwortlich.

Zuvor waren Martin Schläpfer und Pascal Touzeau Ballettdirektoren. Seit 2009 waren u. a. Werke von Rafael Bonachela, Marc Spradling, Jacopo Godani, Georg Reischl, Didy Veldman, Jiři Kylián und William Forsythe zu sehen. Martin Schläpfers Programm beinhaltete neben eigenen Arbeiten auch Ballette von Hans van Manen, Nils Christe, Christopher Bruce, Paul Lightfoot/Sol León und Twyla Tharp sowie Werke des 20. Jahrhunderts von George Balanchine, Kurt Jooss und Antony Tudor. Zudem kreierten jüngere Künstler wie Regina van Berkel, Philipp Egli, Nick Hobbs, Eric Oberdorff, Gisela Rocha und Stijn Celis für ballettmainz.

Musiktheater Neben Opern, Operetten und Musicals verschiedener Musikstile werden auch Konzerte geboten. Historisch entwickelte sich das Musiktheater in Mainz seit 1760. In diesem Jahr wollte der damalige Mainzer Theaterdirektor, Konrad Ackermann, dem ständigen Wechsel der Bretterbuden und Wanderbühnen ein Ende setzen und errichtete auf dem Ballplatz ein hölzernes Schauspielhaus. Hier fanden die ersten Opernaufführungen in Mainz statt. 1763 beendete der neue Kurfürst Emmerich Josef von Breidenbach auch dieses Provisorium. „Weil das Theater zur Verbesserung der Sitten beitragen könne“, beschloss der Kurfürst den ersten festen Theaterbau und stellte auch gleich sein persönliches Orchester, die Mainzer Hofkapelle, für die Opernaufführungen zur Verfügung.

Lydia Steiers Inszenierung von „Perelà“ wurde für den Theaterpreis DER FAUST 2015 nominiert. Neben dem festen Solistenensemble besteht am Staatstheater Mainz das Junge Ensemble, welches qualifizierten Gesangsstudierenden die Möglichkeit bietet, Bühnenerfahrungen unter professionellen Rahmenbedingungen zu sammeln.

Generalmusikdirektoren seit 1936 1936–1967 Karl Maria Zwißler 1967–1974 Helmut Wessel-Therhorn 1974–1977 Dietfried Bernet 1978–1990 Mladen Bašić 1990–1996 Peter Erckens 1996–2001 Stefan Sanderling 2001–2011 Catherine Rückwardt 2011–2026 Hermann Bäumer seit 2026 Gabriel Venzago

Konzerte Das Konzertprogramm des Staatstheaters Mainz wird vom Philharmonischen Staatsorchester Mainz gestaltet. Seit der Spielzeit 2025/26 ist Gabriel Venzago Chefdirigent und Generalmusikdirektor des Staatstheaters Mainz, davor bekleidete seit 2011/2012 Hermann Bäumer diese Position. Als Geschäftsführer zeichnet Jan-Claudius Hübsch verantwortlich, Orchesterdirektor ist Wolfram Schätz.

Pro Spielzeit präsentiert das Orchester im Großen Haus neun Sinfoniekonzerte an jeweils zwei Abenden. Die Programme verbinden meist moderne mit klassischen Werken, bekanntes mit unbekanntem Repertoire. Sonderkonzerte ergänzen die sinfonischen Konzerte im Großen Haus, neben denen seit vielen Jahren die kammermusikalischen Matineen und andere Kammerkonzertformate stehen. Mit den Konzerten für junge Leute und mehreren Kinderkonzerten richtet sich das Staatsorchester ebenfalls an junge Gäste und ihre Eltern sowie an Schulklassen. Bei den meisten Kinder- und Jugendkonzerten findet vorher im Foyer des jeweiligen Saales eine Klangwerkstatt statt, bei der die Kinder unter Anleitung durch Orchestermusiker Instrumente ausprobieren dürfen.

Stellen für Orchesterpraktika ermöglichen Studierenden der Orchesterstudiengänge frühzeitig Einblicke in die Berufspraxis. Das Programm umfasst neben der werkorientierten Arbeit auch Probespieltraining und die Betreuung durch die entsprechenden Stimmgruppen des Philharmonischen Staatsorchesters. Die qualifizierten Studierenden werden in der Regel für die Dauer einer Spielzeit in das Ensemble aufgenommen.

Junges Theater Das junge Staatstheater justmainz spielt eine zentrale Rolle im Programm des Hauses – alle Sparten produzieren Stücke für Kinder und Jugendliche. Auch für das junge Publikum wird ein Spielplan mit aktuellem gesellschaftlichen Bezug entworfen. Stücke wie „Als mein Vater ein Busch wurde“, „Spinnerling“ (eingeladen zum Schäxpir Festival Linz), „Deportation Cast“, „Anders“ und „Der Kleine und das Biest“ sind Beispiele dafür. Kulturelle Bildung und Partizipation wird im Staatstheater Mainz durch einen Angebote für alle Altersgruppen, durch enge Zusammenarbeit mit Schulen und Kindergärten ebenso wie durch zahlreiche theaterpädagogische Angebote unterstützt. Die Opernsparte des Staatstheaters inszeniert auch zeitgenössisches Kindermusiktheaters, z. B. mit eigenen Kompositionsaufträgen wie für „Hamed und Sherifa“ und „Zweieinander“.

Schwarzes Theater Von 1975 bis 1984 bestand eine eigene Sparte für Schwarzes Theater mit dem Ensemble des Velvets Theater, welches heute ein eigenes Haus in Wiesbaden betreibt.

Sonstige Angebote Fastnachtsposse Als Hommage an die Mainzer Fastnacht wird an den „Hauptfeiertagen der fünften Jahreszeit“ jeweils eine Fastnachtsposse aufgeführt, deren Darsteller von den Mainzer Korporationen gestellt werden. Diese Tradition wurde bereits seit Fastnachtssonntag 1838 vom Mainzer Carneval-Verein begründet.

Kostümverkauf Traditionell werden vor Fastnacht an einem Samstag ab 11:11 Uhr im Foyer des Kleinen Hauses Kostüme, wie beispielsweise Ballettkostüme, Samt-, Neopren- und Chiffonkleider, Kosakenhemden, Trachten und Matrosenanzüge, Leinenmäntel für Cowboy-Outfits, historische Boleros, Zaubermäntel verschiedener Art, Livreen, Capes und Westen, aber auch Kopfbedeckungen und Stoffreste, aus dem Fundus des Theaters verkauft, um die Lagerkapazitäten wieder zu vergrößern.Kostümverkauf des Staatstheaters am 15. Februar um 11.11 Uhr auf sensor-magazin.de vom 12. Februar 2014

Familienstück zur Weihnachtszeit Das Familienstück wird jedes Jahr zur Weihnachtszeit und bis in den Januar hinein aufgeführt und zieht sowohl Kinder als auch Erwachsene ins Staatstheater Mainz.

Führungen und Einführungen Neben Theaterführungen bietet das Staatstheater Mainz auch weitere Rahmenveranstaltungen rund um das Programm an: Viele Inszenierungen werden mit Publikumsgesprächen, öffentlichen Proben und Stückeinführungen beleuchtet.

TV-Sendungen Die Politik-Talkshow „Quergefragt“ des SWR Fernsehens wurde bis 2007 im Staatstheater Mainz aufgezeichnet. Von 2016 bis 2022 erfolgte dort die Aufzeichnung der Sendung „Spätschicht – Die Comedy Bühne“.

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