mini|Die Flagge Ålands Die Åländer () sind die Bewohner von Åland, einer autonomen und entmilitarisierten Landschaft in Finnland in der nördlichen Ostsee. Sie zählen etwa 30.000 Menschen, sprechen Schwedisch und besitzen mit dem åländischen Heimatrecht eine eigene regionale Bürgerschaft, an die Wahlrecht, Grunderwerb und Gewerbeausübung geknüpft sind. Nachdem sich die Bevölkerung zwischen 1917 und 1921 nahezu geschlossen – aber erfolglos – für einen Anschluss an Schweden ausgesprochen hatte, wurde Åland eine weitgehende Selbstverwaltung zugestanden. Als ein Resultat entstand ein eigenes åländisches Selbstverständnis: In Befragungen bezeichnen sich die Bewohner heute in erster Linie als Åländer und nachrangig als Nordeuropäer, Finnländer oder Finnlandschweden.
Heimatrecht
Rechtlich maßgeblich für die Zugehörigkeit zu Åland ist das Heimatrecht (), eine regionale Bürgerschaft neben der finnischen Staatsangehörigkeit. Es steht Kindern unter 18 Jahren zu, die finnische Staatsangehörige und in der Landschaft wohnhaft sind, sofern ein Elternteil es besitzt. Auf Antrag wird es finnischen Staatsangehörigen erteilt, die nach Åland zugezogen sind, dort mindestens fünf Jahre ununterbrochen gewohnt haben und über zufriedenstellende Schwedischkenntnisse verfügen.
Das Heimatrecht begründet Rechte, die den übrigen Einwohnern nicht zustehen. Nur wer es besitzt, darf für das Lagting und die Gemeindevertretungen wählen oder sich zur Wahl stellen. Außerdem ist man von den Beschränkungen des åländischen Grunderwerbsgesetzes ausgenommen. Die Ausübung eines Gewerbes ist für Personen ohne Heimatrecht durch das „Landschaftsgesetz über das Recht zur Ausübung eines Gewerbes“ (Landskapslag om rätt att utöva näring) eingeschränkt. Hinzu kommt die Befreiung von der Wehrpflicht: Nach § 12 des Selbstverwaltungsgesetzes hat der Inhaber des Heimatrechts das Recht, statt des Wehrdienstes im Lotsen- und Leuchtfeuerwesen oder in einer anderen Zivilverwaltung zu dienen; da ein solcher Dienst nie eingerichtet wurde, sind die Betroffenen von jeder Militärdienstpflicht befreit.
Ende 2023 besaßen 26.101 Personen das åländische Heimatrecht; im Laufe des Jahres wurden 198 Anträge behandelt, von denen 195 bewilligt wurden. Die åländische Statistik unterscheidet dementsprechend zwischen der Wohnbevölkerung, den in Åland Geborenen und den Inhabern des Heimatrechts; diese drei Gruppen decken sich nicht.
Bevölkerung Ende 2023 hatte Åland 30.541 Einwohner, darunter 15.419 Frauen und 15.122 Männer. Die Zahl wächst seit langem stetig; 1990 waren es 24.604. Von den Einwohnern des Jahres 2023 waren 18.775 in Åland geboren, das sind 61,5 Prozent gegenüber 74,1 Prozent im Jahr 1990. Von den übrigen sind 5.503 vom finnischen Festland eingewandert, 3.194 aus Schweden und 3.069 aus anderen Ländern.
Der Evangelisch-Lutherischen Kirche, einer der beiden Volkskirchen Finnlands, gehörten Ende 2023 66,7 Prozent der Einwohner an, während 32,0 Prozent keiner Religionsgemeinschaft angehörten. Auch hier ist der Wandel rasch: 1990 waren noch 94,8 Prozent der Bevölkerung evangelisch-lutherisch.
Das Heimatrecht ist an den Wohnsitz gebunden: Wer die Landschaft langer als fünf zusammenhängende Jahre verlassen hat, verliert es. Dennoch lebten Ende 2023 1751 der 26.101 Inhaber des Heimatrechts außerhalb Ålands. Die Abwanderung der Einheimischen hält an: 2023 verließen 734 Personen die Inseln, davon knapp 300 dort Geborene, während von den 917 Zugezogenen rund 200 zurückkehrende Åländer waren.
Sprache
Anders als das übrige Finnland ist die autonome Landschaft Åland nach § 36 des Selbstverwaltungsgesetzes einsprachig; Amtssprache der staatlichen, der Landschafts- und der Gemeindeverwaltung ist allein Schwedisch. Finnische Staatsangehörige haben allerdings das Recht, in eigener Sache vor Gerichten und anderen staatlichen Behörden der Landschaft Finnisch zu gebrauchen. Ende 2023 gaben 26.096 Einwohner – etwas mehr als 85 Prozent – Schwedisch als Muttersprache an, 1399 Finnisch.
Die åländischen Mundarten gehören zum ostschwedischen Dialektgebiet (Östsvenska mål). Aber sie gelten als sprachgeschichtlich innovativ im Vergleich zu den ostschwedischen Dialekten im übrigen Finnland. Man unterscheidet zwei Gruppen: die weitgehend nivellierte Mundart auf der Hauptinsel Fasta Åland und die Mundarten der Schärengemeinden, die ihre traditionellen dialektalen Unterschiede zum Teil bewahrt haben.
Zu generalen Merkmalen des Åländischen zählen die Dehnung ursprünglich kurzer Silben, der lange offene Laut /øː/ in Wörtern wie brööd („Brot“) und mjööl („Mehl“), der Übergang des Lauts /y/ zu /i/ in bii („Dorf“) sowie ein auf zwei Genera vereinfachtet System für das grammatische Geschlecht.
Urgeschichte
Die ersten Menschen erreichten Åland vor etwa 6000 Jahren, als die Landschaft nur aus wenigen kleinen Inseln bestand, vermutlich aus dem östlich gelegenen Schärenmeer vor Åboland; die Entfernung zum finnischen Festland betrug damals rund hundert Kilometer, die größtenteils über offene See zurückzulegen waren. Dazu kamen wahrscheinlich Einbäume zur Anwendung. Der älteste bekannte Siedlungsplatz, Långbergsöda in Saltvik, gehört zur frühen kammkeramischen Kultur (etwa 4000–3300 v. Chr.). Um 3300–2800 v. Chr. kehrte sich die Richtung der Einwanderung um, als Träger der grübchenkeramischen Kultur aus Westen einwanderten.
Die Wikingerzeit ist die fundreichste Epoche der Inseln; über 1300 arabische Münzen zeugen von Ålands Einbindung in die weitreichenden Handelsnetze dieser Zeit. Um das Jahr 1000 bricht die archäologische Fundüberlieferung jedoch vollständig ab.
Im 12. Jahrhundert setzte sich das Christentum durch, im Zuge einer neuen Kolonisation von Schweden aus, die zahlreiche Spuren in den Ortsnamen hinterlassen hat.
Identitätsgeschichte
Anschlussbewegung 1917–1921 mini|Julius Sundblom und Carl Björkman, zwei Wortführer der Anschlussbewegung, bei ihrer Rückkehr nach Mariehamn im Juli 1920 Nachdem die auf Åland stationierten russischen Soldaten nach der Februarrevolution begonnen hatten, die Bevölkerung zu bestehlen und zu drangsalieren, versammelten sich im August 1917 Vertreter der åländischen Gemeinden in Finström. Laut dem Sitzungsprotokoll sprachen sie sich für eine „Wiedervereinigung“ Ålands mit Schweden und eine Loslösung von Finnland aus. Im Dezember 1917 wurde hierzu eine Befragung durchgeführt. Eine daraus hervorgegangene Petition an den schwedischen König und das schwedische Volk wurde von 7135 Männern und Frauen über 21 Jahren unterzeichnet und am 3. Februar 1918 Gustav V. überreicht.
Wortführer der separatistischen Ålandbewegung, die schließlich fast die gesamte åländische Bevölkerung erfasste, waren Julius Sundblom, Carl Björkman und Johannes Eriksson; gegen sie erließ die finnische Regierung Haftbefehle. Der Völkerbund, dem die Ålandfrage auf britische Initiative vorgelegt worden war, entschied am 24. Juni 1921 zugunsten Finnlands, das die Inselgruppe unter der Bedingung behielt, ihre Schwedischsprachigkeit und militärische Neutralität zu garantieren.
Selbstverständnis unter der Selbstverwaltung Bei einer Befragung, die das åländische Statistik- und Untersuchungsamt im Frühjahr 1999 unter 820 zufällig ausgewählten erwachsenen Einwohnern durchführte und an der sich 427 Personen beteiligten (52,1 Prozent), erhielt die nationale Identität „Åländer“ auf einer Skala von 0 bis 4 den Mittelwert 3,4. Es folgten mit deutlichem Abstand „Nordeuropäer“ (2,4), Finnländer (2,1), Finnlandschwede (1,7), Europäer (1,5) sowie Schwede und Finne (je 0,7). Mehr als 68 Prozent der Befragten fühlten sich in sehr großem Maße als Åländer, 7 Prozent überhaupt nicht.
Die åländische Identität verhielt sich umgekehrt proportional zur finnländischen: Je stärker sich jemand als Åländer fühlte, desto schwächer als Finnländer (oder Finnlandschwede). Gebürtige Åländer bewerteten sie deutlich höher als Zugezogene, und es bedurfte mehr als zwanzig Jahren Aufenthalt, ehe sich Zugezogene dem Durchschnitt annäherten. Von fünfzehn zur Bewertung gestellten Faktoren wurde der schwedischen Sprache die größte Bedeutung für die åländische Identität zugemessen (3,4), gefolgt vom Heimatrecht (3,2), der äländischen Natur (3,2) und der Selbstverwaltung (3,1); die kirchliche Aktivität stand mit 1,2 an letzter Stelle.
Die Partei Ålands Zukunft beschreibt die Åländer als eigene kulturelle und sprachliche Volksgruppe, als „åländische Nation“, und will die Selbstverwaltung so weiterentwickeln, dass Åland künftig ein unabhängiger Staat wird.
Weblinks Ålands statistik- och utredningsbyrå – Statistik- und Untersuchungsamt Ålands (schwedisch, englisch)
Einzelnachweise
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